Eine Hetz, aber kostet viel…..

(GEORG VETTER) In Wien – wie vermutlich anderswo auch – muss der Mob ab und zu die Sau rauslassen. Dann mutiert für ein paar Stunden der Widerstand gegen die Staatsgewalt zum Kavaliersdelikt. Jüngster Anlass war ein FPÖ-Ball in der Hofburg, der den Schwarzen Block zur gewalttätigen Reaktion veranlasste. Die Rechte hier und die Linke da hatten ihre Hetz und dürften mit dem Abend zufrieden sein. Dass zahlreiche Schaufenster zu Bruch gingen und ausgerechnet am Hof – da wurde doch 1848 der Latour auf einem Laternenpfahl aufgehängt – nicht nur ein Polizeiauto, sondern gleich eine ganze Polizeistation zertrümmert wurden, scheint bloß ein paar Spießer zu interessieren. Eben all jene, die daheim geblieben sind und das Theater finanzieren. Die bürgerliche Masse ist daher die große Verliererin dieses Abends. Aber es gibt auch eine wirkliche Gewinnerin: Die Polizei – auf die von links und rechts mit den Fingern gezeigt wird. Selten waren die Sympathien der breiten Bevölkerung so sehr auf der Seite der Ordnungshüter wie in jener Nacht.

16 comments

  1. Dr. Dieter Zakel MA

    Man sollte auf dem Gelände der Völkerschlacht bei Leipzig ein Turnier Rechts gegen Links austragen. Jährlich. Freie Wahl der Waffen. Der Überlebende hat für ein Jahr “Recht”.

    Problem gelöst…

  2. Christian Peter

    Die FPÖ wird es freuen : Gratis-Sendezeiten auf allen Kanälen, sogar international.

  3. Thomas Holzer

    @Dr.Dieter Zakel
    Gute Idee; auch die Wiedereinführung des Duells würde wesentlich zu einem gepflegteren Umgang miteinander beitragen 🙂

  4. Thomas Holzer

    @Dr.Dieter Zakel
    Sie schreiben es!
    Nur die Politik versucht dem “vulgus populus” einzureden, daß alles so kompliziert sei;
    natürlich nur mit dem “Hintergedanken”, länger an den Futtertrögen der Macht verbleiben zu können, weil “komplizierte Probleme einer noch komplizierteren Lösung” bedürfen, welche natürlich länger dauert 😉
    Ein Schelm, wer “böses” denkt 🙂

  5. Rennziege

    26. Januar 2014 – 17:41 — Dr. Dieter Zakel MA
    Caro Dottore! Das gute alte Duell wäre in der Tat heilsam. Einziger Pferdefuß dabei: Es würde auch den Mut erfordern, für eine Meinung oder Beleidigung persönlich einzustehen und dafür eine Schramme oder einen Streifschuss in Kauf zu nehmen. (Üblere Blessuren waren auch in den späten Jahren der k.u.k. Monarchie nicht drin, wie u.a. bei Roda Roda nachzulesen: Die Sekundanten beendeten den Kampf beim ersten Blutstropfen; oft wurden auch Platzpatronen verwendet, um den Schein zu wahren. Womit der Offiziersehre beiderseits Genüge getan war.)

    Aber heutzutag’ gehen die Politbonzen ja nicht mal mehr auf ein verbales Duell ein, weil ihre geistigen und rhetorischen Defizite allzu augenfällig sind, sobald sie das Goscherl aufmachen. Also verlassen sie sich auf ORF-Sekundanten, deren Futterkrippen sie eigenhändig füllen, was für Loyalität sorgt.

