Ein kurzes Gespräch mit einem traurigen alten Mann

Von | 20. Juli 2016

(Dr.med. MARCUS FRANZ) Neulich saß ein 92-Jähriger Mann bei mir in der Ordination. Er ist langjähriger Stammpatient, leidet unter etwas erhöhtem Blutdruck, ist aber sonst sehr gut beisammen. Klar im Geist und noch immer voller Tatkraft blitzt ihm der Schalk aus den Augen und er hat immer ein Scherzwort parat. Hin und wieder kommt Herr B. vorbei, um sich bei mir als seinem Internisten Rat und Rezepte zu holen. Eigentlich aber kommt er, um sich seine bestens erhaltene Gesundheit bestätigen zu lassen. Das tut ihm gut. Wir tratschen dabei immer auch ein bisschen über die Politik und das Zeitgeschehen. Seine Urteilskraft gefällt mir, er versteht es, die Zusammenhänge zu erkennen und meist hat er ein Bonmot für die diversen Ereignisse.

Doch diesmal war es anders. Als wir begannen, über die Migrationskrise zu sprechen, hielt Herr B. plötzlich inne und schaute mich mit Tränen in den Augen an. “Herr Doktor, was da jetzt passiert, das begreifen wir Alten nicht mehr. Es geht über unseren Horizont. Und wir haben viel mitgemacht, Sie wissen es. Wir mussten noch in den Krieg ziehen, wir haben nach dem großen Schrecken das Land wieder aufgebaut, wir haben uns bemüht, für unsere Kinder und Enkerln etwas zu schaffen und wir haben drauf geschaut, dass es allen in Österreich gut geht. Und jetzt kommen diese hunderttausenden Fremden aus einem anderen Erdteil und unsere Regierung ruiniert einfach so unser Land und verschenkt unser Geld.”

Er seufzte, schüttelte den Kopf, nahm sich ein Taschentuch und erzählte danach weiter.

“Wissen Sie, wie traurig das für uns Alte ist? Ich kann es Ihnen gar net sagen, wie tief uns das trifft und wie enttäuschend es für einen alten Mann ist, der Jahrzehnte am Aufstieg Österreichs mitgearbeitet hat. Das kann sich doch alles nicht ausgehen, was da jetzt passiert, dafür brauch i net studiert haben. Freilich gibts arme Flüchtlinge, denen wir helfen sollen. Aber was da seit Monaten geschieht, das ist einfach nicht richtig. Da wird doch Schindluder mit uns getrieben, dass es auf keine Kuhhaut mehr geht. Hab ich recht, Herr Doktor?”

Ich gab ihm recht.      (hier)

22 Gedanken zu „Ein kurzes Gespräch mit einem traurigen alten Mann

  1. Gerald

    Hervorragender Artikel, der genau den Puls der noch denkenden Menschen in Österreich trifft. Frei von Ideologie, so könnte er auf jeden älteren Österreicher zutreffen, egal welcher politischer Gesinnung er entstammt.

  2. Gerhard

    Herr Marcus Franz,
    bitte, bitte senden Sie diesen Kurzartikel an
    Frau Angela Merkel in Berlin,
    Herrn Claude Juncker sowie Martin Schulz in Brüssel und
    Christian Kern sowie Reinhold Mitterlehner in Wien.
    Danke.

  3. mike

    Die Feigheit, Dummheit und Schwäche der Regierung ist leider grenzenlos.
    Der alte Mann hat Recht, dass hier Schindluder getrieben wird. Im übrigen unter sozialistischer gewerkschaftlicher, arbeiterkämmerlicher Führung, das möge man bedenken ! Unterstützt von linken NGOs.
    Mit einem schwachen Vizekanzler, der nicht in der Lage und Willens ist, dem linken Treiben ein Ende zu setzen.

  4. Reini

    … wie viele Alte Menschen wählen die Sozialen Parteien? – “die haben wir ja schon immer gewählt”,…heißt es, ohne nachzudenken, … man wählt eben die Hand die einen Füttert! 😉 … und die Sozialen Füttern weiter – mit Futter das es gar nicht gibt!

  5. sokrates9

    Wer ist der Hauptverursacher?? DIE EU! Gibt es irgendwelche Parameter wo Europa nicht gefallen ist?Schulden, Arbeitslosigkeit, Friedenssicherung, Wohlstand, – ja 2 gibt es: Kriminalität und Flüchtlinge!

  6. Herr Superg'scheit

    Da hat er schon recht. Aber die Mehrheit will es genau so. Die Stichwahl im Oktober wird es ein zweites Mal beweisen. Und auch in D haben CDU, SPD, Die Linke und Grüne eine ganz, ganz, ganz solide Mehrheit. Also: Nicht jammern, sondern Koran auswendig lernen und gewappnet sein.

