Einmal Super voll und Blutdruck messen!

(A.TÖGEL)  „Verbunden werden auch die Schwachen mächtig“ ist nicht das Credo des Doktors von der Tankstelle. Dieter Zakel erinnert viel eher an ein anderes Schiller-Zitat aus dem „Tell“: „Der Starke ist am mächtigsten allein.“ Nicht nur seiner eindrucksvollen Statur und seines wild entschlossenen Auftretens wegen. Seine Idee, eine Privatordination in einem Tankstellenshop zu eröffnen, ist ohne Beispiel. Einfallsreich ist er also. Und er versieht, ganz ohne Sprechstundenhilfe oder sonstige Assistenz, ganz auf sich allein gestellt, seinen Dienst. Von 06:00 Uhr morgens bis 22:00 Uhr nachts. Sieben Tage die Woche. Macht schlanke 112 Wochenstunden. Etwa das Dreifache einer Normalarbeitszeit im österreichischen Wohlfahrtsstaatsbiotop.

Daß eine derartige Ungeheuerlichkeit – ein brutaler Schlag in die Gesichter von Arbeitszeitverkürzern, Leistungsvermeidern und Wertschöpfungsverhinderern – Kritik auf sich zieht, liegt auf der Hand. Wo kommen wir denn da hin – noch dazu in einem Land, in dem jeder Winkel der Gesellschaft vollständig politisiert und mit Ge- und Verboten zu Tode reguliert ist – wenn einer einfach liefert, was nachfragt wird? Die Lieferung von dr.ive in Zakel, der über Diplome für Allgemein- Intensiv- und Anästhesiemedizin, sowie über ein beachtliches Maß an national und international gesammelter Berufserfahrung verfügt, besteht schlicht und ergreifend in Zeit. Zeit, die kein vom Sozialversicherungssystem zur Massenabfertigung seiner Patienten genötigter Kassenarzt hat. Fünfzehn Minuten kosten 50,- Euro. Eine wilde Mezzie, wenn man die Gagenforderungen von Rechtsanwälten oder konventionell ordinierenden Fachärzten damit vergleicht.

Ob allerdings die Rechnung des Enfant terrible des kakanischen Krankheitsverwaltungssystems, nämlich Medizin möglichst unbürokratisch und am Patientenwunsch orientiert anzubieten, aufgehen wird? Wer die ausgeprägte Nulltarifmentalität kennt, die der im Lande der Hämmer endemische Sozialismus den Bürgern in Fragen ihrer Gesundheit antrainiert hat, wird da eine gewisse Skepsis entwickeln. Ob andererseits diejenigen, die Geld nicht nur für Gewerkschaftsbeiträge, Inländerrum, Gebrauchtwagen und Türkeiurlaube, sondern auch für Gesundheitsdienstleistungen in die Hand zu nehmen bereit und imstande sind, sich tatsächlich mit dem herben Charme einer Ordination zwischen Zapfsäulen und Tankstellenshop anfreunden können, muß sich erst herausstellen. Glück für sein innovatives Projekt ist Dieter Zakel jedenfalls zu wünschen. Es steht zu befürchten, daß er es auch brauchen wird. Denn daß sowohl die durch seine Initiative aufgeschreckten Kammerpfründner, als auch eifersüchtige Konkurrenten ihm jeden auffindbaren Prügel vor die Füße werfen werden, um die gewohnte und gewünschte Friedhofsruhe wiederherzustellen, ist jedem klar, der die beeindruckende Bosheit des gemeinen Ostaustriaken kennt. Also, wenn´s das nächste Mal zwickt: Auf zur Tankstelle in der Wiener Krottenbachstraße! Tagebuch

5 comments

  1. Reinhard

    50 Euro für eine Viertelstunde sind ja ein Schnäppchen!
    Ich musste letztes Jahr wegen einer ausgebrochenen Füllung und sofort höllisch schmerzendem Zahn zum abendlichen Notdienst; Bohren und neue Füllung rein (die meine reguläre Zahnärztin 2 Monate später wegen Lockerung wieder ersetzen musste…) dauerten keine 10 Minuten, auf der SVA-Abrechnung erschienen sage und schreibe knapp 500 Euro, von denen ich als braver Selbstständiger natürlich einen knappen Hunderter Selbstbehalt zahlte.

    Wie diese böse neoliberal-turbokapitalistische Idee, eine Dienstleistung einfach so anzubieten wie es einem als Selbstständigem passt und die Kunden selbst entscheiden zu lassen, ob sie das annehmen oder nicht, einige Kämmerer und Regulierungssozialisten aufscheuchen wird, kann man sich vorstellen.
    Wetten, dass bereits an Kampagnen dagegen hirngestürmt wird?

  2. Graf Berge von Grips

    Postet er nicht auch hier und bei A.U.?
    Ein echter Liberaler… oder …

  3. nometa

    @Tögel: Muss man unbedingt Arbeitsfetischist sein, um von Ihnen nicht verächtlich gemacht zu werden?

  4. Reinhard

    @nometa
    In dem ganzen Text wird niemand irgendwo verächtlich gemacht.
    Man liest halt heraus, was man herauslesen will.
    Oder: Jeder zieht sich die Jacke an, die einem passt. 😉

  5. Christian Peter

    Dr. Dieter Zakel MA

    Wer wählen geht unterstützt die gewählte Mehrheit ausdrücklich;
    wer nicht wählen geht unterstützt sie ausdrücklich_nicht_

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