Eine unwürdige Botschaft an die Griechen

Von | 7. Januar 2015

(KLAUS KASTNER)  „Kanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble halten einen Austritt des Landes aus der Gemeinschaftswährung für verkraftbar“, berichtete Der Spiegel und die Bundesregierung dementierte nicht sofort, womit dem Bericht Glauben geschenkt werden darf. Diese lancierte Meldung kann nicht anders verstanden werden als eine unwürdige Botschaft an die griechischen Wähler, sich sehr gut zu überlegen, ob sie wirklich die links-radikale SYRIZA wählen wollen.

Eine links-radikale griechische Regierung wird von den EU-Eliten – aus sehr verständlichen Gründen – nicht gewünscht. Auch von vielen Griechen nicht. Es ist auch nicht auszuschließen, dass die Maßnahmen einer SYRIZA-Regierung dem Land Armut und Chaos bescheren könnten. Es muss jedoch dem nationalen, demokratischen Prozess überlassen bleiben, eine neue Regierung ohne Beeinflussung von außen wählen zu können. Alles andere erinnert an die EU-Sanktionen gegen Österreich, als eine demokratisch gebildete österreichische Regierung den EU-Eliten nicht genehm war.

Seitdem in Griechenland vor ein paar Monaten wieder politische Unruhe eingekehrt ist, hat der griechische Regierungschef Samaras bei jeder Auseinandersetzung mit der Opposition die Grexit-Keule geschwungen. Das war und ist eines Regierungschefs aus der staatstragenden, konservativen Partei absolut unwürdig, man könnte jedoch einbringen, dass dies dem oftmals unappetitlichen Verhalten griechischer Politiker entspricht. Dass sich nun auch Spitzenpolitiker aus anderen Ländern dieses unappetitliche Verhalten zu eigen machen, ist ein Armutsbekenntnis für das europäische Demokratieverständnis.

Die Androhung eines Grexit entspricht einem sehr hohen Ausmaß an Arroganz, weil gemäß EU-Verträgen ein Ausschluss aus der Währungsunion nicht möglich ist. Selbst ein freiwilliger Austritt ginge nur mit einem gleichzeitigen Austritt aus der EU. Deutsche Politiker lassen die Öffentlichkeit wissen, dass „findige Anwälte“ sicherlich einen Ausweg finden würden. Genauso, wie sie Wege gefunden haben, die „no bail-out Klausel“, das Verbot der Schuldenvergemeinschaftung und das EZB-Verbot der Staatsfinanzierung zu umschiffen. Das Vertrauen in die Rechtsstaatlichkeit der EU wird damit sicherlich nicht gefördert.

Es ist absolut widersinnig, einem Land das Ausscheiden aus der Währungsunion anzudrohen und/oder nahezulegen, nur weil es die mit der Troika getroffenen Vereinbarungen nicht einhalten will. Diese Vereinbarungen waren doch kein Selbstzweck! Sie waren Mittel zum Zweck, wobei dieser Zweck war, dass die griechische Volkswirtschaft via Reformen und andere Maßnahmen wieder gesunden sollte.

Von einer Gesundung der griechischen Volkswirtschaft kann keine Rede sein: fast eine Million Griechen sind ohne Einkommen und Krankenversicherung; fast drei Millionen sind in Armut oder armutsgefährdet mit rasch steigender Tendenz; die Arbeitslosenquote ging von 28% auf 25% nur deswegen zurück, weil sehr viele Griechen mittlerweile das Land verlassen haben.

Vor diesem Hintergrund ist es absolut legitim, ja sogar notwendig, die bisher vereinbarten Maßnahmen in Frage zu stellen; zu hinterfragen, warum sie nicht die erhoffte Wirkung gezeigt haben. Ohne Zweifel war Griechenland beim Sparen weltmeisterlich: kein anderer Staat hat jemals so viel Geld aus der Wirtschaft genommen (Kostensenkungen, Steuererhöhungen) wie Griechenland seit 2010. Griechenland ist insgesamt wesentlich „billiger“ geworden. Trotzdem hat dies die erwünschte Wirkung nicht gebracht.

Bei einer verantwortungsvollen Ursachenforschung wird man nicht an der Frage vorbeikommen, ob der Euro eine passende Währung für die griechische Wirtschaft ist. Damit der Euro für Griechenland positiv wirken kann, müssten staatliche und wirtschaftliche Strukturen von Grund auf reformiert werden und hier stellt sich die Frage der Reformfähigkeit Griechenlands. Ja, viele Troika-Maßnahmen wurden bisher umgesetzt, aber wesentliche und tiefgreifende Reformen wurden mit der gleichen Zähigkeit verhindert, wie Österreich einer Verwaltungsreform aus dem Wege geht. Und was das Kaufen von Wählerstimmen betrifft, das seit über 3 Jahrzehnten die griechische Politik geprägt hat und das die konservative Regierung abschaffen wollte: kaum standen mögliche Neuwahlen im Raum, verabschiedete die Samaras-Regierung kurz vor Weihnachten eine Maßnahme, 210 ehemalige Beschäftige der Athener Metro wieder einzustellen. Es waren die gleichen Beschäftigten, die die letzte konservative Regierung 2009 kurz vor ihrer Abwahl eingestellt hatte, die jedoch später wegen Umgehung der Einstellungsbedingungen wieder entlassen wurden. Vier Mal war vorher die Samaras-Regierung mit der Wiedereinstellung gescheitert. Vor Weihnachten stimmte dann auch die SYRIZA mit, womit sich auch bei SYRIZA die Frage stellt, ob diese Partei wirklich mit den unappetitlichen Praktiken der Vergangenheit brechen will.

Die letzten 15 Jahre haben gezeigt, wie zerstörerisch der Euro für eine reformunfähige griechische Wirtschaft sein kann. Vor diesem Hintergrund – und nicht wegen des Einhaltens von nicht funktionierenden Vereinbarungen – sollte die Frage eines möglichen Grexit gestellt werden. Das primäre Interesse der EU kann doch nicht sein, ein Land zu Reformen zu zwingen, wenn dieses Land in den fast 200 Jahren seiner modernen Geschichte gezeigt hat, dass es reformunfähig ist. Und schon gar nicht kann man notwendige Reformen mit einer Währung erzwingen. Da wäre ein Grexit in der Form einer „einvernehmlichen Scheidung mit Alimenten“ sicherlich ein sinnvollerer Weg.

Laut einer aktuellen Umfrage wollen fast 75% der Griechen den Euro beibehalten, „koste es, was es wolle“. Gleichzeitig gibt es Umfragen, dass eine Mehrheit der Griechen der sogenannten Sparpolitik ein Ende setzen möchte. Dass diese zwei Standpunkte nicht miteinander vereinbar sind, haben selbst extrem links-radikale Ökonomen der links-radikalen SYRIZA begriffen, die sich kürzlich zur Aussage hinreißen ließen, dass „ein Euro für Griechenland ohne begleitende Kontrolle der Troika“ nicht vorstellbar bzw. eine Illusion sei. Und genauso ist es!

Die griechischen Wähler werden also entscheiden müssen, welche Regierung den Euro beibehalten, die Vorgaben und Kontrolle der Troika jedoch verhindern kann. Es gibt derzeit keine griechische Partei, die eine vernünftige Antwort auf diese Frage zu bieten hat. Dies rechtfertigt jedoch nicht, dass ausländische Politiker den Griechen die Antwort auf diese Frage vorgeben.

 

 

54 Gedanken zu „Eine unwürdige Botschaft an die Griechen

  1. Wettervik

    “Die Androhung eines Grexit entspricht einem sehr hohen Ausmaß an Arroganz, weil gemäß EU-Verträgen ein Ausschluss aus der Währungsunion nicht möglich ist”.