  6. aneagle

    solche lustigen Abende werden der FPÖ jene 2% zusätzliche Stimmen bringen, die sie zur Kanzlerpartei machen. Durch den Intelligenzmangel der jungen Grünen und dem Laissez faire der alten Roten, kann es passieren, dass wir alle es mit einem Kanzler Strache werden aushalten müssen. Herr Strache,( eher ein Exot am Akademikerball !) erhält durch die rotgrüne Schützenhilfe unverdiente Sympathiepunkte. Das ist teurer für Österreich, als die Zerstörung durch kriminelle gewaltbereite Gangs, die sich als Helden fühlen. Hetzparolen, egal wessen Couleurs, gehören aus gutem Grund strafrechtlich verfolgt, Gewalttäter und Zerstörer, ausnahmslos in die gesetzlichen Schranken verwiesen. Fensterscheiben können sich nicht wehren, eine aufmerksame demokratische Zivilgesellschaft schon!

  7. Thomas Holzer

    @aneagle
    “Hetzparolen, egal wessen Couleurs, gehören aus gutem Grund strafrechtlich verfolgt, Gewalttäter und Zerstörer, ausnahmslos in die gesetzlichen Schranken verwiesen”

    Eben nicht!
    Hetzparolen -wer entscheidet eigentlich, was eine Hetzparole ist?- gehören eben nicht verboten und/oder strafrechtlich verfolgt!
    Für Gewalttäter und Zerstörer gibt es das Strafgesetzbuch, das reicht vollkommen!

  8. Mourawetz

    Die Polizei ist keine Frau, ebenso nicht die bürgerliche Masse, Sie können sich also getrost das “-innen” sparen.

  9. gms

    aneagle,

    nehmen Sie’s nicht krumm, wenn ich Nachfolgendes ausgerechnet an Ihren Worten festmache.

    “Fensterscheiben können sich nicht wehren, eine aufmerksame demokratische Zivilgesellschaft schon!”

    Ja – nein – vielleicht. Das Putzige an der Debatte ist ja gerade die Beliebigkeit der begrifflichen Inhalte. Was eine Fensterscheibe ausmacht, wird rasch unstrittig sein, bei “demokratisch” wird’s schon glitschig, aber wie jemand “wehren” in den Griff bekommen will, ist zwischenzeitlich völlig rätselhaft.

    Weniger kryptisch veranschaulicht dies nachfolgende Posse in drei Akten:

    Erster Akt – Ein selbsternannter Protagonist der wehrhaften und demokratischen Zivilgesellschaft rührt den Cocktail an.
    07.08.13 : “Sabotage als Systemkritik: Jakob Augstein will, dass wir uns zwischen Demokratie und Kapitalismus entscheiden. In seinem gerade erschienenen Buch ruft er offen zu Gewalt auf. ” [1]

    Zweiter Akt – Das Gift wirkt.
    21.01.14 : “Linksradikale wollen eine Lesung des Publizisten verhindern. Dort wollte Augstein erklären, weshalb auch gewaltsame Störaktionen gegen den Kapitalismus richtig sind. Wird er die Polizei rufen lassen?” [2]

    Dritter Akt – Der Patient überlebt als Zombie.
    25.01.14 : “Eigentlich wollte Jakob Augstein in Hannover über die Legitimation von Sabotage sprechen. Jetzt wurde er selbst von Linksradikalen sabotiert. Seine Lesung hat er kurzfristig abgesagt.” [3]

    Hört die “aufmerksame demokratische Zivilgesellschaft” inszwischen noch mehr, als die mitterdings hoffnungslos verwirrten Stimmen im eigenen Kopf? Entweder, die Gesellschaft zieht die Grenze dort, wo sie hingehört, nämlich in der konsequenten Unterscheidung zwischen Wort und Tat, oder sie landet in der Willkür, weil aus allem und jedem ein Recht zur Gegenwehr abgeleitet wird.

    [1] welt.de/kultur/literarischewelt/article118734534/Jakob-Augstein-ruft-zum-Farbbeutelwerfen-auf.html
    [2] welt.de/kultur/article124078473/Jakob-Augstein-der-Saboteur-wird-sabotiert.html
    [3] welt.de/kultur/literarischewelt/article124220733/Jakob-Augstein-sagt-umstrittene-Lesung-ab.html

