Ein Triumph der Schnarchnasen und Verhinderer

Von | 3. August 2021

(Christian Ortner)  Manchmal sind es kleine, für sich genommen eher unbedeutende Ereignisse oder Begebenheiten, die viel über ein Gemeinwesen und seine Mentalität aussagen und uns erklären, wie eine Gesellschaft tickt. Und wo es hakt.
Hierzulande war es dieser Tage das Schicksal des burgenländischen Bauern und Kleinunternehmers Hans Goldenits, welches uns so einen Einblick ermöglichte. Herr Goldenits hatte eine pfiffige Idee: Er stellte im Burgenland unter der Marke „Hansagfood“ neun containerartige Läden auf, in denen er regionale Lebensmittel verkaufte, und zwar als Selbstbedienungs-Hofläden ohne Verkaufspersonal.

Die sympathischer kleine Kette florierte vor sich hin, nicht zuletzt deswegen, weil Goldenits die Läden 7 Tage die Woche 24 Stunden pro Tag offenhielt, wie das ja auch bei anderen Verkaufsautomaten, etwa für Zigaretten – üblich ist.
Wettbewerbsfeindliche Konkurrenten erhalten Hilfe

Doch der pfiffige Kleinunternehmer hatte nicht mit der landestypischen Mischung aus Neid, Unternehmerfeindlichkeit und Innovationsskepsis gerechnet. Und so kam es, wie es in Österreich in derartigen Fällen kommen musste. Ein „Schutzverband gegen unlauteren Wettbewerb“ sah offenbar die Fundamente der Republik (oder die Gewinnmargen wettbewerbsfeindlicher Konkurrenzbetriebe) in Gefahr und ging rechtlich gegen den Unternehmer vor, mit dem Begehr, er möge das Unternehmen außerhalb der vom Staat erlaubten Öffnungszeiten doch gefälligst unterlassen.

Mit durchschlagendem Erfolg. Sein Hinweis, dass er ja nicht herkömmliche Geschäfte mit Verkaufspersonal betreibe, sondern eher Automaten, fruchtete rechtlich nichts, mit eingeschränkten Öffnungszeiten seien die Container aber nicht mehr wirtschaftlich, sagt der Unternehmer. „Wir können ehrlich sagen, dass wir alles versucht haben, jedoch stehen die pro-Konzern gemachten Gesetze jedem noch so innovativen, regionalen, bäuerlichen und umweltgerechten Konzept entgegen“, schreibt Hans Goldenits und schließt nun alle neun Läden.
Innovative Ideen gelten als störend

Ein voller Erfolg also für die Schnarchnasen von der Konkurrenz, die Gewerkschaften und alle anderen Verhinderer.

Leider ist der Fall Goldenits nicht untypisch für die hierzulande vorherrschende Mentalität in wirtschaftlichen Dingen. Neue Ideen, neue Technologien, neue Wege werden grundsätzlich als störend, potentiell geschäftsschädigend empfunden und daher bekämpft, wo es nur geht. Dass es der Taxi-Lobby gelungen ist, den Konkurrenten Uber weitgehend abzudrehen, was zu höheren Preisen und schlechterem Service für die Kunden geführt hat, gehört genauso in dieses düstere Kapital wie die Vorschrift, dass die wenigen am Sonntag in Wien offenen Supermärkte zwar Wodka, aber keine Fischstäbchen verkaufen dürfen.

Leute, so wird das nichts. Wir durchleben gerade eine der schwersten Wirtschaftskrise aller Zeiten, von der wir nur deswegen so wenig merken, weil die Regierungen unseren Kindern und Kindeskindern unerhörte Schuldengebirge umschnallen, wir uns also vom Wohlstand noch ungeborener Generationen ernähren.

In einer derartigen Lage, noch dazu bedrängt von chinesischer Konkurrenz und zunehmender ökonomischer Dominanz, ist es keine gute Idee, Unternehmer, die ja auch die Geldquelle des Staates sind, mit schikanösen, sinnlosen und aus der Zeit gefallenen bürokratischen Ärgernissen zu behindern oder gar zum Zusperren zu zwingen.

Ein Staat, der das nicht sehr schnell versteht und daraus die notwendigen Schlüsse zieht, hat sich und seine Bürger in Wahrheit aufgegeben. (“EXXPRESS”)

10 Gedanken zu „Ein Triumph der Schnarchnasen und Verhinderer

  1. Robert Potetz

    Und wieso stellt dann der Unimarkt genau so etwas auf? Siehe Unibox.

  2. FiBu

    Möglicherweise interessant:

    Googelt man den “Schutzverband gegen unlauteren Wettbewerb” findet man als Obmann “Friedrich Ammaschell”, googelt man den findet man die WKO und den ggst. Herrn in der Funktion “Handel mit Mode und Freizeitartikeln, Bundesgremium”.

    Alle klar.

  3. Kluftinger

    Ich habe seinerzeit für den Beitritt zur EG/EU gestimmt weil ich gehofft hatte, dass derartige Praktiken (inclusive Zwangsmitgliedschaft zu den Kammern) abgeschafft bzw. verhindert werden.
    Noch nie habe ich mich so getäuscht !

  4. sokrates9

    Gibt es irgendeinen rationalen Grund Automaten zu verbieten? Reine Willkür. Leider greift kein Massenmedium solche Theman auf!jetzt sind Wahlen in Oberösterreich angesagt! da brauchen wir keine Diskussion über solche Dinge oder vielleicht gar wie viele dringend benötigten Raletenwissenschaftler wir heuer aufnehmen dürfen! Doppelte, 3 fache Menge ?? Totenstille im Land!

  5. CE___

    Tja, falsche Branche, Pech gehabt.

    Automaten zur Selbstentnahme vollgefüllt mit den derzeit “ganz heißen” Injektionen “gegen Corona” hätte der gute Mann aufstellen müssen.

    Da wäre es derzeit auch ganz egal ob man überhaupt eine Genehmigung hat so ein medizinisches Zeug überhaupt zu bewerben und zu verhökern und stellte man so etwas noch für Kleinkinder in den Kindergarten hinein gibt’es extra Applaus.

    Aber schnippisches beiseite, ich empfinde so eine Untersagung auch als unglaublich.

    Damit ist der Automatenverkauf im gesamten doch eigentlich tot.

    Und eine neue Ausrede für das Schwarzfahren ist auch gefunden.

    Ausserhalb der Öffnungszeiten der besetzten Kartenverkaufstellen dürfte man sich nun eigentlich auch keine Fahrkarte aus den Automaten ziehen.

  6. Johannes

    @CE__ Die Idee war sehr gut und wurde von den Kunden angenommen.
    Der Richtigkeit halber möchte ich nur – wie im Artikel von Herrn Ortner richtig beschrieben – hinweisen, dass der Automatenbetrieb rund um die Uhr weiterhin erlaubt ist.
    In diesem Fall wurden die Baulichkeiten als Geschäft eingestuft, die Waren liegen großteils offen in den Regalen und müssen vom Kunden selbst abgewogen werden und dann muss der Preis selbst ermittelt werden (Kilopreis×Gewicht) und in bar oder mit Kreditkarte bezahlt werden.
    Überwacht wird alles im Inneren mit Kameras.
    Mir hat die Idee gefallen und ich habe sie hin und wieder genützt, finde es schade dass und wie man es abgedreht hat.

  7. Thomas F.

    Die Zusperrer haben das Land unter Kontrolle. Lockdown haben wir eigentlich seit Jahrzehnten – jeden Sonntag.

  8. CE___

    @ Johannes

    Interesssante Ausführung.

    Dann sollte sich dieser Herr einmal in Japan umsehen was es dort für Automatenverkauf gibt, kann man nur raten. Da lacht einem das Herz, wenn man ein Fan davon ist, was da alles verkauft wird.

    Automaten, oder “den” Automat, von innen nach aussen drehen damit kein Kunde mehr in ein, huch phöses, Container”geschäft” hinein muss, ein Großautomat mit riesigem Fenstern nach allen vier Seiten, darin eben alles Gemüse und Obst gustierbar was verkauft werden soll, vorher abgewogen und verpackt auf Salathappel per Stück oder gängige Mengen, kleine Gewichtsdifferenzen sind in Kauf zu nehmen, aufmuntioniert wird von der Containermitte heraus, weiterhin einfach anonym bar oder exhibitionistisch mit Kreditkarte bezahlbar wie jeder Fahrkartenautomat, und gemma nochmal.

    Und wenn die deutschen Automatenbauer zu teuer sind, gibt es noch die Rotchinesen.

    Ein verdammt interessantes Konzept was der gute Mann da gemacht hat.

  9. Cora

    Vielleicht wenn er eine Genossenschaft mit seinen regionalen Zulieferern als Mitglieder gegründet hätte, dann hätte es funktioniert, z.B. so wie in Hartberg die “Biosphäre”, mit dem ältesten Bioladen Österreichs…
    https://rueckenwind.coop/?p=1064

    Aber wenn man sich lieber gegen die Gesetze stemmt, diese nicht brechen kann, weil in einem Rechtsstaat wie in Österreich das nun mal nicht leicht geht und und sich nachher als Opfer darstellt, bitte. Oder wollen Sie in einem Land leben, wo alles jedem erlaubt ist. Anarchie? Als Ordoliberaler kann ich der Schließung nur zustimmen und hoffen, dass bei Herrn Goldenits Einsicht einkehrt.
    Und übrigens wer einem einen Hofladen in Selbstbedienung als Automat verkaufen will, … ganz schlechte Idee.

  10. Kluftinger

    @Cora
    “wo alles jedem erlaubt ist”?
    Waren sie schon ausserhalb Österreichs? ( von den USA rede ich gar nicht) Kennen sie andere Staaten die keine Zwangsmitgliedschaften bei Kammern kennen. Kennen sie Situationen, wo nicht ein so rigides Gewerberecht herrscht?

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