    Haha. Als ob sich seit 2009 noch irgendjemand an Verträge erinnerte, geschweige denn hielte….

  2. Syria Forever

    Guten Morgen Herr Ortner.

    Ich bin so frei eine Frage zu stellen.
    Wenn Sie Twitter besuchen werden Sie seit Gestern Abend einiges vorfinden das Ihnen den Atem verschlägt.
    Es handelt sich dabei um Kindesmissbrauch auf Globaler Ebene.
    Persönlich weise ich seit langem darauf hin doch wie es scheint hat sich auf unserem Globe etwas verändert…
    Ich weiss nicht weshalb, doch es scheint wir steuern einem neuem Machtgefüge entgegen.

    Ich würde Sie bitten, nehmen Sie sich die Zeit.
    Sie werden einen guten Magen und noch mehr Mut brauchen sich zurecht zu finden. Das Ausmass ist unvorstellbar und die Verbrechen noch um vieles schlimmer. Die IS-Mörder sind im Vergleich Humanisten.
    Menschenhandel, Organhandel, Sklaverei, Satanismus, Kannibalismus… Unvorstellbare Verbrechen…

    Es ist, Global, so gut wie alles vor zu finden das mit Macht versehen ist.

    Vielleicht können Sie daraus etwas fabrizieren um es den Menschen näher zu bringen. Ich kann es nicht, weil ich nicht das Gefühl der richtigen Dosierung habe. Mein Umfeld ist darüber informiert doch es müssen alle Menschen davon erfahren sind doch so gut wie alle Regierungen in Europa darin verwickelt.
    Sie werden auch snuffs im Net finden, doch da kann ich nur anraten, wappnen Sie sich davor.
    Selbst starke Menschen, die vieles gesehen und erlebt haben, schafften das Ende nicht. Ich nehme mich selbst nicht aus…

    Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
    Shalom

  3. A.Felsberger

    Das Verhältnis Deutschlands zu Griechenland ist ein Gläubiger-Schuldner-Verhältnis, und daher in erster Linie ökonomisch und nicht politisch. Der Gläubiger will seine Forderung bedient sehen, und der Schuldner will oder kann seine Verbindlichkeit nicht leisten. Das Gläubiger-Schuldner-Verhältnis hat sich im Zuge einseitiger Handelsbeziehungen aufgebaut: Über Jahre und Jahrzehnte hat Griechenland mehr deutsche Waren importiert als es im Gegenzug griechische nach Deutschland exportiert hat. An und für sich ist das ein alltäglicher Vorgang zwischen zwei Ländern – man denke an das Verhältnis Deutschlands zur USA, wo die Dinge ähnlich stehen -, aber in diesem Fall hat sich das Gläubiger-Schuldner-Verhältnis in einer einheitlichen Währung aufgebaut. Damit existiert kein Ventil, das über Abwertung der Währung des Schuldners sukzessive Abschreibungen auf Seiten des Gläubigers erzwingen könnte. Würde Griechenland die deutschen Waren in Drachme bezahlt haben, dann hielte Deutschland Drachme-Forderungen gegen Griechenland, die mit dem Verfall der Währung Jahr für Jahr wertzuberichtigen wären. Der Gläubiger fällt um den DM-Wert der Schuld um, aber er kann den Verlust über viele Perioden strecken und damit seine Belastung gering halten. Flexible Währungen garantieren, dass das Gläubiger-Schuldnerverhältnis zwischen zwei Ländern im Lot bleibt, indem sie über das Ventil der Abwertung den Schaden über viele Jahre verteilen. Anders jedoch, wenn das Gläubiger-Schuldner-Verhältnis in einer einheitlichen Währung existiert: Dann hat der Gläubiger keine Möglichkeit den Verlust sukzessive über Wertberichtigungen zu nehmen und die ganze Schuld staut sich ohne Ventil auf, vergleichbar mit einem Staudamm, der keinen Abfluss kennt.

    Alles, was dann bleibt, ist entweder zu deutschen Staatskrediten zu greifen, die die originären Kredite absichern, oder die Schuld wegen Nicht-Bedienbarkeit in einem grossen Satz abzuschreiben. Deutschland hat sich für den ersten Weg entschieden, indem der deutsche Staat für griechische Verbindlichkeiten haftet, die seine Bürger durch Exportüberschüsse über Jahre aufgebaut haben. Nun muss jedem einleuchten, dass dieses Verfahren nicht stabil ist, weil es einen gewaltigen innerdeutschen Transfer vom Staat zu deutschen Gläubigern Griechenlands entspricht. Völlig Unschuldige, die ihr Leben lang nie etwas mit Griechenland zu tun hatten, werden zur Kasse gebeten, um die deutsch-griechischen Gläubiger-Schuldnerverhältnisse, die andere durch Export aufgebaut haben, zu halten. Das Ganze erinnert sehr an eine antike Tragödie: Man hat sich als Gläubiger und Schuldner wie Prometheus an den Felsen gebunden und findet keinen Weg nun das Verhältnis wieder aufzulösen ohne einen gewaltigen Schaden zu produzieren. Nirgends ist ein Mechanismus in Sicht, der erzwingen könnte, dass Griechenland mehr nach Deutschland exportiert als es von dort importiert, um die Schuld abzubauen. Es verbleibt (theoretisch) nur die Abtretung griechischen Vermögens an Deutschland um die Schuld zu tilgen (Kauf von griechischen Immobilien durch Deutsche, Kauf von griechischen Firmen durch Deutsche, usw.). Nur ein Schelm glaubt: dass dies eine effiziente Methode der Schuldenbereingung sein könnte. Der Hass der Griechen auf Deutsche würde ins Unendlich steigen. Mit einem Wort: Weit und breit ist keine Lösung in Sicht um sich aus der selbstgebauten Falle, die man Euro nennt, wieder zu befreien.

  4. Christian Peter

    Und dann sollte noch jemand behaupten, EU und Euro wären dem Frieden in Europa förderlich :
    Erstmals seit dem Nationalsozialismus wird Deutschland wieder als eine Bedrohung in Europa wahrgenommen.

  5. sokrates9

    Unsere linken Phantasten glauben schon immer Naturgesetze aushebeln zu können. Und eines dieser Gesetze ist dass die Produktivität eines Landes mit seiner Währung verbunden ist. Die Produktivität ZB Deutschlands ist einfach wesentlich höher und wird es immer sein. Das muss nicht unbedingt mit den Menschen zu tun haben. wenn mein Computer abstürzt, habe ich innerhalb von 4 Stunden ein neues System, wenn ich auf einer griechischen Insel lebe wahrscheinlich bestenfalls innerhalb von 4 Tagen!..

  6. Klaus Kastner

    @ Felsberger
    Nur einige Ergänzungen zu Ihrer richtigen Analyse.

    Letztendlich ist es nicht der Handel alleine, sondern das gesamte Leistungsbilanzdefizit, das ausschlaggebend ist. Griechenlands desaströse Handelsbilanz wurde und wird immer ganz erheblich durch den Überschuss bei den Dienstleistungen verbessert (Shipping, Tourismus). Trotzdem, von 2001-10 häufte Griechenland ein kumuliertes Leistungsbilanzdefizit von 197 Mrd.EU auf. Dies wurde natürlich von ausländischen Kreditgebern finanziert. Sogar noch mehr! Der Nettozufluss an Auslandsschulden während dieser Zeit war 283 Mrd.EUR. Es flossen also Kredite ins Land nicht nur, um das Leistungsbilanzdefizit zu finanzieren, sondern um zusätzlich die inländische Geldmenge zu erhöhen (die dann später teilweise auf private Auslandskonten zurückfloss).

