Eine Partei gibt sich auf

(NATASCHA CHROBOK) Dass von der ÖVP nicht viel zu erwarten ist, war klar, seit Josef Pröll die Führung der Partei an Michael Spindelegger übergeben hatte. Auch Spindeleggers eigenartige TV-Auftritte bei den Wahlkonfrontationen im Sommer 2013 ließen nichts gutes erahnen. Aber dass es so schlimm wird, das hat wohl keiner erwartet.Die Volkspartei steht für nichts mehr: in sich zerstritten und sektiert in Bünde, Bundesländer und sonstige Seilschaften, zerfressen nach dem Streben, Partikularinteressen zu vertreten, sucht man bei den Schwarzen vergebens nach einer Linie oder nach Werten. Die einzige Konstante bei der ÖVP ist der Widerspruch.Dabei geht die Schizophrenie der Parteifunktionäre so weit, dass man verwundert ist, dass sich noch kein Irrenarzt eingefunden hat, um diese zu behandeln: so werden am Vormittag Pressemitteilungen veröffentlicht, in denen man erbost gegen eine Gesetzesvorlage wettert nur um am Nachmittag geschlossen für eben dieses Gesetz im Parlament zu stimmen. Da wettert der Wirtschaftskammergeneral  (der ja lustigerweise mit erzwungenen Mitgliedsbeiträgen angeblich der oberste Lobbyist der österreichischen Unternehmer ist) in den Medien gegen die ach so unternehmerfeindlichen Gesetze und Richtlinien nur um im gleichen Atemzug abzulehnen, auf seine Parteifreunde dementsprechend einzuwirken.

Apropos Wirtschaft: die Führungsrolle punkto Wirtschaftskompetenz wurde ja schon vor längerer Zeit abgegeben. Hier bleibt nur mehr der Treppenwitz der Nation von der entfesselten Wirtschaft. Dieses Thema haben sich eindeutig die NEOS gekrallt und werden es sich nicht so einfach wegnehmen lassen.

Wie soll es also weitergehen mit der ÖVP? Vermutlich wird die Volkspartei auch mittelfristig eine Partei um die 20% bleiben. Denn wer heutzutage noch ÖVP wählt ist entweder ein Masochist, oder er gehört zu jenem Klientel, das direkt oder indirekt von der Klientelpolitik der Schwarzen profitiert, also Beamte, subventionierte Bauern und Großgrundbesitzer, Großunternehmen, Kämmerlinge, Hofratswitwen und sonstige Mitesser. Den Unternehmern hat man ja in den letzten Wochen ziemlich eindeutig zu verstehen gegeben, was man von ihnen hält. Warum der Wirtschaftsbund derzeit nicht 100%igen Mitgliederschwund hat, ist wohl nur mehr mit der politischen Lethargie der Österreicher zu erklären.

Dass diese 20% auch in den nächsten Jahren nicht merkbar weniger werden, wird wohl dafür sorgen, dass die Volkspartei auch zukünftig in der Regierung sitzt, solange sich eine Mehrheit ausgeht, und wenn das mehr möglich ist, dann kommen halt die Grünen ins Koalitionsehebett.

Es ist schade, dass sich die einstige konservative Großpartei so weit von ihren Wurzeln entfernt hat. Die ÖVP ist quasi die SPÖ im Trachtenoutfit, was mit konservativ absolut nichts zu tun hat. Gerade in einer Zeit, in der die etatistischen Strömungen immer stärker werden und das Moloch Staat immer dicker und fetter wird, würde eine konservative Gegenstimme möglicherweise den notwendigen Ausgleich, das so dringend notwendige Gegengewicht bringen.

Wer diese frei gewordene Lücke füllen soll, ist offen. Denn es scheint, dass die Volkspartei nicht mehr zurück auf Kurs kommen wird. Denn man hat jahrelang mit größtem Eifer jeden Querdenker und jede gute Idee erfolgreich im Keim erstickt. Die Bunten Vögel (Anmerkung: die Liberalen unter den Schwarzen) hat man an die NEOS verloren. Der Rest sind Parteigünstlinge und Apparatschiks, welche das Ja-sagen und allerlei Verrenkungstricks beim Eindringen in gewissen Körperöffnungen perfekt beherrschen, aber kaum die Richtigen für einen Neustart sind. Aber wer kommt nach? Üblicherweise wird ein entstandenes Vakuum rasch wieder gefüllt. Oder rutscht heutzutage wirklich alles nach links?

