Ein paar Schritt Richtung Knechtschaft

Von | 6. März 2013

(GEORG VETTER) In den letzten Tagen mehrten sich die Anzeichen, dass die Manager von großen Unternehmen an die kurze Leine genommen werden sollen. Zwei Beispiele: Der Vorstandsvertrag des Generaldirektors der Telekom Austria ist um weitere drei Jahre verlängert worden. Die gesetzlich mögliche Höchstdauer sei nicht ausgeschöpft worden, weil sich derartige Konstellationen im Fall der vorzeitigen Auflösung als sehr teuer erwiesen hätten. Der ÖIAG-Vorstand sprach von einer „neuen Gangart“. Im Gegensatz zu einem GmbH-Geschäftsführer ist der Vorstand einer Aktiengesellschaft bekanntlich weisungsungebunden. Um diese Weisungsungebundenheit abzusichern, wird ein Vorstandsmitglied auf eine bestimmte Zeit bestellt, damit er – unabhängig von den Tageswünschen der Eigentümer und ihrer Vertreter – zum Wohl des Unternehmens arbeiten kann. Je kürzer der Bestellungszeitraum gewählt wird, desto abhängiger ist der Vorstand. Wer sich beispielsweise jedes Jahr um eine Neubestellung bemühen muss, wird umso offenere Ohren für Einflüsterungen von außen haben. Die neue Gangart der ÖIAG ist also ein Schritt Richtung Abhängigkeit.

Ein weiteres Beispiel für den gesellschaftlichen Generalverdacht gegen den Beruf des Managers ist der unüberhörbare Ruf nach gesetzlicher Beschränkung der sogenannten Boni. Schien es vor ein paar Jahren noch eine allgemein akzeptierte gute Idee zu sein, das Schicksal von Organmitgliedern mittels Aktienoptionsplänen an das Schicksal der Unternehmen zu binden, haben die Finanz-, also Schuldenkrise sowie Kursmanipulationen wie bei der Telekom am Image derartiger Programme kräftig gekratzt. Wie immer man zu einzelnen Managergehältern und den Bonifikationen stehen mag, muss sich die Frage stellen, ob dem Staat ein Recht zusteht, in die Entlohnungsstruktur der Organe unserer großen Aktiengesellschaften – sofern sie nicht dem Staat selbst gehören – einzugreifen. Vertrauen wir dem moralischen Anspruch der Politik, Vorstandsgehälter zu regulieren, oder vertrauen wir den gewählten Aufsichtsräten des Unternehmens? Hayek meinte im Zusammenhang mit der Einführung von Steuern, dass die Politik immer einen guten Grund finden wird, die eigenen Bürger zu besteuern – und dass man den Anfängen wehren müsse. Wenn wir den Staat die Bonifikationen der Organe privater Gesellschaften regeln lassen, könnten wir einer Argumentation Tür und Tor öffnen, die viele weitere Eingriffe in unser selbstverantwortetes Wirtschaften zulässt. Letztlich werden wir immer vor der Frage stehen, ob wir der Politik oder den Menschen mehr Vertrauen entgegen bringen. Niemals dürfen wir vergessen, dass zu einer funktionierenden, sich ständig erneuernden Gesellschaft auch das Risiko gehört – dazu gehört auch, dass jemand aus 39 Kilometern Höhe auf die Erde springen darf. Politikern mit Vollkaskomentalität in allen gesellschaftlichen Bereichen das Sagen zu lassen, wäre der Beginn von Sterilität, Stillstand und Versagen.

6 Gedanken zu „Ein paar Schritt Richtung Knechtschaft

  1. Samtpfote

    Ich bin sicher – auch ohne es im Detail nachgeprüft zu haben – dass die meisten Boni in Österreich etwa 3% des Bilanzgewinns ausmachen. Das sind Skontobeträge…
    Bei Verlusten müsste man auch das Worst-case-szenario berücksichtigen. Um wieviel konnte der Verlust geringer gehalten werden, etc etc.
    Generelles Bashing von Berufsgruppen oder Branchen, bringt nichts… ausser ein verzerrtes unproduktives Bild in der Öffentlichkeit.

  2. Christian Peter

    Gerechtfertigt sind staatliche Eingriffe aber überall dort, wo Steuerzahler
    in Haftung genommen werden, wie etwa bei Banken, die direkte als auch
    indirekte Subventionen aus öffentlichen Mitteln erhalten (Staatsgarantien,
    etc.).

  3. Reinhard

    Nein, sind sie nicht.
    Denn es ist die Subvention selbst nicht gerechtfertigt.
    Entweder ich spiele den selbstlosen Samariter und schenke Geld her, dann darf ich es aber nicht an Auflagen binden, oder ich stecke die Brieftasche ein und sage: Hilf die selbst, dann hilft dir Gott!
    Oder anders ausgedrückt: Wenn der Staat jetzt nicht die Banken rettet sondern crashen lässt und dafür die Haftungen für die kleinen Häuselbauer unternimmt, darf der Staat dann auch festlegen, wer mit in das Haus einzieht, wieviel Strom ich verbrauchen darf oder wie oft ein Bad einlassen?
    Geld nachschmeißen berechtigt nicht zum Maul aufreißen.
    Und die Politik hatte bisher übrigens keinen Genierer, von den Bezügen und Boni bis zu 50% Steuer zu kassieren. Erst fett mitnaschen und dann den Empörten spielen – da sollten unsere Raubritter an den Futtertrögen mal ganz fein still sein. Nur weil sie trotz üppiger Selbstbedienung an den Steuertöpfen noch immer nicht die Höchstverdienenden sind, muss sie der Neid nicht zu Aktionismus peitschen, denn wenn die Aktionäre direkt den Bezug der Manager festlegen sollen, wäre ich für ein Gesetz, dass sofort bestimmt, dass jährlich über eine Direktwahl alle aktiven Steuerzahler über die Höhe der Politikerbezüge abstimmen, denn im gegensatz zu den Managern, die erst einen Aufsichtsrat von ihrem Wert überzeugen müssen, legen sich unsere Wichtigtuer ihre Bezüge wirklich selbst fest!