    Jetzt hält man Deutschland für den alleinigen Profiteur der griechischen Leistungsbilanzdefizite. Stimmt aber nicht! Auf Deutschland fallen ca. 15% dieses Leistungsbilanzdefizits, ident mit dem Anteil von China. Hat man schon irgendwann einmal gehört, welche Gegenleistung China erbringen wird, um sich für seinen Leistungsbilanzüberschuss mit Griechenland zu bedanken und auch dafür, dass europäische Steuerzahler die Rechnungen seiner Exporteure bezahlen? Hat denn China an den Rettungskrediten proportional teilgenommen? Hat England teilgenommen, da es ja doch von den Rettungskrediten auf dem Umweg seiner Banken und Exporteure profitiert hat? Wie sieht es mit den USA aus?

    Ja, der Verlust war bereits vor Griechenlands Pleite 2010 da, man hat ihn nur bis heute noch nicht wirklich realisiert. Und ja, es gibt nur die 2 Möglichkeiten: die einmalige Schocktherapie (Schuldenschnitt) oder einer Art Lex-Länderbank, wo der Gesamtschaden meinetwegen auf 100 Jahre verteilt wird. Dann sind die jährlichen Belastungen leicht verkraftbar und nach ein paar Jahren kann sich schon kein Mensch mehr daran erinnern.

  7. Passant

    Es ist doch nicht falsch, bereits vor einer Wahl zu sagen, welche Folgen die Umsetzung von Vorwahl-Ankündigungen haben können, zumal es ja keinen Anspruch der Griechen darauf gibt, dass die anderen Staaten der EU unbegrenzt für die Folgen ihrer Misswirtschaft aufkommen werden, wenn Griechenland seine Bemühungen um Sanierung einstellt.
    Nur wir haben uns schon daran gewöhnt, dass man uns erst nach der Wahl reinen Wein einschenkt.

  8. A.Felsberger

    @ Kastner: Man muss immer bedenken, dass die empirischen Zahlen, die ermittelt werden, auf einer falschen Theorie fussen, und daher keinerweise geeignet sind, die richtige Theorie (die sich aus der Saldenmechanik ergibt) zu stützen. Grundsätzlich kann sich die griechische Verschuldung nur darstellen in: a) griechische Unternehmensanleihen, b) griechische Staatsanleihen, c) Kredite an griechische Haushalte und Unternehmen. Diese Verbindlichkeiten findet man zum geringeren Teil bei griechischen Geschäftsbanken, und zum grösseren im Ausland bei ausländischen Geschäftsbanken, wo sie überall auf der Aktivseite des Bankensektors stehen. Es gibt kein empirisches Verfahren, das diese Grössen erhebt, weil sich schlichtweg niemand darum kümmert. Ansonsten haben Sie in ihrer Einschätzung natürlich recht: Nicht nur Deutschland ist Gläubiger, sondern die ganze Welt. Aber die europäischen Staaten haften für die “Weltschuld” Griechenlands.

    PS:Nur der Markt kann eine sukzessive Abschreibung dieser Schuld (über Abwertung der Drachme) erzwingen. Politisch wird das nie funktionieren, weil die Staaten das Problem der Wertberichtigung hinausschieben. Niemand fügt sich freiwillig Schmerzen zu. Grüsse A.F.

  9. Franz Steinparz

    Fakt ist:
    Griechenland hat sich im Stil von Bankrotteuren über seine Leistungsfähigkeit hinaus verschuldet. Die Instituionen der EU haben, unter Bruch des EU-Vertrages- den logischen Bankrott Griechenlands auf Kosten aller EU-Bürger verhindert. Die Zuwendungen der EU an Griechenland konnten den Bankrott hinauszögern, aber offenbar nicht verhindern. Jedes weitere Hinauszögern kostet zusätzliches Geld. Es ist also höchste Zeit Realitätsverweigerung auf Kosten der EU-Bürger zu beenden, zu akzeptieren dass Griechenland bankrott ist und dieser Bankrott abzuwickeln.

  10. Syria Forever

    Herr Ortner,

    sehen Sie was ich meine?

    Shalom

  11. Rennziege

    Griechenland ist nur ein Symptom jener Krankheit, mit der die “Friedensidee” EU schon geboren wurde: Alle Mitgliedsländer versuchen, einander auszutricksen und ihren eigenen Hintern zu retten, manche geschickter, manche patscherter. Von Gemeinsamkeit keine Spur — außer einer: Verschuldung bis zum Stehkragen, lawinenhaft wachsend. Staatsräson der jeweils regierenden Nomenklatura: “Après moi le déluge.”
    Planwirtschaft, bürokratische und fiskalische Würgegriffe sowie Sozialstaatsfetischismus lähmen Leistungswillen und Hirne der Bürger. So eine Union ist keine, sondern eine Räuberbande.

  12. A.Felsberger

    Noch etwas, Herr Kastner: Das moderne Geldsystem, das auf Gläubiger-Schuldner-Verhältnisse fusst, und nicht, wie immer behauptet, durch einen Willkürakt der Siegermächte (Bretton Woods) ins Leben gerufen wurde, sondern sich in einem schmerzhaften Ringen mit zahlreichen Verirrungen von 1918 bis 1944 entfaltete, hat nicht umsonst von Beginn an auf flexible Währungskurse hingedrängt. Es ist nämlich schlichtweg unmöglich Gläubiger-Schuldner-Verhältnisse in fixen Währungskursen abzubilden ohne den Handel abzuwürgen. Nur, wenn der Gläubiger die Verluste in kleinen Mengen nehmen darf, ist das System stabil, während das Aufschieben der Verschuldung letztendlich in einer Vergiftung des Klimas zwischen den Staaten und einer Stockung des Handels mündet. Die Europäer waren aus Gründen, die hier zu analysieren nicht der Platz ist, von Beginn an nicht bereit auf das System flexibler Währungskurse einzuschwenken. Stattdessen hat man mit dem EWS und dann mit dem Euro das an und für sich überholte System fester Wechselkurse zu einem Zeitpunkt einzementiert, wo sich die ganze Welt bereits davon abgewandt hat (Ausnahmen: China, Saudi-Arabien, etc.) Man zahlt jetzt für die mangelnde Lernfähigkeit einen hohen Preis, indem man die Geister, die man rief, nicht mehr los wird, während der Welthandel auf der Grundlage flexibler Währungskurse weiter gedeiht. Es ist kein Zufall, dass sich Deutschland in den letzten Jahren immer mehr von den europäischen Importländern ab- und den asiatischen Ländern zugewandt hat. Der Handel auf Basis fester Wechselkurse funktioniert einfach nicht!

  13. Mourawetz

    Der Wink mit dem Zaunpfahl Merkels mag vielleicht nicht sonderlich nett gewesen sein. Allerdings: so ist das nun einmal, wenn man soviel Schulden hat, dass man abhängig  ist vom Goodwill der Gläubiger. Souverän ist nur, wer keine exzessiven Schulden hat. Das gilt im Privaten wie beim Staat, im Kleinen wie im Großen. Griechenland hat das nicht kapiert und hat hemmungslos Schulden gemacht. Griechenland ist ein Failed State. Da gehts nur noch darum, in wessen Einflußsphäre es fällt. Kommen wieder die Osmanen? 

  14. Klaus Kastner

    @ Felsberger
    Mit der Saldenmechanik bin ich vertraut und ich bilde mir ein, wir hätten diesbezüglich schon einmal kommuniziert.

