Eine Frage der Augenhöhe

Von | 18. August 2015

(von Peter STIEGNITZ)  Es gibt kein weltweites Problem mit dem Islam; nur eines des  Unverständnisses und der Unkenntnis. Wir Abendländer haben es nie gelernt, mit dem Islam „umzugehen“. Sonst müssten wir es wissen, dass hinter dem IS-Terror niemand anderer als der geistige Vater des Salafismus, Ahmad ibn Taymiyya (1263-1328) steht. Dieser blendende, vielwissende Rechtsgelehrte, der die Thora wie das Neue Testament gut kannte, dieser rückwärts denkende „Reformator“ predigte die Rückkehr zu den „Ahnen“ (salafs), wie einst der „evangelische“ Luther zu den Anfängen des Christentums. Taymiyya, der Sunnit, verlangte vor allem „Gehorsam vor Gott“ und verbot darüber hinaus jedwede Verehrung von Kultstätten und hat sogar den Besuch von Gräbern untersagt. Eine Ironie des Schicksals: Sein Grab wurde sechs Jahrhunderte lang von seinen späteren Anhängern und Pilgern eifrigst besucht. – Der IS  tötet die Schiiten, die Aleviten, alle anderen muslimischen „Abweichler“ genauso wie Christen, und zerstört die Denkmäler. wie ibn Taymiyya das einst verlangte.

Die größten Schwierigkeiten, wenn auch keine expliziten Probleme, gibt es hingegen mit dem so genannten Euro-Islam. Die in Europa lebenden Muslime, vor allem die zweite und dritte Generation, verliert, trotz Mosche-Besuchen und täglich fünfmaligen Betens den lebendigen Bezug zum Islam. Nur so ist es zu verstehen, dass Taymiyyas späte Nachfolger wie ein Magnet auf verzweifelt suchende junge Muslime wirken. Ein weltweiter Dialog mit dem Islam ist nicht notwendig; das übernehmen Waffen-, wie Ölhändler, Exporteure und todesmutige Entwicklungshelfer. Ein Dialog mit dem Euro-Islam ist jedoch notwendig; sogar ein Gebot der Stunde. Natürlich sollten Dialoge auf Augenhöhe geführt werden. So lange jedoch die abendländische Emanzipation auf die morgenländische Tradition trifft, bleibt die „Augenhöhe“ frommes Märchen naiver Linksliberaler.

 

Wir haben Adam und Eva gerächt: Gott hat die beiden Apfelesser aus dem Paradies gejagt, wir vertreiben Gott aus unserer armseligen Welt und erklären die EU abendland- und religionsfrei. Das Rezept gegen diese seelische Leere heißt die Wiederentdeckung der abendländischen Tradition: die jüdische Religion, die christliche Religionsverbreitung, die griechische Philosophie, die römische Politik und die Kantsche Aufklärung. Unser gängiger Fehler, die Aufklärung zur alleinigen Quelle unserer Tradition zu erheben, störte bereits die Lehre Freuds: „Die Psychoanalyse warnt uns vor dem Autonomieideal der Aufklärung, die zu einer psychologischen ,Kultur des Narzissmus´ degeneriert.“

 

Natürlich ist auch unser Abendland nichts Monolithisches; es speist sich aus zahlreichen Quellen, von den mesopotamischen und ägyptischen Hochkulturen bis zu den afrikanischen und asiatischen Einflüssen. Auch hier zeigt sich allerdings ein wesentlicher Unterschied zum islamischen Orient, der sämtliche asiatischen Kulturen wie Hinduismus, Buddhismus, Konfuzianismus, außer Acht ließ; deshalb auch die scharfe Abgrenzung des traditionellen Islam zu allen „ungläubigen“ Kulturen.

 

Wir werden nur dann mit den Problemen fertig, wenn sich das Abendland auf seine Geschichte besinnt. Heute ist die Situation zwischen Orient und Okzident noch anders: Menschen des Abendlandes ohne Geschichte verstehen die Gegenwart nicht und haben keine Zukunft; Menschen des Morgenlandes ohne Zukunft verharren in der Geschichte und halten diese für die Gegenwart.

