Ein Wahlsieg, der sich nicht gewaschen hat

Von | 11. Mai 2017

(ANDREAS UNTERBERGER) Man sollte das französische Wahlergebnis zumindest eine Sekunde lang nüchtern analysieren – auch wenn derzeit eine breite Volksfront der politmedialen Klasse noch siegestrunken feiert. Der “große” Wahlsieg des Emmanuel Macron wird überall mit 66,1 Prozent verkündet. Das betrifft aber nur den Anteil der gültig abgegebenen Stimmen. Der Macron-Sieg wird hingegen sehr klein, wenn man anschaut, wie wenige Franzosen diesmal zur Stichwahl gegangen sind (75,1 Prozent sind der zweitniedrigste Wert der Geschichte), wenn man weiters einberechnet, dass auch von denen, die hingegangen sind, eine absolute Rekordzahl ungültig oder weiß gewählt hat (11,6 Prozent). Gültig gewählt haben nur 63,5 Prozent.

Wenn man das durchrechnet, dann stehen hinter dem großen Wahlsieger plötzlich nur noch 42 Prozent aller erwachsenen Franzosen! Interessanterweise wird in fast keinem der europaweit derzeit Macron feiernden Medienkommentare diese Zahl erwähnt.

Diese Zahl und der große Anteil der Nicht- oder Ungültigwähler sind aber sehr ernst zu nehmen. Sie bedeutet zwar keineswegs, dass Marine Le Pens Niederlage doch nicht so arg ist – ganz im Gegenteil, auch ihr Wert schrumpft auf 21,5 Prozent.

Sie bedeutet aber, dass die klare Mehrheit der Bevölkerung nicht hinter dem neuen Präsidenten steht. Dass der Mann, der (wieder einmal) Frankreich zu einigen verkündet, nur eine Minderheit vertritt. Dass die Kluft zwischen der geschlossen-pathetisch auftretenden politischen Klasse und der Bevölkerung tiefer denn je ist. Dass Macron, der bisher fast keine Inhalte und fast kein echtes Programm kommuniziert hat, noch viel weniger Unterstützung haben wird, wenn er endlich konkrete Maßnahmen versucht, die notgedrungen den Franzosen oder einem Teil von ihnen in dem von Defiziten und Wirtschaftsschwäche geplagten Land wehtun. (hier)

16 Gedanken zu „Ein Wahlsieg, der sich nicht gewaschen hat

  1. sokrates9

    Da wurden ja 24 Stunden vor der Wahl jede Menge belastender Dokumente von Macron veröffentlicht, die dann in bisher einzigartiger Art und Weise von der französischen Justiz sofort wieder”eingesammelt” wurden. Mich wundert, dass diese nicht im Ausland veröffentlicht wurden. Funktioniert die Zensur schon Europaweit perfekt?
    Keine Ahnung inwieweit diese Dokumente stimmen, die eine Menge von illegalen Machinationen aufweisen!
    Sie sind aber sicherlich realistischer als Macron`s Aussagen, indem sich der Banker, der jahrelang bei Goldmann und Sachs gearbeitet hat offiziell beinahe mittellos und fast als Sozialfall darstellt!

  2. Fragolin

    @sokrates9
    Kann auch sein, dass diese “Hackerangriffe von Russen und ultrarechten Amerikanern” ein Fake waren, aus der nackten Angst geboren, LePen könnte gewinnen. Man hätte dann einen Hebel gehabt, um die Wahl kurzerhand für ungültig zu erklären und wiederholen zu lassen.
    Ich traue den Puppenspielern zu, mehrere Szenarien geplant zu haben, um immer das “richtige” Ergebnis zu bekommen…

  3. Thomas Holzer

    “Das betrifft aber nur den Anteil der gültig abgegebenen Stimmen. ff”

    Würde diese Rechnung Herr A.U. mit gleicher Verve z.B. auch bei den Türken anstellen, welche vor ein paar Wochen für die “Vorstellungen” des Herrn Erdogan in Österreich gestimmt haben?!

    Anscheinend wird es mittlerweile Mode, Wahlergebnisse, je nach Ausgang und eigenen Vorstellungen, in Relation zu allem Möglichen zu stellen.

  4. stiller Mitleser

    @ Thomas Holzer
    bei Wahldaten Interrelationen anzusehen ist schon interessant und Unterbergers spezielle Talente sind u.a. auch Genauigkeit und die Fähigkeit Details nicht außer Acht zu lassen; es ist bei Journalisten relativ häufig, lang aktiv zu sein, aber bei den meisten ist dann doch keine Entwicklung mehr zu beobachten, während Unterbergers Texte lockerer, persönlicher und witziger geworden sind

    zu den ungültigen Stimmen:
    die kommen hauptsächlich von den 19% Melenchon-Wählern aus dem ersten Wahlgang

  5. sokrates9

    Fragolin@ Was ist fake? wenn ein Banker der jahrelang bei Goldmann und Sachs gearbeitet hat sich als mittellos darstellt oder gehackte Mails die darstellen wohin diverse “Ersparnisse” geflossen sind??