    In Wirklichkeit geht es nicht um die “Staatsschulden”, sondern um die “Auslandsschulden der gesamten Volkswirtschaft”; d. h. Staatsschulden, die im Inland gehalten werden, sind grundsätzlich nicht von großer Relevanz. Warum? Weil diese Auslandsschulden die Ersparnisse anderer Länder darstellen, die verloren gehen würden, sollte Griechenland in die Ägäis stürzen. Anders ausgedrückt: hätte 2010 Griechenland seine gesamten Staatsschulden im Inland platziert (was mathematisch möglich gewesen wäre), dann hätte sich niemand zwischen Brüssel, Frankfurt und Berlin übermäßig aufgeregt, weil diese Verschuldung – ähnlich wie in Japan – ein rein inländisches Problem gewesen wären.

    Diese Auslandsschulden werden immer von Notenbanken berichtet, d. h. von der Bank of Greece. Zu Beginn der Krise waren sie ca. 50:50 verteilt auf den Staat und die Banken als Kreditnehmer/Schuldner mit nur ganz geringen Anteilen bei griechischen Firmen als Kreditnehmer/Schuldner. Griechische Private waren keine direkten Kreditnehmer von Auslandsschulden.

    Nachdem Private keine direkte Auslandsverschuldung haben, steht die Privatverschuldung als Aktivposten in den Bilanzen griechischer Banken, die diese Aktiva wiederum mit ihren eigenen Auslandsschulden refinanzieren (zumindest zum Teil).

    Wenn der Staat Kreditnehmer/Schuldner ist, dann kommt es zur wundersamen Transformation von Schulden in Privateinkommen/-vermögen. Der Staat nimmt Auslandsschulden auf, um seine Ausgaben zu finanzieren. Diese Ausgaben des Staates sind Einnahmen von Privaten (erhöhte Gehälter oder Pensionen, etc.). Die Privaten geben dieses Einnahmen entweder aus und genießen den Konsum oder sie sparen das Geld (und überweisen es auf ausländische Banken im Extremfall). Kurz und gut: wenn der griechische Staat heute an die 300 Mrd.EUR Auslandsschulden hat (die genaue Ziffer wird nicht veröffentlicht), dann sind das 300 Mrd.EUR, die irgendwann einmal Privateinkommen/-vermögen geworden sind. Das ist der Punkt, der den Griechen nur schwer zu vermitteln ist. Als ein Politiker einmal ehrlich sagte “Wir haben es alle gemeinsam verfrühstückt”, wurde er fast gekreuzigt. Er hatte allerdings damit recht.

    Wenn die Banken Kreditnehmer/Schuldner sind, dann wird dieses Geld nur zum geringen Teil Privateinnahmen/-vermögen (sofern die Banken die Gelder für ihren Betrieb ausgeben). Der Großteil dieser Gelder wird Privatschulden jener, die Kredite bei der Bank aufnehmen.

    Ich habe einen Schwager, der nicht nur sein ganzes Leben als Unternehmer geschuftet, sondern der noch nie in seinem Leben einen Kredit aufgenommen hat. Als ich seinen Fuhrpark mit ausländischen Nutzfahrzeugen sah, sagte ich zu ihm “Hier steht ein Teil der griechischen Auslandsschulden”. Er explodierte förmlich. Ich konnte ihm nicht erklären, dass – obwohl er selbst keine Schulden hat – die Volkswirtschaft ingesamt Auslandsschulden machen musste, um die Nutzfahrzeuge aus Deutschland oder Asien zu importieren.

  15. A.Felsberger

    Mathematisch ist es ganz banal: Netto-Verbindlichkeiten der griechischen Unternehmen + Netto-Verbindlichkeiten des griechischen Staates + Netto-Forderungen der griechischen Haushalte + Netto-Forderungen des Auslands = Null. Woraus folgt: Netto-Forderungen des Auslands = Netto-Verbindlichkeiten der griechischen Unternehmen + Netto-Verbindlichkeiten des griechischen Staates – Netto-Forderungen der griechischen Haushalte. Wenn man nun realistischweise die griechischen Haushalte in solche teilt, die Netto-Forderungen haben, und solche, die bereits Netto-Verbindlichkeiten haben, dann gilt: Netto-Forderungen des Auslands = Netto-Verbindlichkeiten der griechischen Unternehmen + Netto-Verbindlichkeiten des griechischen Staates + Netto-Verbindlichkeiten der (verschuldeten griechischen Haushalte – Netto-Forderungen der (nicht-verschuldeten) griechischen Haushalte. Damit ist eigentlich alles gesagt: Das Ausland (“Die Welt”) hat massive Netto-Forderungen gegen griechische Unternehmen, gegen überschuldete griechische Haushalte und den griechischen Staat. Zustandegekommen sind diese Forderungen durch Exportüberschüsse von Waren und Dienstleistungen.

    PS: Aus der Sicht der Privaten gelten Rechnungen immer als bezahlt. Sie legen die Drachme oder Euro auf den Tisch und glauben, die Sache sei damit erledigt. Aus der Sicht der Saldenmechanik sind diese Gelder offene Rechnungen, die erst bei Gegenleistung einer Ware verschwinden. Erst wenn Griechenland mehr exportiert als es importiert, baut es seine Auslandsschuld ab. Alle Geldersparnis dieser Welt ist nichts anderes als eine offene Forderung gegen den Schuldner, der diese NUR durch Warenlieferung begleichen kann.

  16. Klaus Kastner

    @ Felsberger
    Genau das, was Sie im letzten Absatz sagen, wollte ich mit meinem Bespiel über meinen Schwager rüberbringen.

  17. A.Felsberger

    Ja, Herr Kastner, Sie haben recht. Im Grunde tut man sich nichts Gutes in die Welt der Gläubiger-Schuldner-Beziehungen, die sich immer durch Geld abbilden, einzudringen. Der Normalbürger, die Verwandten und Bekannten, verstehen es nicht. Man erntet nur Sprachlosigkeit und Kopfschütteln. Alle, Unternehmer wie Arbeiter und erst recht Bürokraten, sind borniert und haben keine Ahnung davon, in welcher Welt sie sich eigentlich bewegen. Nur, wenn die Kreditkrise ausbricht, und ihre Forderungen auf einmal wertlos werden, dann verstehen sie für einen kurzen Moment den Zusammenhang, um ihn aber gleich im Anschluss der konjunkturellen Erholung wieder aus dem Auge zu verlieren. So ist der Mensch: Solange er Geld verdient, glaubt er tatsächlich, die Welt sei in Ordnung.-)

  18. A.Felsberger

    Wenn ihr Schwager Geldersparnis hat, dann hat er gegen irgendjemanden auf dieser Welt eine offene Forderung auf Lieferung von Ware und/oder Arbeitskraft. Wenn dieser Schuldner falliert, dann verliert Ihr Schwager sein Geld. Es wird ihm nur nicht bewusst, weil die Geschäftsbank, wo er sein Guthaben hält, eine Art “Puffer” zwischen ihm, den Gläubiger, und den Schuldnern bildet. Dieser Puffer ist das Eigenkapital der Geschäftsbank und er ermöglicht es Konkurse von Schuldnern partiell aufzufangen. Das EK der Geschäftsbanken ist die Versicherung derjenigen, die Geldersparnis haben. Würde keine Geschäftsbank existieren, dann würden alle Geldersparnisse die Form von Anleihen und Wechsel annehmen. Und dann wäre ihrem Schwager sehr schnell bewusst, dass er seine Forderungen an jeden Tag verlieren kann.

  19. Klaus Kastner

    @ Felsberger
    Der Großteil der Forderungen meines Schwager sind gegen sich selbst: er investiert fast alles, was an Geld übrig bleibt, in materielle Werte (Fuhrpark, Vorräte), die ihm selbst gehören. Und was er an Geld besitzt, sind Forderungen gegen die EZB, weil er als konservativer Grieche das Bargeld unter der Matratze den Bankguthaben vorzieht.

  20. Rennziege

    7. Januar 2015 – 14:05 Klaus Kastner
    7. Januar 2015 – 14:21 A.Felsberger
    Gentlemen!
    Ihr ökonomisches und währungstechnisches Knowhow ist atemberaubend. Die Vermutung aber — so Sie sie hegen —, dass Ihnen irgendein Großkopferter in der EZB, im IMF oder in den luxuriösen Bausünden der EU auch nur ein halbes Ohr leiht, ist verwegen; denn die mussten und müssen keinerlei Wissen vorweisen, um in ihre luxuriösen Jobs gewählt zu werden. Ein anonymer Listenplatz, Stallgeruch und das in Demokratien nicht minder als in Díktaturen bewährte (aber niemals offen erwähnte) old boy network genügt.

    Es interessant, Sie beide zu lesen — aber eine Mühe, der sich in Brüssel, Straßburg und Luxembourg garantiert niemand unterziehen wird, so klein sie ist. In Räuberbanden sind schon Erörterungen der vier Grundrechnungsarten vergebliche Liebesmüh, feinsinnige Betrachtungen ökonomischer und menschlicher Grundfesten geradezu reaktionär.
    Herzliche Grüße aus einem Land, das diese Probleme noch nicht hat — und jeden abwählt, der auch nur in Nebensätzen lügt. (So gesehen wäre die gesamte EU bis runter zum Gemeinderat von Hinterpodersdorf zumindest reif für eine beschauliche U-Haft.)

  21. A.Felsberger

    @Rennziege: Man wird das Wissen der “Elite” niemals prüfen können, weil es im Gegensatz zu dem der einfachen Menschen arbeitsteilig ist wie bei einem Unternehmen, wo viele zusammenwirken. Jeder dieser Spezialisten übertrifft auf seinem Gebiet einen einfachen Menschen bei weitem, und von daher halte ich es für sehr vermessen zu glauben: man hätte es mit Ahnungslosen zu tun. Dass einem die “Elite” ahnungslos erscheint, liegt nur daran, weil immer nur Einer, und niemals die arbeitsteilige Organisation als Ganzes, sprechen kann. Der Herr Minister erscheint einem als dumm, und das mag auch so sein, doch hinter ihm steht ein ganzer hochspezialisierter Apparat. Das einfache Volk, zu dem wir gehören, sollte das respektieren.

    PS: @ Kastner: Auch jemand der Bargeld hält, hält eine Forderung gegen unbekannte Schuldner, nämlich jene, die auf der Aktivseite der ZB stehen.

  22. Rennziege

    7. Januar 2015 – 15:48 A.Felsberger
    Lieb abgewimmelt. Das nachgewiesen hauchdünne Wissen einer “Elite”, die sich tagtäglich durch ihre ahnungslosen oder (im besseren Fall) rosstäuscherischen Sprechblasen ungeniert entlarvt, als von “Spezialisten” genährt schönzureden, ist üble sozialistische Tradition, nicht nur in der DDR: “Wir Komissare und Volkskammer-Insassen lassen uns durch Absolventen der Lomonossow-Uni beraten. Also Maul halten, Genossen!”

    Geradezu gartenlaubig, komsomolzenhaft und atavistisch obrigkeitssüchtig mutet Ihr Satz an: “… doch hinter ihm [dem Minister] steht ein ganzer hochspezialisierter Apparat. Das einfache Volk, zu dem wir gehören, sollte das respektieren.”
    Diese Direktive, schon bei Stalin nachzulesen, muss man sich auf der Zunge zergehen lassen, Genosse Felsberger. Nur eine Frage der Zeit, bis Sie uns den Genickschuss als bewährtes sozialoistisches Hausmittel wider bürgerliche Freiheiten, EU-Renegaten und Dissidenten aller Spielarten empfehlen werden.

  23. A.Felsberger

    >Nur eine Frage der Zeit, bis Sie uns den Genickschuss als bewährtes sozialoistisches Hausmittel wider bürgerliche Freiheiten, EU-Renegaten und Dissidenten aller Spielarten empfehlen werden.> Herr Rennziege: Keine Angst, das wird nie passieren! Mir ist das Individuum über alles heilig, nur nicht in dem Sinne, wie Sie es gewohnt sind.

  24. Franz Steinparz

    @Felsnberger
    @Kastner
    Die Entwicklung der Masseneinmkommen stagniert in Österreich und Deutschland seit etwa 1995, in den südlichen Staaten der EU sind diese Masseinkommen zum Teil stark gestiegen. Laut http://www.eu-info.de/arbeiten-europa/jobsuche-arbeiten-europa/realloehne stiegen die Löhne in Österreich von 2000 bis 2008 um lediglich 2,9%, in Deutschland fielen sie in diesem Zeitraum sogar um 0.8%. In Griechenland jedoch siegen die Löhne von 2000 bis 2008 um 39,6%. Wie ich Ihren Ausführungen entnehme “dank” der ekzessiven Verschuldung Griechenlands.
    Es ist nur gerecht, wenn die Nutznießer der griechischen Verschuldung diese Suppe selbst auslöffeln.

  25. A.Felsberger

    @Steinparz: Naja, Schulden kann man nicht auslöffeln, man kann sie nur zurückzahlen. Was heisst: Griechenland müsste über einen sehr langen Zeitraum, mehr Waren und Dienstleistungen in die Welt exportieren als importieren. Dadurch sinkt für das Aggregat “Griechenland” die Verschuldung, und damit auch in den Untergruppen: “Griechische Unternehmen”, “Griechischer Staat” und “verschuldete griechische Haushalte”. Nur, von dieser Exportoffensive ist, den Tourismus mal ausgenommen, weit und breit nichts zu sehen. Und damit werden die Schulden Griechenlands niemals fallen, mögen die Menschen auch noch so sehr dort veramen. Sie werden zwar die Suppe selbst auslöffeln, aber niemals die Schulden zurückzahlen.

  26. Rennziege

    7. Januar 2015 – 18:34 A.Felsberger
    Ich knüpfe an, Ihnen so bewusst widersprechend wie zuvor: Gegen Glatze, graue Haare und Verblödung gibt es nur ein Mittel. Ein Franzose hat’s erfunden; es heißt Guilllotine.

  27. A.Felsberger

    Es gibt ein sehr gutes Buch von Ortega y Gasset: “Der Aufstand der Massen”. Wenn man es liest, ist man peinlich berührt von der Anmaßung der Vielen, die sich anschicken über alles und jeden zu urteilen, und es gibt viele Stellen in diesem Buch, wo man sich selbst, wenn man ehrlich ist, wieder erkennt. Es gibt zu jeder Zeit eine Elite, die der Masse in allem überlegen ist, im sprachlichen Ausdruck, im Kunstempfinden und im wissenschaftlichen Denken. Diese Elite ist so alt wie die Geschichte der Menschheit selbst und nie hat es die Masse gewagt sie in Frage zu stellen oder gar in den Dreck zu ziehen. Erst die vermasste Gesellschaft, in der wir seit gut hundert Jahren leben, hat das Undenkbare möglich gemacht: dass Zwerge über Genies urteilen. Ich denke, man sollte sich das immer vor Augen halten, bevor man sich in die Niedrigungen unserer Zeit begibt. Es ist eine gänzlich vulgäre und proletarische Epoche, eine Massen-Epoche, und man muss bei jedem Wort, das man spricht, dies in Abzug stellen, um sich ja nicht grösser zu fühlen als man ist.

