Eine Replik an meine geschätzten Kritiker

Von | 18. Februar 2016

(von GEORG VETTER) Vorweg: Die allermeisten Menschen, denen ich begegne, äußern anerkennende Worte für das was ich politisch tue und sage. Sie finden den Marsch durch die Institution richtig, sie schätzen im Großen und Ganzen was ich schreibe und sie wissen, dass gute Dinge eine Weile brauchen. Manche erkennen auch eine Strategie. Auf der anderen Seite gibt es auch mehr oder weniger scharfe Kritiker. Jene, die aus dem Umfeld ferner Parteizentralen offensichtlich politische Wühlarbeit leisten ignoriere ich ebenso wie jene, die Abgeordnete als öffentliches Eigentum behandeln oder unter der Gürtellinie zuschlagen. Schwieriger ist der Umgang mit jenen, die ihre Enttäuschung über die Politik im allgemeinen oder der ÖVP im besonderen an meiner Person abladen und dabei mehr oder weniger berechtigte Fragen stellen. Manchmal reizt mich eine Antwort, bei der allein es oft nicht bleiben würde. Die nächste Frage wäre oft aufgelegt und so begännen zeitraubende Diskussionen, die vieles ausdifferenzieren, weniges an Ergebnissen bringen und sich der Lust am Aufbau eines Rechtfertigungsdrucks hingeben. So legte mir unlängst jemand nahe, den Mund zu halten, da ich als Mitglied des ÖVP-Klubs ja nichts Glaubwürdiges vermelden könne. Ein paar Gedanken seien auf den Weg mitgegeben:

  1. Ansichten dürfen in unserer Gesellschaft von allen geäußert werden – seien sie politisch tätig oder nicht.
  2. Als weltanschaulicher Purist kann man in der Politik nicht bestehen. Das „schmutzige Geschäft“ deshalb nur den anderen zu überlassen, macht die Sache nicht besser.
  3. Wenn sich alle Vernünftigen auf die Zuschauertribüne setzen, um glaubwürdig zu sein, oder den Mund halten, regieren zwangsläufig die Unvernünftigen, die beides nicht tun.
  4. Wenn diejenigen, die meine Ansichten weitgehend teilen, erwarten, dass ich wegen meiner Eigenschaft als Parlamentarier schweigen solle, besorgen sie das Geschäft des politischen Gegners.
  5. Es kann nicht Aufgabe von Liberalen sein, den Konformitätsdruck der Kollektivisten zu unterstützen, indem sie Ähnlichgesinnte mit dem Vorwurf mundtot machen, sie hätten sich auf der Suche nach Privilegien in den Nationalrat verirrt.
  6. Niemand kann erwarten, dass das, was Menschen wie ich denken und sagen, von heute auf morgen mehrheitsfähig ist und jede Kompromissnotwendigkeit entfällt. Demokratie bedeutet eben nicht nur die Herrschaft der Mehrheit, sondern auch die Möglichkeit der Minderheit, die Mehrheit zu werden. Die Alternative zum Versuch, den eigenen Einfluss auszubauen, ist die Selbstaufgabe.

Die Teilnahme an der öffentlichen Debatte birgt immer das Risiko der Herabwürdigung und Verschmähung mit sich, wobei eine Reaktion meist zu viel der Ehre bedeuten würde. Daher argumentieren viele, die etwas zu sagen haben und bei Gegenwind nichts im Raum stehen lassen würden, lieber im Verborgenen. Für mich sind sowohl konstruktive als auch negative Kritik Ansporn zur Fortsetzung der breiten Diskussion und der Arbeit in der ÖVP. Dass ich, wie einst Richard Nixon im Jahr meiner Geburt, meinen Rückzug verkünde und mich nur auf mein Anwaltsgeschäft konzentriere, überlasse ich den Träumen der politisch Andersdenkenden.

26 Gedanken zu „Eine Replik an meine geschätzten Kritiker

  1. Zaungast

    Die ÖVP hat ihren Kredit längst verspielt. Aber wer gerne auf ein totes Pferd setzt, soll es tun. Alles Gute.

