Einmal Frankfurt und zurück

(ANDREAS TÖGEL)  Dem großartigen staatlichen Schulsystem und der emsigen Arbeit der (mittelbar oder unmittelbar steuer- oder gebührenfinanzierten) Massenmedien ist es zu verdanken, dass heute jedermann über beinahe alle entscheidenden Fragen des Lebens bestens im Bilde ist. Jeder wird erleuchtet. Keiner mehr braucht ignorant zu sterben.

So herrscht zum Beispiel kollektive Gewissheit darüber, dass die (seit 15 Jahren allerdings im Pausenmodus verharrende) Erderwärmung menschengemacht ist. Jeder Naturkundelehrer weiß und lehrt das. Außerdem steht das in jeder Zeitung. Unsere Gesellschaft besteht inzwischen zu 100 Prozent aus Klimaexperten.

Dass hochentwickelte westliche Volkswirtschaften, durch die massenweise Immigration von Analphabeten  aus Afrika, Arabien, Anatolien und dem Kaukasus, eine segensreiche kulturelle Bereicherung erfahren, steht ebenfalls fest. Die Überlegenheit multikultureller Gesellschaften wird durch Vergleiche deutlich: Wo auch immer homogene Bevölkerungen leben (wie in Japan, Taiwan oder Island), herrschen Grabesruhe, Stillstand und bleierner Überdruss. Wo indes verschiedenste Volksgruppen in bunter Vielfalt zusammenleben – wie im ehemaligen Jugoslawien, in Ruanda oder im Irak – bewegt sich was, da geht´s richtig rund, da steppt der Bär. Diese Art einer allseits befruchtenden Durchmischung gilt es daher überall – möglichst weltweit –zu verwirklichen. Kleine Kollateralschäden (wie blutige Rassenunruhen, Völkermorde oder gelegentlich aufflackernde Bürgerkriege) sind in Kauf zu nehmen. Wo gehobelt wird, da fallen schließlich Späne…

Dass es keine Geschlechter gib steht ebenfalls außer Frage. Was gibt es schließlich Spießigeres, als eine reaktionär-heteronormative Gesellschaft, voll mit Vater-Mutter-Kind-Familien?

Wer das Gegenteil einer dieser in Stein gemeißelten Wahrheiten behauptet, ist eine Idiot oder ein Schurke und sollte daher sicherheitshalber zwangspsychiatriert und weggesperrt werden.

Auf allen Gebieten gelten heute unumstößliche Gewissheiten. Wirklich auf allen Gebieten? Nein! Denn auf dem Gebiet der Ökonomie herrscht eine beklagenswerte Desorientierung. Verschämte oder ganz offen eingestandene Ahnungslosigkeit, wohin man blickt. Auf diesem Terrain scheint – von ein paar beamteten „Wirtschaftsweisen“ abgesehen – keiner Genaueres zu wissen. Die Verbreitung der Erkenntnisse und Lehren dieser „tristen Wissenschaft“ (Thomas Carlyle), beschränkt sich auf einen recht überschaubaren Teil der Bevölkerung. Das ist schade, denn schließlich geht sie jeden etwas an. Ökonomische Gesetze funktionieren – gleichgültig, ob sie verstanden werden oder nicht.

Dass die breite Masse selbst für einfachste wirtschaftliche Zusammenhänge keinerlei Einsicht mitbringt, enthüllt ein Blick auf die jüngsten Ereignisse in Frankfurt, wo ein linker Mob (die „Blockupy“-Bewegung), anlässlich der Eröffnung eines milliardenteuren neuen EZB–Glaspalastes, gegen das auf die Straße gegangen ist, was er faktenwidrig für Kapitalismus hält. Dass bei dieser Gelegenheit Scheiben zertrümmert und Autos in Brand gesteckt wurden, gehört zur antikapitalistischen Folklore. Jeder Grünpolitiker und jeder Funktionär des gewerkschaftlichen Linksblocks, kann aus dem Stegreif locker 713 gute Gründe nennen, warum das auch seine Richtigkeit hat. „Sind ja schließlich nur Sachen. Uns geht es um Größeres.“ Sozialisten kennen eben keinerlei Respekt vor (privatem) Eigentum.

Einst kannten rabiate Linke wenigstens noch die Schriften ihrer Säulenheiligen. Unter den 68er-Neobolschewiken gehörte die Lektüre der Standardwerke utopischer Sozialisten, Syndikalanarchisten und der marxistischen Orthodoxie noch zum guten Ton. Heute hat sich das entscheidend geändert. Wäre es anders, würden die vermeintlichen „Antikapitalisten“ kaum gegen jene Zentralbanken demonstrieren, deren Schaffung Marx und Engels, nebst der Monopolisierung des Geldes durch den Staat, einst so vehement gefordert haben. Beides – und damit zentrale Ideen ihrer Idole – wurden ja längst verwirklicht. Wir leben in einer Welt des lupenreinen Geldsozialismus. Zentralbanken sind zu den mächtigsten Instrumenten der Planwirtschaft avanciert. Sie sind Wirtschaftslenkungs- und Inflationierungsbehörden. Sie bilden in einer Markwirtschaft freiheitsfeindliche Fremdkörper. Ihr erklärtes Ziel ist es, jenen Problemen zu begegnen, die ohne Zentralbanken niemals aufgetreten wären. Ein aufgeblähter Banken- und Finanzkapitalsektor etwa, der ohne staatlicherseits gewährte Bankenprivilegien, Haftungsausschlüsse, „Too big to fail“ und Zentralbanken mit der Lizenz zur unbegrenzten Geldschöpfung, undenkbar wäre.

