Eine Frage des Systems

Von | 23. Oktober 2021

(CHRISTIAN ORTNER/WZ) Geht es nach Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne), dürfen in Österreich spätestens nach 2030 keine Autos mit Verbrennungsmotor mehr zugelassen werden; natürlich des Klimas wegen. Stattdessen soll, mit einer Mischung aus sanftem Zwang und finanzieller Zuwendung, das E-Auto zur dominanten Art werden; auch in der EU geht es ja in diese Richtung. Kommt das gesetzlich tatsächlich so, dürfte damit eine andere Alternative zu Benzin und Diesel weitgehend abgewürgt werden: sogenannte synthetische Kraftstoffe, die es ermöglichen, die heute noch vorherrschenden Motorentypen und Tankstellennetze weiter wie bisher, allerdings ohne die klimaschädlichen CO2-Emissionen zu verwenden. Auch der Betrieb heutiger Generationen von Passagierflugzeugen ist so klimaneutral möglich.

Noch sind diese Treibstoffe nicht wirklich praxistauglich; sie sind wesentlich teurer als herkömmliche und verbrauchen bei der Herstellung zu viel Energie. Doch diese Probleme dürften früher oder später zu lösen sein, weltweit forschen High-Tech-Konzerne wie Porsche oder die Grazer AVL-List daran, den Öko-Sprit zur Serienreife zu bringen. Das sollte also irgendwann einmal klappen – und könnte ermöglichen, dass alle herkömmliche Autos weiter fahren könnten, keine neue Infrastruktur nötig wäre und auch der Ferienflieger nach Malle oder gar der teuflische Kurzstreckenflug von Wien nach Innsbruck klimafreundlich möglich wäre, ganz ohne Flugscham. Der Königsweg zum Klimaschutz, sozusagen.

Doch interessanterweise lieben weder die außerparlamentarische Klimaschutzbewegung noch große Teile der diesfalls oft grünen Politik diese Technologien, auch im Wiener Ministerium.

Begründet wird das mit den heute ja tatsächlich noch vorhandenen ökonomischen und technischen Nachteilen. Doch drängt sich auch der Verdacht auf, dass die mangelnde Zuneigung zu den synthetischen Kraftstoffen bei vielen Grünen und Ökos einem paradoxen Grunde geschuldet ist: dass diese es nämlich erlauben würden, in vieler Hinsicht so weiterzuleben, wie dies heute der Fall ist, sowohl was Autofahren anlangt als auch Fliegen. Also das, was sich wohl die Mehrheit der Menschen wünscht. Und genau das wollen ja zumindest Teile der Klimaschutzbewegung verhindern. Mehr oder weniger offen fordern sie, wie etwa die hierzulande bekannte Klimaschutzaktivistin und Meteorologin Helga Kromp-Kolb, einen Systemwechsel, soll heißen: „Wir brauchen das Gegenteil von freier Marktwirtschaft.“ Sie ist damit nicht alleine, ganz im Gegenteil. „System change, not climate change“ ist eine der zentralen Losungen von Greta Thunberg und „Fridays For Future“.

Klimaschutz wird solcherart zur politischen Mobilisierungsstrategie, um eine übergeordnete antikapitalistische und planwirtschaftliche Agenda durchzusetzen, die auf demokratischem Wege sonst nicht durchsetzbar wäre. Jede Technologie aber, die es ermöglicht, ganz ohne Systemwechsel weiterzumachen wie bisher, erscheint in diesem Lichte natürlich politisch extrem geschäftsschädigend. Klimaschutz ohne Systemwechsel, das darf nicht sein.

11 Gedanken zu „Eine Frage des Systems

  1. Kluftinger

    Manes Sperber schreib einmal: „Sie reissen die Wegweiser aus ohne zu wissen wohin die neuen Weg führen sollten“.
    Und was die Frau Prof betrifft: man sollte sich erinnern, dass auch ein Prof. der BOKU zu Zeiten des „Waldsterbens“ prognostizierte dass es in 20 Jahren (von damals an gerechnet) in Österreich keinen Wals mehr geben wird.
    Soviel zur Seriosität von Wissenschaftlern die ihre Kompetenz überschreiten!

  2. hausfrau

    Man sollte endlich überdenken, ob die geübte Toleranz jedem gegenüber, speziell denen, die offensichtlich Pech beim Denken haben wirklich zielführend ist.
    Schließlich gibt es wirkliche Fachleute, und die erkennt man unschwer an ihrer Regierungsferne.

  3. Selbstdenker

    Perfekt auf den Punkt gebracht, Herr Ortner!

    The issue is never the issue.

    Es geht um eine Machtergreifung.

    Das System der freien Marktwirtschaft – idealerweise auch der freiheitlich und rechtsstaatlich verfassten Demokratie – funktioniert bottom-up.

    Die Putschisten der NGOs und auch vom WEF wollten ein hydraulisches System (top-down) errichten, bei dem sie immer an der Quelle sitzen.

    Technische Alternativen werden systematisch ausgeschaltet.

  4. Falke

    Das Traurige dabei ist, dass ein großer Teil des (einfachen) Volkes das tatsächlich glaubt, vor allem auch die Jugend, die in der Schule wirtschaftsfeindlich und linkssozialistisch indoktrineirt wird, während die (vorgeblich) wirtschaftskompetenten Parteien offenbar aus Angst vor Wahlniederlagen hier voll mitmachen.

  5. Johannes

    Interessant finde ich die heute von Frau Gewessler gefeierte Ticket-Lösung.
    Es ist nämlich so das den vom Steuerzahler mitfinanzierten Tickets überhaupt keine infrastrukturellen Fortschritte gegenüberstehen.
    Sie werden am Land noch immer auf einem einsamen Bahnhof stranden und sie werden im Frühschichtzugverkehr noch immer in überfüllten Zügen stehend die Fahrt zur Arbeit verbringen und wenn ein Zug ausfällt werden sie sich entweder in den überfüllten nachkommenden Zug pressen oder wenn der zum besten voll ist auf den nächsten warten und Zeit versäumen.
    Sie werden mit regelmäßigen Zugfahrzeitänderungen in die Situation kommen jeden Tag nach einem schweren Arbeitstag laufend dem abfahrenden Zug hintergerzuhetzen und mit dem Anschlußzug eine Stunde später nach Hause zu kommen.
    Sie werden die abenteuerlichsten Geschichten erleben und oft das Gefühl haben in einem fremden Land zu reisen.
    Sie werden der Grippe und Covid 19 nah sein wie nirgends anderswo, sie werden sich nach ihrem Aoto und der angenehmen Atmosphäre der Privatheit sehnen.
    Ich bin wohl an die 17 Jahre mit dem Zug gefahren und aufs Auto umgestiegen als ich nach einer Fahrplanänderung keine Chance mehr hatte ihn zu erwischen.
    Seither bin ich ein entspannter Mensch geworden und habe in Summe 2 Stunden am Tag gewonnen.

  6. Menschmaschine

    Es ist Sozialismus, wieder mal, der als letzte Babuscka-Puppe zum Vorschein kommt.
    Was anderes als ihre zig mal gescheiterte und längst überkommene Ideologie hat die Linke nicht drauf.
    So sad.

  7. aneagle

    Endlich zeigen die Kryptokommunisten (und was sind die Grünen denn anderes?) ihr wahres Gesicht. Gut so !
    Angesichts der Alternativen sollten die Lithium verseuchten E-Autos kaum Zukunft haben. Die Batterien sind definitiv das Umwelproblem der Zukunft und eigentlich sollten die Grünen längst ein Glaubwürdigkeitsproblem haben. Jedoch die grüne Cancel-Kultur hat nur Verbote und Verzicht im Programm. Mit den erwartbaren Mobilitätsbeschränkungen und hausgemachten E- Blackouts, spielt sie der großen Transformation, für alle sichtbar, in die Hände. Fortschritt sieht anders aus. Daher gilt für alle, die (noch) den Wert der Freiheit wahrnehmen können, Einsteins Zitat:
    „Die Welt wird nicht bedroht von den Menschen, die böse sind, sondern von denen, die das Böse zulassen“

  8. Johannes Fechner

    Ja, … verbrauchen bei der Herstellung zu viel Energie. Doch diese Probleme dürften früher oder später zu lösen sein, …
    Nur verrät uns niemand wie das gehen soll, die benötigten Mengen mit erneuerbaren Energien und ohne Atomstrom zu produzieren. Daher ist das nur eine Strategie, um den Systemwechsel zu verhindern.

  9. Johannes

    @J.Fechner Habe ihr Statement nicht verstanden, könnten Sie es konkretisieren?

  10. Dr.Marseille

    die Absurdität dieser präpotenten planwirtschaftlichen Nötigungspolitik, dass nach den vorliegenden Daten ein Elektro-Fahrzeug in der Gesamtbilanz schädlicher ist, als ein Dieselgetriebenes, ist wirklich unüberbietbar. Das Gerede von „emissionsfreien“ E-mobilen ist nichts anderes als eine Propagandalüge.

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