Eine Million Euro für jedermann!

(C.O.)  Europas Wirtschaft lahmt bekanntlich gerade sehr, und eine wesentliche Ursache dafür ist die chronische Unlust von Konsumenten wie Unternehmern, Geld auszugeben.Einen bemerkenswerten Vorschlag, wie dies zu ändern sei, machte jüngst ein “profil”-Kolumnist: Die EZB möge einfach noch ganz, ganz viel Geld drucken und jedem Europäer in der Folge ein paar tausend Euro zukommen lassen. Damit würde dann wieder fröhlich konsumiert werden, die Unternehmer würden in der Folge wieder investieren, Problem gelöst. Eine Idee, die seit ein paar Wochen auch in anderen Medien, die in ihrer Selbstwahrnehmung nicht unter “Satire” rubrizieren, unter dem Stichwort “Geld aus dem Helikopter abwerfen” propagiert wird.

Warum sind wir da eigentlich bloß nicht früher draufgekommen?

Dass eine Gesellschaft wohlhabender wird, wenn sie nur möglichst viele Zettel Papier bunt bedruckt und “Geld” nennt, ist ja ein unwiderlegbares ökonomisches Grundgesetz. Deshalb waren ja etwa Österreich oder Deutschland in den 1920ern, als die Banknotenpressen auf Hochtouren liefen, so besonders florierende Volkswirtschaften. Auch die Bewohner Zimbabwes, dessen Notenbank im vergangenen Jahrzehnt die gleiche bewährte Methode angewandt hat, können berichten, wie wohlhabend eine Gesellschaft wird, deren Regierung einfach ausreichend Geld für alle druckt.

Leider kann man der im “profil” ventilierten Idee einen einzigen kleinen Vorwurf nicht ersparen: Sie wird irgendwie nicht konsequent genug zu Ende gedacht. Denn ein paar lumpige Tausender pro EU-Bürger würden möglicherweise nicht genug Kaufkraft schaffen, um Europas Konjunktur so richtig zu beleben. Viel effizienter wäre doch, gleich zu klotzen statt zu kleckern. Eine runde Million Euro pro Bürger, das wäre doch was, damit würden Häuser gebaut, Autos gekauft und neue Sitzgarnituren angeschafft, dass es nur so eine Freude wäre. Europas Wirtschaft würde einen einmaligen Boom erleben, die Arbeitslosigkeit verschwände, ein goldenes Zeitalter bräche an.

Wirtschaftspolitische Spaßbremsen, kleinliche Bedenkenträger und andere ökonomische Analphabeten wenden ein, dies würde nur Inflation und Hyperinflation herbeiführen. Aber dass man beliebig viel Geld drucken kann, ohne dass Inflation entsteht, haben uns zuletzt viele Notenbanker eingebläut; dass währenddessen der Preis praktisch aller Realwerte explodiert ist, hat bekanntlich eher mit dem Klimawandel, göttlichem Willen oder der Sonnenaktivität zu tun, aber doch nicht mit dem Gelddrucken.

Die Erfolg versprechende Aktion “Eine Million für jeden” sollte man für maximale Wirkung durch ein paar kleine juristische Maßnahmen ergänzen und etwa Haftstrafen für Banknotenfälscher ersatzlos streichen. Denn wer Geld druckt und in Umlauf bringt, ist ja in Wahrheit ein Wohltäter, der den Konsum ankurbelt, Jobs schafft und für Wachstum sorgt. Geldfälscher in Haft sind demnach Justizopfer, die sofort befreit, rehabilitiert und entschädigt gehören. Zu überlegen wäre auch, private Geldproduktion aus Mitteln der EU-Strukturfonds zu subventionieren, um möglichst viele Start-ups in diesem Gewerbe zu ermöglichen.

Denn so wird Europas Wirtschaft sicher genesen. Ganz sicher. (“WZ“)

 

13 comments

  1. Thomas Braun

    C.O. beginnt richtig, beschreibt aber nicht konsequent genug weiter, um auch dem letzten Dolm zu verdeutlichen, was Geldentwertung im realen Leben bedeutet.

