Ein Gespräch mit Jörg Haider in Kanada

( Peter Sichrovsky ) Im Februar 2000 bat mich Jörg Haider, ihn auf einer Reise nach Kanada zu begleiten. Wir waren zu dritt, Jörg Haider, sein Assistent und ich. Die Gesprächstermine in Toronto waren eher nebensächlich, Haider hatte andere Gründe für diese Reise. Es ging um die internationale Isolation der Partei, die ein normales Arbeiten in einer Koalitionsregierung unmöglich machen würde und wie man sie beenden könnte. Da er (wie er meinte) in Österreich nicht einmal in Ruhe reden könne, schlug er diese ‚Flucht’ nach Kanada vor.

Wir versuchten zu Beginn die Entwicklung der derzeitigen Situation historisch aufzuarbeiten, sprachen von seinen diversen Aussagen über Zeit des Nationalsozialismus und die antisemitischen Ausfälle anderer Vertreter der Partei. Ich versuchte ihm zu erklären, dass es nicht einfache Fehler seien, wie er über die Nazizeit gesprochen hatte, die man mit einer Entschuldigung korrigieren könne. Wer hier keine klare, eindeutige Position einnehme, würde zumindest auf der internationalen Bühne als Politiker keine Chance haben.

Du kannst leicht reden, sagte er.

Wie meinst du das, fragte ich ihn. (weiter hier)

36 comments

  1. Fragolin

    Interessant. Abgesehen davon, dass ein wörtliches Gedächtnisprotokoll eines Gespräches nach 17 Jahren eine mentale Meisterleistung darstellt, finde ich die Schlussfolgerungen interessant. Die Denkweise Haiders, dem angeblich ein kleiner von den Eltern dort eingepflanzter Nazi im Ohr saß und ihn fernsteuerte, bestimmt also sogar noch lange nach seinem Tod die Denkweise der Partei, von der er sich zu Lebzeiten sogar schon abgespalten hatte? Man kann heute mit Kickl oder Hofer nicht reden, weil Haider sich nicht bei den Juden entschuldigt hat?
    Bei allem Verständnis für die momentane Neo-Dämonisierung der Blauen, um den Acker für das kommende alternativlose Schwarz-Rot zu pflügen, ist die Grenzwertigkeit dieser Debatte kaum zu überbieten.
    Messen wir jetzt also auch die Kurz-ÖVP nicht an Kurz sondern an Busek oder was? Ich wähle die Politiker von heute und nicht die Politiker von gestern, und wenn man heute keinen Dreck zum Anpatzen findet, sollte man es sich ersparen, wieder die Leichen aus dem Keller zu graben.

  2. waldsee

    text:”Deine Eltern waren Opfer des Nationalsozialismus, meine Eltern begeisterte Nazis”
    EinigeJahre später stimmt das nicht mehr. Meine Eltern sind nicht mehr am Leben und ob sie Nazi waren kann ich nicht sagen,ich verbiete es ihnen aber ,sie als solche zu bezeichnen.
    Ärgerlich im Jahre 2017 ist ,daß immer noch der Begriff Nazi und Antisemitismus im tägl.Gebrauch ist und ausschließlich in verletzender ,oder in gewinnbringender Absicht benützt wird.Warum spricht man nicht AUCH über die Zeit von 1917 in Russland und die Jahrzehnte danach?
    Namen wie Jagoda,Kaganowitsch,Jaroslawski,Sinowjew,Bela Kun in Ungarn,Trotzki als
    militär.Organisator des bolschewist. Mordens uvvva.aus einer bestimmten späteren Opfer-Gruppe werden was das Morden angeht nicht ausreichend berücksichtigt.Ihr Morden betraf 10-20 Millionen.
    Ich persönlich und alle >85 jährigen haben mit dem Töten vor 1945 nichts zu tun,daher empfinde ich das Vorteil ziehen und das Erwähnen allein als eine Unverschämtheit.Die wenigen oben genannten Herren stehen dem Rasen der nationalen Sozialisten in keinem Punkt nach,zahlenmäßig haben sie sogar einen deutlichen Vorsprung,die Qualität dürfte aus Opfersicht gleich sein.

  3. Christian Peter

    Die meisten Nationalsozialisten fanden nach dem Krieg keineswegs beim Verband der Unabhängigen, der Vorgängerpartei der FPÖ, Unterschlupf, sondern bei den Sozialdemokraten und Christdemokraten, dort konnten diese jahrzehntelang völlig ungestört ihre zweite politische Karriere antreten.