  6. mariuslupus

    Herr Unterberger hat nicht den Anteil der Muselmanen Stimmen für Macron erwähnt. Konnte er auch nicht. Diese Statistik wir nirgends erscheinen. Tatsache ist, dass die Stimmen der Eingewanderten, für ihre Nichtintegration mit einer Staatsbürgerschaft belohnten, ihre Stimmen immer dem Linken MultiKulti Kandidaten geben werden. Dieser Anteil wird bei jeder Wahl, wo auch immer in der EU ansteigen und wird über die Ausrichtung der zukünftigen Politik, entscheiden.
    Zu hoffen ist, dass auch in der Zukunft die Visegrad Staaten und das Baltikum eine Ausnahme bleiben
    werden.
    Tatsache ist, und dass ist für die Zukunft Europas entscheidend. Macron wird im Duumfeminat mit Merkel die
    illegale Zuwanderung von Moslems nach Europa weiter erfolgreich vorantreiben.
    Auf andere Bereiche der hat er keinen Einfluss. Macron wird nicht in der Lage sein, sollte er es überhaupt wollen, die reglementierte Wirtschaftspolitik zu liberalisieren. Die produzierende Wirtschaft braucht die ” Unterstützung” der jeweiligen Regierungen nicht, war bis jetzt immer kontraproduktiv.
    Aussenpolitisch wird er zum Merkel`s Anhängsel und damit eine kleine Null. Niemand wird ihn aussenpolitisch ernst nehmen und niemand wird interessiert die Meinung des Musterknaben zu hören.
    Von Merkel bekommt er Direktiven. Welche Themen sind für Putin, Trump, May relevant, um die Meinung von Macron zu hören ?
    Le Pen müsste man mit ihren Forderungen ernst nehmen und die EU wäre gezwungen mit ihr zu reden. Eine klare Aufwertung Frankreichs. Aber Macron ?

  7. Thomas Holzer

    @stiller Mitleser 09:08h
    Ob Herr A.U. die gleiche Akribie den “Wahlergebnissen” der von mir erwähnten Abstimmung angedeihen lassen würde, wage ich zu bezweifeln.
    Außerdem kann ich mich noch gut an den “Sturm der Entrüstung” erinnern, als Journalisten, Politikerdarsteller, “Türken-Vertreter” in diesem Lande etc. eben diese Akribie und Differenzierung der “73% Ja-Stimmen für die Verfassungsreform” zur Anwendung brachten.

    Diese -ja politisch motivierte- “Berichterstattung -von allen Seiten- enerviert mich sehr, und ist einer halbwegs sachlichen Diskussion sehr abträglich

  8. Fragolin

    @sokrates9
    Diese ganze Figur ist ein Fake.
    Wie unser Bundeswauwau. Es wird jetzt Strategie der Verteidiger der Pfründe, die aus ihren eigenen Parteien nichts Wählbares mehr aufstellen können, Strohpuppen aufzublasen und bunt anzumalen. Als gütige Alpen-Opas oder als kernige Macher verkleidete Plaudertaschen ohne Inhalt. Damit die Leute irgendwas zu wählen haben, und sei es ein Schimpanse im Anzug, um die bösen “Rechtspopulisten” zu verhindern.

  9. Mona Rieboldt

    Marine sagte vor der Stichwahl, Frankreich wird in jedem Fall von einer Frau regiert, entweder von ihr oder von Merkel. So sehe ich Macron auch. Es wird mit ihm keine Reformen der franz. Wirtschaft geben. Für die französischen Defizite will er deutsches Geld.

  10. sokrates9

    Mona Riebold@..Für die französischen Defizite will er deutsches Geld…
    und das wird er auch bekommen! Die deutsch- Französische Freundschaft darf doch wegen schnöden Mannons nicht in Frage gestellt werden!

  11. Mona Rieboldt

    sokrates9
    Sie müssen es aber nicht mariuslupus nachmachen, der meinen Namen meistens falsch schreibt. Sonst bin ich noch beleidigt *lach*

    Was Macron angeht, klar bekommt er Geld von Merkel, wie es auch Hollande schon bekommen hat.

  12. sokrates9

    Mona Rieboldt@ Sorry sie haben 2 ganz harte “T” gut! 🙂

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