  28. A.Felsberger

    Dies ist auch der Grund, warum ich von Ideologien aller Art, die das Volk aufstacheln noch bösartigere Urteile zu sprechen, sich noch erhabener zu fühlen, die Eliten noch mehr in den Dreck zu ziehen, nichts halte. Jeder Mensch kann seine Würde in diesem Umfeld nur bewahren, indem er sich so vornehm zeigt wie es ihm nur möglich ist. Und zu diesen Ideologien zählen in erster Linie der Sozialismus, natürlich der Nationalismus, aber auch das Christentum, und wie dieses Forum noch lange nicht erkannt hat, auch der Liberalismus. Das sind vulgäre Ideologien, die dem Massenmenschen schmeicheln, ihn zu einem Gott erheben und daher von Grund auf abscheulich. Die Hysterie, die sie verbreiten, trägt den Gestank von Viehmist. Traurig alle, die das nicht riechen!

  29. Rennziege

    “Traurig alle, die das nicht riechen!”
    Tja, Herr Felsberger, möglicherweise schädigt der Mief der anderen, besonders der von Ihnen so geliebten “Eliten”, denen die Weisheit aus allen Poren so ungeniert trieft wie Ihnen, die Nüstern der Liberalen weit heftiger als umgekehrt.
    Dazu gehören auch, “wie dieses Forum noch lange nicht erkannt hat” (Guru Felsberger), “vulgäre Ideologien … von Grund auf abscheulich”, wie Christentum und Liberalismus, Sozialismus und Nationalismus. Fügt man die beiden letzten Verirrungen zusammen, hat man das Rätsel gelöst, weshalb die größten Massenmordbanden der menschlichen Geschichte in Ihrer Aufzählung nicht vorkommen.

  30. Franz Steinparz

    @Felsberger
    Warum, kann man Schulden nicht “auslöffeln”, indem man mehr leistet als man verbraucht?
    Das marktwirtschafliche Prinzip dazu ist der Preis von Waren und Dienstleistungen. Ein wesentlicher Punkt zur Preisgestaltung sind Arbeitskosten und Löhne. Es sind ja gerade die exorbitanten Lohnerhöhungen in Griechenland, die eine “Exportoffensive” verhindern. Man muss also die exorbitant gestiegenen Löhne soweit zurückfahren, das eine Exportoffensive wieder möglich wird. Nominell, in Zahlen ausgedrückt, kann man Löhne natürlich nicht senken. Das geht nur innnerstaatlich nur über Inflation und zwischenstaatlich über Währungsabwertung. Konsequneterweise muss man den Griechen also die Möglichkeit einer Währungsabwertung geben, was wiederum heisst, dass in Griechenland wieder eine nationale Währung einzuführen ist, also Griechenland aus dem Verbund der Eurostaaten zu entlassen ist.

  31. A.Felsberger

    @ Steinparz: Wenn es Greichenland gelingt über viele Jahre einen Exportüberschuss zu erzielen, dann sinkt die Verschuldung des Landes ab, ganz einfach, weil die Differenz zwischen Exporteinnahmen und Importausgaben dem Aggregat “Griechenland” gutgebucht wird. Wenn es Griechenland nicht gelingt, einen Exportüberschuss zu erzielen, und es weiterhin Impotüberschüsse tätigt, verschuldet sich das Land immer mehr. Alles hängt also von der Frage ab, ob Griechenland eine Exportoffensive (Importdefensive) starten kann oder nicht. Wenn Sie der Meinung sind, dass Sie das mit Reduktion der Löhne bei Beibehaltung des Euros erreichen können, bitte sehr, von mir aus. Ich glaube nicht daran. Die einzig sinnvolle Methode liegt in der Rückkehr zur Drachme (Aussenabwertung), um das Preisniveau des ganzen Landes ruckartig abzusenken. Es muss aber klar sein, dass dadurch die Schulden Griechenlands entwertet werden. Das heisst: den Schaden der Drachme-Einführung tragen die Gläubiger (Europa, China, etc.) Was man auch tut, es wird für Gläubiger und Schuldner schmerzhaft.

  32. A.Felsberger

    @ Rennziege: Wenn Sie tatsächlich der Meinung sind, dass Leid oder Massenmord der Maßstab der Zivilisation ist, dann stellt sich bloss die Frage, warum Sie die heutige Zeit verurteilen. Noch nie war das Leid des Europäers so gering wie heute. Nach diesem Maßstab sollten sie den Eliten, nicht nur den politischen, auch den ökonomischen und wissenschaftlichen, ob ihrer Fährigkeit das Leid zu reduzieren Respekt zollen und sie nicht verteufeln. Ich glaube einfach an alle vorgeschobenen Begründungen nicht, warum diese Zeit so schlecht und deshalb zu verurteilen sein soll. Vielmehr handelt es sich um ganz banale Massenhysterien wie sie die Geschichte immer wieder kannte, wie sie sich aber nun in verherrender Form potenzieren, ganz einfach, weil die Masse immer selbstbewusster und selbstherrlicher geworden ist. Ich frage Sie: Wo sind denn die grossen Schreier, die diese Zeit für unerträglich halten? Zählen Sie sie einmal auf, dann werden sie auch verstehen lernen!

  33. A.Felsberger

    Es sind die vulgären Zeitungsschreiber, die brüllen. Es ist der “kleine Mann” auf der Strasse und in den Foren, der sein Leid für inakzeptabel hält. Es sind die Ideologen aller Coleurs, die das Leid der Masse in Hysterie verarbeiten. Es sind die Pfaffen, die jeden Schmerz für einen zu viel halten. Wo man hinblickt: sieht man nur mehr die Stimme der Masse. Und alle gehen sie mit der gleichen Botschaft hausieren: hier die “Guten”, dort die “Bösen”. Und jeder sucht sich seinen “Bösen” auf dem Weg zur Glückseligkeit. Wenn Zivilisation an Leid gemessen werden würde, dann wären das die glücklichsten Zeiten, die der Mensch je gesehen hat. Doch das interessiert die Masse nicht, denn sie hat ihr eigenes Kriterium von Zivilisation, und das heisst: Ressentiment. Es geht ihr nicht darum Leid zu mildern, sondern die verhassten Eliten endlich vom Thron zu stossen. Sich selbst dort hinaufzuhieven und verächtlich auf andere herabzublicken, das ist der Maßstab der Zivilisation der Masse. Man bricht mit den Gesetzen der Mathematik, nur um sich seinen Traum zu verwirklichen. Niemals wird die Masse eine Leistung erbringen, die über Generationen erwähnenswert ist. Immer wird sie der dumpfe Mob sein. Und niemals können Viele die Position der Wenigen einnehmen. Diese Zivilisation ist in Aufruhr, weil die Masse den einfachsten Gesetzen nicht mehr folgen will. Sie hat sich zu Gott erhoben und lässt sich durch nichts mehr davon abbringen. Es ist die Stunde der Aufpeitscher und Geisteranbeter, die 1 und 1 zu 3 erklären.

  34. Franz Steinparz

    @Felsberger
    Die Lösung liegt in der Wiedereinführung einer nationalen griechischen Währung, genau das sage ich doch. Ob die nun wieder Drachme oder sonstwie heißt ist nebensächlich. Natürlich ist damit auch eine Abwertung der griechischen Schulden verbunden. Dies halte ich aus zwei Gründen für besser als eine Neuauflage der “Griechenlandhilfe” und Aufkaufen von Staatsschulden durch die EZB mit neu gedrucktem Geld:
    1. Tragen alle Gläubiger Griechenlands die resultierenden Verluste gleichmäßig und nicht nur die EU-Bürger
    2. Ist dann allemal kalr, dass nicht nur Staaten in Südamerika pleite gehen können, sondern eben auch in Europa, was hoffentlich dazu führt, dass die Banken bei Kreditvergabe auch wenn der Kreditnehmer ein Staat ist mit derselben Vorsicht handeln, welche sie gegenüber Kreditnehmern aus der Wirtschaft an den Tag legen. Dazu muss natürlich auch in den Baselvorschriften die Fiktion der “sicheren Staatschulden” aufgegeben werden-

  35. A.Felsberger

    @ Rennziege: In einem haben Sie recht. Von allen Massenideologien hat der Liberalismus die geringste Schuld auf sich geladen, aber nicht, weil er weniger vom Ressentiment geleitet ist als die anderen, sondern einfach, weil er von der Masse nicht geschätzt wird. Das Volk will nicht hassen über Umwegen des Indiviuums, das angeblich nach Freiheit ringt, das ist alles viel zu kompliziert und viel zu konstruiert für jemanden, der vom Geisterglauben erfüllt ist. Diese Masse will direkt hassen, die Schuldigen beim Namen nennen, und deshalb hat der Nationalismus unweigerlich die Nase vorne. Er ist die grosse Massenideologie und er wird es auch bleiben. Alle anderen Hetzer werden sich ihm anbiedern, egal, ob sie sich Sozialisten oder Liberale nennen. Man kann heute mit Sicherheit sagen, dass das Volk nicht ruhen wird, bis der Nationalismus die Macht errungen haben wird. Ob er dies mit Fremdenfeindlichkeit, mit Hass auf Religionen, Hass auf Banken oder auf Vaterlandsverräter garniert, ist völlig unerheblich. Wann immer der Nationalismus im Vormarsch ist, läuten die Todesglocken für alle anderen Hetzer, weil sie erkennen müssen, dass sie nichts sind.

  36. A.Felsberger

    @ Die Staatsschuld ist ein schwieriges Thema, das ich hier nicht breit treten möchte. Nur soviel: In dem Moment, wo die Notenbank Staatsanleihen aufkauft, ist sie Gläubiger des Staates. In dem Umfang, wie dies gelingt, reduziert sich die Gefahr des Staatskonkurses, ganz einfach, weil die Gläubiger keine Privaten mehr sind. Man muss sich klar sein, dass die Staatsschuld weltweit zu einem Zustand drängt, wo die privaten Gläubiger nicht mehr existieren. Das heisst nicht: dass damit das Problem der Staatsschuld gelöst sei, es heisst bloss: dass die Staatsschuld direkt in ZB-Geld (Bargeld) übersetzt wird. Ob man dann einen 100 Dollar-Schein in der Hand hält oder eine US-Staatsanleihe über 100 Dollar, ist völlig unerheblich. Es ist das Gleiche, und nebenbei der Grund, warum beides Null Zinsen abwerfen wird. Ich würde mich zu der These versteigen, dass die Staaten, die das ihrer Machtposition wegen tun können, auch tun werden, namentlich: die USA, Japan und Europa. Der Staatskonkurs ist dann bloss Thema für Staaten, die machtlos sind und zugleich einen Importüberschuss haben. Zu diesen Staaten zählt Griechenland. >Die Lösung liegt in der Wiedereinführung einer nationalen griechischen Währung>. So sehe ich es auch.

  37. A.Felsberger

    Eine Währungsunion verschiedener Staaten kann nur funktionieren, wenn die beteilgten Staaten untereinander eine ausgeglichene Leistungsbilanz haben und idealerweise gegen den “Rest der Welt” einen Leistungsbilanzüberschuss. Also im Falle Europas zum Beispiel: eine Währungsunion mit Deutschland, den Niederlanden, der Schweiz und mit Einschränkungen: Österreich und Polen. Sobald die Staaten untereinander im Aussenhandel nicht ausgeglichen bilanzieren, enstehen Schulden der Staaten mit Leistungsbilanzdefiziten, für die dann kein effizienter Mechanismus existiert sie auszugleichen. Ein Schuldenschnitt oder die Übernahme von Garantien der Staaten mit Leistungsbilanzüberschussen macht die Sache nur schlimmer und hilft niemanden. Dieses ganz banale Gesetz wurde bei der Konstruktion des Euro-Systems aus politischen Gründen vernachlässigt, ganz einfach, weil man partout Frankreich im Boot haben wollte und auch haben musste. Hat man einmal gegen dieses Gesetz verstossen, ist es dann ein Leichtes dies nochmals zu tun. So wurden Staaten aufgenommen, wie Spanien, Portugal, oder Griechenland, die sich für eine Währungsunion in keiner Weise eignen.

  38. H.Trickler

    @ A.Felsberger: 8.1.2015 – 10:01
    Wie eine Währungsunion verschiedener (Bundes-) Staaten entstehen UND funktionieren kann, lässt sich trefflich in den USA nachsehen.
    .
    Der einzige Konstruktionsfehler des Euros besteht darin, dass die Target2-Salden, welche in den USA alle 6 Montate von den Bundesländern bei der Federal Reserve ausgeglichen werden müssen, im Euroraum nicht abgebaut werden müssen.
    .
    Dieser “Fehler” des Euros liesse sich bei entsprechendem politischem Willen durch einen maximal 3 Sätze umfassenden Zusatz der geltenden Vorschriften aus der Welt schaffen.
    .
    Dieser politische Wille ist aber derzeit inexistent, und interessanterweise sind die Targtet2 – Salden in letzte Zeit gar nicht mehr besonders stark gestiegen.

  39. H.Trickler

    @Klaus Kastner:
    Die wirtschaftlichen Überlegungen des langen Artikels sind durchwegs valabel, ich habe jedoch eine andere Perspektive zur politischen Landschaft:

    Ich sehe die eigentliche Schandtat in der Meinungsäusserung des Spiegel-Autors Augstein, welcher bekanntlich regelmässig in seinen Kolumnen eine bestimmte politische Agenda verfolgt und leider gerne zum Anlass genommen wird, allerhand versalzene Süppchen in der ganzen Medienwirtschaft verkaufsfördernd weiter zu köcheln. (Dem angeschlagenen Ruf der Gilde ist so etwas gar nicht förderlich, aber Zeitungen dieses Schlages werden in ein paar Generationen sowieso zu den Fossilen gezählt.)
    .
    Dass die Bundesregierung daraufhin verlauten liess, dass keine solchen Planspiele durchgeführt würden, musste leider gesagt werden, weil auch die Griechische Presse nur zu gerne solche Schauermärchen zur Verfolgung ihrer eigenen Agenda publizierten.

  40. Klaus Kastner

    @ Trickler
    Jein. Die Target2-Salden waren bis 2008/09 sehr niedrig. Warum? Weil der private Finanzsektor es übernommen hatte, Geld in den Süden zu schicken, um marode Immobilien in Spanien und/oder Haushaltsdefizite und Leistungsbilanzdefizite in Griechenland zu finanzieren. Die Target2-Salden sind erst entstanden, als der private Finanzsektor sein Geld zurückforderte. Jede Einschränkung des Wachstums der Target2-Salden (ganz zu schweigen von einer möglichen Abdeckungspflicht) hätte einen beispielsweise griechischen Bankensektor sofort illiquide und insolvent gemacht.

    Wenn man falsche Entwicklungen mit Finanzmassnahmen steuern möchte, dann geht das nur über Verschuldungsgrade: z. B. maximale Auslandsverschuldung des Landes oder maximale Inlandsverschuldung der Privaten, etc. etc.

  41. A.Felsberger

    @ Trickler: Die USA ist ein Staat, der Euroraum ist kein Staat. Dass der Euro in einem gemeinsamen Staat funktionieren würde, steht wohl ausser Frage. Nur dieser gemeinsame europäische Staat steht bei niemandem auf der Agenda, nicht bei Frau Merkel und nicht beim Herrn Hollande. Wenn unabhängige EU-Staaten Target2-Salden ausgleichen wollten, müssten sie sich verschulden. Wenn US-Bundesstaaten Target-2-Salden ausleichen, wird dies aus dem Finanzausgleich bezahlt. Stellen Sie sich doch einfach das Verhältnis Bayern zu Berlin auf Euro-Basis vor: Solange diese beiden ein Staat sind, funktioniert alles, weil die Bereitschaft Bayerns zu einem Finanzausgleich besteht. Wäre jeder dieser beiden aber ein eigener Euro-Staat, kämen sie sich schnell in die Haare, weil Bayern nicht mehr für Berlin zahlen will. Das ist ja der Grund, warum der Euro scheitert: Europa ist kein Staat und hat keinen institutionalisierten Finanzausgleich zwischen den Mitgliedsländern. Damit bleibt nur die sporadische, eklige Feilscherei, wie wir sie Tag für Tag beobachten dürfen.