Die in Österreich soeben beschlossene „Steuerreform“, ist ein weiterer schlagender Beweis für den ökonomischen Unverstand, der bis in die Staatsführung reicht. Diese „Reform“, so ihre Urheber, werde eine erhebliche Kaufkraftstärkung für die werktätigen Massen bringen. Daraus wiederum würde ein kräftiger Schub für die lahmende Konjunktur resultieren. Dass sich prompt ein paar (steuerfinanzierte) Nationalökonomen finden, die den Effekt hoheitlicher Wohltaten anhand ebenso beeindruckender wie weltfremder Modelle in leuchtenden Farben darstellen, versteht sich von selbst.

Nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik vom Feinsten eben. Die hat zwar – außer zu steigenden Schulden – zu keiner Zeit jemals messbare Ergebnisse gebracht. Das aber stößt nur einer Handvoll radikaler Marktfundamentalisten sauer auf.

Der durch die grandiose Lohnsteuersenkung (die durch Mehreinnahmen infolge der Erhöhung anderer Steuerarten neutralisiert wird), zusätzlich möglich werdende Konsum, wird zu 80 Prozent ins Ausland fließen. Das wird wohlweislich verschwiegen. Dass erhöhter Konsum – wenn überhaupt – allenfalls eine kurzlebige Konjunkturwelle auslösen kann, ebenfalls. Denn was für eine nachhaltige Konjunkturbelebung erforderlich wäre, sind Investitionen. Oder, anders gesagt: Die Bildung von Kapital. Die allerdings wird durch die von den Zentralbanken herbeimanipulierten Negativzinsen und einen von der Regierung inszenierten, unternehmerfeindlichen Klassenkampf, wirkungsvoll bekämpft. Mehr Kredit lautet die Losung, nicht mehr Kapital. Für dessen Bildung liegt auch nicht der geringste Grund vor – schon gar nicht nach dieser „Steuerreform“. Die verteilt – einmal mehr – konsequent von den Produktiven zu den Unproduktiven (und von der Investition zum Konsum) um und belastet den unternehmerischen Mittelstand massiv.

Dazu passt, dass Sozialminister Hundstorfer (SPÖ) soeben die längst fällige Senkung der horrenden Lohnnebenkosten, mit der Einführung eines „Bonus-Malus-Systems“ zur Beschäftigung älterer Arbeitnehmer zu verbinden gedenkt. Es liegt auf der Hand, dass er mit derlei Spielchen allen Arbeitnehmern im Lande einen Bärendienst erweist. Denn hohe Lohnnebenkosten sind – wie die Einführung überhöhter Mindestlöhne – hochwirksame Mittel zur Verhinderung der Schaffung neuer Arbeitsplätze.

So zu tun, als seien die Unternehmer die wahren und in Wahrheit einzigen Nutznießer der Lohnnebenkostensenkung, kann nur Menschen einfallen, die – wie der Sozialminister – ihr ganzes Leben in geschützten Werkstätten verbracht haben. Dort spielen Arbeitskosten ja bekanntlich überhaupt keine Rolle, weil der Steuerzahler ungefragt dafür aufzukommen hat. Im produktiven Sektor indes funktioniert das ein bisserl anders. Wer da (infolge überhöhter Lohnforderungen) zu teuer wirtschaftet, verschwindet – mitsamt seinen Arbeitsplätzen – alsbald vom Markt oder er flüchtet ins Ausland. Alle Maßnahmen der Regierung – die ergriffenen, wie die unterlassenen, fügen sich zu einer Bankrotterklärung hinsichtlich des Wissens um wirtschaftliche Zusammenhänge.

Wie bereits gesagt: Ökonomie ist eine „triste Wissenschaft“. Anstatt sich damit zu beschäftigen, ziehen es Teile der werktätigen Massen vor, gegen den „Kapitalismus“ zu demonstrieren und/oder Parteien zu wählen, deren ahnungslose Funktionäre uns davor beschützen sollen…

Tagebuch

6 comments

  1. Thomas Holzer

    “Sozialisten kennen eben keinerlei Respekt vor (privatem) Eigentum.”

