Ein Kolossal-Denkmal für einen Antisemiten

“Die Stadt Trier beabsichtigt sich von China ein großes Karl Marx-Denkmal schenken zu lassen. Vielleicht sollte man aus diesem Anlass, doch noch einma über den Menschen nachdenken, den man da kolossal ehrt. Marx war ein Menschenhasser, der häufig von „Menschenkehricht“ sprach, den es zu beseitigen gelte. Vor allem war er ein aggressiver Antisemit…” (hier)

29 comments

  1. Juergen Jansen

    Dass Marx die intellektuelle Rechtfertigung für den über ein Jahrhundert dauernden Terror der Kommunisten lieferte ist bekannt; dass jene, die Krieg, Chaos, Hungersnöte, Mord und Verfolgung verbreiteten, sich auf seine Ideen berufen konnten, darüber kann man sich außerhalb kommunistischer Länder frei informieren (d.h. nicht in China). Aber was war Marx für ein Mensch?

    Marx, Enkel eines Rabbiners aber protestantisch getauft, beteiligte sich an der antisemitischen Reaktion auf die Judenemanzipation, z.B. mit seinem Machwerk “zur Judenfrage”: “Die gesellschaftliche Emanzipation des Juden ist die Emanzipation der Gesellschaft vom Judentum.”

    Dazu kam bei ihm ein antislawischer Rassismus. So waren die “panslawistischen Südslawen” für ihn “nichts (als) Völkerabfall” und: “in Wien erwürgten Kroaten, Panduren, Tschechen, Sereschaner und ähnliches Lumpengesindel die germanische Freiheit”.

    Und die Proletarier? Über die war er sich im Briefwechsel mit Engels einig: “Sie taugen nur als Kanonenfutter”.

    Marx nutze schon früh Freunde und Verwandte aus, deren Geld ihm wie Wasser durch die Hände floss. Nur drei Monate nachdem Marx‘ Frau Jenny seine Tochter Franziska gebar, hatte Marx ein Kind (Henry) mit seiner Magd. Der Prediger der neuen Menschheit bekannte sich nicht zu seinem Sohn, schob ihn Engels unter und erlaubte Henry nicht einmal, seine Mutter zu sehen.

    Der soll also ein Vorbild sein, den die Trierer mit einem Denkmal ehren.

  2. Falke

    Besonders interessant ist ja die Tatsache, dass Karl Marx selbst aus einer jüdischen Familie stammte, sein Großvater war sogar Rabbiner. Das erinnert mich irgendwie an Kreisky, der auch seine jüdischen Wurzeln durch Juden- und Israel-Beschimpfungen zu verbergen suchte.
    Andererseits darf man da auch nicht so “kleinlich” sein, Juden wurden traditionell ausgegrenzt, und Antisemitismus war früher durchaus “gesellschaftsfähig”. Wenn man alle Antisemiten ignorieren wollte, hätte man viel zu tun: Luther war – entgegen den Ausführungen des Autors – ein militanter Judenhasser, dazu Bach, Richard Wagner, Karl Lueger usw.

  3. waldsee

    Wer gegen Wen war ist oft schwierig zu beantworten,denn dann müßte man auch die Rolle der Mosesanhänger vor und nach der Oktoberrevolution (>>25 Millionen Ermordete) thematisieren.Aber das wird sofort im Antisemitismusgeschrei enden. Also besser nichts mehr darüber reden.Nicht nur die Ösis sind manchmal auf einer bedenklichen Seite gestanden.
    Ich werde mir trotzdem den Film ansehen und Nicht-Marxist bleiben,was hoffenlich kein antisemitischer Akt ist.

  4. Fragolin

    Seine Einstellung gegenüber Juden war eine eher minder bedeutsame Facette seines Wirkens. Die theoretische Grundlage zu blutigen Umstürzen und Massenmorden geliefert zu haben wiegt ungleich schwerer.
    Und dass er menschlich seinen Nächsten gegenüber ein A*loch war wird zwar gern mit seinem genie entschuldigt, baer ich finde es unbedeutetnd, ob ein A*loch ein Genie ist oder nicht, weil es trotzdem ein A*loch bleibt. Und genial finde ich da auch nichts.
    Wenn ich mir anschaue, welcher Gestalt seine Groupies in Deutschland gerade nachhecheln, lege ich auf deren Einschätzung was genial ist und was nicht auch kein besonderes Gewicht.