    Wenn wir jedem Bürger 1 Mio Euro überweisen, und alle glauben weiter daran, dass diese 1 Million auch tatsächlich 1 Mio. wert ist, dann hört ein Großteil der Bürger auf zu arbeiten, es wird nichts mehr produziert und man kann sich leider wenig später kaum noch was kaufen für diese 1 Million. Das Geld ist wertlos!

  2. sokrates9

    So außergewöhnlich ist doch die Idee nicht! Genau das macht doch der hochbezahlte Draghi und das wird doch auch von allen Starökonomen und unserem Notenbanker und “Wirtschaftsprofessor” Novotny
    gutgeheißen! – Warum fallen eigentlich unsere UNIs im Ranking immer mehr zurück?

  3. Der Realist

    bei seiner Diagnose sollte sich Herr Dr. Ortner den Patient “Konsument” etwas genauer anschauen, er leidet nicht an chronischer Unlust Geld auszugeben, sondern leider an chronischem Geldmangel, aber der Vorschlag mit der Million hat schon was. Das wir eine kranke Gesellschaft sind, bestätigt de Profil-Kolumnist eindringlich.

  4. Klaus Kastner

    Unter Beanspruchung des Urheberrechtes erlaube ich mir, nachstehenden Vorschlag zu machen, der mir wesentlich fairer und seriöser vorkommt.

    Jeder Staat sollte eine neue Staatslotterie ins Leben rufen, bei der die Gewinnchance für die Spieler 80% ist. Jeder, der gewinnen will, muss einen Einsatz machen. No risk, no fun. Aber aufgrund der Gewinnchancen wird auch jeder gewinnen. Das Prinzip „Leistung nur gegen Vorleistung“ bleibt gewahrt. Das Leistungsprinzip soll ja gefördert werden.

    Woher nimmt sich der Staat das Geld? Mein Vorschlag wäre, alle Banknotendruckereien aufzufordern, ihre Vorräte massiv zu erhöhen. Dann könnte man dieses Geld unter Ausschluss der Öffentlichkeit zur Hand nehmen und es den Lotteriegewinnern auszahlen. Das Geld kommt unter die Leute; die Leute geben es aus; die Wirtschaft kommt in Schwung und Überschüsse werden erwirtschaftet.

    Und wenn die Überschüsse da sind, dann gibt man das Geld still und heimlich den Banknotendruckereien zurück und deren Inventur wird stimmen! Und wir werden glücklich sein bis ans Ende unseres Lebens!

