Ein Provinzbürgermeister führt Europa vor

Ein ostukrainischer Bürgermeister kann ungestraft OSZE-Beobachter festnehmen – das sagt einiges über den Zustand Europas, meint Henryk Broder, hier. Und stellt die richtige Frage: “Warum sind die Geiseln nicht einfach gegangen?”

12 comments

  1. Graf Berge von Grips

    Ein Problem aus einiger Entfernung (es empfiehlt sich von oben) zu betrachten, lässt einem das Grosse und Ganze überblicken und Erkenntnisse gewinnen, die nicht unbedingt neu aber der Vergessenheit anheim gefallen sind. so auch in der Ukraine,.

    Da verhandeln anscheinend vollkommen realitätsferne, auch auf den Hühneraugen politische blinde EU-Bosse mit der Ukraine ein Abkommen, welches man bei etwas Nachdenken sicher nicht ohne Konsultation von Russland unterschriftsfertig präsentieren hätte dürfen.

    Und, simsalabim, wie haben ja Frühling, wird flugs ein repräsentativer Platz gesucht (merke: Plätze und Frühling sind siamesische Zwillinge.. allerdings meistens ohne Hirn) und zum Austragungsort von – ja von was eigentlich? – erkoren. Das, was jeder Revolutionär von Cäsar bis Che schon mit der Muttermilch aufgesogen hat, wird im 21. Jahrhundert ignoriert: Erst wenn man eine Strategie für das Nachher hat, sollte man revoltieren!

    Und hier schliesst sich der Kreis. Dilettanten wohin man schaut. In Brüssel und Kiew in Washington – angeführt vom wohl unfähigsten Präsidenten der USA ever – und bei der europäischen Betroffenheitsindustrie. Und da wundert man sich, wenn sich Putin – unterstützt von immerhin 85% der Bevölkerung – die Krim krallt.
    Na ja, was soll man von einem Politiker mit Eier auch erwarten. Sollte er den Willen der Bevölkerung einfach ignorieren? Das wäre ja völlig undemokratisch.. oder so.

    Ich warte jetzt nur noch auf das Angebot der Ukraine an Russland:
    – Wir verkaufen Euch: Ostukraine samt der Enklave Tschernobil (damit habt ihr die Dreckschleudern unsere Schwerindustrie) um, na sagen wir 14 Mrd.Euro.
    – Damit wären wir im Westen de facto schuldenfrei und die Krimabtrünnigen würden sich in einigen Järchen möglicherweise in den Hintern beissen…

    Da das aber nicht passieren wird, kann man nur auf einen “strange attractor” bei dem Chaos hoffen…

  2. Thomas Holzer

    sollte wohl heißen: ein selbsternannter! Provinzwappler…….

    Man stelle sich vor, dieser Prolet gibt eine Pressekonferenz mit “seinen Gefangenen” und keiner geht hin!

    “sondern Angehörige einer “bilateralen Mission unter Leitung des Verifikationszentrums der Bundeswehr auf Einladung der ukrainischen Regierung”

    Da sieht man wieder einmal, welche Dilettanten in der EU, den Nationalstaaten und! der OSCE am “Werken” sind.

  3. Rado

    @Graf Berge von Grips
    “…Erst wenn man eine Strategie für das Nachher hat, sollte man revoltieren!…”
    Eine Stragie haben das ukrainische Puschistenregime durchaus!

    Wir wollen puschen-der Westen soll uns anerkennen.
    Wie haben kein Geld – der Westen soll zahen.
    Wir wollen Krieg – der Westen soll ihn für uns führen.

    Das mit dem Zahlen und dem Putschen klappte ja wie am Schnürchen, das wurde den Akteuren am Maidanplatz ja zuvor von EU und USA auch eindringlich genug signalisiert. Das mit dem Krieg hapert noch ein bisschen, da kommen zufällig die europäischen Krisentouristen als Geiseln ins Spiel…

  4. Rado

    PS: Wer hat meine Rechtschreibfehler oben entdeckt? Mist, Sorry.
    Dafür gibts hier einen schönen Link: Der jetzt entführte Deutsche Oberst Schneider gab vor einigen Tage ein Interview im Bayrischen Rundfunk über das Ziel seiner Mission.
    Wenn ich das recht verstanden habe, sollte eine Internationale Beobachtertruppe für die Ukrainische Regierung deren einene reguläre Truppe inspizieren???? Welchen Sinn soll das machen?
    http://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowelt/axel-schneider-ruestungskontrolle-ost-ukraine100.html

  5. Thomas Holzer

    @Rado
    Und bei (fast) jeder Rede sitzt jetzt der ukrainische Ministerpräsident in Kiew wie selbstverständlich vor der ukrainischen und(sic!) EU-Flagge!
    Bis dato dachte ich ja, daß diese “Doppelbeflaggung” nur Staaten, welche Mitglied der europäischen Union sind, vorbehalten, respektive bei Staatsempfängen üblich ist.