  2. Fragolin

    Sehr geehrter Herr Vetter!
    Natürlich gibt es die Möglichkeit der Minderheit, eine Mehrheit zu werden.
    Aber waren es nicht Sie selbst, der die Minderheit verlassen und sich lieber der (noch…) Mehrheit angeschlossen hat, bevor die Minderheit eine Chance bekommen konnte, sich vom peinlichen Übervater abzunabeln und zu einer wählbaren Partei der Mitte zu werden?
    Und Anfragen aus dem Kommentarbereich mit der Begründung zu ignorieren, sie wären eben der Mühe nicht wert, überhaupt beachtet zu werden, erzeugt den Eindruck von einem gerüttelt Maß an Überheblichkeit. So gesehen bestätigen Sie das Bild, das von der Politik enttäuschte Menschen von der Politik enttäuscht – selbstverliebte Selbstdarsteller an fetten Futtertrögen, die glauben, sich in einem Reformkampf zu befinden, wenn sie in der Pause mal die Meinung flüstern, während sie zwischendurch brav dem Klubzwang folgend das Pfötchen auf Zuruf heben.
    Und es stimmt, Abgeordnete gehören dem Volk nicht. Aber sie werden von ihm gewählt (nun ja, mehr oder weniger; es hatte bei der letzten Wahl wohl keiner der Schwarz-Wähler Abtrünnige des TS auf dem Plan) und vor Allem bezahlt, und deshalb darf dieses Volk sehr wohl zumindest Rechenschaft erwarten über die Tätigkeiten während der üppig bezahlten Arbeitszeit. Intransparenz ist der zweite Name unserer Politik, es wird gekunkelt, gemauschelt, geschoben am Nordbalkan, dass es eine Freude ist für jene, die sich einen guten Platz im Netzwerk sichern konnten und ein Gräuel für jene, die diesen ganzen Augiasstall bezahlen müssen.
    Es tut mir leid, aber Abgehobenheit bekommen wir von unseren Obertanen täglich präsentiert, davon haben wir genug. Und so wird Ihre Partei wohl die andere Seite der Demokratie erleben, nämlich die Möglichkeit, von der Mehrheit zur Minderheit zu werden. Vielleicht haben Sie auf die falsche Karte gesetzt, vielleicht war es aber für Sie im Speziellen auch die richtige Karte…

  3. gms

    Nachdem der vorliegende Kontext aus bereits genannten Gründen kein geeigneter Rahmen zum Thematisieren tagespolitischer Aspekte ist, sei der Fokus auf Grundlegendes gerichtet.

    Wie ein normaler Abgeordneter den Clubzwang mit dem Prinzip eines freien Mandats vereinbart, ist ansich schon ein Mirakel, umso wundersamer ist das, so ausgerechnet ein Liberaler dies versucht. Dem kolportierten Bericht nach konnten die vier Überläufer (der Begriff ist nicht despektierlich gemeint) sich im TS-Club nicht ihren eigenen Vorstellungen nach einbringen beziehungsweise entfalten, was die These nahelegt, man sei sprichwörtlich vom Regen in die Traufe geraten.

    Kann angenommen werden, die Neo-ÖVP-Abgeordneten würden tatsächlich redlich innerhalb ihrer neuen Heimat um liberale Positionen ringen? — Gewiß kann dies vermutet werden, wie auch naheliegend ist, dies sorge für Friktionen, die sich, wie unlängst exemplarisch, in einem völlig unqualifizierten öffentlichen Rüffel Lopatkas für Franz entluden für dessen gezwischerte, völlig korrekte Beurteilung dessen, was ÖGS ist und was sie nicht ist.

    Selbst wenn die geschätzte Replik auf die Replik nicht hier im Forum erscheint, so mag doch ein kommender und nicht unter Zeitdruck entstandener Beitrag zum ‘Thema Liberalismus und Clubzwang aus liberaler Sicht — Been there, done that’, manch Licht in diese bisher für Österreich neuartige Entwicklung bringen oder gar eine innovative ‘Austrian School of Politics’ begründen.