  5. Hartmut Pilch

    So würden Bunte argumentieren. Bei vernünftigerer Betrachtung müsste man in der Lage sein, jemandem ein Denkmal zu errichten, ohne zu verlangen, dass jedes Detail seines Denkens und Lebens vorbildlich war.

  6. astuga

    Naja, das selbe könnte man über Luther sagen, auch der war Antisemit bzw Judenhasser (was gerne unerwähnt bleibt).
    Anders als einige katholische Humanisten, die ganz im Sinne der Ad fontes-Bewegung bewusst den Austausch mit dem Judentum gesucht haben.

    Übrigens war auch Theodor Herzl wenn nicht Rassist, so zumindest ethnischer Chauvinist.
    Etwa gegenüber Afrikanern.
    Viele Ansichten sind eben dem jeweiligen Zeitgeist geschuldet.
    Die Eugenik und teils auch Zwangssterilisierung etwa wird heute mit dem Nationalsozialismus gleichgesetzt, dabei waren schon lange davor Sozialisten wie Frauenrechtlerinnen ganz begeistert davon.

    Mich stört daran eher, dass man einer immer noch brutalen Parteidiktatur wie China erlaubt, bei uns Monumente ihrer Ideologie zu errichten.
    Umgekehrt wäre das wohl kaum möglich.

  7. astuga

    Wenn schon sonst nichts, so haben Luther, Marx und Engels wenigstens den Islam richtig eingeschätzt.

  8. waldsee

    @astuga
    Aber wer redet unsereins heute diesen Blödsinn ein?
    Wer spricht von Verträglichkeit,gemeinsamen Glück… usw.? Warum ist man dann gleichermaßen Antisemit und Islamophob ( in Khomeinis Sinn) ?

  9. Thomas Holzer

    @Jürgen Jansen 09:51
    „in Wien erwürgten Kroaten, Panduren, Tschechen, Sereschaner und ähnliches Lumpengesindel die germanische Freiheit“.

    Darf man auf Grund dieses Zitates Marx einen “würdigen” Vorgänger eines Herrn Hitler bezeichnen? Scheint er ja doch ganz auf der nationalsozialistischen Linie zu liegen 😉

  10. Thomas Holzer

    @astuga
    Der Sieg der UdSSR im “großen vaterländischen Krieg” und die Unterwürfigkeit des Westens hat dazu beigetragen, daß der nationale Sozialismus verboten wurde, der internationale Sozialismus jedoch noch immer und immer wieder “fröhliche Urstände” feiern darf.
    Es wird noch Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte brauchen, bis auch im hintersten Winkel dieser Welt erkannt wird, daß beide! mörderische, totalitäre, kollektivistische Brüder im Ungeiste sind.

  11. mariuslupus

    Die Linken, bzw. die Kommunisten pflegten ihren Antisemitismus ganz in der Linie ihres Grossen Lehrers und Propheten. Der Antisemitismus, der in der Sowjetunion herrschte durfte nicht erwähnt werden. War und ist durch die Deutungshoheit der Linken verboten. Tatsache ist, Stalin war Antisemit. Nur mehr oder weniger, ein impliziter Antisemit. Hatte nicht explizit Juden umgebracht, weil sie Juden waren sondern, weil sie zu den Schädlingen und Parasiten gehörten. Im Klartext, zu den Gebildeten. Die Schauprozesse in der UdSSR sowie auch in den kommunistischen Staaten kannten, unter anderen, auch den Anklagepunkt Zionismus. Die Urteile, häufig Todesurteile.

