Einen Nobelpreis für Werner Faymann!

Von | 28. November 2015

(CHRISTIAN ORTNER) Werner Faymann ist ein im Allgemeinen stark unterschätzter Politiker, der seine wirtschaftspolitische Brillanz gern hinter der Maske bescheidener Volksverbundenheit verbirgt. Aber gelegentlich kann auch er nicht ganz vermeiden, den genialen Weltökonomen kurz aufblitzen zu lassen. Etwa Anfang dieser Woche, als er im Zuge der parlamentarischen Debatte zum Budget 2016 mit dem Satz, die Republik Österreich verfüge über „stabile Finanzen“, ein geradezu visionäres ökonomisches Theoriegebäude enthüllte. Wie immer dankte es ihm eine ignorante Öffentlichkeit nicht einmal annähernd so, wie es angemessen gewesen wäre.
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Visionär ist des Kanzlers Diktum von den „stabilen Staatsfinanzen“, weil in der alten, reaktionären Ökonomie jemand, der wie der österreichische Staat um fünf Milliarden jährlich mehr ausgibt als er einnimmt und die Differenz durch neue Schulden bedecken muss, eher nicht über stabile Finanzen verfügt, sondern im Gegenteil langfristig von der Pleite bedroht ist. So wie auch ein Haushalt oder ein Unternehmen nicht jedes Jahr mehr ausgeben als einnehmen kann, ohne irgendwann einmal keinen neuen Kredit mehr zu kriegen und darob insolvent zu werden.

Diesen Zustand als „stabile Finanzen“ zu definieren, gibt Zeugnis von der zukunftsweisenden Problemlösungskapazität des Kanzlers. Die Schulden quasi in ihr Gegenteil umzudefinieren und zum Stabilitätsanker zu erklären – das ist Dialektik vom Feinsten.

Sollte Faymann dafür der nächste Ökonomie-Nobelpreis zuerkannt werden, wird er den Ruhm freilich mit der Wiener Finanzstadträtin Renate Brauner teilen müssen, auf deren wertvollen Vorarbeiten die „Faymann’sche Schule der Nationalökonomie“ zum Teil aufbaut. Denn schon einige Zeit vor der Verkündigung des „Faymann’schen Stabilitätstheorems“ hat Frau Brauner im Zusammenhang mit den Franken-Krediten der Stadt Wien gemeint, die Stadt „spekuliert nicht, sondern wartet nur einen günstigeren Franken-Kurs ab“. Damit beseitigt sie das reaktionäre Denken, wonach das Erwarten eines bestimmten Kursverlaufes und das entsprechende finanzielle Disponieren volkstümlich „Spekulation“ genannt werden kann.

Wenn aber fünf Milliarden neue Schulden „stabile Finanzen“ sind, dann kann natürlich auch eine Kreditaufnahme in der Hoffnung, der Franken möge einen bestimmten Kurs erreichen, keine Spekulation sein. Nur kleinliche Erbsenzähler werden das Zukunftsweisende, radikal Avantgardistische an diesem neuen ökonomischen Denken nicht ausreichend zu würdigen wissen.

Denkt man dieses bestechende Gedankengebäude konsequent zu Ende, dann lassen sich mit seiner Methodik auch viele andere Probleme des Landes ebenso elegant wie mühelos lösen. Da ist zum Beispiel die Arbeitslosigkeit. Obwohl sie stetig zunimmt, können wir bei Anwendung der Methoden der Faymann’schen ökonomischen Schule mit Fug und Recht von einem „stabilen Arbeitsmarkt“ sprechen. Schließlich sind die steigenden Arbeitslosenzahlen ja genauso „stabil“ wie der Staatshaushalt. Und voilà, Problem gelöst.

Oder nehmen wir den Umstand, dass in den Jahren der Ära Faymann die Realeinkommen vieler Menschen nicht wirklich gestiegen sind, was diese als irgendwie unbefriedigend empfinden. Tatsächlich, jetzt haben wir das schon ganz gut verstanden, haben wir es da natürlich mit „stabilen Realeinkommen“ zu tun – und daran kann man ja nicht wirklich herummäkeln. Und basta!