    Im Ernst, ohne Zynismus und Fußangel: Dieses Thema wäre einen Beitrag wert, geht er doch tatsächlich ans Eingemachte, während ohne eine solche Klarstellung jegliche Behandlung anderer Themen wirkt, als wollte ausgerechnet ein Wasserscheuer praktizierende Baptisten taufen.

  4. Thomas Holzer

    Spätestens nach der nächsten NR-Wahl wird sich der Herr Dr. Vetter auf sein Anwaltsgeschäft konzentrieren müssen, denn die Letzten werden die Ersten sein, welche gegangen werden

  5. Der Realist

    Sehr geehrter Herr Dr. Vetter!

    Abgeordnete zum Nationalrat sind nicht öffentliches Eigentum, das ist richtig, aber sie werden von den Bürgern bezahlt, und oberflächlich betrachtet auch gewählt. Gerade Ihr politischer Werdegang ist zumindest diskussionswürdig, und als Mitglied des ÖVP-Klubs geht allgemeine Kritik an der ÖVP auch Sie etwas an. Das Markenzeichen vieler Politiker ist ja eine dicke Haut, da prallt so ziemlich alles ab, sei es berechtigte Kritik oder unqualifizierte Angriffe, was aber besonders schwer wiegt, ist die auffällige Beratungsresistenz der meisten Volkszerteter, glauben sie doch wirklich “Experten für alles” zu sein. Ich habe jetzt ein wenig verallgemeinert, es gibt auch wirklich engagierte und qualifizierte Abgeordnete die sich nicht die Frage stellen müssen “was war meine Leistung?”. Leider vermittelt die Mehrheit der Abgeordneten den Eindruck mit eher harmlosen Gemüt ausgestattet zu sein, kennt man dazu noch einige persönlich aus dem Wahlkreis, wird dieser Eindruck meist noch verstärkt. Viele beginnen ihre politische Laufbahn als kleine Gemeindepolitiker oder Funktionäre irgendeiner Kammer (Gewerkschaft), mit großer Klappe verschaffen sie sich bei den Parteibonzen Gehör und landen halt irgendwann im Parlament, einige ergattern zusätzlich noch den Posten des Obmanns eines Sozialversicherungsträgers oder ähnlich gelagerter Anstalten.
    Sitzungen im Parlament taugen gemein hin nicht, ein positives Bild der Tätigkeit der Parlamentarier zu zeichnen, da geht es in einer Volksschule meist gesitteter zu, von entbehrlichen, schwachsinnigen Aktionismus will ich gar nicht reden. Das Gehalt eines Abgeordneten entspricht in der freien Wildbahn dem der oberen Führungsebene, nur dort braucht jemand der sich so gebärdet, am nächsten Tag nicht mehr erscheinen.

  6. Fragolin

    Sehr geehrter Herr Vetter, noch ein besänftigender Nachtrag:
    Auf meinem Weg zur Arbeit ging mir noch durch den Kopf, dass ich vorhin in der Knappheit der Zeit einen entscheidenden Punkt vergessen habe zu erwähnen: Sollten Sie es wirklich ernst meinen, die Politik “von innen heraus” wieder vom Kopf auf die Beine stellen zu wollen, hat mich die Lebenserfahrung zwar gelehrt, eher Mitleid mit Ihnen haben zu sollen, aber ich wünsche Ihnen von ganzem Herzen viel Erfolg und dass ich mich irre!
    Allerdings hoffe ich, Sie entschuldigen meinen Pessimismus, aber ich habe in diesem Leben schon so oft gehofft, mich zu irren, und es ist nur selten passiert. Deshalb halte ich das Szenario von @Thomas Holzer auch für sehr wahrscheinlich.

    @gms
    Ich bin voll und ganz bei Ihnen: Ich verstehe bis heute nicht, wie jemand behaupten kann, auch nur Demokrat zu sein, und dann so etwas wie Klubzwang überhaupt akzeptieren zu können. Der Klubzwang ist die gestaltgewordene Parteiendiktatur, oder um es zu verschärfen, eigentlich Mafia: wenn der Pate eine Richtung vorgibt, wird ihm die Familie blind folgen, wenn sie nicht mit Betonschuhen im Golf von Neapel baden gehen wollen. Hat der Familienrat beschlossen, wird gefolgt oder bestraft. Das ist mit Demokratie und mit Gewissensfreiheit unvereinbar und in meinen Augen eines der elementarsten Werkzeuge zur Verhinderung einer freien Demokratie, die uns zwar täglich vorgespielt aber in realität nicht einmal ansatzweise gelebt wird.

  7. cmh

    Ein Abgeordneter der Reaktionen zeigt ?! – Sowas hams halt net gern!

    Also weitermachen, auch wenn der Gaul ÖVP schon 10xtot ist.

  8. mariuslupus

    Ein sehr persönnliches Statement. Nur, die Partei hat recht, die Partei hat immer recht, sollte endlich der Vergangenheit angehören. Die ÖVP hat sich von einer Partei des Mittelstandes, zum Stabilisierer und Mehrheitsbeschaffer einer Partei die erfolgreich den Mittelstand, d.h. die Leistungserbringer und Steuerzahler, abschaffen will, freiwillig gewandelt. Was hat die ÖVP mit liberalen Wirtschftsideen noch gemeinsam ?
    Ein zugegeben, politisch inkorrektes Zitat – Hans Moser: ” Mir hat der Dr.Lueger die Hand gegeben”. Wer gibt dem Wirt, dem Handwerker, jetzt heisst er KMU, noch die Hand ?

  9. Gerhard

    Bravo, bravissimo Herr Dr. Vetter. Bitte machen Sie weiter so, Ignorieren Sie alle Miesmacher – auch hier die Poster – welche Ihnen ständig den Übertritt vom TS zur ÖVP nachtragen. Sie haben sicher einen Zweifrontenkrieg zu führen, denn auch in der Volkspartei gibt es viele Leute, welche Sie nur als Nestbeschmutzer sehen. Eigentlich müsste (und wird hoffentlich noch) die ÖVP dankbar sein, dass durch Ihre Mitwirkung – und die einiger anderer Leute – frischer Wind in die Partei kommt und damit es auch eine Trendwende parteiintern sowie für ganz Österreich möglich wird.
    Meine realistische Einschätzung war immer, dass die politischen Chancen zu Änderungen in einer bestehenden Partei viel, viel größer sind als wenn man den mühsameren Weg einer Parteineugründung beschreitet.
    Als Realist sehe ich nur dann eine Besserung zum Guten, wenn bei den nächsten Wahlen FPÖ und ÖVP gemeinsam den beiden Linksparteien SPÖ und Grüne starke Verluste zufügen werden.
    Aus beruflicher Erfahrung weiß ich, dass statistisch betrachtet viele positiven Reaktionen meist nicht publik gemacht werden, daher sind bei fairer Gegenüberstellung von den Pros- und Cons-Stimmen die Anzhal der Erstgenannten mit dem Faktor 10 zu multiplizieren.

    Nochmals:
    Bitte machen Sie weiter, aufgeben tut man nur einen Brief. Vor allem muss von Ihnen fernab der Öffentlichkeit viel Arbeit innerhalb des Parlamentsklub sowie bei Gesprächen mit den Entscheidungsträgern an der Parteispitze geleistet werden.
    God bless you.

  10. sokrates9

    Sehr geehrter Herr Vetter!

    ich finde in der “Geschichte” eines Menschen herumzuwühlen nicht unbedingt notwendig um dessen zukünftige Vision zu sehen. In einer ÖVP wo schon jahrelang des interne Motto lautet “Hände falten, Goschn halten” finde ich es für gut wenn sich, wie auch immer, Querdenker versuchen zu etablieren. Ihre Beiträge heben sich vom Niveau her um Zehnerpotenzen von dem ab was ein “normaler” ÖVP Abgeordneter so denkt und zeigen dass Sie im Gegensatz von diesen gewisse Ziele sehen. Aus der Psychologie weiß man dass sich eine Gruppe leicht von Extrempositionen beeinflussen lässt und diese somit das Korrektiv haben dass sich die Gesamtheit Richtung Mitte bewegt!
    Ich schätze ihre Beiträge sehr, auch wenn ich nicht immer ihrer Meinung bin, doch auch ein David hat ja mit dem Goliath auch den Kampf aufgenommen: Dass Sie dann doch oft ihre (verdienten) Watschen als ÖVP Abgeordneter bekommen würde ich als “Leidensprämie “des Abgeordnetengehalts verbuchen.
    Ich finde das Spektrum von Ideen und Ansichten diverser Blogger für bemerkenswert und freue mich dass zumindest einige Politiker nicht nur die bezahlten Kommentare der Lügenpresse studieren sondern auch versuchen so in die “Volksmeinung” hinzusehen. Im übrigen unterschreibe ich auch die Meinung von@ Fragolin .. (Anfragen aus dem Kommentarbereich mit der Begründung zu ignorieren, sie wären eben der Mühe nicht wert, überhaupt beachtet zu werden) als für einen Blog contraproduktiv! Früher zumindest hat man gelernt aus 2 Seiten einer Diskussion dann eine entsprechende Synthese zu bilden.

  11. Thomas Holzer

    @Gerhard
    Ja, ich gestehe zu denen zu gehören, die in concretu dem Dr.Vetter seinen Übertritt vorwerfen.
    Von einem gebildeten Menschen erwarte ich mir, daß er vor einer so weitreichenden Entscheidung wie der, für eine Partei in den Wahlkampf zu ziehen, in sich geht, Einkehr hält und nachdenkt, ob die eigenen Grundsätze mit dem Programm dieser Partei -zumindest grosso modo- übereinstimmen. Auch sollte dieser Mensch vorab verifizieren, ob diese Partei mit diesem Personal und diesem Spitzenkandidaten überhaupt eine Zukunft hat.
    Irren ist menschlich, aber rechtfertigt meiner Meinung nach keine leichtfertig getroffenen Entscheidungen, wie es mir in diesem Fall erscheint.
    Ich habe von dem Moment an, an welchem das TS gegründet worden war, von einer Totgeburt geschrieben (hier in diesem Forum nachzulesen); ich kann mir schwerlich vorstellen, daß die Herren Vetter und Franz sich so blenden haben lassen.
    Die Geschichte von deren Mitarbeitern im Parlament birgt ja auch eine gewisse Süffisanz

  12. Reini

    … der Brief von Herrn Vettner,…
    … soll das Schreiben die Hilflosigkeit eines Politiker darstellen?
    … oder Mitleid erwecken?
    … könnte aber auch eine Art von Biographie sein!?
    … ob er den falschen Beruf gewählt hat?

  13. Christian Peter

    Eines ist klar : Abgeordnete, die aus wirtschaftlichen Grünen die Partei wechseln, haben jede Glaubwürdigkeit verloren.

  14. gms

    Thomas Holzer,

    “Ja, ich gestehe zu denen zu gehören, die in concretu [ihm] seinen Übertritt vorwerfen.”

    Was wäre angesichts des von Ihnen prognostizierten Scheiterns beim oder mit dem TS die gebotene Alternative? Fraktionslosigkeit?

    Sei’s d’rum, das Entzückende ist ja die, – rein zufällig nebenan ebenfalls thematisierte – Herrschaft der politischen Parteien, manifestiert in Listenwahlrecht, 4%-Hürde, Beschickung von Ausschüssen, Antragsrecht und diversen Schwellen betreffend Mitgliederzahl und daran geknüpfte monetäre Zuwendungen an Parlamentsfraktionen.
    Aus Sicht derer, die sich den Staat nach dem Krieg paritätisch untereinander aufteilten, kommt es einem fortgesetzten Teilen und Herrschen gleich, bloß übertragen auf die Legeslative, was dem legitimen Ansinnen, später mit einer vorigen Minderheitsmeinung die Mehrheit zu stellen, massiv Grenzen setzt.

    Ab einem bestimmten Grad der Pervertierung arbeiten die Prinzipien der Demokratie und der Legalität gemeinsam für diejenigen, die sich damit das System dergestalt zurechtbiegen konnten, und zwar zulasten der Untertanen und des einzelnen Abgeordneten. Dem Bürger wiederum kann’s dann egal sein, ob er mit seinem Geld und wider seine Interessen nun Prämien fürs Handheben oder -senken der Inferioren finanziert oder Schadenersatz für schmerzempfindliche Ferngesteuerte.

    “Die Geschichte von deren Mitarbeitern im Parlament birgt ja auch eine gewisse Süffisanz”

    So man ‘Süffissanz’ als Hochmut respektive herablassendes Verhalten interpretiert, stellt sich die Frage, wem gegenüber dies praktiziert worden wäre — dem Volk oder dem ‘Hohen Haus’?
    ‘Nomicing’ ist ein unüblicher Begriff, den ich früher selbst gerne verwendete, er bezeichnet das ambitionierte Vorgehen, Regelwerke immer detailreicher zu gestalten um damit möglichem Mißbrauch vorzubeugen, während der Klarsichtige mit jedem neu hinzugefügten Paragraphen erkennt, wie dennoch das Gesamtsystem beziehungsweise dessen ‘Spirit’ ausgehebelt werden kann.

    Im Anlaßfall sind nicht nur die Bestimmungen, wer von wem parlamentarischer Mitarbeiter sein darf, prinzipiell falsch, sie konnten auch trivial umgangen werden. Daß man sich insbesondere als Newcomer am Parlamentsparkett innerhalb der Spielregeln Leute aussucht, denen man vertraut, mögen die einen als Süffisanz bezeichnen, die anderen als aufgelegte Folge von Nomicing.

  15. Thomas Holzer

    @gms
    Man hätte sich ja vor Eintritt ins TS gleich der ÖVP, respektive dem Herrn Lopatka, andienen können 😉
    Daß ich kein Anhänger der von “unseren” Politikerdarstellern verursachten Gesetzesflut bin, sollte hinlänglich bekannt sein.
    Und die “kreuzweise” Anstellung von “Mitarbeiter”, wahrscheinlich wegen des gegenseitigen Vertrauens, hat halt auch ihren Hautgout, zumindest für mich

  16. Falke

    Kein Mensch verlangt von Ihnen, dass Sie in Ihrer Eigenschaft als Parlamentarier den Mund halten sollen; ganz im Gegenteil! Allerdings nicht ausschließlich in Internet-Foren, sondern im Parlament und in den Parteigremien. Dort hört man allerdings nichts von Ihnen: Sie stimmen brav – offenbar entgegen Ihrer Überzeugung – mit Ihrer derzeitigen Partei, nachdem Sie vorher (oder oft auch nachher) genau die Meinung als die Ihre äußern, die Ihre ehemalige Partei TS ohnehin immer vertritt. Das ist absolut unglaubwürdig und – ich sage es offen – auch unehrlich. Das gilt übrigens genauso für Ihre Kollegen Nachbaur und Franz.

  17. gms

    Teurer Kollege Holzer!

    “Und die „kreuzweise“ Anstellung von „Mitarbeiter“, wahrscheinlich wegen des gegenseitigen Vertrauens, hat halt auch ihren Hautgout, zumindest für mich.”

    Bitte keine schlecht verborgenen Wortspiele von wegen Geruch und Kreuzweise. Danke & Emoticons nach eigenem Ermessen.