 

10 Gedanken zu „Eine Frage der Augenhöhe

  1. astuga

    Also erst mal rekrutiert sich die Salafiyya und der IS vor allem aus orientalischen Muslimen (auch wenn für westliche Medien natürlich die aus Europa stammenden Extremisten interessanter sein mögen).
    So gesehen passt schon mal das Argument mit den verwirrten jungen Muslimen eines Euro-Islam nicht.
    Wobei auch nicht gesagt wird, was das sein soll.

    Es gibt keine europäische Rechtsschule oder anerkannte eigenständige islamische Autorität in Europa, die gab es in Wahrheit nicht mal im oftmals zitierten al-Andalus, dass die längste Zeit von Fanatikern aus Nordafrika beherrscht wurde (Almohaden und Almoraviden).
    Es gibt mehr oder weniger islamisch gebildete Personen, die entweder sagen was ein vorwiegend nichtmuslimisches Publikum hören möchte (in guter Absicht zwar, aber nicht fähig kritische Punkte wirklich anzupacken – weil der Islam selbst ja ohne Fehler ist, nur einige Muslime machen Fehler).
    Und es gibt die dreisten Lügner und Heuchler, die das alles vorsätzlich und mit böser Absicht tun.
    Die auch vor einem muslimischen Publikum völlig anders reden als für uns Nichtmuslime.
    Beide sind aber letztlich Importphänomene.

    Der letzte Absatz trifft es meiner Meinung nach jedenfalls noch ganz gut.
    Wobei es aber ein Grundübel des Islam ist, dass er sich auch als Endpunkt der Weltgeschichte versteht.
    Allah hat seinem letzten Propheten (dem Siegel der Propheten) die endgültige Wahrheit und Ordnung für die Menschheit auf Erden offenbart – Punktum
    Was bitte soll danach noch kommen, nach dem Gipfel folgt nichts mehr (Man kann sich gegebenenfalls auf eine bessere Vergangenheit berufen: die Zeit vor dem Islam gilt als Zeit der Ignoranz – Jahiliyya, manche Muslime sehen die heutige Zeit wegen der Schwäche der Muslime als eine Art Neo-Jahiliyya, eine Epoche neuerlicher Ignoranz).
    Alles was noch bleibt ist die gesamte Menschheit zu islamisieren, den Rest als Dhimmi zu unterwerfen, und die Götzenanbeter und nicht unterwürfigen Buchgläubigen auszulöschen.

    Auf Augenhöhe kann man dem Islam jedenfalls nicht begegnen (wie gefordert), da würde auch eine Re-Christianisierung und weniger “narzistische Autonomie” des Westens nichts helfen.
    Denn der Islam kennt kein Konzept der Augenhöhe (wer bitte soll auf Augenhöhe mit Gott und göttlicher Wahrheit sein?).
    Und alles was Ahmad ibn Taymiyya als “Begründer” des Salafismus getan oder gepredigt hat, war eben bereits Muhammeds Programm und jenes der Imam Khalifa (der ersten und Rechtgeleiteten Kalifen).
    Festgeschrieben im Verhaltenskodex der Sunna (laut Ahadith und Sirah).
    No better news…

  2. astuga

    Als Nachtrag, fürs bessere Verständnis:
    Das Christentum könnte man als Vollendung des messianischen Judentums betrachten.
    Der Islam aber versteht sich als Korrektiv von Juden- und Christentum.
    Die beide zwar ursprünglich authentische göttliche Offenbarung besaßen, dann aber zu religiösen Irrläufer wurden.
    Und mit verfälschten Religionen befindet man sich eben nicht auf Augenhöhe.
    Erst recht nicht wenn Muhammed seine ganze Legitimation alleine daraus bezieht, dass die anderen vom Weg abgekommen sind.