  4. gms

    @Christian Peter

    Unbestritten ist, wonach öffentliche Gelder zugleich Regularien durch die Öffentlichkeit bedingen, ist doch das Zusammenfallen von Haftung und Einflußnahme ein grundlegendes liberales Prinzip, das auch dann nicht außer Kraft treten darf, wenn ein dabei involvierter Player der Staat ist.

    Bloß ist mit der logisch zwingenden Zustimmung /zu/ Regeln in diesem Kontext /deren Ausgestaltung/ noch lange nicht mitumfaßt.

    Wenn nämlich ausgerechnet dann, wenn es einem Unternehmen schon amtsbekannt dreckig geht, hohe Summen auf dem Spiel stehen und dadurch mittelbar die ganze Wirtschaft bedroht wird, was ja erst staatliches Eingreifen nachsich zieht, so ist es hochgradig kontra-intuitiv, ausgerechnet in diesen Fällen den Bonus eines allfällig erfolgreichen Sanierers in Relation zum Erfolg besonders tief zu deckeln.
    Bekräftig wird dieser intuitiv falsche Zugang durch einen zusätzlichen Umstand, wonach der Staat zugleich nur jene Manager in der Verantwortung läßt resp. lassen muß, denen in der Vergangenheit kein fehlerhaftes Verhalten nachgewiesen werden kann.

    Bleibt drittens noch jener Umstand, daß ausgerechnet Regierungsstellen und sonstige staatsnahe Einrichtungen, wenn sie Expertise in Wirtschaftsfragen benötigen und das Einkaufen einer parteinahen Einrichtung nicht möglich oder zweckmäßig ist, auf nahmhafte und zugleich verdammt teure Soziotäten zurückgreifen, zumal dem herrschenden Konsens nach die gute Leistung auch ihren Preis hat. Liegt das Politorgan mit dem teuren Berater falsch, fällt es unter Shit-happens, irrt es mit der Beratung eines billigen Helfers, erwächst exakt daraus erhöhter Rechtfertigungsdruck.

    Der Zusammenhang zwischen Preis und Leistung ist weder linear, noch ist bewiesen, daß große Karotten als Belohnung im Erfolgsfall den Manager immer in die richtige Richtung laufen lassen. Hätte man das alles als Begründung für die gezielt niedrige Deckelung von Managern im Umfeld staatlicher Gelder gebracht, so ließe sich nur schwer dagegen argumentieren. Im Anlaßfall — und das ist mein Vorwurf — wurden und werden aber einzig niedrige Instinkte der Wählerschaft adressiert und dadurch alternative Zugänge verbaut.

    Hätte man statt dessen kommuniziert, die Rettung von ein paar Milliarden sei dermaßen schwierig, daß uns dies im Erfolgsfall ein paar zusätzliche Millionen wert gewesen wäre, so wage ich die Behauptung, die Mehrheit der Wahlberechtigten hätte dies verstanden.

  5. gms

    Reinhard :
    Entweder ich spiele den selbstlosen Samariter und schenke Geld her, dann darf ich es aber nicht an Auflagen binden, oder ich stecke die Brieftasche ein und sage: Hilf die selbst, dann hilft dir Gott!

    Kein Einwand meinerseits zu Ihren richtigen Worten, auch zu jenen nicht, die hier nicht zitiert sind.

    Die Crux jedoch liegt im Systemfehler und der anknüpfenden Konsequenz, daß alle Aktionen innerhalb des verkorksten Systems Widersprüche nachsich ziehen. Daß der Staat schon früher seine Finger aus dem Spiel hätte lassen sollen, ist unstrittig. Ebenso unstrittig sind die Folgen der in Gang gesetzten Interventionsspiralen.

    Dennoch ist es m.E. falsch, selbst in offensichtlichen Dilemmata liberale Grundsätze über Board zu werfen. Fehler Nummer eins bestand darin, die Option eines Bailouts resp. Bailout-Versuchs überhaupt im Raum stehen zu lassen. Fehler Nummer zwei war dessen Durchführung im Anlaßfall. Die Selbstdarstellung eines “selbstlosen Samariters” kann ich nicht erkennen.

    Wenn nun aber der Fehler begangen wird, öffentliche Gelder zu riskieren, dann darf dies einzig in einem von der Öffentlichkeit bestimmten Rahmen erfolgen. Dies selbst dann, wenn zu vermuten steht, daß durch diese Mitbestimmung zusätzlicher Schaden entsteht. Wer Risiko und Mitbestimmung trennt, spielt der Beliebigkeit in die Hände, und exakt daran krankt die Gesellschaft.

    Wie kann es weitergehen? – Gelingen die staatlichen Interventionen, so ist das anzuerkennen. Der Beweis, es wäre anders besser gegangen, muß vertagt werden. Scheitert die staatliche Einflußnahme, so war es eine teure aber lehrreiche Lektion. Nachdem aus liberaler Sicht die Milch bereits in der Vergangenheit verschüttet wurde, ist ein blaues Auge so oder so in Kauf zu nehmen.

  6. Christian Peter

    @gms

    Wer zahlt, schafft an. Wenn Aktionäre eines Unternehmens Einflussnahme
    auf die Gehälter des Management haben, dann steht dies auch dem Staat
    zu, wenn öffentliche Mittel fließen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.