  18. gms

    Falke,

    “Allerdings nicht ausschließlich in Internet-Foren, sondern im Parlament und in den Parteigremien. Dort hört man allerdings nichts von Ihnen”

    Das ‘ausschließlich’ wirkt ebenso überzogen, wie die These, innerhalb von Parteigremien wäre nichts zu hören, was ein beträchtliches Insiderwissen Ihrerseits implizierte. Gentlemen agree on facts, was wir, bei aller berechtigten Irritation über Tatsächliches oder Anscheinendes, nicht aus den Augen lassen sollten.

  19. sokrates9

    Ich sehe diese Diskussion mit dem kleinkarierten Hick – Hack unter dem Niveau diese Blogs! Wenn man den Lebenslauf des Dr. Vetters betrachtet hat man nicht den Eindruck dass es sich hier um einen Abgeordneten handelt der “ohne Partei nichts” wäre! Ich glaube nicht dass bei Dr. Vetter finanzielle Gründe das Hauptmotiv war und ist !Hätten alle Abgeordneten den Level des Dr. Vetters, – vielleicht auch diverse ausgebildete Taxifahrer- glaube ich dass Österreich wesentlich besser dastünde! Dass es in diesem Intrigantenstadel nicht leicht ist sich zu profilieren – vor allem wenn man Ideen hat- auf das wird doch auch immer wieder hingewiesen!

  20. Christian Peter

    @sokrates9

    In einer durch und durch korrupten Partei wie der ÖVP, welche die Republik Österreich seit Jahrzehnten in den Abgrund wirtschaftet wird man politisch viel bewegen können, gell ?

  21. Christian Peter

    @sokrates9

    ich persönlich würde mir eher den kleinen Finger abhacken lassen als für eine Partei wie die ÖVP ein politisches Amt zu bekleiden…

  22. Zaungast

    @Christian Peter

    Naja, bevor ich mir einen kleinen Finger abhacken lasse, nehm ich lieber das Geld und sitze meine Zeit ab. Da hab ich schon ein gewisses Verständnis für den Herrn Dr. Vetter. Wer weiß, was ihm alles abgehackt worden wäre, wenn er nicht zur ÖVP gegangen wäre?

  23. astuga

    Wer Abgeordneter einer Partei ist, bekommt eben auch etwas von jenem Unmut zu spüren der über genau diese Partei herrscht.
    Die positiven Aspekte ihrer Parteimitgliedschaft stören sie ja schließlich auch nicht.

    Abseits davon sind viele ihrer Aussagen durchaus positiv zu bewerten.
    In wie weit sie inhaltlich auch der Politik der ÖVP entsprechen steht aber auf einem anderen Blatt.
    Für mich persönlich ist die SPÖVP komplett uninteressant.

  24. sokrates9

    Christian Peter@ Muss man wirklich so pessimistisch sein? Stimme überein SPÖÖVPGRÜNE sind derzeit absolut unwählbar und am Ende ihres Lebenszyklus angelangt! Aber jede Krise bietet auch Chancen! Ist doch herrlich wie situationselastisch heute Feymann Obergrenzen vor der EU verteidigt die er vor 4 Wochen noch kategorisch abgelehnt hat!!

  25. gms

    Zaungast,

    “Naja, bevor ich mir einen kleinen Finger abhacken lasse, nehm ich lieber das Geld und sitze meine Zeit ab.”

    Sie müssen die Statements unseres Forumbraunen aus seiner eigenen Perspektive beurteilen. Wer wie er selbst mit Anleitung nicht bis drei zählen kann und nur zwei Tasten der Maus fürs Füllen und Leeren des Clipboards braucht, hätte noch ganz andere Körperteile risikofrei als Wetteinsatz einbringen können.
    Außerdem sind die Zeiten schon längst vorbei, als Vereine eigens noch Leute fürs Reinigen der Spucknäpfe und Polieren von Aschenbechern anheuerten, womit die mögliche Folge eines Jobs an der Fiktion der Prämisse scheitert. Bleibt noch das unbezahlte Praktikum als Hutständer, aber selbst dafür bieten Möbelhäuser adäquatere Lösungen.

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