  4. stiller Mitleser

    1) Daß Äpfel nicht weit vom Stamm fallen, sollte man immer wieder bedenken, nicht boshaft, sondern als schlichten, sich selbst nicht ausnehmenden, Alltagsrealismus. Von Eltern resorbierte Emotionen und Ressentiments zu reflektieren ist sehr schwer. Wenn es gefordert wird, weckt das alle Widerstände, sogar – wie in dem Gespräch deutlich wird – gegen taktische Überlegungen, deren Abweisung alle bisherigen Erfolge und Anstrengungen vernichtet. Haider hat auf seine außergewöhnliche Verführungskraft gesetzt, mit der er viele Menschen immer wieder zur Identifikation mit seinen eigenen Gefühlen und Haltungen, die aber doch teilweise jene der Eltern, der Besiegten, Gedemütigten waren, bewegen konnte. Das reichte für viele Erfolge, aber nicht fürs Reiten der großen Welle. Und es wirkt immer noch.

    2) die Zusammenstellung der Beiträge hier wird immer spannender, nach einer Tropennacht zerschlagen aufgewacht, fällt einem nix amüsant Lobendes ein, leider, das man dem Hausherrn der luftigen Veranda und der p.t. Leserschaft zumuten möchte, man wünscht sich beinahe klickbare Sternchen und verhält sich nickgemäß…

  5. stiller Mitleser

    @Christian Peter
    treffender Einwurf und das wird immer so sein, weil Eliten eben nicht so leicht&schnell ersetzbar sind

  6. Falke

    @Christian Peter
    Völlig richtig, es gab bekanntlich (zumindest in der ersten) Kreisky-Regierung einige Minister mit eindeutiger Nazi-Vergangenheit, die dann ja auch zurücktreten mussten (bzw. von Kreisky aus der Regierung entfernt werden mussten). Kreisky selbst hatte keinerlei Berührungsängste mit (Ex-)Nazis, siehe auch sein Nahverhältnis zu Friedrich Peter.

  7. stiller Mitleser

    @Falke
    Kreisky kannte Österreich vor dem Krieg und war in diesen Dingen unängstlich, unaffizierbar (durch seine eigene Geschichte geschützt), realistisch und machtbewußt. Aber auch er litt unter Ressentiments und Enttäuschungen, sichtbar und verbittert.

  8. Der Realist

    Fällt einem sonst nichts ein, mit irgendeinem Nazi-Geschichterl kann mann medial immer noch punkten, die hauptberuflichen “Vergangenheitsbewältiger” sitzen ja vornehmlich in den Redaktionsstuben

  9. namor

    @fragolin
    Danke!

    War Dr Haider eigentlich behindert? “manchmal ist es so, als ob es mir einfach aus den Mund fällt,..”

    Und paranoid war er auch, wenn er mit einem Assistenten und einem Parteikollegen nach Kanada muss um reden zu dürfen. Gibts keine abgelegene Räuberhöhle im Bärental?

    Wer glaubt diesen Bockmist?

  10. ethelred

    Das Äpfel nicht weit vom Stamm fallen, für diese Binse genügt Pack-minister Gabriel. Wer aber aus der Selbstreflexion weiss, dass er auf dem Pack-Auge blind ist, sollte nicht versuchen, den Aussenminister eines wichtigen Landes darzustellen, bzw. jemand anderes als sich selbst als geeigneter erkennen, in der einzigen Demokratie des nahen Ostens “diplomatisch” tätig zu sein. Darauf haben beide Länder, deren Achse von Bedeutung ist, ein Recht. Wie vieles in der Regierung Merkel ist die schädliche Konstellation dem innenpolitischen Augenblick geschuldet und alles andere als “vom Ende her gedacht” eine beinahe religiöse Eigenschaft die einer beinahe religiösen Kanzlerpredigerin gegen jeden vorhandenen Beweis unterstellt wird.
    Die Aussage des Sichrovsky Artikels aber, dass das Judentum in Deutschland seine unzuverlässigen Freunde gegen ebenso unzuverlässige neue Freunde eintauschen sollte, ist verfrüht. Zumindest solange die C-SED-U unter der Predigerin mehrheitsverdächtig ist. Eine schmerzliche Erkenntnis bleibt ihnen allerdings nicht erspart: Freundschaft und Zuverlässigkeit sind zivilisationärer Ausdruck der Werte einer Kultur. In vielen Staaten sind diese bereits völlig verloren und zu der inhumanen Pragmatik De Gaulles (keine Freunde, nur Interessen) verkommen. Unter diesem “modernen” Aspekt muß eine Werteabwägung getroffen werden.