  7. Dr.Fischer

    Reini – nein, so stimmt das nicht. Ich kenne viele Pensionisten, die nicht im entferntesten zu den immer wieder genannten “überzeugten Rot-Wählern” gehören, sondern sehr kritisch beobachten und kommentieren , was da abgeht. Wahrscheinlich ist das in der Großhängematte Wien so, mag sein, – aber außerhalb definitiv nicht.

  8. aneagle

    Gerade ein Arzt sollte dem Koran zustimmen. Sorgt doch dieser für täglich 5 malige regelmäßige kurze Gymnastik mit mehrmaligen Beugebewegungen, ein Labsal für die Rückenbeschwerden älterer Patienten im Besonderen und der Volksgesundheit im Allgemeinen ! Und dem andauernden Nörgeln der 60+ Ehefrau muss (endlich) nicht mehr sofort Folge geleistet werden. Ereilt einen ein cholerischer Anfall, muss man sich nicht mehr mit aller Macht zurückhalten, sondern schnappt sich ein Küchenmesser( noch vor dem Verbot des Küchenmesserkaufes angeschafft) und besteigt den nächsten Regionalzug. Der Rest steht in der Kronenzeitung und der späten Karriere als “Schnell radikalisierter, etwas verwirrter, Einzeltäter” nichts mehr im Weg. Fazit: Herrliche Zeiten. 🙂

  9. Marianne

    Vielleicht ist alles ganz einfach zu erklären. Der Obertan mag es gar nicht, daß seinen Untertanen weniger werden. Was würde auf lange Sicht aus den üppig gefüllten Parlamenten? Aus den überreichlich ausgestatteten Verwaltungen? Ohne Armutsimmigration (die schon mit der EU-Erweiterung begonnen hat, zu der mWn die betroffenen weder informiert noch befragt wurden) hätten jetzt unsere Obertanen ein gewaltiges Problem: sie müßten ebenfalls weniger werden.

  10. Der Bockerer

    Sagte nicht ein hoher EU-Politiker, wir müssen diese Leute (also die Flüchtlinge) umarmen?

  11. Geheimrat

    Europa – eine hochgefährlichen Anstalt für „psychisch Kranke“. Diagnose: Islam

    Besser kann man es nicht beschreiben !!!!!

  12. Thomas F.

    Wir brauchen dringend eine staatliche Informationskampagne um verwirrten ÖsterreicherInnen wie Herrn B. die auf Uninformiertheit basierenden Ängste zu nehmen.

  13. bürger2013

    alle die ihren pass wegwarfen aber das handy behielten haben etwas zu verbergen. zumindest ihr herkunftsland vielleicht ihr strafregister oder das aufscheinen in den fahndungslisten. daher gehört das alles aufgearbeitet und diejenigen gehören nach haus geschickt. so einfach ist das. hat einer mehr kinder als drei gibts einen dna-test und schluss ist es mit 7000 stütze und mb vor der tür. und die nicht rückführbaren, weil das land die nicht will(nicht verwunderlich) – da werden halten sanktionen ergriffen werden müssen, gab es ja auch bei russland. warum geht das da nicht? geht es nicht mit der eu – so geht es alleine auch (s. balkanroute) .

  14. Gerald

    Der alte Mann irrt anscheinend, denn gestern in der Zib 2 wurde uns von einem Türken erklärt, dass sie die Türken dieses Land aufgebaut haben. Diese mehrmalige Ansage wurde natürlich unkommentiert von A. Wolf hingenommen.
    Wenigstens bezahle ich nicht mehr dafür dass meine Eltern und Großeltern derart verarscht werden.

  15. Rado

    Würde zu gerne wissen, welche Partei der alte Herr zeit seines Lebens gewählt hat.

  16. Rennziege

    Lieber Herr Dr. Franz,
    selten hat mich etwas und jemand so erschüttert wie dieser alte Herr. Ich sehe ihn förmlich vor mir. Und die Tränen, gegen die er sich nicht wehren kann. Das Land, für das er viele Entbehrungen auf sich nahm, das mit seinem Fleiß, Schweiß und Hirn aus einer desolaten Trümmerlandschaft zu einer florierenden Staat aufgebaut wurde, geht (nicht nur) vor seinen Augen vor die Hunde. Mit unabsehbaren Folgen für Kinder und Kindeskinder, für Schuldenlast, Wirtschaft, sozialen Frieden und Freiheit.
    Danke für Ihren Artikel. Und bitte grüßen Sie diesen bewundernswerten Menschen herzlich von mir.

  17. kronos61

    Passt nur peripher zum Thema aber vielleicht kann mir jemand diese Frage beantworten.
    Im Netz kursiert ein Video einer Fernsehdiskussion, worin der ehemalige CDU-Staatssekretär im deutschen Verteidigungsministerium, Willy Wimmer, von einem (vor viereinhalb Jahren) geplanten Abkommen zwischen Israel und Syrien spricht, welches kurz vor der Unterzeichnung stand, womit der Friede im mittleren und nahen Osten gesichert worden wäre. Es wurde schließlich nie unterzeichnet, da zu diesem Zeitpunkt englische, französische und amerikanische Truppen in Syrien einmarschierten.
    Ist da was dran? Das würde doch den Syrienkonflikt in einem anderen Licht erscheinen lassen.