  12. Weninger

    @marius
    Trotzdem ein klitzekliener Unterschied, der immer wieder gerne vergessen wird, im NS-System hatten Juden keinen Platz, nirgends, das ennt man Rassenantisemitismus. Im Sowjetsystem wimmelte es in den Kadern vor jüdischen Funktionären, die auch meist die intellektuellen Köpfe der Ideologie bildeten. Diese Juden wiederum “hassten” ihre eigenen Volksgenossen, die sich dem “Kapitalismus” verschrieben hatten. Daher sollten und könne beide Iddeologien nicht in einen Topf geworfen werden. Beides waren Massenbewegungen, trotzdem stand für NS die Rasse an erster Stelle, für den Kommunismus war das Feibdbild der Bourgeois und Landbesitzer, unabhängig von seiner Herkunft im völkischen Sinn.

  13. stiller Mitleser

    @ Thomas Holzer
    warum? weil Sie hier sehr präsent sind, und manchmal braucht man doch Erholung von Redundanz und ein wenig ästhetisches Vergnügen. Wenns technisch ginge, hätt ich Ihnen noch Sherry dazu offeriert.

  14. mariuslupus

    @Weninger
    Tot ist tot. Ob der Jude, wegen seiner Rasse, oder weil er zu den Ausbeutern gehört hat, umgebracht wurde, machte für ihn letztendlich keinen Unterschied. Der Antisemitismus Stalins ist eine Tatsache, Die Anzahl der Juden die Stalin umgebracht hat, wurde in keiner Statistik erfasst . Möglich sind nur Hochrechnungen.
    Der Rote Terror hat Juden primär nicht als Juden umgebracht, trotzdem ist die Anzahl der jüdischen Opfer beachtlich.

  15. stiller Mitleser

    @ Weninger
    “Beides waren Massenbewegungen, trotzdem stand für NS die Rasse an erster Stelle, für den Kommunismus war das Feindbild der Bourgeois und Landbesitzer, unabhängig von seiner Herkunft im völkischen Sinn.”

    theoretisch ja, praktisch genügten für Enteignungen, Vertreibungen und Zwangsumsiedlungen aber auch ethnische und sprachliche Zugehörigkeit, z.B. Böhmen, Slavonien, Dalmatien, Ukraine (jaja, jetzt kommt der Einwand: das war doch nach dem Krieg, verdiente! Kollektivstrafe!) und die Zwangsumsiedlungen des NEP (Tschetschenen, der Urgrund aller Folgekrisen! )

  16. Weninger

    @marius
    Auf Seiten der Roten Armee kämpften über 500.000 Juden, zT in hohen Positionen, auf Seiten der Wehrmacht wie viele? Antisemitismus gab es in Russland übrigens auch schon im Zarenreich reichlich und dazu schlimme Pogrome mit Enteignungen lange vor den Kommunisten, eine gezielte Massenvernichtung wie im Dritten Reich gab es weder in Russland noch der Sowjetunion. Der Vergleich wird nichst mehr, mariuslupus.

    @stiller Mitleser
    Mein Punkt war dass es keinen Rassenantisemitismus gab, auch Anghöriger aller anderen Ethnien waren nicht nur Verfolgte, sondern auch selbst Kommunisten, die ihre eigenen Landsleute schikanierten, egal ob Ukrainer, Litauer oder Kaukasier (Stalin selbst war Georgier!) Im Dritten Reich konnte kein Jude (offiziell) irgendeine Stelle bekleiden, schon gar nicht in der Partei, da liegt der große Unterschied.

  17. stiller Mitleser

    @ Weninger
    “Mein Punkt war dass es keinen Rassenantisemitismus gab”

    Und wie erklären Sie sich dann das “J” in den sowjetischen Pässen?
    (übrigens finde ich die meisten Ihrer sonstigen Interventionen erfrischend – dazu ein Chartreuse, so nach dem Mittagessen…(-_-)

  18. Weninger

    @stiller Mitleser
    Ich bin nicht hier, den Kommunismus und seine Millionen Opfer zu rechtfertigen, aber Rassenantisemitismus war nie zentraler Bestandteil dieser Ideologie und auch nicht von Marx (ganz im Ggs zu NS und Hitler, die vom bösen Judentum besessen waren), was die hohe Anzahl von Juden nicht nur in der KPdSU sondern auch allen anderen kommunistischen Parteien erklärt. Auf jeden Fall der russische Antisemitismus ganz andere Wurzeln als Marx oder den Kommunismus, was allein die Protokolle der Weisen von Zion belegen. Unterm späten Stalin gab es eine antijüdische Welle mit Toesurteilen usw. Später wurde die Auswanderung nach Israel von Russland zunächst sogar unterstützt wie auch der junge damals noch eher linke Staaat Israel. Das verschlechterte sich dann wieder, aber von einer systematischen Verfolgung und Vernichtung der Juden konnte nie die Rede sein. Auch wenn es das J im Pass gab, sind mir dennoch keine russischen Ariernachweise bekannt, dh jeder atheistische, assimilierte Jude war in den Augen der Behörden auch keiner mehr.

  19. stiller Mitleser

    @ Weninger
    systematischen Antisemitismus contra eher akzidentiellen also…
    Es gab eine jüdische Gruppe (Bucharen in Tadschikistan) die weniger unter Verfolgung litt,
    ich weiß nicht, wie gut die Situation der frühen russ. jüd. Exilanten (Kreisky-Zeit) gegenüber den Späteren beforscht worden ist und kenne auch keine literarische Verarbeitung dieser Zeit.

  20. astuga

    Eine systematische Judenverfolgung gab es erst spät in der Sowjetunion und eine dezidierte Vernichtungspolitik schon gar nicht (aus der Sowjetunion ausreisen durften sie aber später – afaik – nur gegen Bezahlung, eigentlich wie bei den Nazis).
    Allerdings nicht etwa weil die Sowjetunion oder der Kommunismus so human und tolerant gewesen wären.
    Wir sollten nicht vergessen, dass Nazideutschland und die Sowjetunion zu Beginn sogar Verbündete waren, und sich auch die Beute teilten.
    Den Kommunisten im Westen und den Sowjets war zu dem Zeitpunkt relativ egal, dass die Nazis und ihre Kollaborateure die polnischen Juden ermordet haben.
    Der eigene Anteil am Aufstieg des Faschismus und die historische Mitschuld am 2. WK. wird ja bis heute bei den Linken verdrängt.

    Genauso wie die Sowjetunion bzw die westliche Linke später zu Gunsten des arabischen Nationalismus-Sozialismus etwa in Ägypten, Syrien und Irak (deren Vorbild die Nazis waren, siehe Baath-Partei) Israel fallen ließen.
    Und bis heute tarnt sich der linke Antisemitismus deswegen als (einseitige!) Israelkritik und Antizionismus.
    Und linke wie rechte und islamische Judenhasser finden dort zusammen.

  21. Weninger

    @astuga
    Sie bringen es suf den Punkt was ich sagen wollte. Hier geht es nicht darum den Kommunismus zu beschönigen, sondern ein paar historische und ideologische Punkte herauszustellen. Manchmal tut es halt richtig gehend weh, was man hier an vereinfachenden Geschichtsklitterungen zu hören bekommt und das ist eines halbwegs intellektuell sein wollenden Forums wenig würdig. Der NS hat den Kommunismus immer als jüdische Ideologie diffamiert und damit auch nicht ganz unrecht, denn Marx und viele spätere Marxisten waren jüdischer Abstammung, rund 550.000 jüdische Soldaten kämpften in der Roten Amree, nicht wenige davon als die berüchtigten Komissare. Sodass eben auch immer wieder die unbequeme Frage gestellt wurde, ob die Juden nur als Opfervolk zu sehen seien (Affäre um CDU-Mann Hohmann).

  22. Titus Feuerfuchs

    Antisemit? Marx war selber Jude. Und ich stelle die These in den Raum, dass es keine antisemitischen Juden geben kann.
    Dass das Aufstellen kommunistischer Ikonen abzulehnen ist, versteht sich allerdings von selbst.

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