  11. Falke

    (etwas) O.T.: Gestern in der ARD-Tagesschau, Sprecherin Judith Rakers: “… die polnische konserv…, ähh rechtskonservative PiS…” 🙂

  12. Falke

    @stiller Mitleser
    Und warum ist Zentralrat-Vorsitzender auch gegen die AfD? „Ich habe aber das Gefühl, dass die AfD keine Hemmungen hätte, auch gegen jüdische Menschen zu hetzen” – Aha, wegen des “Gefühls”, sie “hätte” oder “würde”. Das ist ja eindeutig, oder?

  13. stiller Mitleser

    @ Falke
    ja warum? ich hab den link unkommentiert gepostet und überlasse die Beurteilung Ihnen, Sie können sich gewiß vorstellen, daß Menschen, deren Eltern nur irgendwie überlebt haben, mißtrauisch, vorsichtig und zögerlich sind, auch wenn es ein taktischer Fehler sein mag

  14. waldsee

    @stiller Mitleser
    Sie lenken vom Thema ab,es ging primär um Haider und wie er der internat. Hetze entfliehen wollte.Sichrovsky war zuvor als Bindeglied zur IKG eingeplant.Das hat bekanntlich nicht funktioniert . Juden wissen schon ,sich zu verteidigen,einige Namen von Leuten ,die in der Vergangenheit gar nicht zimperlich waren ,habe ich auch genannt.
    Sind sie auch ein Kämpfer gegen die Islamophobie ,so wie die israelit. KultusgemeindeN ?
    Sie können mir sicher sagen ,was diese damit bezwecken wollen .

  15. stiller Mitleser

    @ Waldsee
    Ohne die unkontrollierte Massenimmigration müßten Länder wie A&D, ohne postkoloniale Migrationsprobleme wie UK&F, sich mit Begriffen wie Islamophobie gar nicht beschäftigen, es ist eine Sache der Quantität (die – pseudohegelianischer Kalauer – unweigerlich in Qualität umschlägt).

  16. aneagle

    @ Waldsee
    “Sind sie auch ein Kämpfer gegen die Islamophobie “….

    Es gibt keine Kämpfer gegen Islamophobie, weil es keine Islamophobie gibt. Ein vom Iran erfundenes Wort wird nicht existenter nur weil nicht exakt denkende Massen linker Minderbegabter es laufend im Mund führen und die nützliche Idioten für eine Pressuregroup von Menschen moslemischer Religionszugehörigkeit abgeben, die sich mit diesem Portmanteauwort Vorteile herausschinden wollen.
    https://www.perlentaucher.de/essay/die-erfindung-der-islamophobie.html

    Was es gibt, ist Kritik an einer Religion. Das muss in einem säkularen Deutschland an jeder Religion erlaubt sein. Oder etwa nicht?
    Was es auch gibt, ist Angst vor dem Islam, respektive vor jenen Radikalislamisten und ihren Helfershelfern, die den Islam lebensgefährlich für gläubige und ungläubige Dritte auslegen. Diese Sorge ist leider nur allzu legitim.

    Jede Regierung, die nochmals regieren möchte, ist gut beraten, ihren Bürgern bei allfälligen Wahlen eine robuste, vertrauenserweckende Lösung dieses Sicherheitsrisikos anzubieten und eine glaubwürdige Lösungskompetenz vermitteln zu können. Bisher gibt es nur zaghafte Andeutungen. Wer sich einen Sturm erwartet, wird von dem Lüfterl nicht beeindruckt sein.

  17. Tom Jericho

    Leute, wer tatsächlich glaubt, daß es in der FPÖ mehr Antisemiten gibt als bei den anderen Parteien (ja, auch bei den Grünen! Wer für bedingungslose Einwanderung von antisemitischen Moslems ist, und das ist Lunacek nachgewiesenermaßen, ist de facto ein Antisemit. Punkt.), der kann ja gerne im Herbst eine dieser anderen Parteien wählen.

    Aber nachher bitte nicht raunzen, weil sich nichts zum Besseren ändert in diesem Land.