Wie alle wirklich großen Denker vor ihm leidet natürlich auch der Weltökonom im Kanzleramt darunter, dass das Geniale an seinem Wurf von der einfachen Bevölkerung nicht so recht erkannt wird, weil diese noch immer dem falschen alten Denken anhängt, dass immer neue Schuldenrekorde nicht wirklich „stabile Finanzen“ darstellen können.

Langfristig wird es daher wohl nicht zu vermeiden sein, dieses undankbare Volk einfach auszutauschen. (Presse)

13 Gedanken zu „Einen Nobelpreis für Werner Faymann!

  1. Thomas Holzer

    @Ortner
    “Langfristig wird es daher wohl nicht zu vermeiden sein, dieses undankbare Volk einfach auszutauschen.”

    Soll dies eine Anspielung auf die derzeitige “Flüchtlingspolitik” der Frau Merkel und in ihrem Schlepptau des Herrn Faymann sein?! 😉

  2. Falke

    Ortner tut unserem Wernerle unrecht. Da er (letzterer natürlich) wirtschaftspolitisch (und auch sonst) ahnungslos ist, lässt er sich natürlich beraten, und zwar von solchen Hochkarätern wie Stefan Schulmeister, Werner Muhm und – eventuell – auch Karl Aiginger. Daher sollte man hinter seinen Aussagen eher die Meinung seiner “Berater” sehen als seine eigene – die hat er wahrscheinlich gar nicht.

  3. Fragolin

    Naja, zwanzigtausend “Neubürger” pro Monat sind aj auch stabile Einwanderungszahlen.
    Und wie stabile Kriminalitätsstatistiken aussehen, kann man daraus auch ableiten…

  4. aneagle

    …aber “mutti” hat sofort erkannt, mit welchem blitzgescheiten Kerlchen sie es bei Herrn W. Faymann zu tun hat. Wie vorher übrigens auch schon bei Monsieur F. Hollande ! 🙂

  5. Der Realist

    Der Artikel beginnt etwas irritierend, dachte schon, mir ist da einiges entgangen, aber die Irritationen werden dann doch elegant beseitigt.
    Macht Faymann den Mund auf, und sei es auch nur zum Atmen, befällt mich sofort ein beklemmendes Gefühl, und sein Geschwafel bereitet irgendwie körperliche Schmerzen, die personifizierte intellektuelle Leere bekommt da plötzlich ein Gesicht.

  6. waldsee

    wer zweifelt am nobelpreisaspiranten
    und seinen lichtgestalten aus gemeinde wien,gewerkschaft usw.?
    m.thatcher : mein problem mit dem sozialismus ist,daß einem irgendwann die leute ausgehen,die das alles bezahlen.

  7. mariuslupus

    Das Drama des unbegabten Kindes. Immer zu etwas sagen müssen von dem man nichts versteht. Diesen Mann sollte man eigentlich bedauern. Aber Mitleid will sich nicht einstellen. Warum ?

  8. Thomas Holzer

    @Hanna

    “…………….resulting from low fertility and mortality rates.”

    Na ja, wenn die “mortality rates” auch “low” sind, wo ist dann das Problem?! 😉

    Nicht jeder Wisch, den die UN veröffentlicht, ist auch inhaltlich stichhaltig

  9. walter west

    »Das Volk hat vergessen, die Politiker auszuwechseln, jetzt wechseln die Politiker das Volk aus«
    im zusammenhang mit merkel’s politik in einem blog gelesen.

  10. Marianne

    @ Thomas Holzer
    Das durchschnittliche Pensionsantrittsalter ist das Problem. Zumindest bei uns.

  11. Jürgen Hampel

    @ Marianne: Die Pensionen sind sicher! Die Staatszuschüsse sind geringer als prognostiziert. (Der Präsidentschaftskandidat).

  12. Max Maximovič

    Ja so ist es, die Schuldenbasis von mehr als € 280 Mrd. ist eine gute Ausgangsposition für “stabile Finanzen”. Übrigens, höre ich richtig? Österreich soll oder will einen Grenzzaun bauen, hat man den Fayman gefragt ob man des derf? Er hat für Orban gute Ratschläge und Belehrungen immer parat gehabt, was menschlich und human ist? Besser wäre, wenn er damals Mund gehalten hätte, ja, ja!

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