Ein Plädoyer für marktwirtschaftliche Bildung

(JOSEF STARGL) Der Wahlkampf zeigt, dass zahlreiche Politiker und Journalisten („aller Parteien“) nicht nur erhebliche Defizite an wirtschafts- und ordnungspolitischem Wissen, sondern auch ein gestörtes Verhältnis zur Marktwirtschaft haben.
Der Markt wird als unmoralisch und unsozial betrachtet.
Ein Weg vom (großen) Staatsvertrauen in Richtung (mehr) Marktvertrauen kann nicht verordnet werden. Argumentative Überzeugungsarbeit ist erforderlich. Aber marktwirtschaftliche Bildung zählt in Österreich nicht zur Allgemeinbildung.
In den Bildungsinstitutionen und in den Medien erfolgt (meist) eine „Erziehung zu den Idealen der Kleingruppe“, eine engagierte Reflexion über „soziale (Zwangsumverteilungs-) Gerechtigkeit“/Zwangssolidarität.
Wie wir in einer (mehr) wettbewerbsgesteuerten Unternehmerwirtschaft mehr erwirtschaften können steht nicht im Mittelpunkt. Konkurrenz wird abgelehnt, da es dabei (angeblich endgültige) Gewinner und Verlierer gibt. Lernprozesse im Wettbewerb werden ausgeblendet.
Viele kleine Irrtümer, Fehler und Korrekturen werden weniger geschätzt als konstruierte (vollkommene) Ordnungen mit „neuen Menschen“.
Der Einzelne soll vor individueller Freiheit, vor Eigenverantwortung, vor Eigenleistung und Wettbewerb geschützt werden.
Negative Einstellungen und Haltungen gegenüber der Marktwirtschaft begleiten die Politiker, die Journalisten und die Bürger in ihrem Berufs- und Alltagsleben.
Die Quellen der Skepsis gegenüber der Marktwirtschaft und deren Ablehnung liegen im ökonomischen und im marktwirtschaftlichen Analphabetismus.
(Markt-)Wirtschaftswissen ist eine Voraussetzung für ein (Markt-) Wirtschaftsverständnis, für eine Beurteilung wirtschaftspolitischer Maßnahmen und für eine der Marktwirtschaft entsprechende Wirtschaftsgesinnung.
Die Marktwirtschaft (mit einer preisgesteuerten Koordination individueller Handlungen) ist sozial. Sie dient den Menschen. Sie ist effizient und sie fördert den Wohlstand.
In einer Unternehmerwirtschaft/einer offenen Wettbewerbsordnung bringen die Menschen ihre moralischen Vorstellungen von „jenseits von Angebot und Nachfrage“ bereits mit, wenn sie „auf den Markt gehen“.
Die Marktwirtschaft erfordert eine „gute Rechtsordnung“ (mit allgemeinen Regeln gerechten Verhaltens und nicht mit Vorstellungen über eine Ergebnisgerechtigkeit!), eine Wettbewerbsfairness und ein (nicht zentralbankenmanipuliertes) „solides Geld“ für die freie Preisbildung.
Der Markt ist dann effizient, wenn wir an das Gewinninteresse, aber nicht, wenn wir an die Selbstlosigkeit der wirtschaftenden Menschen appellieren.
Die Marktwirtschaft hindert niemanden daran, ein christliches und solidarisches oder ein selbstloses Leben zu führen.
Es wird oft übersehen, dass auch aus moralischen Gründen nicht auf die Effizienz einer offenen Wettbewerbsordnung verzichtet werden kann. Wirtschaftliche und soziale Probleme können nicht durch Moralisieren gelöst werden. Die Orientierung am Gewinn führt zu einer bestmöglichen Nutzung des breit gestreuten Wissens und dient allen Bürgern.
Auch die „Sozialreformer“ sollten zuerst das Erwirtschaften überlegen und dann erst das (Zwangsum-)Verteilen.
Der Wettbewerb als eine Form „solidarischer Kooperation“ ist sozial, ohne dass es einen Zwang zur Solidarität gibt.
Die Denker der Marktwirtschaft haben stets auf den moralischen Wert der Freiheit, der Eigenverantwortung, der Eigenleistung und der effizienten Lösung von Problemen in der Marktwirtschaft hingewiesen.
Marktwirtschaftliche Bildung ist unverzichtbar. Die Ideen der Denker der Marktwirtschaft warten darauf, in diesem Land (mehr als bisher) verbreitet zu werden.