  18. raindancer

    ich hab Haider nur einmal gewählt und zwar bevor seinem Tod, aber ich könnte schwören, dass er das so nicht gesagt hat

  19. Wanderer

    Vor jeder NR-Wahl muss eben der latente Antisemitismus der FPÖ-Mandatare beschworen und in die Medien gebracht werden. Weil man mit den jüngsten Zeitungsartikeln über Herrn Hübners Aussagen zu wenig erreicht hat, muss wieder einmal der ehemalige blaue Altmeister her, der zum Beichten seiner Nazineigungen extra nach Toronto gereist sein soll…ziemlicher Schwachsinn.

  20. Johannes

    Es war am 22.02.2011 keine drei Jahre nach dem folgenschweren tödlichen Unfall von Jörg Haider, ich möchte eine Sendung schauen sie heißt Massel und Schlamassel, da ich den jüdischen Witz sehr schätze freue ich mich darauf. Die Moderation hat Hans Rauscher, die Erzähler sind hochkarätig, Paul Cheim Eisenberg, Arik Brauer und einige andere Persönlichkeiten.
    Es ist ein Genuß zu hören und zu sehen wie geistreich und voll Weisheit der jüdische Witz vorgetragen wird aber dann passiert etwas das mich verstört, Paul Chaim Eisenberg setzt zu einem Witz,(selbst erfunden?) an der an Geschmacklosigkeit kaum zu übertreffen ist.
    Also sprach Herr Eisenberg “Haider wollte laut seinem Testament in Israel begraben werden, – lautes prustendes Gelächter, ich sehe eine Frau Sch.die kaum auf ihren Sessel sitzen kann vor lachen auch Frau Sp. amüsiert sich köstlich so wie alle anderen im Saal – Herr Eisenberg setzt fort man habe das in Israel nicht erlaubt mit der Begründung das schon einmal einer dort auferstanden sei. Jetzt ist die Menge nicht mehr zu halten lautes brüllendes Lachen und ich bleibe verstört und desillusioniert zurück.

    Ich denke an die letzten Minuten des Verunglückten, an seine Mutter die an diesem Tag Geburtstag hatte an seine Kinder und an seine Frau, wie schrecklich muß die Nachricht gewesen sein wie schwer das Schicksal zu ertragen.

    Lautes lachen reißt mich aus den Gedanken und es stößt mich ab.
    tvthek.orf.at/archive/Kunst-Kultur Massel-und-Schlamassel (ca in Minute 25)

  21. waldsee

    @aneagle
    Religion und von diesen abgeleitete Ideologien ängstigen mich,weil die Gläubigen voll motiviert sind,mehr als Bezahlung es vermag. So primitiv kann die Lehre gar nicht sein, daß sie nicht unzählige Glaubende hinter sich scharrt.
    Jede Lehre stellt sich ÜBER das Individuum und die Gläubigen–alle monotheist.sowieso–
    helfen dabei.

  22. raindancer

    @Johannes 23. JULI 2017 – 22:10
    ich verstehe was sie meinen, Humor ist wie Krieg und Frieden ..er trennt die Menschen oder vereint sie..
    am schlimmsten ist immer die leidende und ernste Miene vom Profil vom Rainer ..wenn irgendwas wieder rächts ist 🙂

  23. raindancer

    und die Krönung der Pelzmanteltantenfregatten in der Anti-Rechts Liga ist die Rohrer ….solche Leute haben ihre Euros verdient für jedesmal wenn sie das Wort Nationalsozialismus aussprechen

  24. raindancer

    als nächstes kommt dann Frau Dittlbacher .Gemahlin von Chefredakteur Dittlbacher beim ORF..die erinnert mich irgendwie an ein Schosshündchen das kläfft
    naja aber solche gibts wohl in der gesamten westlichen Medienlandschaft ..immer schön Mainstream, damit man nicht aneckt und die Agenda erfüllt ..den Kampf gegen rechts um etablierte Parteien im Westen zu erhalten:
    ÖVP SPÖ; CDU CSU SPD, Conservatives Democrats, usw usw

  25. aneagle

    @Falke
    …”Und warum ist Zentralrat-Vorsitzender auch gegen die AfD?”…
    Warum nicht? Jeder kann was gegen die AfD haben. Es muß auch Herrn Schuster erlaubt sein, einen Fehler zu machen. Oder haben auch Sie das Vorurteil ein Zentralratsvorsitzender/ ein Jude muß “doppelplusgut” sein?
    Zum einen ist Herr Schuster sicher ein netter Mensch, zivilisiert und hat nie jemandem etwas Gewalttätiges angetan, sicher nicht mal daran gedacht. Das ist mehr als man von vielen seiner Mitwirbler sagen kann. Aber muß er gleich die hellste Leuchte am Luster sein?

