Ein Gerichtsvollzieher für die Schuldenstaaten

“Der Bundesverband der Deutschen Industrie will eine Lösung der Euro-Krise durch den Zugriff auf die nationalen Vermögen erreichen. Die Vermögen sollen gegen einen Erlass der Schulden in einen Super-ESM eingebracht werden. Dieses „Euro-Schatzamt“ soll dann die Staatsvermögen unabhängig von der Politik privatisieren….” (DWN)

9 comments

  1. Spruance

    Nachdem die Bonität der Staaten im Keller sitzt und nun das Geld zum fröhlichen Weiterprassen fehlt, holt man es sich einfach bei denen, die noch welches haben. Was für ein seriöser Vorschlag, und so selbstlos!

  2. Christian Peter

    Aus den Südländern Protektorate zu machen kann keine Lösung der Eurokrise sein. Vor allem, weil sich am Grundübel nichts ändert : Der Euro ist zu hart für die südliche Peripherie um jemals wieder wettbewerbsfähig zu werden.

  3. FDominicus

    Ich sehe nicht warum der Euro “zu hart” sein sollte. Dann muß man eben auch mal damit “fertig” werden, daß die Löhne auch nominal fallen. Auf der anderen Seite hat der Euro derzeit ganz klar einen Vorteil für die Sparer speziell auch in den Südländern. Denn die Geldversorgung können die Staaten nicht mehr völlig autonom festlegen. Es ist zwar nicht günstig, weil die EZB im Druckmodus ist, aber ansonsten würden speziell die Sparer ganz einfach per Inflation enteignet werden.

  4. oeconomicus

    Vernünftig, machen wir es wie die Finnen! Die haben für ihre Kredite auch Pfänder verlangt; nehmen wir uns eine Insel und stellen dort ein Gewerkschaftsheim hin, die Flüge dorthin mit der Olympic Air werden mit den Zinsen gegenverrechnet.

  5. Reinhard

    Die “Eurokrise” setzte seltsamerweise pünktlich ein, als Deutschland aufhören durfte, Reparationen für den Ersten Weltkrieg zu zahlen. Für den Zweiten sind noch keine fällig, weil rein rechtlich der Zweite Weltkrieg bis heute nicht beendet ist. Noch immer gibt es nur einen erweiterten Waffenstillstandsvertrag, der Deutschland erlaubt, so lange autonome Demokratie zu spielen, wie es den Alliierten nicht in die Suppe spuckt. Deutschland wird deshalb auf neue Weise weitergemolken, und wenn es denn gar nicht mehr zahlen will, sind die Alliierten vielleicht doch bereit, die bedingungslose Kapitulation von 1945 zu akzeptieren und einen Friedensvertrag zu unterzeichnen – dann würden eben Reparationen für die nächsten 200 Jahre fällig, unter Androhung von Waffengewalt bei Nichteinhaltung der Zahlungen.
    Lerne: Deutschland hat zu zahlen. Bedingungslos und auf ewig. Der Rest ist Geplänkel.

  6. Rennziege

    @Reinhard:
    Sie schildern eine historisch korrekte, aber heutzutage lockerer zu sehende Lage. Klar: Völkerrechtlich und de iure befindet sich Deutschland seit dem 08./09. Mai 1945 im Zustand eines Waffenstillstands nach bedingungsloser Kapitulation. So gesehen ist der Weltkrieg Nr. 2 für Germanien noch nicht beendet. Weswegen all die zwanghaften Souveränitätsgebärden besonders in Brüssel und Paris belächelt und ausgenützt werden. Man stelle sich vor: Das Vichy-Frankreich, eng und verbrecherisch mit den Nazis kollaborierend, durfte in der Potsdamer Konferenz am Tisch der vier Siegermächte Platz nehmen. Eine Chuzpe oder, wenn man will, Meisterleistung des Exil-Generals Charles de Gaulle …
    … die Julius Raab und Leopold Figl, die (bis heute unerreicht; wie denn auch bei den heutigen Zoo-Lemuren?) g’scheitesten Staatsmänner Österreichs nach WW II, erschnupperten und die kurze Erweichung des Eisernen Vorhangs nach Stalins Tod zur Erlangung des Staatsvertrags anno 1955 nutzten. (Verkürzte Darstellung, aber wen interessieren heute noch Bulganin und andere Epigonen der sowjetischen Massenmörder? — O.K., Lodur, greifen Sie in die Tasten der revolutionären Orgel, aber mit ein paar neuen Akkorden, wenn’s konveniert.)

