Ein perfektes Geschäftsmodell

(Ein Leserbrief) “Die Wirtschaftskammerwahlen sind geschlagen und unabhängig von den Stimmanteilen zeigt sich ein wesentliches Ergebnis: die Wahlbeteiligung ist weiter gesunken und nähert sich in großen Schritten der mageren Beteiligung bei den Wahlen für die Studentenvertretung. Bundesweit durchgerechnet haben weniger als 40 % der wahlberechtigten Unternehmer an den Wahlen teilgenommen, obwohl die Wahllokale 4 Tage offen standen und zusätzlich die Briefwahl angeboten wurde. Das Resultat ist ein peinliches Desaster für die früher mächtige Organisation. Die Zweifel an ihrer politischen Legitimation steigen weiter. Wie kann man glaubwürdig die Wirtschaft politisch vertreten, wenn fast 2/3 der Mitglieder den ohnedies nur alle 5 Jahre angesetzten Urnengang verweigern? Bei den Hochschülerschaftswahlen wird dies zu Recht kritisch angemerkt, bei der Wirtschaftskammer wird so ein Ergebnis ohne viel Aufhebens durchgewinkt. Ändern wird sich wohl nichts, warum auch: die Zwangsmitgliedschaft bei der Kammer (auch bei den anderen) ist in Österreich im Verfassungsrang abgesichert. Die Beiträge der Mitglieder fließen kontinuierlich und durch die Umsatztangente steigen sie mit deren Erfolg mit. Das ist fürwahr ein perfektes Geschäftsmodell, das wohl jeder Unternehmer gerne als Grundlage seines Wirkens hätte: statt sich jeden Tag am Markt abstrampeln zu müssen, fließen genauso bequem wie kontinuierlich per Gesetz dekretierte Einnahmen. Und wenn den Kunden die Leistung nicht passt, ist es auch egal, schließlich wird ihnen nur alle 5 Jahre die Möglichkeit zur Reklamation eingeräumt.

Karl Fischer
Hörsching

11 comments

  1. jvj

    Die Wahlbeteiligung ist völlig uninteressant geworden seit diese Kammern im Verfassungsrang sind.

  2. Thomas Holzer

    “Und wenn den Kunden die Leistung nicht passt, ist es auch egal,………”

    So ist es; und es ist vollkommen egal, wer gewählt wird, weil die Zwangsmitgliedschaft von keinem Kammervertreter je abgeschafft werden wird

  3. Der Bockerer

    Österreich wird regiert von roten und schwarzen Schweinen, sagte einst Thomas Bernhard. Keine Ahnung, warum mir das gerade jetzt einfällt.

  4. Nimbus59

    Wenn sich die WK auch in der Zeit zwischen den Wahlen do um ihre Zwangsmitglieder kümmern würde, wie in den letzten 8 Wochen – ich erhielt nicht mehr gezählte Zuschriften aller Couleurs und mindestens 10 Anrufe(!), doch eine Wahlkarte anzufordern – wäre alles OK.
    So bleibt mir nur zu sagen: man erkennt die Absicht und ist verstimmt!!

    Nichtsdestotrotz finde ich es schade, wenn man insbesondere als Unternehmer, von seinem demokratischen Wahlrecht keinen Gebrauch macht. Man könnte ja auch ungültig wählen.

  5. Dr.Paul Felber

    @Der Bockerer
    Ich protestiere im Namen der Schweine! Da sind saubere und vor allem nützliche Tiere.

  6. Der Bockerer

    @Dr. Paul Felber:

    Sie haben recht. Die (echten) Schweine sind nützlicher und verdienen mehr Respekt als unsere Politikdarsteller.

  7. Christian Peter

    Dabei geht es den Vorfeldorganisationen der Parteien wie Kammern und Gewerkschaften nicht um Geld, sondern vor allem um Machterhalt : Gäbe es politisch unabhängige Standesvertretungen und Gewerkschaften, würde der politische Einfluss der beiden Großparteien ÖVP und SPÖ erheblich schwinden.

  8. menschmaschine

    @ C. Peter

    Doch, es geht denen schon um Geld. Denn Geld ist Macht und Macht ist Geld. Abgesehen davon müssen Günstlinge versorgt werden.

  9. Christian Peter

    Sicher freuen sich die schwarzen und roten Wanzen auch über den Geldsegen, rund 12 Millionen Euro jährlich fließen alleine an den ÖVP – Wirtschaftsbund. Dennoch geht es beim Kammerzwang hauptsächlich um Machterhalt.

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