  3. Fragolin

    Abgesehen davon, dass @astuga schon vollkommen richtig klargestellt hat, dass es keine “Augenhöhe” mit Vertretern einer Religion geben kann, die ihren Angehörigen faktisch den Status gottgegebenen Herrenmenschentums verleiht: Mit WEM will man sich denn da auf Augenhöhe treffen? WER ist der Islam? Im Gegensatz zu den Päpsten und Patriarchen der christlichen Glaubenslehren besitzt “der Islam” keine Ansprechperson. Sogenannte “Glaubensgemeinschaften” und ähnliche Vereine repräsentieren oft nur einstellige Prozentzahlen der Gläubigen und besitzen faktisch keinerlei Legitimation zur Gesprächsführung.
    Es kann keinen “Dialog” mit “dem Islam” geben, denn es existiert kein Dialogpartner! Ich kann nur mit einem beliebigen Moslem reden, und der hat die explizite Anweisung von seinem Propheten, mich so lange zu belügen und zu betrügen, bis er mich beherrschen kann. Es muss nicht sein, dass er diesem Wort folgt, aber was wenn doch? Wo keine noch so winzige Vetrauensbasis existiert, ist jeder Dialog müßig. “Wir können darüber reden, aber ich werde dir kein Wort glauben.” Was soll das?
    Anhänger eines Glaubens, der nicht nur die Unterwerfung predigt sondern weltweit gerade exzessiv auslebt, sind keine Gesprächspartner. Das ist so skurril, als hätte man den Juden geraten, sich doch nett mit den Nazis an einem runden Tisch zu treffen.

  4. nattl

    Die einzige Lösung gegen eine blutrünstige Beduinenreligion ist, dass sich der europäische Mensch ebenfalls wieder obskuren Wüstenreligionen zuwendet oder was?

    Wenn Zuwanderer eines Kulturkreises es nach drei Generationen nicht schaffen, sich in die Gesellschaft ihres Wunschlandes zu integrieren, wohingegen Zuwanderer aus anderen Ländern nach drei Generationen praktisch nicht mehr von der autochthonen Bevölkerung zu unterscheiden sind (außer vielleicht durch Aussehen und den Familiennamen), dann sollte man die Ursache des Problems vielleicht bei dieser speziellen Zuwanderergruppe suchen und nicht dauernd entschuldigend etwas von Religion stammeln und den Fehler bei sich selbst suchen. Letztendlich ist es genau diese kriecherische Selbstverleugnung, welche Zuwanderer ermutigt, sich gar nicht integrieren zu müssen sondern anstelle dessen zu fordern.

  5. cmh

    Der Islam ist eine Religion wie MacDonalds ein Restaurant ist.

    Es gibt gewisse Vorgaben, die eingehalten werden müssen, aber ansonsten macht jeder was er will. Jeder ist sich sein eigener Sultan und treffen zwei Sultane aufeinander, dass ist entweder der eine der Sklave des anderen oder der beide sprechen sich gegenseitig die Rechtgläubigkeit ab.

    Wenn man also mit dem Islam auf Augenhöhe verkehren möchte, dann sollte man zuerst von ihm eine Antwort auf die Frage des Kaisers Michael Palaiologos (aka Regensburger Rede des Papstes Ratzinger): Was hat denn der Islam Neues gebracht, das besser als das von Christenum und Judentum ist?

    Es gibt keine Antwort. Ich habe jedenfalls noch nie eine gehört.