11 comments

  1. Thomas Holzer

    Die ÖVP steht mittlerweile einzig und alleine für den verzweifelten Versuch des Machterhaltes, des Verbleibens an den Futtertrögen der Macht um jeden Preis!
    Das ist der nicht (mehr) verkaufbare USP 😉

  2. Reinhard

    “…rutscht heutzutage wirklich alles nach links?”
    Die Wählerschaft eher nicht, aber das Angebot. Aufgrund der meinungsbildenden Gewalt der Massenmedien, deren Daumenstellung darüber entscheidet, ob jemand nur leicht angepinkelt oder mit einem großen Kübel Unrat überschüttet wird, getraut sich doch niemand mehr, eine andere Meinung hinauszuposaunen als die politisch korrekte. Kaum entweicht jemand Unbequemem auch nur ein leiser Wind, wird daraus ein Shitstorm ungeahnten Ausmaßes, der ihn von der politischen Landkarte weht, in jene braunen Sümpfe, in die die Medien noch jeden knüppeln, der nicht im richtigen Takt tickt.
    Interessant die Verrenkungen, mit denen sich junge Kräfte, die krampfhaft versuchen, eine eigene Meinung zu formulieren, die vom mainstream abweicht, die Wirbelsäule brechen bis kein politisches Kreuz mehr übrig bleibt, das einen potentiellen Wähler hinter dem Ofen hervorlocken könnte. Wer auf Politiker mit Eiern steht wird hier nicht mehr fündig, denn Eier zu haben gilt als gaga.
    Und so bleiben nur politisch korrekt klassenkämpfende Schwurbelköpfe übrig, die sich bei ihren wirbelnden Pirhouetten den Hals brechen. In einer Gesellschaft, wo vom kleinsten Kindesalter an der Masse eingebläut wird, Unternehmer wären Ausbeuter, Knechter und profitgierige Sklavenhalter, wird sich kein Politiker mehr finden, der für die Rechte der Unternehmer eintritt. Den Punkt haben wir schon erreicht.
    Eigentlich brauchen wir keine Parteien mehr wählen, ist eh alles der gleiche Brei. Am Besten, sie schließen sich unter der Führung der SEÖ (SPÖ, Grüne und KPÖ fusioniert) zur Nationalen Front zusammen. Dann sind 99,98% sicher. Willkommen in der KRÖTE, der Kommunistischen Republik Österreichs, Teilprovinz Europas.

  3. Nattl

    @Luke: da ich selbst mal ein bunter Vogel war, ist mein Blick vielleicht leicht verklärt… das ist aber lange her, da hatte noch ein kleiner Herr mit Brille und ehemaliger Mascherlträger das Sagen…

  4. Luke Lametta

    @Nattl: Verstehe, aber “bunte Vögel” und “Liberale” waren in der ÖVP seit jeher eigentlich bloß Typen, die von Sozialdemokraten nur mehr die formale Parteimitgliedschaft unterschied oder aber solche, deren Ehen nicht gehalten haben. Liberal weil Zweit- und Drittfrau. Auf jeden halbwegs authentischen Marktwirtschafter kommen 50 Mikl-Leitners und Mitterlehners.

  5. Thomas Holzer

    @Reinhard
    “Aufgrund der meinungsbildenden Gewalt der Massenmedien………………..”

    Diese (angebliche) meinungsbildende Gewalt haben diese Medien nur auf Grund der Korruption(sic!), sprich Bestechung durch Inserate von Parteien, Kammern, Ministerien, Landtagen etc., finanziert von uns Steuerzahlern.
    Bekämen diese Medien dieses Geld nicht, würde die Berichterstattung wesentlich anders aussehen

  6. sybille Stoa

    Was tut Spindi für die Wirtschaft?

    Der Zorn auf die Regierung ist mit Händen zu greifen.

    http://wirtschaftsblatt.at/home/meinung/kommentare/1558204/Der-Zorn-auf-die-Regierung-ist-mit-Haenden-zu-greifen#cxrecs_s

    Was macht Spindi für die Banken in einer Zeit, wo viele noch Altlasten und bad assets in der Bilanz stehen haben?

    Ausländer-Bankgeheimnis wird fallen

    http://wirtschaftsblatt.at/home/nachrichten/oesterreich/1559821/AuslaenderBankgeheimnis-wird-fallen

    der entfesselte Spindi ist das schlimmste, was der ÖVP passieren konnte.
    der ist so ein “Steuerzahler müssen voll und immer höher blechen”, wie die linkesten Grüninnen oder Sozen

  7. markus

    das kleine faehnchen der aufrechten.
    schön euch zu lesen, aber wir sind zu wenige.
    reinhards KRÖTE merk ich mir. ich werd sie, so wie meistens, von aussen betrachten. logenplatz. den leist ich mir.

  8. Reinhard

    @Thomas Holzer
    Dass die Vernetzung von Parteien und Medien, vor denen man getrost das Wort “System” anhängen kann, bestens funktioniert, ist bekannt. Natürlich generiert jedes Machtsystem Strukturen, die es erhalten. Daher die besonders enge Verquickung von Politik, Medien und Banken.
    Das ändert nichts an meiner Aussage, ganz im Gegenteil, es begründet, warum es so ist, ja sein muss. Die Symbionten schädigen sich nicht gegenseitig, werden aber jeden, der ihre Symbiose zu stören droht, rücksichtslos vernichten. Mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln.
    Mit der PC wurde eine Sprachuniform geschaffen, um Freund von Feind zu unterscheiden. Wer sich die Uniform freiwillig anzieht, ist ein Freund, wer sich dagegen sträubt, ein Feind.
    Um es mit Stefan Jürgens zu sagen: Gefickt eingeschädelt.

  9. waldsee

    Ein Gebäude kann man durch entfernen weniger Bausteine zum Einsturz bringen.wie aber entfernt man dieses herrschaftssystem?

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