  5. Pingback: Eine Million Euro für jedermann! | FreieWelt.net
  6. Mario

    Der Vergleich hinkt etwas. Natürlich macht es einen Unterschied, ob man nun jedem Menschen ein paar tausend Euro oder eine Million Euro gibt. Geld hat keinen realen Wert, es ist nur so eine Art Schmiermittel, dass den Wirtschaftskreislauf am laufen halten soll. Im Moment tut es das aber nicht und der Grund dafür ist (und ich weiß, dass man sowas auf Seiten wie diesen nicht gerne hört), dass bei den gegenwärtigen Spielregeln die Reichen sinnloser Weise (aus Sicht der Gesellschaft) immer reicher werden und die Armen immer ärmer. Es ist die Pflicht der Politik, diesen Entwicklungen entgegenzuwirken, denn irgendwann wird es krachen. Idealerweise tut sie dies durch vernünftigen Änderungen der Spielregeln (die es etwa erschweren, Geld durch dessen bloßen Besitz zu vermehren), doch solange in dieser Hinsicht keiner den Stein der Weisen gefunden hat, ist es natürlich zumindest prinzipiell legitim, in den Wirtschaftskreislauf einzugreifen, etwa durch das Nachfüllen von Schmiermittel (Drucken zusätzlichen Geldes). Nehmen wir einmal folgendes Gedankenexperiment an: 1% der Bevölkerung besitzt das x-Fache dessen, was ein Einzelner zum Überleben braucht und die restlichen 99% können sich blankes Überleben gerade noch schuldenfrei leisten – Tendenz Richtung Totalzusammenbruch. Jetzt druckt die Regierung Geld und verteilt es gleichmäßig auf all. Der Wert des Geldes fällt, das eine reiche Prozent verliert etwa die Hälfte ihres ohnehin überflüssigen Reichtums. Die Armen 99% verlieren ebenfalls die Hälfte ihres Reichtums, doch die Hälfte von Nichts ist wieder Nichts und das “verschenkte” Geld der Regierung steigert real den Reichtum der Armen 99%. Natürlich ist die Sache nicht ganz so einfach denn würde man von heute auf morgen dem Geld die Hälfte seines Wertes nehmen, würde dies das System zu sehr aus seinem Gleichgewicht reißen, als dass es sich kurzfristig stabilisieren könnte. Doch subtile, bedachte Eingriffe dieser Art können sehr wohl gerechtfertigt und sinnvoll sein. Die Frage “warum nicht gleich eine Million?” ist demnach also eher unter Populismus einzuordnen und ein typisches Beispiel eines Strohmann-Arguments.

  7. gms

    Mario,

    “Geld hat keinen realen Wert, es ist nur so eine Art Schmiermittel, dass den Wirtschaftskreislauf am laufen halten soll.”

    Krieg ist Frieden, die Lüge ist die Wahrheit und Orwell hat nie gelebt.

    “.. ein typisches Beispiel eines Strohmann-Arguments.”

    Strohmann-Politik, die; Def.: Man behaupte etwas Irrelevantes oder gar Falsches und mache dies zur Basis der politischen Agenda. Wer sich damit abfindet, akzeptiert auch die daraus resultierende Strohwelt mit seinem Strohgeld.

  8. freeman

    @Mario: Wo genau vermehrt sich Geld noch durch seinen puren Besitz?
    Ich wüsste das nämlich auch recht gern.

    Irgendwelche Aktien oder Anleihen oder andere spekulative Produkte zählen nicht, das ist mir viel zu risikoreich.

    Zu den “Strohmännern”: Dein Bild (99%-1%) impliziert Reiche, die Wasserspiele betreiben, während der Rest der Menschheit verdurstet. Genau das – nämlich sinnloser, dekadenter Konsum – wird dann aber wieder als Ausweg gepriesen, denn wir konsumieren ja angeblich viel zu wenig.
    Was ist jetzt wahr?

  9. Paul H. Ertl

    Nettes Gedankenspiel, Mario. Funktioniert aber nicht. Warum ? Weil “die Reichen” kein Geld haben. “Die Reichen”, jedenfalls wenn sie nicht verblödet sind, haben überwiegend Sachwerte und, wenn sie sogar schlau sind, Schulden. Wer Sicherheiten und eine gute Bonität hat, braucht keine Sparpläne und die sonst bei “kleinen Leuten” beliebten Anlageformen: Er leiht sich einfach das Inflationsgeld, das es (für ihn) ja fast zinslos gibt, bevor die “kleinen Leute” es (zu höheren) Zinsen bekommen und erwirbt neue Sachwerte. Wenn sich die Freunde der “kleinen Leute”, wie z.B. Sie, sich erst durchgesetzt haben, entwertet die Inflation die Schulden “der Reichen”, nicht aber den Preis, der für die “kleinen Leute” inzwischen unerschwinglichen Sachwerte, wie z.B. eine Wohnimmobilie in einer vernünftigen Stadtlage.

  10. Mario

    @freeman
    “Irgendwelche Aktien oder Anleihen oder andere spekulative Produkte zählen nicht, das ist mir viel zu risikoreich.”