    Zurück zur BRD, ebenfalls verkürzt: Konrad Adenauer konnte das in Trümmern liegende Deutschland nur durch den Schulterschluss mit den Westalliierten (wobei Frankreich immer noch eine quantité négligeable war) vor dem wachsenden Würgegriff des Ostblocks bewahren. Was er tat. Und was sich als weise erwies.
    Die darauf geopolitisch zwingende Einbindung in die NATO, sosehr sie den Widerwillen der Linken erregte, war (wie Frau Merkel sagen würde) alternativlos, damals aber wirklich.

    Wie Sie, Reinhard, zu glauben, dass die Amis für einen Friedensvertrag (der de facto und unausgesprochen eh, nicht aber de iure besteht) Reparationen über 200 Jahre fordern würden, verkennt meines Erachtens die Realität des 21. Jahrhunderts. Versailles, Trianon und Potsdam sind Geschichte, unwiederholbar. Die Amis wissen auch genau, dass selbst 2.000 Jahre deutscher Reparationen ihre Schuldenlast nicht nennenswert mindern könnten. Auf Tropfen auf heiße Steine können sie verzichten.

    Und wir, Preußen wie Ösis, sollten nicht vergessen: Wenn die heute so gern verteufelten Amis nicht 600.000 ihrer besten jungen Männer auf europäischen Schlachtfeldern geopfert hätten, wären wir allesamt mit Russisch als Muttersprache aufgewachsen.

  7. Reinhard

    Werte Rennziege, es sind nicht die Amerikaner, denen daran gelegen ist, Deutschland auf ewig zu melken. Und es geht auch nicht um den Geldfluss, dieser ist nur Mittel zum Zweck der Niederhaltung. Diese geschichte ist schon über 500 Jahre alt und funktioniert immer wieder mit wechselnden Mitteln – egal ob Religionskriege, Eroberungskriege oder Blitzkriege. Oder eben gespielten Frieden.
    Glauben Sie auch, dass es ein Zufall war, dass ausgerechnet zum Beginn des Eurokrisen-Melkens Frankreich in Afrika seine militärische Vormachtstellung innerhalb Kontinentaleuropas machtvoll demonstrierte? Oder dass Großbritanniens Banken regelmäßig den Krisenkurs festigen? Nein, hier geht es um mehr, hier geht es darum, ein nach der Wiedervereinigung mental erstarktes und wirtschaftlich prosperierendes Deutschland in möglichst enge Schranken zu zwingen.
    Wie gesagt, da stehen über 500 Jahre Geschichte davor…

  8. Rennziege

    @20. August 2013 – 13:17 — Reinhard
    Danke für Ihre Replik. Wenn Sie sagen: “… hier geht es darum, ein nach der Wiedervereinigung mental erstarktes und wirtschaftlich prosperierendes Deutschland in möglichst enge Schranken zu zwingen”, klingt das ziemlich logisch. Aber finden Sie nicht, dass Deutschland sich selbst diese Schranken auferlegt, ohne Not, ohne dazu gezwungen zu sein? Der Bundesadler klopft sich täglich dreimal dröhnend aufs Brustbein und sagt dazu “Mea culpa, mea culpa, mea maxima culpa!” — Und bestiehlt die Deutschen über Generationen hinweg, indem er ein Füllhorn neuer (und 68 Jahre nach Kriegsende für “alternativlos” erklärter) Reparationen in ESM und x andere Euro-Rettungsboote schüttet.
    Na, vielleicht sind das die Reparationen, die Sie meinen. Mir geht ein Licht auf. Und so gesehen hätte ich Ihnen meine Antwort auch ersparen können. 🙂 Herzliche Grüße!

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