Eine Show für die schlichteren Gemüter

Von | 13. Januar 2017

(von ANDREAS TÖGEL) Kanzler Kern hat es gefallen, in einer bombastischen und nach US-Vorbild aufgezogenen Rede „zur Lage der Nation“, das aktuelle Credo seiner Partei zu verkünden. Wer originelle Ideen oder gar angenehme Überraschungen erwartet hat, wurde herb enttäuscht. Sozialistischer Denke entspringen – 169 Jahre nach dem Erscheinen des „Kommunistischen Manifests“ – eben bis heute keine Gedanken, die nicht auf Neid, Missgunst, Gleichheits- und Größenwahn beruhen und/oder einen geradezu erschreckenden Mangel an Respekt vor dem Individuum, Kreativität und Leistungsbereitschaft offenbaren.

Kerns Rede war ein Sammelsurium hohler Phrasen und gefährlicher Drohungen an die Adresse der Leistungsträger.

Was soll etwa das Gerede von „Anreizen Arbeit zu schaffen“, wenn gleichzeitig die weitere fiskalische Enteignung derjenigen gefordert wird, die dafür in Frage kommen – die „reichen“ Unternehmer nämlich? Wie stellt der Kanzler sich vor, die fachlich-beruflichen Kompetenzen der Arbeitnehmer – und zwar vom Arbeiter bis zum Akademiker – zu erhöhen? Nachdem bei den heimischen Universitäten der Qualitätszug ohnehin längst abgefahren ist (wie die einschlägigen Rankings zeigen) – denkt er dann zumindest an die Installierung von Kommissaren in den Betrieben, um die Lehrlingsausbildung zu überwachen? Will er auf diese Weise die Lehrherrn, die es – dank der großartigen Errungenschaften Jahrzehntelanger sozialistischer Schulpolitik zunehmend mit Analphabeten zu tun haben – noch mehr gängeln? Meint er tatsächlich, mit einer weiteren Ausdehnung der Arbeitnehmerrechte und weiter verschärften Steuerlasten für die Unternehmen diese dazu motivieren zu können, seine „Beschäftigungsoffensive“ zu unterstützen? Etwa mit der gefährlichen Drohung, dass“die Arbeitnehmer künftig ihre Arbeitszeit frei wählen können sollen“? Der Mann hat leider noch niemals ein Unternehmen von innen gesehen, das diese Bezeichnung auch verdient, sonst wüsste er, wie wenig diese Schnapsidee mit betrieblichen Notwendigkeiten kompatibel ist.

Kern phantasiert von einer „Prämie“, die er jenen Betrieben „zahlen“ möchte, die zusätzliche Arbeitskräfte einstellen und meint damit in Wahrheit marginale Steuererleichterungen. Das lässt tief in dunkelrote Abgründe blicken: Der Räuber, der dem Beraubten einen Teil der Beute zurückgibt, wird auf diese Weise zum Wohltäter. Denn grundsätzlich gehört ja nach den Vorstellungen unbelehrbarer Linker alles im Lande Produzierte dem Staat, der dann allenfalls huldvoll entscheiden kann, einen Teil davon in Form von „Prämien“ an die Tributpflichtigen zurückzuerstatten. Das ist – 28 Jahre nach dem Untergang des Realsozialismus in Osteuropa – bizarr.

Auch der uralte Kalauer Mindestlohn darf bei einer Gelegenheit wie dieser natürlich nicht ausgespart werden. 1.500 Euro monatlich sollen es sein. Warum nicht gleich 3.000? Wäre das nicht doppelt so sozial? Weshalb sollte denn auf von ruchlosen Plutokraten erfundene Gemeinheiten wie „Arbeitsproduktivität“ Rücksicht genommen werden? Prompt assistiert der verhinderte Wirtschaftsnobelpreisträger Karl Aiginger (Ex-Chef des WIFO) dem Kanzler in der „Presse“ vom 12. 1., indem er erklärt, Mindestlöhne wären „weniger schädlich als viele behaupten“ – dann nämlich, wenn sie „nahe am Marktlohn liegen“. Um zu dieser sensationellen Einsicht zu gelangen, braucht es in der Tat ein abgeschlossenes VWL-Studium. Zumindest im Land der Hämmer.

Doch warum auf halbem Wege stehenbleiben und den Unternehmen neben Mindestlöhnen nicht gleich auch einen Mindestgewinn verordnen? Sagen wir 100.000 Euro den GmbH´s und 50.000,- den Einzelunternehmern. Der (derzeit schwarze) Finanzminister würde vor lauter Begeisterung im Winterpalais des Prinzen Eugen zu steppen beginnen!

Natürlich darf die 08/15-Parole von der „Gerechtigkeit“ im Credo des Obersozialisten nicht fehlen. Und selbstverständlich wird – bestens dazu passend – auch gleich eine haarsträubende Geschichte geliefert, die dartut, was der gute Mann meint: Starbucks (eine US-amerikanische Kaffeesiederkette) „zahlt seine Steuern nicht“. Interessant. Wäre das nicht ein Fall für die Staatsanwaltschaft, wenn sie denn stimmte? Natürlich nicht, denn die heimischen Genossen sind ja – wie die nicht anders gestrickten „Liberals“ in den USA – eben diejenigen, die seit Jahrzehnten mit größter Begeisterung den Riesenbetrieben die mittelständische Konkurrenz aus dem Weg räumen, indem sie letzteren mit immer rigoroseren Regulierungen die Luft abschnüren. Die Dominanz der Konzernmultis ist letzten Endes auf ihrem Mist gewachsen. Big Government (der Traum jedes Genossen) und Big Business pflegen in Wahrheit bestes Einvernehmen. Sich dann in einer Rede ans Stimmvieh zu wenden, um das Gegenteil des bisher Geschehenen anzukündigen, wäre glatt zum Brüllen, wäre es keine so gewaltige Chuzpe.

Ist übrigens schon einmal jemandem aufgefallen, dass es abgehalfterte Rotpolitiker – von Schröder bis Klima und von Gusenbauer bis Ederer – mit schöner Regelmäßig zu den in Sonntagsreden so gerne gegeißelten Konzernmultis zieht? Dass einer von ihnen – und zwar ohne Rückgriff auf seine Politseilschaften – je erfolgreich einen Betrieb gegründet und geführt hätte, ist dagegen nicht aktenkundig.

Witzig wie er nun einmal ist, wird von Genossen Kern auch den „Supereichen, die ihr Vermögen nach Panama schaffen“ (oh Herr, lass Hirn regnen!) die Rute ins Fenster gestellt und zwar – erraten – in Form neuer und höherer Steuern. Als „superreich“, das sollte beachtet werden, betrachten die Roten jeden, dessen Nettovermögen das Ausmaß eines Gewerkschaftsausweises, eines Dacia Logan und eines Mietvertrags für eine Gemeindewohnung übersteigt. Denn es liegt auf der Hand, dass selbst eine Totalenteignung der Handvoll tatsächlich Superreichen, die (noch) im Lande leben, erstens nur einen Tropfen auf den heißen Stein bedeuten würde und zweitens eben nur einmal möglich, also nicht „nachhaltig“ wirksam wäre. Im Klartext: Der mittelständische Klassenfeind soll – wieder einmal – bluten!

Kein Wunder! Wer Linkslinke wie Robert Misik und WIFO-„Experten“ wie Stephan Schulmeister zu seinen Beratern zählt, kann gar nicht anders, als über verschiedene Formen der Enteignung privater Haushalte und Unternehmen nachzudenken, anstatt endlich zu begreifen, dass die Probleme des Staates nicht auf seiner Einnahmen- sondern auf der Ausgabenseite liegen.

Fazit: Genosse Kern erzählt nichts, aber auch gar nichts, was angesichts der vielen Baustellen im Lande Hoffnung auf einen Neustart geben würde. Kein Wort über die Notwenigkeit individueller Anstrengungen in unserer im weltweiten Wettbewerb stehenden Volkswirtschaft. Kein Wort über die Wichtigkeit deren Belohnung. Kein Wort über einen drastischen Rückbau des aufgeblähten Staates und eine entsprechend massiven Steuersenkung – und zwar auch und vor allem für die Leistungsträger. Stattdessen der übliche, tausendmal gehörte sozialistische Sondermüll und eine vom ORF im Sinne seiner roten Herren in Szene gesetzte Show für all jene, die besonders schlichten Gemüts sind. Traurig, einfach traurig.

21 Gedanken zu „Eine Show für die schlichteren Gemüter

  1. Gscheithaufen

    Das Kern-Problem ist letztlich genau diese Teil-Zeile der Bundeshymne: Land der Hemmer! Mit dem Schutzheiligen St Bürokratius, unterstützt vom Heiligen Corruptus in der Kleptokratischen Demagogischen Republik. Im übrigen ist ja bekanntlich Demokratie und Sozialismus völlig gegensätzlich, daher kann es auch keine Sozial-Demokratie geben.

  2. Thomas Holzer

    Sozialismus ohne eine Masse an schlichter Gemüter kann per definitonem nicht funktionieren; ziehen es doch schlichte Gemüter vor, andere für sich selbst denken und handeln zu lassen. Entweder aus Bequemlichkeit und/oder aus Unvermögen

  3. nattl

    Dass der Flocki gerne Wurst mag und daher ab und zu ein Wurstradl stibitzt, kann man einem Hund genauso wenig vorwerfen wie einem Sozi, der seine Fantasien von Enteignung und Gleichheit in die Welt posaunt. Denn letztendlich brauchts ja zum an-die-Macht-kommen einen Haufen Depperte, die das gesagte glauben und ihre Stimme hierfür abgeben. Und ebenso braucht es (in Österreich zumindest) einen Koalitionspartner, der das Ganze mitträgt und unterstützt. Und das war in den letzten 31 (!) Jahren die Volkspartei. Blendet man mal die Jahre 2000-2006 aus, so ist im letzten Vierteljahrhundert jede Schweinerei unter kräftigen Zutun der ÖVP beschlossen worden, die dann im gleichen Atemzug so getan hat, als wäre sie in Opposition und könne ja nix machen.

    Das Sprichwort von den dümmsten Kälbern trifft auf uns Österreicher wohl am Besten zu.

  4. Fragolin

    @Thomas Holzer
    Leider bilden die schlichten Gemüter in ihrer Masse auch die Mehrheit…

  5. Humanist

    …langsam riecht es streng im staate österreich. hört die signale!

  6. Fragolin

    @Humanist
    Nicht so laut, die schlafen noch! 😉 Die müssen auch nicht aufstehen, sondern üben den ganzen Tag das Umfallen im Liegen.
    Mitterlehner sinngemäß: Also so geht das nicht, aber für sö ähnlich sind wir sofort zu haben!

  7. waldsee

    die kern-sätze dieses artikels beinhalten die sozialist.grundprinzipien :
    neid
    missgunst
    gleichheitswahn
    mangel an respekt vor dem individuum.

  8. Giovanni B.

    Ach ja hinzufügen wäre noch, das lt. ORF Teletext Herr Mitterlehner eine große Schnittmenge (wenn ich diesen Ausdruck schon höre) zu ÖVP Ideen in der Rede Kerns erkennen konnte!

  9. Lisa

    Zur Zeit des KommunistischenAmnifests war die LAge derArbeiter – und der übrigen Bevölkerung aber auch völlig verschieden von unserer Zeit. Der Neid auf die Besitzenden und Herrschenden war verständlicher als heute,wo doch jder sog, Arbeiter sien KArre hat,oft seine Eigentumswohnung, sein Haus und all den technischen Schnickschnack, den man heute “haben muss”. Es gibt keine wirkliche Arbeiterpartei mahe, weil es ja auch nur noch wenige wirkliche Abeiter mehr gibt, die in swaeat shops ihr Geld verdienen müssen – und die übrigens eher Parteien, die “gegen Ausländer” sind wählen und nciht Sozis, denn die lassen Zuwanderer herein, die genau in diesen Jobs gebraucht werden. also eigentliche Konkurrenten sind. Der Mittelstand in den white collar jobs muckt erst auf, wenn der Bengale oder der Bosnier, die Tschechin oder dieTürkin Vorgesetzte werden, sei es wegen des Alters, wegen besserer Diplome, mehr und moderneren Technologiewissens, mehr Ehrgeiz – oder einfach, weil schon ein Verwandter auf der Teppichetage arbeitet.

  10. Reini

    glaubt Herr Kern überhaupt an das was er sagt? … eine positive Rede voller Zuversicht für die Zukunft, und jeder Realist weiß, dass dieses System den Bach runter geht.
    … freu mich schon auf den Rücktritt Kerns, da er es nicht geschafft hat seine geistigen Ergüsse umzusetzen,… so wie alle BK der letzten 15 Jahre,…

  11. Der Realist

    die alte Leier der Genossen, etwas showmäßiger verpackt halt, und von seinen Entschuldigungen kann sich auch keiner was kaufen.

  12. Falke

    Besonders lustig ist Kerns Verlangen, dass sich die Arbeitnehmer ihre Arbeitszeit frei wählen sollen. Das stelle man sich etwa bei dem Unternehmen vor, das Kern seiner Meinung nach “geführt” hat, nämlich den ÖBB: da sollen wohl die Züge nur dann fahren, wenn es den Bediensteten genehm ist. Da fragt man sich erstens, was Kern denn überhaupt als ÖBB-General getan hat (außer den Wünschen und forderungen der Gewerkschaft brav und untertänigst sofort zu entsprechen) und zweitens, welche Art “Kompetenz” er überhaupt zur Führung eines Unternehmens besitzt – von der Führung einer Regierung gar nicht zu reden.

  13. mariuslupus

    Danke Herr Tögel für Ihre Meinung und die absolut zutreffende Beurteilung der Leistungsbilanz des sozialistischen Proponenten. Aber, Hand aufs Herz. Lohnt sich das ? Kern wird Ihre klugen Worte nicht lesen, sollte er sie lesen wird er nur Rangierbahnhof verstehen. Er wird, obwohl angeblich Eisenbahner die Weichen nicht neu stellen, bleibt auf Kurs. Gerade aus, ohne Licht in den Tunnel, in der Dunkelheit fällt die Wand am Ende des Tunnels nicht auf.

  14. dna1

    @ Falke: “…da sollen wohl die Züge nur dann fahren, wenn es den Bediensteten genehm ist.”

    Manchmal hat man den Eindruck das ist ohnehin bereits so :-).

  15. Thomas Holzer

    @Falke
    Als “kompetenter” Manager hat Kern auch den Wünschen der “anschaffenden” Politik widerspruchslos entsprochen 😉

  16. raindancer

    @Lisa
    http://diepresse.com/home/wirtschaft/economist/5153502/Die-am-schlechtesten-bezahlten-Jobs-in-Oesterreich
    erzählen sie das mal der Friseurin und der Billa Verkäuferin
    technischen Schnickschnack, den man heute „haben muss“..was meinen sie mit Schnickschnack?
    Internet, Telefon und Fernseher?..ja das ist echt schlimm…wenn sie wenigstens in Lumpen daherkämen ..dann würde man den Arbeiter noch erkennen, aber so…
    der Mittelständler ist bereits in Konkurrenz..siehe zb Aktion1000, Wohnungen, und nicht zuletzt da jetzt Geld hinaus gepulvert wird, wo zugleich die Reallöhne und das durchschn. Privatvermögen sinkt und sinkt
    Irgendwer muss auch die ganzen Mindestsicherungen zahlen.
    Ebenso muss ein Sozialsystem erstmal 500.000 Arbeitslose aushalten.
    Wir zahlen zusätzlich für übermässig bezahlte Beamte, die Großunternehmer werden reicher und reicher.

  17. Peter Malek

    Ich habe den Kommentar von Herrn Tögel zu akzeptieren, auch wenn ich ihn in einigen Punkten nicht teile.
    Jetzt warte ich auf einen ähnlich kritischen Kommentar zu der alljährlichen Aschermittwoch-Rede von H.C. Strache. Die “Kunden”, die von beiden angesprochen werden, sind ja die selben. Somit werden sich die Inhalte wohl ähneln. Wie gesagt, ich warte.

  18. Christian Peter

    @Peter Malek

    Bei den Trachtensozialisten sieht es auch nicht besser aus. Dort wird mit der Lachnummer Kurz demnächst ein Studienabbrecher das Kommando übernehmen.

  19. raindancer

    @ChristianPeter
    glaub ich nicht, die ÖVP koaliert wieder mit SPÖ und es geht weiter wie bisher…alles nach Plan

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.