    Dass sie dir zu risikoreich sind, zählt wiederum auch nicht, denn den meisten Reichen sind sie es nicht. Und für die wirklich Reichen gibt es gar kein Risiko, denn deren teils unglaubliches Kapital schafft ganz einfach Realitäten. Man denke nur an Carl Icahn, der nichts anderes tut, also für ein paar Milliarden Aktien eines Unternehmens zu kaufen, dies dann auf Twitter berichtet (140 Zeichen sind wohl genug Arbeit) und einige Monate später die Gewinne im zweistelligen Prozentbereich seiner self-fulfilling prophecy einfährt. Um das Prinzip zusammenzufassen:

    4 Miliarden ausgeben (ein paar Mausklicks und Tastatureingaben)
    Twitter Post schreiben
    Warten
    5 Milliarden einsacken (noch ein paar Mausklicks und Tastatureingaben).

    Ich will mich nicht beschweren, ich habe mehr als einmal von seinem Vorgehen selbst profitiert, aber wer kann bei sowas noch ernsthaft behaupten, dass dies in irgendeinem gerechten Verhältnis zu den Erträgen von ehrlicher Arbeit steht?

    “Genau das – nämlich sinnloser, dekadenter Konsum – wird dann aber wieder als Ausweg gepriesen, denn wir konsumieren ja angeblich viel zu wenig.”

    Wenn wir “Armen” alle ein paar Euro mehr in der Tasche hätten, würde dies nicht zwangsläufig gleich in “sinnlosem, dekadenten Konsum” enden, zumindest nicht bei jedem von uns. Um mich mal selbst als Beispiel zu nehmen: Ich bin Akademiker (Naturwissenschafter), arbeite auch als Akademiker und komme mit meiner Frau und meinen drei Kindern gerade so über die Runden. Soll heißen: Am Ende des Monats ist bestenfalls nicht übrig (bildlich gesprochen, genau genommen ist es Mitte des Monats). Wenn man mein Arbeitgeber morgen mein Gehalt verdoppelt, laufe ich deshalb nicht gleich los und kaufe mir neues Silberbesteck.

  11. gms

    Mario,

    Was Sie scheiben ist trotz oder gerade wegen seiner unstrukturierten Breite dermaßen kurzatmig gedacht, daß man Schwierigkeiten in der übergroßen Auswahl hat, wo man denn nun mit der Replik ansetzt.

    > [ 4 Miliarden / Twitter / 5 Milliarden einsacken ] ”

    Tun wir mal so, als wäre das tatsächlich der Fall. Unbeantwortet blieb dabei leider die implizite Frage, deren korrekte Antwort leider mit Ihrer sonstigen Darstellung im Widerspruch steht.

    Wessen Geld hat der twitternde und einsackende Ican hernach? — Jenes der armen Masse kann es Ihrer Meinung ja nicht gewesen sein, womit die beschriebene Umverteilung ein rein inzestuöses Spiel einer wohlhabenden Oberschicht bliebe.

    Entweder, Sie akzeptieren diese irrelevante Verschiebung, oder Sie konzedieren die Zentralbanken als Quell dieses Zuwachses.

    > .. aber wer kann bei sowas noch ernsthaft behaupten, dass dies in irgendeinem gerechten
    > Verhältnis zu den Erträgen von ehrlicher Arbeit steht?”

    Wer behauptet, Geld sei einzig ein ansonsten wertloses Schmiermittel, der kann auch eine beliebige Definition von Gerechtigkeit in den Raum stellen. Daran kann man sich abarbeiten, muß man aber nicht.

    > Wenn wir “Armen” alle ein paar Euro mehr in der Tasche hätten, würde dies nicht zwangsläufig
    > gleich in “sinnlosem, dekadenten Konsum” enden

    Gibt es das Ganze auch ohne eine Beliebigkeit induzierende Hochkomma-Flut? Leute, die ihre Konzepte ohne in die Luft gemalte Anführungszeichen rüberbringen, verstehen in der Regel mehr von dem was sie sagen.

Kommentar verfassen

Du kannst die folgenden HTML-Codes verwenden:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden .