Einem Massenmörder die Hand reichen, weil er ein erfolgreicher Massenmörder ist?

(C.O.) Einer der ranghöchsten Diplomaten des „Europäischen Auswärtigen Dienstes“ hat es jüngst im kleinen privaten Kreise mit der in seinem Milieu nicht untypischen Ironie so formuliert: „Ich freue mich schon auf den Anblick, wenn irgendwann in diesem Theater wieder die ersten westlichen Botschaften in Damaskus aufsperren und der Herr Kollege Botschafter dann Assad beim Amtsantritt die Hand schütteln muss, an der das Blut von ein paar hunderttausend Ermordeten klebt, auch wenn man es nicht sieht.“ Und fügte glaubhaft hinzu: „Ich bin ganz froh, dass mir das wohl erspart bleiben wird.“

Die Frage, ob man einem Mann wie dem syrischen Diktator Baschar al Assad, der sich einen Lifetime-Award im Fach „Massenmord an der eigenen Bevölkerung“ für den tausendfachen Einsatz von bestialischen und geächteten Waffen, dem Betrieb weltweit führender Foltergefängnisse oder dem routinierten ethnischen Säubern ganz zweifelsfrei verdient hat, die Hand schütteln soll – diese Frage wird sich der Europäischen Union und ihren Mitgliedsstaaten früher oder später stellen, metaphorisch wie realpolitisch. mehr hier

16 comments

  1. Sonja

    Die Herren und Damen Botschafter werden diese Aufgabe mit Bravour meistern….entstammen sie doch auch aus den Ländern, die den Killern die Waffen für das Morden geliefert haben – und die fanatischsten Mörder waren nicht die von Assad, denn wenn ich mich recht erinnere hat Assad gemeinsam mit Russland und dem Iran ziemlich erfolgreich die IS Killer bekämpft (die von Europa mit Waffen ausgerüstet wurden…)
    Assad ist sicher nicht zimperlich, aber er hat sein Land von diesen Bestien gesäubert….und dafür kann man ihm schon mal die Hand schütteln

  2. Sonja

    Nachtrag: IS von Europa mit Waffen ausgestattet – natürlich nicht direkt. Man liefert Waffen an reguläre Armeen, welche diese dann beim überhasteten Abzug “vergessen” mitzunehmen oder zu zerstören….so a Pech aber auch…aber kann man halt nix machen

  3. Der Realist

    Und welche Alternative zu Dr. Baschar al Assad hätte dieser hochrangige Diplomat anzubieten? Etwa Zustände wie in Libyen, Ägypten und dem Irak, wo man mit westlicher Hilfe erfolgreich die Demokratie installiert hat?
    Präsident Dr. Baschar al Assad ist noch immer der einzige Garant für ein halbwegs normales Leben in Syrien, der Dank gilt in diesem Zusammenhang natürlich auch Präsident Putin.
    Bevor die sogenannten “Aufständischen” das Land ins Chaos stürzten, war Syrien ein funktionierender Staat nach westlicher Prägung, und all die “wichtigen” Botschafter haben sich dort durchaus wohl gefühlt.

  4. sokrates9

    Wenn man nur Demokraten die Hand schütteln darf hätte auch Merkel ein massives Problem. Ob die Liquidierung von Gadaffi so positiv war, könnte man auch diskutieren oder mal die betroffenen Libyer fragen wie sie es sehen wie einer der für die Bevölkerung hervorragender Staat Afrikas vernichtet wurde. Wem soll man dafür eigentlich die Hand schütteln??

  5. GeBa

    Tja, die liebe Diplomatie. Genau aus diesem Grund schätze ich Trump, der pfeift auf die Regeln der Diplomatie und schüttelt nicht einmal dieser unsagbar widerlichen Pilosi die Hand, außerdem sagt er was Sache ist!

  6. Rado

    Dabei hätte sich der Herr Diplomat schon so darauf gefreut, seiner Heiligkeit, dem Kalifen in Damaskus seinen Bückling aufzuwarten. Zusammen mit all den anderen Kopfabschneidern.
    Noch ist ja nicht alles für den Herrn verloren Einfach in Frankreich etwas spazieren gehen oder Öffi fahren, da begegnet vielleicht einer seiner Wunschgestalten.

  7. Rizzo C.

    Glaubt denn jemand, es gäbe im gesamten Nahen Osten auch nur einen einzigen Staat (mit der löblichen Ausnahme Israel), der auch nur entfernt nach mitteleuropäischen Gesichtspunkten als demokratischer Rechtsstaat gelten darf? Selbst Israel muss in diesem Meer von Neurotikern, Psychopathen, aggressiven Maulhelden, religiösen Fanatikern, Hobbybombern und ähnlichem Gesindel zu drastischen Massnahmen greifen, die unsere einheimischen Gutmenschenhelden zum Kreischen bringen, etwa das Bulldozern von Häusern von Terroristen.
    Liebe Diplomaten, ihr habt doch gelernt, wie man zweifelhaften bis widerlichen Leuten die Hand schüttelt, statt ihnen die Nase blutig zu schlagen. Wer das nicht aushält, hat den Beruf verfehlt und sollte schleunigst in Safe Spaces mit Einhörnern aus rosarotem Plüsch flüchten.

  8. Johannes

    Assad war ein ganz normaler arabischer Führer, weit weniger brutal als Saddam Hussein auch nicht so größenwahnsinnig wie Erdogan, sein Vater war sehr aktiv in der Unterstützung von Terroristen der linksextremen deutschen Terror-Szenen, gleichzeitig bot er geflüchteten Nazis Unterschlupf.

    Sein Sohn war gemäßigt wollte den Staat mit seinen vielen Religionen und Gruppen zusammenhalten. Es gab eine, für heutige Zeiten in Syrien, unglaubliche Religionsfreiheit.

    Dann kam der Westen initiierte den “arabischen Frühling“ , Verschwörungs-Theoretiker behaupten ja es wäre Karim El-Gawhary gewesen 😉

    Was Herr Obama als “Shit-Show “bezeichnete und Frau Clinton als “We came, we saw, he died ! “ führte zu unglaublichem Leid, der Westen unterstützte die Gegner Assads noch als schon klar wurde welche Brut sich von Europa dorthin begeben hat und wie sie die Menschen dort abschlachteten.

    Ich denke daher, auch Assad wird berechtigte Bedenken haben die Hände jener zu schütteln die das alles angerichtet haben und die nun glauben ihre Hände reinwaschen zu können.

  9. Sokrates9

    Johannes@Super Argumentation!Saubere Haende sind auch in Europa nicht zu finden und das Blut von Gadafi klebt auch noch auf vielen Haenden!

  10. Kluftinger

    Weniger Blut aber doch einige Blutflecken hat doch auch der Präsident von Weissrussland an den Händen?
    Und doch war es Österreich/Van der Bellen welche diesen “Autokraten” als erster und einziger europäischer Staat eingeladen hat.
    Wie ist das zu verstehen?

  11. astuga

    Bei Problemen kann man ja den ehemaligen Bundespräsidenten und ehemaligen Präsidenten der “Öst.-Nordkoreanischen Freundschaftsgesellschaft” fragen.
    Falls sich Heinz Fischer nicht ohnehin von selbst ungefragt zu Wort meldet…

  12. Falke

    Das wird überhaupt kein Problem sein. Als Beispiel mag etwa der deutsche Bundespräsident Steinmeier gelten, der das iranische Regime, das Homosexuelle öffentlich aufhängt, den Dichter Salman Rushdie weiterhin ermorden will, die Vernichtung Israels als offizielles Ziel seiner Politik deklariert, sowie weltweiten Terrorismus betreibt und unterstützt, zum 40-jährigen Jahrestag seines Bestehens beglückwünscht, und das noch dazu im Namen des gesamten deutschen Volkes. Dazu hätte ich gerne das “widerlich” unseres Bundeskanzlers gehört.

  13. Manuel Leitgeb

    @Christian Ortner:
    Nein, User Falker hat Recht. Steinmeier hat zum 40-jährigen Jubiläum gratuliert, er wird nur nicht heuer zum 41. gratulieren.
    Zitat aus dem, von Ihnen, verlinkten Artikel:

    “2019, zum 40. Jahrestag der Revolution, hatte der Bundespräsident der Führung in Teheran „herzliche Glückwünsche“, „auch im Namen meiner Landsleute“ übermittelt und Irans Präsident Hassan Ruhani versichert, Deutschland werde alles tun, „was in seiner Macht steht, um die Bewahrung und die fortgesetzte Umsetzung“ des Atomabkommens sicherzustellen.”

  14. Falke

    @Christian Ortner
    Nein, es ist korrekt. Ich habe geschrieben “zum 40. Jahrestag” – und das war eindeutig 2019. Über die Zukunft (also 2020) habe ich mich nicht geäußert.

  15. Der Realist

    @Kluftinger
    das ist ganz einfach zu verstehen, weil dieser Sesselwärmer in der Hofburg ideologisch extrem biegsam ist, das hat er auch im Präsidentschaftswahlkampf bewiesen.

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