6 comments

  1. sokrates9

    Fragen sie mal einen Wirtschaftsjournalisten was ein Akkreditiv ist! Nach Pressekonferenz mal probiert – deprimierend! Wirtschaftliche Grundbildung wird gegen Null gedreht! Das sieht man auch darin dass der Durchschnittssparer nicht kapiert wohin seine ” Zinsen” eigentlich gehen!

  2. Selbstdenker

    @sokrates9:
    Sie setzen aber die Latte schon sehr hoch an 🙂

    Ein noch größeres Problem als Nichtwissen ist meiner Meinung nach aber Falsch”wissen”. Der Aufwand falsches “Wissen” zu korrigieren ist größer als fehlendes Wissen nachzuholen.

  3. Selbstdenker

    @Josef Stargl:
    “Auch die ‘Sozialreformer’ sollten zuerst das Erwirtschaften überlegen und dann erst das (Zwangsum-)Verteilen.”

    Wer sagt überhaupt, dass die “Sozialreformer” einen Anspruch darauf haben, was andere erwirtschaften? Der “Gleichheits”-Narrativ ist nichts anderes als eine intellektuell unredliche Strategie Parasitentum in ein moralisches Gewand zu kleiden.

    Kein Mensch ist gleich und es gibt auch keinen Grund warum irgendwer gleich sein müsste!

    Es geht darum, dass jeder Mensch ein würdevolles Leben führen kann und ihm Optionen (statt verordneter “Alternativlosigkeit”) offenstehen seine Lage und die seiner Nachfahren zu verbessern. Von tragischen Schicksalen abgesehen, sollte man jeden Menschen zumuten für sich selbst zu sorgen und die positiven und negativen Konsequenzen eigener Entscheidungen in Würde zu ertragen.

    Wer den Köder der “Gleichheit” geschluckt hat, schluckt als nächstes auch, dass man – offenbar per Zwang – umverteilen müsste was andere erwirtschaftet haben (=Parasitentum).

    Die Frage muss heissen: was kann man tun, damit sich jeder möglichst selbt das Nötige zum Leben erwirtschafen kann ohne anderen auf der Tasche zu liegen? Was ist mir wichtig und was kann ich produzieren und am Markt eintauschen, was anderen wichtig ist?

    Im folgenden Video wird dem linken Narrativ der Gleichheit ein bürgerlicher Narrativ der Reziprozität gegenübergestellt:
    https://thelandofthefreeblog.wordpress.com/2019/09/21/reciprocity-the-right-wings-moral-authority-and-counter-to-the-lefts-equality/

    Das trifft es meiner Meinung nach.

    Die wohlstandsverswahrlosten Menschen von heute spüren instinktiv, dass materielle Rundumversorgung und Würde zwei paar Schuhe sind und man das Eine nicht beliebig mit dem Anderen substituieren kann.

    Der sich innerlich aufladende Frust der Versorgten über die Würdelosigkeit ihrer Anstrenungslosigkeit entlädt sich im maximalen Undank gegenüber ihre Versorger.

    Viel “Spass” wenn nicht nur freitägliche Schulschwänzer, sondern auch Sozialstaateinwanderer dieser würdelosen Anstrengungslosigkeit überdrüssig werden und eine bestimmte Religion genau diese Lücke füllt.

    Wir brauchen nicht globale Monopolisten und via Kapitalaufzehrung der Mittelschicht finanzierte, passive, frustrierte und (auto-)aggressive Bezieher bedingungsloser Versorgungsleistungen, sondern einen freieren Markt für viele kleinere und mittelgroße Akteure, die sich selbst versorgen können.

  4. Johannes

    Es sind nicht die Ungebildeten welche die freie Marktwirtschaft oft verachten und ablehnen.
    Es ist keine Frage der Bildung wie man zur freien Marktwirtschaft steht.
    Die freie Marktwirtschaft ist für jene die sie ablehnen ein System das sie ablehnen, da hilft keine Aufklärung und Bildung.

    Das Video von Selbstdenker erklärt vieles. Während das System Freiheit jedem Menschen eine Fülle von Möglichkeiten bildet seine Stärken und Begabungen so einzubringen das es für ihn selbst aber auch für die Gesellschaft von Nutzen sein können, gibt es im anderen System sehr enge Grenzen.

    Was getan werden darf wird vom Kollektiv genau vorgegeben. Es gibt immer eine Autorität welche die Einhaltung der Vorgaben genau kontrolliert und sanktioniert.
    In dieses System scheinen wir gerade hineinzukippen. Ich empfand es als geradezu erstaunlich wie absurd der Inhalt des Videos “Modern Educayshun“ sich darstellt und wie sehr ich dennoch in allem einen realen Bezug zum Mainstream erkennen kann.

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