    Den Link lasse diesmal weg, weil es mit diesem vorhin nicht gepolstert wurde.

  18. mariuslupus

    Der Alte Mann hat die Gnade der frühen Geburt. Wird die Folgen der Handlungen der Menschen die ihn verraten haben, nicht in voller Konsequenz ertragen müssen.
    Hoffentlich hat er heute im ORF das jämmerliche Gestammel des Parteivorsitzenden M. nicht gehört. Es hätte ihn seiner letzten, vielleicht noch vorhandenen Illusionen beraubt. Diesen Schickschalschlag hat der alte Herr nicht verdient.
    Danke für den Beitrag !

  19. Kluftinger

    Ich bin in einem Alter der noch die Aufbauphase des Staates als Jugendlicher erlebt hat. auch wir haben Hunger gelitten und Entbehrungen hingenommen (nach heutiger Diktion waren wir armutsgefährdet).
    Und ohne die globale Situation zu verkennen, ABER : nur wenn Systemabläufe abgrenzbar sind, hat der Mensch die Chance sie zu beherrschen und zu steuern.
    Daher ist die Abgrenzbarkeit ( Staatsgrenzen) eine Notwendigkeit die nur von wenigen Regierungsmitgliedern gesehen wird.

  20. Herr Karl jun.

    Der alte Mann hat Recht.
    Doch sein trauriges Unverständnis für die schräge Dekadenz seiner Enkelgeneration verbirgt wahrscheinlich die noch viel größere Tragik seiner eigenen Generation (und der unsrigen). Ich kenne seine individuelle Biografie nicht, aber die typischen Lebensläufe seiner Alterskohorte können durchaus erklären, warum das was nachgekommen ist, genauso ist, wie er es nunmehr bestürzt wahrnehmen muss. Seine Generation hat nicht ohne Begeisterung als Soldaten „die Pflicht erfüllt“ und bei der Gelegenheit im Kollektiv einen halben Kontinent verheert. Räuberische Vermögensverschiebungen hielten sie nicht nur im „Feindesland“ für gerechtfertigt, sondern auch zuhause im Hinterland, sei es als „Arisierung“ oder vorher und nachher als „Sozialisierung“. Nachdem man das, was man selbst kriegerisch zerstört, wiederaufgebaut hatte, verlangte man von der nachfolgenden Generation den immerwährenden Dank dafür und entlohnte sich selbst mit der Einrichtung eines sogenannten Wohlfahrtsstaates. Die nunmehr traurige Generation richtete sich darin durchaus selbstgefällig und gemütlich ein. Ganz und gar nicht nachhaltig oder enkeltauglich, fiktiv in der Begründung („Generationsvertrag“), aber sehr real in der Ausgestaltung, mit Subsidien, Pensionen und Benefizien, deren Kosten weit in die Zukunft greifen, und von denen die Enkelgeneration nur mehr träumen kann. Und genau das tut sie die Enkelgeneration: Gnadenlos träumen auf Kosten Dritter, auf derselben Luftwolke wie die Alten, nur eben globalisierter, internationaler, noch unbekümmerter und noch selbbstvergessener. Ist der alte Mann vielleicht nur bedrückt, weil er in einen Spiegel schaut?

  21. Lisa

    @Herr Karl jun.: abseits jeder Sentimentalität: Sie haben recht (wenn auch nicht Recht…). Ich sprach und spreche u.a. viel mit Leuten, die jene Zeiten noch erlebt haben – und, wie stets, tot capita tot mentes, gehen die Ansichten, Erfahrungen und Erinnerungen sehr weit auseinander: da ist vom Ausspruch eines Alt-Kämpen “es war unterm Adolf nicht alles schlecht, ihr müsst es diesmal nur besser machen” bis zum resignierten “die besten Männer gefallen – was soll man da noch wollen, ich bin zufrieden mit dem, was ich habe” so ziemlich jede Ansicht vorhanden. Die Tränen rühren natürlich – aber jene, die nicht mehr weinen können, weil sie von ihren Erfahrungen innerlich erschlagen sind, machen einen Grossteil jener Generation aus. Was jetzt not täte, wäre ein kluges Konzept für die nolens volens zu ertragenden Zuwanderer: mit Arbeitsvertrag ist die Einwanderung ok, anerkannte Flüchtlinge nur so lange, wie der Krieg dauert, illegal hier Anwesende sofortige Abschiebung, egal, ob im Heimatland Folter, Todesstrafe oder polizeiliche Verfolgung droht. All den Nazis, die in Südamerika und anderswo untergetaucht waren, drohte ja auch Verfolgung, zu Recht. Das Rechtssystem jener “Unrechtsstaaten” (und wenn es Scharia heissen sollte) haben nicht westlich-demokratische Länder eingeführt – wieso sollen die eine Suppe auslöffeln, die sie sich nicht eingebrockt haben?!?

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