  10. aneagle

    @ Thomas Holzer
    “Hetzparolen -wer entscheidet eigentlich, was eine Hetzparole ist?- gehören eben nicht verboten und/oder strafrechtlich verfolgt”
    Sie haben schon recht und vielleicht bin ich ja etwas blauäugig -aber würden Sie sich nicht dagegen verwahren dass z.B.:
    *Prediger einer Moschee in Wien zum bewaffneten Kampf gegen die Ungläubigen aufrufen…
    *bei einem Rapidmatch gegen Juden skandiert wird….
    * ihre jugendlichen Söhne sich aussuchen können welche von den Parolen “Unseren Hass könnt ihr haben”(=grün) oder “Heimatliebe statt Marokkanerdiebe” (=blau) cooler ist und ein beidseits neotolerantes Klima inhalieren dürfen?

    Redefreiheit Meinungsfreiheit Pressefreiheit, ein hohes Gut, schon klar, aber endet nicht die Freiheit des einen wo die des anderen beginnt? Eine Demokratie ist nicht nur dem Mehrheitsterror ausgesetzt sondern auch dem allseits verantwortungslos gefrönten Populismus. Und wenn Herr Augstein sich mit seinen Gewaltverherrlichungen endlich einmal selbst ins Bein geschossen hat, gönne ich ihm das zwar von Herzen, weiss aber um die ungelöste Problematik der Meinungsfreiheit. Aber ich gebe gerne zu: eine Lösung habe ich nicht anzubieten.

  11. gms

    aneagle,

    “Redefreiheit Meinungsfreiheit Pressefreiheit, ein hohes Gut, schon klar, aber endet nicht die Freiheit des einen wo die des anderen beginnt?”

    Will man Grenzen nicht an einem Abstraktum festmachen, muß man Reales heranziehen. Meine Haut gehört mir, die mich umgebenden Medien nicht. Wird etwa Luft akkustisch mit ungustigen Memen geteert und gefedert, mag mich das sinnbildlich berühren, aber definitiv nicht physisch.

    Anno dazumal hatten allfällig Betroffene solche Angelegenheiten selbst geregelt — entweder handfest, oder mangels Satisfaktionsfähigkeit mit dem gebührenden Desinteresse. Zugleich war es per Gesetz verboten, jemanden körperlich ohne hinreichenden Grund zu verletzen. Jeder konnte sich einem Duell entziehen, – mit dem strafenden Effekt des Ehrverlustes. Gewichen ist dieser individuelle Ehrbegriff dem kollektiven Alleskleber der Menschenwürde, die vorgeblich aus diesem oder jedem Grund mal so oder anders verletzt wird.

    Heute haben wir den Salat, wonach nicht nur der Grad, was jemand tolerieren muß, schwammig ist bis zum Abwinken, sondern die diversen Schutzzonen auch gar sonderbar angeordnet sind. Dieselbe Entwicklung kann man überall dort beobachten, wo Bürger ihre ureigensten Aufgaben an den Staat delegieren, respektive sich diese von ihm nehmen lassen.

    Eine Lösung kann nur in einer Umkehr bestehen, in einer Rückkehr zu stringent argumentierbaren Prämissen. Die Alternative ist eine vorgeblich wehrhafte Gesellschaft, die sich mit Gummiparagraphen selbst erdrosselt oder sich von jenen erdrosseln läßt, die gezielt den Begriff der Ehre aushöhlten, und dabei zugleich jenen der Würde ursurpierten und mit Unsinn aufluden.

    In einer konsequent zwischen Tat und Wort unterscheidenden Gesellschaft kann die Staatsgewalt niemals in Sachen Verbal-Verbrechen tätig werden. Sie mag hellhörig sein, wo Reizworte sich häufen, sie mag Ermittlungen in echten Straftaten dort ansetzen, wo sie begründet ihren Ausgangspunkt haben könnten. Alles andere aber führt zu Willkür. Exakt diese Willkür aber sollten wir mehr als alle noch so verletzenden Worte ablehnen.

  12. gms

    aneagle,

    danke für Ihren obigen Zuspruch. Hätte ich ihn früher bemerkt, wäre meine vorige und an Ihren Zeilen anknüpfende Sonntagspredigt vermutlich unterblieben oder kürzer ausgefallen.

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