    Nicht nur!
    Sozialisten, Etatisten und alle anderen linken Fundamentalisten kennen auch keinen Respekt vor dem Einzelnen, vor der Meinung des Einzelnen und der Privatheit des Einzelnen; was noch viel verwerflicher ist, als “nur” kein Respekt vor Eigentum

  2. sokrates

    Leider ist es so dass selbst Volkswirtschaftsprofessoren mit ihrem eigenen Fach erhebliche Schwierigkeiten haben! Dass es Produktivitätsunterschiede zB zwischen Griechenland und Mitteleuropa gibt und somit ein Euro nie funktionieren kann blieb den Meisten der Elitewissenschaftler verborgen! So wurden auch ökonomische Grundgesetze permanent negiert, was ja mit der Standardausrede “ceteris paribus” abgesichert werden konnte. dass die Welt nicht nur aus 2 Einflussparameter besteht blieb den Volkswirten auch lange verborgen! So brauchten sie Hundert Jahre bis man erkannt dass der “homo oeconomicus” ein theoretisches Konstrukt ist!

  3. Der Realist

    Dass wir all die Immigranten als “Wohlstandsbewahrer” und noch dazu zur kulturellen “Bereicherung” brauchen, wird uns doch täglich vor Augen geführt.
    Dass wir von lauter “Experten” umgeben sind beweisen die Aktionen und Aussagen unserer Politiker und deren Handlanger, die planen wirklich vorausschauend, und das gleich über Jahrzehnte, das betrifft besonders Reformen die besser schon gestern erfolgt wären.
    Da gibt es jede Menge “Wirtschaftsexperten”, alle hoffen auf den Aufschwung und das Wirtschaftswachstum. Ich, als totaler ökonomischer Laie, habe schon bei vielen dieser “Experten” versucht eine Antwort zu bekommen, warum und wie die Wirtschaft ständig wachsen soll, eine zufriedenstellende Antwort habe ich noch nie bekommen. Naive Geister erwarten sich ja durch die “Steuerreform” ein Anspringen der Wirtschaft, “schenkt” der Staat doch mit der geplanten Reform dem leidgeplagten Steuerzahler viel Geld, so sagen zumindest die “Experten”. Geld, das ein hochverschuldeter Staat bestimmt nicht hat. Jeden Cent den der Staat ausgibt, muss er sich vorher von den Bürgern holen.

  4. Thomas Holzer

    @Der Realist
    Das muß man aber bitte schon verstehen! 😉
    Wir brauchen einfach diese Zuwanderung, wegen der demographischen Entwicklung der autochthonen Bevölkerung.
    Daß wir etwas über 500.000 Arbeitslose im Lande haben, scheint “unseren” ach so weitsichtigen Politikerdarstellern entweder entgangen oder egal zu sein………….

  5. Syria Forever

    Shabbat shalom Herr Holzer.
    Das ist ein Austausch der stattfindet in Europa und das schon seit Jahrzehnten. Bildung verlässt Europa, Ungebildet wird aufgenommen. Europa, einst ein Zentrum an Bildung und Wissenschaften ist heute ein Ort von Arroganz und Ignoranz, beides Schwestern der Dummheit.

  6. FDominicus

    Kann mich dem “kollektivem Wissen” nicht anschliessen. Es handelt sich hier maximal um Hypothesen, die man verwerfen kann und sollte wenn die Beobachtungen zu den “Modellen” nicht passen. Das es nicht so ist, zeigt es handelt sich hier maximal um Idiologie nicht aber bisher nicht wiederlegten Thesen. Meine Frage steht immer noch im Raum. Welchen Platz hat die Sonne in den Modellen? Davon habe ich bisher nie etwas gelesen und es kann nicht sein über etwas zu diskutieren dessen Antrieb nicht mal erwähnt wird.

    Auf dem Gebiet der Ökonomie herrscht im Augenblick Voodoo vor. Mit Glauben und Hoffen und wieder schönenn Modellen die im Prinzip mechanisch funktionieren soll menschliches Verhalten aufgezeigt werden. Drehe ich halt an eine Schraube und alles andere bleibt gleich passiert eben “immer” dasselbe. Was bisher zwar in dieser Form nicht aufgetreten ist. aber nun kommt eben da Dogma oder die Dummheit durch. Man versuche es noch mal mit erhöhtem Aufwand. Man hat eben “noch nicht genug” eingegriffen. Wer aber beweisbar etwas immer wieder dasselber macht und erwartet es kommt etwas anderes dabei herum, agiert wieder besserem Wissen.

    Es geht hier um etwas Anderes. Seine Stellung im Sozialgefüge zu erhalten. Ganz oben als Ausbeuter. Wenn man alle Aktionen unter diesem Aspekt betrachtet, bekommt das Alles auf einmal Sinn. Das Ziel ist Unterdrückung die Schaffung eines neuen Menschen der wie Knetplaste in den Händen der Weltenverbesserer ist.

    Alle Aktionen sind dem untergeordnet. Natürlich gibt es diese Begehrlichkeiten nicht nur auf nationaler Ebene. Es gibt dasselbe auf EU Ebene und dann auf UN Ebene.

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