    Zum anderen sprechen Sie von einem Funktionär, möglicherweise sogar ehrenamtlich, sicher aber mit einer gewissen Obrigkeitshörigkeit ausgestattet, die es einer religiösen Institution leichter macht mit einer deutschen Regierung optimiert auszukommen. Sicher ist man in dieser Funktion kein Held, aber dafür wurde er nicht gewählt, sondern als jener Brückenbauer zwischen den deutschen Juden und ihrer Regierung, der sich bei dieser Regierung (nicht bei mir und Ihnen!) bestmöglich Gehör verschaffen kann. In dieser nicht einfachen Rolle, muss ihm wichtiger sein, was die Kanzlerin gerade hören will, als was Sie oder ich gerne hören wollen.
    Sie wünschen sich einen jüdischen Helden, der sagt was Sache ist? Bitte sehr- Achgut. com mit Henryk Modest Broder steht in der gewünschten Rolle zu Ihrer gefälligen Verfügung und nimmt kein Blatt vor dem Mund. Auch Tuvia Tenenboom gehört nicht zu den leicht Beeindruckbaren.
    Aber die müssen auch nicht mit einer deutschen Regierung auskommen, sondern haben das Privileg ihr Herz auf der Zunge tragen zu können (und ein beträchtliches Gehirn als Geschenk G´ttes dazu).

    Menschen die einen Holocaust in ihrer Geschichte herumtragen, können auch aus Vorsicht eine gewisse Distanz zu Gruppierungen wie der AFD haben.
    Zum einen ist die AfD recht neu, es gibt wenig Erfahrungen mit ihr, sie ist zur NDP nicht immer sauber abgegrenzt. Der Zentralrat ist konfrontiert mit Antisemitismen verschiedenster Urheberschaft in gesellschaftlichen Schichten wie die Linke, die Antifa, die SPD, der evangelische Kirchenrat, Islamisten, Asylanten, BDS-Felgeleiteten, you name it, etc., und letztlich mit einem aggressiven Antizionismus, der nicht unterscheiden kann/will zwischen Nationalität und Religion, also zwischen Israelis und Deutschen jüdischer Religionszugehörigkeit. Warum soll die AfD anders sein? Also alles ganz schön kompliziert, oder?
    Man soll auch Herrn Schuster nicht vorschnell beurteilen, ohne einen Tag in seinen Schuhen gegangen zu sein. Zu guter Letzt wird auch er, wie jeder andere, nicht frei von menschlichen Schwächen sein können, die da wären, eine gewisse Eitelkeit und ein verständlicher persönlicher Ehrgeiz um nur einige zu nennen.

  26. aneagle

    @Wanderer- 22:05

    …Vor jeder NR-Wahl muss eben der latente Antisemitismus der FPÖ-Mandatare beschworen und in die Medien gebracht werden. Weil man mit den jüngsten Zeitungsartikeln über Herrn Hübners Aussagen zu wenig erreicht hat,….

    ich glaube nicht, dass in Österreich einem Politiker sein latenter Antisemitismus je geschadet hätte, bis jetzt jedenfalls. Bei Hübner könnte das erstmals anders ausgehen.

    Da pöbelt ein mittlerer Rechtsanwalt an Hans Kelsen herum, einem der größeren Söhne Österreichs.
    http://www.heute.at/politik/news/story/FP–Nationalrat-Huebner–Antisemitische-Codes-56985182