  42. A.Felsberger

    Die Target2-Salden sind eine ziemlich verwirrende Sache: Solange der Euro bestehen bleibt, erwachsen daraus keine Konsequenzen. Es ist so als hätte die Deutsche Bundesbak Forderungen gegen die Griechische Zentralbank in Drachme, die aber im Wert an die DM gebunden ist. Zerfällt der Euro, dann geht die Bindung der Drachme an die DM verloren und sie verliert rasch an Wert. Dann müsste die Deutsche Bundesbank Abschreibungen auf ihre Drachme-Forderungen machen und ihr Eigenkapital könnte dadurch ins negative rutschen. Leute, wie der H.W.Sinn, die immer so tun, als ob die Target2-Salden der Deutschen Bundesbank bereits eingetretene Verluste sind, gehen implizit von einem Zerfall der Währungsunion aus. Das kann so kommen, muss aber nicht. Korrekt ist es: von offenen Forderungen zu sprechen und nicht von Verlusten.

  43. Christian Peter

    @A.Felsberger

    in den USA gibt es keinen nennenswerten Finanzausgleich zwischen den Bundesstaaten, ein Haftungsverbot für fremde Körperschaften ist in den USA sogar in der Verfassung verankert. Das ist einer der Voraussetzungen, dass ein Währungsverbund in einem großen Land wie den USA überhaupt auf Dauer funktionieren kann. Jeglicher Währungsverbund ist zum Scheitern verurteilt, wenn dieser zu einer Haftungs- und Transferunion verkommt, wie in der EU.

  44. A.Felsberger

    @ Peter: Die USA ist ein Staat, der Wasser predigt und Wein trinkt. Witzig, wie liberal Gesinnte immer wieder in die Falle gehen, die ihnen die USA stellt. Dieses Land hat mit Liberalismus nichts zu schaffen! In Bezug auf den Finanzausgleich bedeutet dies, dass zwar rechtlich keiner vorgesehen ist, aber über die Hinterttür eine Vielzahl von Massnahmen installiert wurden, um ihn de facto zu vollziehen. Anders lässt sich ein gemeinsamer Dollar auch gar nicht halten. Wer eine gemeinsame Währung will, muss das Problem des zwischenstaatlichen Ausgleichs der Salden lösen. Es entspringt aus der unterschiedlichen Exportkraft der verschiedenen, in die Währungsunion eingebundenen Staaten. Nochmals: Nur annähernd gleich leistungsfähige Staaten, gemessen am Export, können eine Währungsunion ohne gegenseitige Verschuldungexzesse bilden.

  45. A.Felsberger

    Das, was in Griechenland seit Ausbruch der Krise, de facto stattgefunden hat, ist: eine Import- und Exportdefensive, die die Salden zum Ausland nur marginal verbessert hat, aber das nominale BSP um fast 30% abgesenkt hat. Der Verschuldungsexzess bleibt bestehen bei gleichzeitigem Schrumpfen der nominalen (und realen) Wirtschaftsleistung. Der Glaube an sinkende Preise, die das Leistungsbilanzdefizit beseitigen sollen, hat einen schweren Dämpfer erlitten. Was will man auch machen? Damit sich die Aussenverschuldung Griechenlands abbaut, müsste sich entweder a) das Leistungsbilanzdefizit drehen, oder b) eine Masse an griechischem Sachvermögen an die Ausländer abgetreten werden. Der Schuldenschnitt ist nur eine Methode um die Lage noch weiter zu verschlimmern, weil er den Gläubigern Verluste bringt, ohne an a) und b) etwas zu ändern. Die Hoffnung, Griechenland zu einem Exportweltmeister oder zu einem Verkäufer seines Sachvermögens zu transformieren, ist gänzlich illusionär. Die Europäer haben daraus längst die Konsequenz gezogen und subventionieren das Land weiter, ohne dass sich irgendetwas ändert. Alle jene, die Entschuldung Griechenlands predigen, haben keinen Tau davon, was es wirklich erfordert: a) oder b). Stattdessen glauben sie, dass mit Schrumpfen der Preise irgendetwas erreicht werden könnte. Das ist mittelalterlicher Aberglauben!

  46. Christian Peter

    @A.Felsberger

    stimmt nicht. In den USA gibt es keinen nennenswerten Finanzausgleich, ein in der Verfassung verankertes Haftungsverbot für fremde Körperschaften (das in den letzten 150 Jahren nur in vereinzelten Fällen gebrochen wurde) und sich durch Leistungsungleichgewichte ergebende Target – Salden müssen jeden April (durch Übertragung sicherer Wertpapiere) getilgt werden : nur deshalb kann eine Währungsverbund in der Größe der USA auf Dauer existieren.

  47. A.Felsberger

    Herr Peter, bei allem Respekt: “Übertragung von Wertpapiere” setzt voraus, dass man etwas übertragen kann. Wie stellen Sie sich das im Falle Griechenlands vor? Dazu müsste der griechische Staat zusätzliche Schulden aufnehmen. Ein negativer Leistungsbilanz-Saldo heisst nun mal: dass man über einen langen Zeitraum mehr importiert als exportiert. Und dieser Saldo kann nur drehen, wenn man sein Verhalten ändert. Mit einer Verschiebung der Schuld innerhalb Griechenlands (Transfer vom Staat zu Privaten) ändert sich an der Aussenschuld gar nichts. Da können Sie Wertpapiere übertragen wie Sie wollen.-)

    PS: Wenn ich sage, dass die USA einen “versteckten” Finanzausgleich betreibt, dann meine ich damit, dass die schwachen Bundesstaaten steuerliche Einahmen haben, die ihnen der Bundesstaat zuweist, die sie de facto auf ihrem Hoheitsgebiet gar nicht erwirtschaften.

  48. A.Felsberger

    Der Zusammenhang ist doch ganz banal: Ein Land importiert, das andere exportiert. Wie wird bezahlt? Mit einer doppelten Buchung: Das eine Land erhöht seine Forderung, das andere Land seine Verbindlichkeit. Geld ist kein “Ding”, sondern eine: doppelte Buchung. Die einen buchen auf, die anderen ab. Ist das wirklich so schwer zu verstehen?

  49. A.Felsberger

    Wenn die Welt nur aus Deutschland und Griechenland bestehen würde, und wenn GRE Jahr für Jahr mehr deutsche Waren und Dienstleistungen importiert als es umgekehrt griechische nach Deutschland exportiert, dann würde gelten: Netto-Forderungen der BRD = Netto-Verbindlichkeiten von GRE. Mit jedem Export aus der BRD nach GRE verschlechtert sich der griechische Saldo und verbessert sich der deutsche (et vice versa). Griechenland ist der Schuldner, Deutschland der Gläubiger. Wenn man dieses Verhältnis jemals drehen will, dann muss GRE mehr Waren und Dienstleistungen nach BRD exportieren als es importiert. An diesem banalen Sachverhalt scheitern die Experten.-) Stattdessen predigen sie Vooddoo-Vorstellungen von Steuererhöhungen in GRE bis Preissenkungen in GRE, die dieses Mirakel bewirken sollen. Wie nennt man so etwas? Ich sag`s Ihnen: Idiotie.

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