Ein Plädoyer für mehr Verantwortung

Von | 24. Dezember 2020

(JOSEF STARGL) In einer neofeudalen Günstlingswirtschaft ersehnen die Sonderinteressenvertreter und die Lobbyisten stets mehr Macht des Staates, um diesen für die Erreichung ihrer Ziele zu instrumentalisieren.

Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank fördert mit der Geldmengenausweitung (Inflationspolitik) und mit der Zinsmanipulation in der Transfer- und Haftungsunion die Staatsverschuldung sowie die Überschuldung der Staaten, die kalte Progression, eine höhere Staatsquote, die Macht des Staates und immer mehr Zwangsumverteilungspolitik zu Gunsten von Partialinteressen.

Die Zentralbanken erschweren den Vermögensaufbau, die Eigenvorsorge und den sozialen Aufstieg und sie zerstören die private Altersvorsorge.

Angriffe auf das Privateigentum, eine Kapitalaufzehrungspolitik und eine Fehlleitung von Ressourcen bewirken Wohlstandsverluste für die Bürger.

Immer mehr Staats- und Staatenverbundsgläubigkeit fördern ein Anspruchs- und Versorgungsdenken sowie eine Sicherheits- und Vollkaskomentalität in einer (infantilisierten) verstaatlichten Gesellschaft, in der moralisierende Politiker den Bürgern sagen, wie sie leben sollen.

Eine supranationale Zwangsumverteilung von Verantwortung und Haftung sowie eine geplante und organisierte Verantwortungslosigkeit im paternalistischen „Koste-es-was-es-wolle-Versorgungsstaat“ (mit „Wählerbestechung“) bewirken Wettbewerbsverzerrung und Strukturkonservierung.

Politiker, Funktionäre und Bürokraten verwalten immer mehr Steuern, Abgaben und Schulden. Sie ermöglichen (den Günstlingen) ein Leben auf Kosten von anderen und der Zukunft (anderer), ohne eine Verantwortung für die Folgen politischer Handlungen zu übernehmen.

Eine zunehmende Entsorgung von Eigenverantwortung und Wettbewerb führt in eine antiliberale Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung.

Wer den Bürgern die Last der Verantwortung abnimmt, der raubt ihnen auch die Freiheit, die mit Risken, aber auch mit Chancen gekoppelt ist. Eigenverantwortung ist mit dem Risiko des Scheiterns, aber auch mit Erkenntnisfortschritt, mit Lernprozessen und mit der Umsetzung von Neuerungen (in einer Unternehmerwirtschaft), mit der Freiheit des Verzichts und mit Selbstdisziplin als Voraussetzung für Eigenleistungen verbunden.

In einer Eigentümergesellschaft mit einer breiten Streuung und einer Förderung des Privateigentums sind Eigenverantwortung (statt Verantwortungslosigkeit), Sorge (statt Sorglosigkeit) und Eigenvorsorge weit verbreitet. Das fördert die Produktivität und den „Wohlstand für alle“.

Eine moralisierende Erziehung für eine Bevormundung und für eine Abhängigkeit im Versorgungsstaat vermittelt die Botschaft, dass „alle für alles verantwortlich sind“.
Persönlichkeitsbildung erfordert aber eine Vorbereitung auf die Übernahme von Eigenverantwortung und ermöglicht, in Freiheit zu lernen.

Die Profiteure des geldpolitischen Sozialismus freuen sich über die Liquiditätsschwemme zu Nullzinsen. Die benachteiligten eigenverantwortlich handelnden Bürger tragen die Lasten.

Die Chancen auf einen sozialen Aufstieg in einer offenen Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung verringern sich. Immer mehr Bürger werden auf Schenkung und Erbschaft angewiesen sein. Die verantwortungslosen Moralisierer fordern schon heute eine höhere Besteuerung des Vermögens und der Weitergabe des Vermögens.

Zahlreiche Politiker denken in einer Zeit hoher Budgetdefizite und der Überschuldung des Staates nicht über die Effizienz von Politik und Verwaltung, über einen effizienteren Umgang mit (weniger) öffentlichen Mitteln, über die Folgekosten von (Zwangsumverteilungs-)Gesetzen, über die Verringerung von partialorientierten Zuteilungen und über mögliche Lösungen für strukturelle Probleme nach. Strukturreformen werden verschoben.

„Mehr Staat“ belohnt die Partialinteressen und diejenigen, die weniger eigenverantwortlich vorsorgen. Der paternalistische Staat belohnt jene, die im Namen von „sozialer Gerechtigkeit“ oder von Zwangssolidarität immer mehr „Zuteilungen von (noch) nicht erwirtschaftetem Wohlstand“ fordern.
Nicht mehr Angriffe auf das Privateigentum und der „Verlust des Privaten“, sondern „weniger Staat“ und mehr Verantwortung der Bürger und der Politiker sind erwünscht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.