    Über Geschmack kann man streiten und wenn einer meint sich an einem der bedeutendsten Rechtswissenschaftler des 20. Jahrhunderts(Wiki) abarbeiten zu müssen, richtet sich so etwas ohnehin von selbst. Aber Herr Hübner ist manchmal auch anwaltlich um die FPÖ bemüht und muss seine Worte einschätzen können. Alles andere wäre unprofessionell.
    Und damit wird er zur Hypothek für seinen Chef H.C.Strache. Dieser verordnete bereits 2014 in Abstimmung mit Geert Wilders und Marine Le Pen seiner Partei eine strikte pro Israel Linie. Das war vernünftig und sogar in gewisser Weise staatstragend und identitätsstiftend. Die neue Rolle kam gut an und Strache war in der außenpolitisch bewusst geänderten Linie überaus erfolgreich und erstaunlich glaubwürdig. Andere Wählerschichten wurden aufmerksam, begannen ihn zu beachten. Strache weiss, dass Teile in der FPÖ und auch präsumptive Neuwähler von außen jetzt abwarten, was passiert, ob Strache das Format hat seinen europäisch akkordierten Kurs zu halten oder darüber hinwegschusselt, es in FPÖ-Manier zudeckt, dass er seine Partei nicht einmal jetzt im Griff hat, sodass manch einer sich denkt ” Noch habe ich ihn nicht gewählt, meine Stimme ist bei Kurz doch besser aufgehoben”
    Diese Parteilinie muss sich seit 2014 sogar bis zum außenpolitischen Sprecher Hübner durchgesprochen haben Eine Adaption seiner unterschwellig antijüdischen oder als solche interpretierbaren Äußerungen ist keine unbillig geforderte Intelligenzleistung. Es sei denn die Äußerung wurde bewusst, testhalber gemacht, um zu sehen, wer in der FPÖ letztlich das Sagen hat. Sonst bringt man als Rechtsanwalt und verantwortungsbewusster Mandatar wegen eines entbehrlichen, nicht mal witzigen, Sagers seinen Spitzenkandidaten nicht in eine Situation von Nestroyscher Dimension – wer ist stärker ich oder ich?
    Aber vielleicht ist Hübner ja karrieremäßig schon viel weiter. Schließlich gibt es mit Pilz ja ein altgrün angehauchtes Grüppchen, in welchem, laut Pilz-Interview der Presse(ich bin ein Linksrechter), auch FPler andocken. Und Hübner gehört, wenn es stimmt, zu jenen, die ihren Nachwuchs schon seit längerem in der grünen Privatschule zur Matura reifen ließen. Wächst hier zusammen, was lange schon zusammengehört? 😉

  27. Fragolin

    Übrigens komisch, dass man selbst bei vorbildlicher gesellschaftlicher Integrationsbemühungen für Nazikinder permanent sippenhaftend feststellen muss, dass der Apfel eben nicht weit vom Stamm falle und die Sozialisation in einem Nazi-Elternhaus zwangsweise immer zu neuen Nazis führen muss. Komisch deshalb, weil die gleichen Nasen fest daran glauben, in radikalmuslimischen Elternhäusern mit steinzeitkultureller Sozialisation innerhalb einer achtstündigen Werteschulung zu glühenden fortschrittlichen niveauvollen und bereichernden Demokraten werden.
    Was für eine Verpippilagstrumpfisierung der Realität.

  28. aneagle

    @Fragolin
    Gratulation,
    das war das beste, überzeugendste Beispiel für kognitive Dissonanz, das bisher formuliert wurde.
    Der bisher haushoch führende Markus Vahlefeld, der anschaulich schilderte, wie sich Feministinnen 2017 auf ihrem Womens March on Washington gegen Trump von einer zu 30 Jahren Haft verurteilten Mörderin anführen ließen, muss bescheiden zur Seite treten. 🙂

  29. stiller Mitleser

    @ Fragolin
    da das Sprichwort mit den Äpfeln von mir angeführt wurde: ich glaube nicht an die Wirksamkeit eintägiger Werteschulungen, Sozialisation besteht aus direktem Kontakt, Imitation geliebter Vorbilder, gegenseitiger Identifikation über längere Zeiträume. Aber ich verstehe, daß man dieses Sprichwort als kränkend und reduktiv empfinden kann, obwohl es für alle gilt, für die Gefürchteten wie die Fürchtenden. Wenn man sich das in Ruhe überlegt, versteht man sich und andre leichter, allerdings kann es der Polemik Energien entziehen.

  30. Wanderer

    @aneagle 00:31
    Auf das Wahlverhalten wird die Hübner-Geschichte kaum Einfluss haben, da sehr vielen potentiellen Wählern weder Kelsen noch Kohn ein Begriff ist. Wer blau wählt, macht das wohl in erster Linie mit Blick auf die Migrationskrise und orientiert sich nicht am Kelsen-Sager eines einzelnen Parlamentariers. So gesehen dürften Kurz-Affine nach den Anne Frank “Witzen” der AG nicht mehr schwarz wählen. Dass der Satz unsinnig und unklug war, wird auch dem Herrn Hübner mittlerweile klar sein. In seiner Position sollte er eigentlich wissen, dass sowas ein gefundenes Fressen für Standard, DÖW und überzeugte Großkoalitionäre ist.

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