  6. Fragolin

    Der Witz an der Integrationsdebatte ist der, dass es gar nicht um Integration geht. Es gibt asiatische Neubürger zuhauf, die an keinem Punkt auch nur daran denken, ihre Kultur gegen unsere einzutauschen, die ganze Straßenzüge deutscher Großstädte in Parallelgesellschaften verwandeln – und trotzdem gibt es keine Probleme mit ihnen!
    Es ist die arabische Herrenmenschenmentalität und die damit einhergehende Unfähigkeit, ein friedliches Nebeneinander mit den Minderwertigen auch nur zu akzeptieren, was ein Zusammenleben mit diesen Menschen und ein Leben “auf Augenhöhe” unmöglich macht. Der Islam verschafft seinen Anhängern einen Auserwähltenkomplex, der besonders bei einigen der vor Selbstbewusstsein platzenden Südländer immer wieder zu Aggressionsschüben und kompletter Inkompatibilität mit Andersdenkenden führt.
    Mag sein, dass nicht alle Moslems so sind. Nur einige werden aktiv, aggressiv, terroristisch. Einige mehr betrachten dies mit Wohlgefallen. Viele nehmen es mit verhohlenem Wohlwollen schweigend zur Kenntnis. Einige wenige kritisieren es leise. Das Gesamtbild besitzt für mich keinen einzigen Ansatz gegenseitigen Vertrauens, und ohne den bleiben Moslems für mich mit uns und unserer westlichen Welt inkompatibel. Im Gegensatz zur Sprechblasenmutti in Deutschland und ihren sie umschwänzelnden Pudel sehe ich es absolut nicht so, dass der Islam zu Deutschland gehört. Und zu Österreich auch nicht. Integration hin oder her.

  7. astuga

    @cmh
    Aus unserer Sicht hat der Islam (oder Muhammed) natürlich nichts Neues gebracht.
    Aus islamischer Sicht ist der Quran allerdings die bedeutendste Quelle göttlicher Offenbarung und das wichtigste Kulturgut der Menschheit.

    Er gilt als Mujizza, ewig und unerschaffen,und als unmittelbares Wort Gottes auch Teil Gottes (der eigentliche Quran befindet sich auch nicht auf der Erde sondern bei Gott, ist jedenfalls eine verbreitete Ansicht).
    Was amüsant ist, da doch Muslime derart Problem mit dem Konzept des Heiligen Geistes bzw der Trinität haben.
    Dabei beten sie selbst nicht nur Gott an, sondern auch dessen manifestiertes Wort und einen mutmaßlich heiligen Stein.
    Die einzigen die das anders sahen waren die Mutaziliten, für sie war der Quran bloß ein heiliger Text.
    Man überstrapaziert das meist und bezeichnet sie deshalb als rationale Strömung des historischen Islam.
    Anfangs wurde sie von einer Art islamischen Inquisition verfolgt (Mihna), als sie vorübergehend an die Macht kamen verfolgten sie dann damit die anderen Muslime.

    Allerdings ist die Sunna (Weg nach dem Vorbild Muhammeds) bzw der Islam keineswegs so beliebig wie du denkst.
    http://de.calameo.com/books/0003319354ce91dd821bf
    Interessant ist auch die Unterscheidung von Muslim (Islam) – Muminin (Iman) – Muhsin (Ihsan)

    Know your friends, but know your enemies even better!

  8. astuga

    Die Hoffnung darf man nicht aufgeben, ebenso wenig wie die Standhaftigkeit.
    Aber schnell wird es nicht gehen, und es wird seinen Preis haben.
    Wir müssen dabei wohl in Generationen denken.
    Auch in der Vergangenheit haben die Europäer niemals aufgegeben, und die Lage war meist sogar aussichtsloser.
    Und Teile der Eliten sind dabei immer zu den Muslimen übergelaufen.

    Denken wir an die Spanier, Griechen, Bulgaren oder Serben.
    An die Russen und Polen, oder an uns Österreicher, auch damals haben wir erst begonnen uns zu wehren als es man es uns aufgezwungen hat.
    Davor haben die Habsburger sogar jahrzehntelang Tributzahlungen an die Hohe Pforte geleistet, um (wenigstens große) Überfälle und Kriege zu vermeiden.
    Kam das Geld zu spät, hat man in Istanbul auch schon mal ein paar Christen an der Stadtmauer aufgehängt.

  9. astuga

    Oops, jetzt ist der Kommentar weg auf den ich oben geantwortet habe…

  10. KClemens

    Also der IS erinnert eher an Savanarola, denn an Luther.

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