  6. Rado

    @Thomas Holzer
    Habe bis vor ca. einem Jahr gedacht, dass es ein Betriebsunfall war, als die EU und die Nato im Kosovo der albanischen Mafia einen Staat geschenkt hat, mit allem was dazugehört. Volk, Staatsgebiet, Armee, dem Euro als Währung und ständigen Geldinfusionen. Dann kam der “arabische Frühling”. das Modell ist ähnlich. Statt einem trägen Diktator sollte eine möglichst unberechenbare, radikale und aggressive Bewegung installiert werden. In Libyen ist es auch gelungen, in Ägypten wurde es versucht, in Syrien arbeitet man noch.
    Jetzt kommt die Ukraine. Meine Prognose für die Ukraine ist ein langdauernder Schwelkrieg mit tausenden Toten und zum Abschluss ein EU-Protektorat nach kosovarischem Vorbild.

    Und übrigends! Der Mörder, Organhändler, Wahlfälscher und kosovarische Präsident Hacim Thaci war eine Entdeckung der ÖSTERREICHISCHEN Diplomaten, die ihn überall eingeführt und ihm die Türen geöffnet haben.

  7. Thomas Holzer

    @Rado
    Zu Ihrem letztem Absatz:
    Dieses “Balkan-know how” der österr. Diplomatie wird ja in ganz großen Tönen von allen gelobt 😉

  8. Rado

    @Thomas Holzer
    Ich kann mir auch vorstellen, von wen. 🙂
    Hier sind ein paar lokale Artikel zum ö. “Balkan-know-how” auf deutsch. Die sprachliche Qualität ist wie meine, aber die Quellenzitate sind oft gut!
    http://www.albania.de/alb/index.php?p=2879
    http://www.albania.de/alb/index.php?p=3435
    http://balkanblog.org/2013/10/16/14-jahren-dumm-dodel-politik-in-bosnien-herzegowina/
    http://balkaninfo.wordpress.com/2013/02/08/ulrike-lunacek-wird-im-nonsens-staat-kosovo-wieder-aktiv/
    http://balkan-spezial.blogspot.co.at/2009/09/fachfrau-fur-schwule-und-lesben-ist.html

  9. gms

    > Ein ostukrainischer Bürgermeister kann ungestraft OSZE-Beobachter festnehmen – das sagt
    > einiges über den Zustand Europas, meint Henryk Broder, hier. Und stellt die richtige Frage:
    > “Warum sind die Geiseln nicht einfach gegangen?”

    Die dem Medienkonsumenten versuchsweise eingehämmerte Mär, es handle sich um OSZE-Beobachter, wurde bereits ausreichend oft als Bullshit vom Tisch gewischt. Es saugt inzwischen nur noch, daß die mediale Infamie der letzten Wochen offenbar immer noch nachhallt.

    Zur “richtigen Frage” — Die Antwort hätte jeder des Zählens Kundige selbst errechnen können: Es saßen nicht alle Geiseln vor den Kameras, einige lagen noch im klimatisierten Talon. Ein einzig und allein auf’s Beobachten geschulter Geist wäre vermutlich aufgestanden und gegangen, bei den Geiseln kam allerdings eine handfeste militärische Ausbildung inklusive Gefahrenabschätzung hinzu.

    Broder als Schreibtischtäter? — Si tacuisses.

  10. Rado

    @gms
    > “Warum sind die Geiseln nicht einfach gegangen?”

    Vielleicht, weil die Tagesdiäten auch so weiterlaufen?
    Mit welchen Größenordnungen man es beim Beamtentourismus alleine der EU zu tun, zeigt zB. die spezielle Spielart des Expertentums. der sogenannten “EU-Twinnings”.
    http://www.bmeia.gv.at/aussenministerium/aussenpolitik/europa/europaeische-union/eu-twinning-aktuelle-ausschreibungen-und-informationen.html
    Im “Twinning Handbuch” werden die Tagesdiäten “Per Diems” genannt. Zu den “Per Diems” kommt noch ein pauschaler Aufwandsersatz von ca. 100 €, Täglich!
    http://www.bmeia.gv.at/aussenministerium/aussenpolitik/europa/europaeische-union/eu-twinning-aktuelle-ausschreibungen-und-informationen/allgemeine-informationen-downloads-und-links.html
    Für die Ukraine beträgt die Tagesdiät derzeit 316 € pro Tag.
    http://ec.europa.eu/enlargement/pdf/financial_assistance/institution_building/2013/tw_news_special_issue_july_2013.pdf

  11. Rennziege

    @Rado:
    Danke für diese augenöffnenden Hinweise. That’s the name of the game.

  12. Thomas Holzer

    Ich denke aber doch, daß -abgesehen von den pekuniären Interessen der Teilnehmer dieser bilateralen(sic!) Mission- auch ein gewisser Selbsterhaltungstrieb der Neigung, die Journalisten durch ein “einfaches” Queren des Raumes aufzusuchen und sich diesen anzuschließen, doch etwas enge Grenzen setzte.

    Es ist leicht, aus der sicheren Entfernung dieses und jenes Verhalten zu kritisieren; wie ich, ob speziell geschult oder nicht, agieren würde, kann ich beim besten Willen nicht sagen…….

    Diese Aufforderung Broders erinnert mich irgendwie an die unsägliche Kritik -vor allem der 68er Generation- an deren Eltern, daß diese nicht alle aufrechte Widerstandskämpfer waren….

Kommentar verfassen

Du kannst die folgenden HTML-Codes verwenden:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden .