Elitendämmerung

(JÜRGEN POCK) Sie hat schon vor Trump begonnen. Die Plattenverschiebung in der westlichen Politik. Die Empörung über die abgehobenen Eliten steigert sich kontinuierlich zu einem Aufstand, der mit dem Außenseitersieg Trumps nun einen weiteren heftigen Ruck erhalten hat. Was der Polit-Neuling zuwege bringt, welche Wahlversprechen er gewillt ist, einzulösen und ob seine sanften, fast demütigen Signale nach dem Triumph realpolitische Kompromissbereitschaft vorwegnehmen, wird sich weisen. Der Zusammenbruch des Clintons-Clans ist ein transatlantischer Mahnruf, der eine globale Bewegung, ein politisches Phänomen markiert, das die alten Machtmechanismen aufbricht und neu ordnet.
Ein richtungsweisender, frischer Wind weht durch den etablierten Politikbetrieb. Zeitgleich versprüht der Trump-Erfolg eine befreiende Wirkung, der eines klarstellt: Macht ist nicht dauerhaft im Besitz derer, die sich momentan in der Machtposition wähnen. Sie gehört dem Wahlvolk, das sich, siehe Brexit und US-Präsidentschaftswahl, als mündig genug erweist, um trotz Belehrungsversuchen und Drohszenarien ein eigenständiges Urteil zu bilden. Die Machtstruktur der Eliten ist verkalkt, ihr Besitzanspruch hat sich verselbstständigt, ihre Ignoranz erweist sich als maßlos und ihr politisches Programm als egoistisch und ideologisch obsolet. Alternative, sich immer stärker formierende politische Bewegungen werden pauschal mit Kampfrhetorik überschüttet, strikt dem altbewährten Leitspruch folgend: Links ist gut und rechts ist böse.
Die Nachwehen des Bebens, das die gewohnten Verhältnisse in den USA so unverhofft über den Haufen geworfen hat, wird auch europaweit zu politischer Plattentektonik führen, selbst wenn sich die Alteingesessenen noch an ihre Macht klammern. An dieser Stelle muss man kurz innehalten und sich fragen, ob die Gefallenen und jene, die im Begriff sind zu fallen, geläutert aus den Ruinen ihrer Politik heraussteigen und die Lektionen begreifen werden.
Momentan spricht alles dagegen. Getrieben von dogmatisch verklärter Ideologie und moralischer Oberhoheit strampeln die Mächtigen mit aller Kraft und versuchen sich aus ihrem selbstverschuldeten Schlamassel herauszuwinden, die verbliebenen Pfründen zu retten. Auch Merkels von einstudierten Gesten der Zuversicht durchsetzte Ankündigung, 2017 erneut als Kanzlerin zu kandidieren, kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch sie sich auf dem Rückzug befindet. Die Unzufriedenen werden dem Supremat die Grenzen der Überheblichkeit aufzeigen.
Die Regierenden Österreichs agieren ähnlich nostalgisch und hoffen aufgrund drohender Machteinbußen gegenwärtig auf Lebensverlängerungsmaßnahmen durch einen Grünen als Bundespräsidenten. Ein eindrucksvolles Beispiel für diese Art von politischer Totalverblendung gab kürzlich SPÖ-Klubobmann Schieder. Bei der Frage, welche Lehren er aus der US-Wahl ziehe, meint Schieder eine polarisierte Gesellschaft zu erkennen, die sich von Emotionen leiten ließe, statt sich den Zukunftsthemen anzunehmen. Wieder ein klarer Fall von: Das Volk hat falsch gewählt, etwa 60 Millionen US-Wähler waren somit dumm genug, um für Trump zu stimmen. Als moralisch ganz oben Stehender sieht Schieder auch keinen Grund zu Beunruhigung. Auswirkungen wird die amerikanische Präsidentenwahl seiner Meinung nach keine auf die heimische Politik haben. Noch spielt auch er auf Zeit.
Aber schon die nächsten Wahlen werden zeigen, dass der Sieg von Trump verwandte politische Bewegungen in ganz Europa mit zusätzlichem Auftrieb ausgestattet hat. Die von der Elite als politische Außenseiter belächelten Parteien werden schon 2017 das Gesicht der Europäischen Union nachhaltig verändern.

11 comments

  1. Leitwolf22

    Mich fasziniert darüber ein ganz konkreter Punkt, und ich mag in meiner Vermutung völlig falsch liegen. Aber, kann es sein, dass D. Trump sich seiner deutschen Vorfahren sehr bewusst ist und sich in die Deutsche (Innen-) Politik einmischen wird?

    https://www.youtube.com/watch?v=284OZ5UJvoc

    Natürlich, Deutschland ist eine souveräne Nation, aber Hand aufs Herz, eben nicht wirklich! Die Fäden deutscher Politik wurden und werden im wesentlichen in Washington gezogen, und ein Erdbeben dort, sollte nach aller Wahrscheinlichkeit einen Tsunami in Berlin auslösen.

    Ich mag mich irren, was zuweilen vorkommt, aber meist liege ich mit meinen gewagten Prognosen richtig. Es wird auf deutschem Boden zu einem Machtkampf zwischen Washington und Berlin kommen.

  2. Fragolin

    Links zu Beiträgen auf Deutschlandradio werden gnadenlos von der Forenautomatik gesperrt? Das kann ja echt nicht wahr sein.

  3. Gerald

    Hinter der Diskussion über den Wahlausgang in den USA und die Schwere der Auswirkungen auf Europa und die europäische Politik verbirgt sich eine viel wesentlichere Frage, die sich allerdings bei uns niemand zu stellen traut. Ist in Wahrheit nicht die representative Demokratie samt Wohlfahrtsstaat am Ende? Betrachtet man die Entwicklung des Kommunismus und versucht daraus Lehren für die Zukunft zu ziehen, muss man erkennen, dass die reife representative Demokratie und der daraus resultierende Wohlfahrtsstaat nur eine abgeschwächte Form von Kommunismus sind und hält nur zeitlich verschoben, aber in der Auswirkung ähnlich seinem Verwandten dem Kommunismus folgen wird.
    Wir sehen die selben Formen der Degeneration in beiden Herrschaftssystemen, abgehobene Politiker, die gemäß George Orwells “Animal Farm” sich verhalten wie dort die Schweine nach deren Grundsatz: “all animals are equal but some are more equal ”
    Wir sehen auch die selben Auswirkungen auf die Gesellschaft, wie Zwangsberieselung mit Propaganda, Abwanderung der produktiven Arbeitsplätze, zwar aus unterschiedlichen Gründen, aber die Wohlstandsentwicklung der Gesellschaft geht den selben Weg. Nun genügt nur noch ein ökonomisches Erdbeben bei dem fiktive Werte wie Aktienkurse, Immobilienpreise etc. nach unten korrigiert werden, zeitgleich mit einer Anhebung der Zinsen und einer Abwertung des Euro, was die primären Ausgaben der meisten Menschen enorm verteuern würde und unsere Gesellschaft befindet sich im Nu auf dem Niveau der kommunistischen Länder.
    Was wir denen voraus haben, ist jedoch eine kürzlich importierte Gruppe von äußerst gewaltbereiten jungen Männern aus zivilisatorisch im Mittelalter befindlichen Ländern und wir befinden uns mitten im Bürgerkrieg.

  4. Lisa

    links sei gut und recht sei böse wird aber hier im Forum in seiner Umkehrung genauso behauptet: Ein Satz hingegen hat einen wahren Kern: die Macht ist nicht zementiert. Das ist wohl ein Naturgesetz, dass jeder Macht und Einfluss haben will, ganz egal, mit welchen Begründungen. Daher ist es von grundsätzlicher Bedeutung zu wissen, was “gut”, was “böse” ist, d.h. es muss eine klare Wertehierarchie vorhanden sein – und das ist heute weniger denn je der Fall, wo im Namen der Freiheit einfach alles geht.

  5. Selbstdenker

    Was sich jeden Tag mehr abzeichnet, ist das erschreckende Ausmaß an Korruption, Verhaberung und totalen Machtanspruch dieser Eliten:
    – Die Entsorgung vom BREXIT-Votum in UK
    – Eine alternativlose Merkel-Kanzlerschaft in Deutschland
    – Gesteuerte Unruhen in den USA samt Wahlanfechtung durch die Clinton-Kampagne
    http://nymag.com/daily/intelligencer/2016/11/activists-urge-hillary-clinton-to-challenge-election-results.html

    Die Übersetzung: “Tut was ihr wollt, wir bleiben an der Macht und uns ist jedes Mittel dafür recht.”

    Zur Absicherung ihrer Macht verwenden sie propagandistisch das gleiche Grundmuster, das sie an die Macht gebracht hat: 1) Lüge, 2) Projektion und 3) Hochpokern.

  6. Selbstdenker

    @Lisa:
    Nur weil Sie die Freiheit offenbar als Projektionsfläche für alles Übel der Welt heranziehen, heißt dies noch lange nicht, dass diese Dinge ursächlich etwas mit Freiheit zu tun haben.

    Ganz im Gegenteil: noch nie ging in Friedenszeiten in den vergangenen 150 Jahren der Freiheit mehr an den Kragen als heute. Die Bürger spüren eine Regulierungswut und staatliche Verknechtung, die ihnen die Luft zum atmen nimmt.

    Und sie lehnen sich zurecht dagegen auf.

  7. Lisa

    @Selbstdenker: Falsch verstanden. Ich meinte nur, dass in einer Wertehierarchie klarzwischen Gut und Böse unterschieden werden muss. Jenseits davon ist nur “Gott” (wer/was immer das sei) In unserer schnelllebigen und wechelhaften Zeit verschwimmen die Grenzen. Wer indes Freiheit höher wertet als das Gute, kann eben auch zu einem Breivik werden…

  8. Fragolin

    @Lisa
    Lieb gemeint, aber die Erkenntnis über Gut und Böse ist nicht so einfach – denken Sie an die erst kürzlich geführte Diskussion um diesen Film mit dem abgeschossenen Terror-Flugzeug. Wenn man entscheiden soll, welches das kleinere und welches das größere Übel ist, muss man sich erstmal klarwerden, wie Übel überhaupt definiert wird.
    Man sieht es doch in unserem momentanen unappetitlichen Wahlkrampf, wo es darum geht, ob man die erwartbare Flutung durch die nächste Welle der Völkerwanderung offenherzig erwartet oder einen fiesen finsteren Abkömmling Saurons in die Hofburg ziehen lässt, der aus Österreich ein finsteres Nazi-Mordor macht. Welche Gefahr ist realistischer und was erachtet der einzelne Wähler als das vermeintlich kleinere Übel? Was genau ist das Übel?
    Der Knoten ist für viele Menschen nicht zu entknüpfen. Daher kommt es dann, wenn Leute Van der Bellen wählen, weil sie zwar eine neue Invasionswelle befürchten und Schutz wünschen, aber noch viel mehr Angst vor dem von Kindesbeinen an als Schreckensbild projizierten Nazi haben. Wir halten doch auch vergitterte Fenster für ein größeres Übel als die Gefahr, dass nachts Einbrecher ins Haus einsteigen. Wir kaufen Sicherheitsgläser, Alarmanlagen, Überwachungskameras, nur um diese Gitter zu vermeiden, die aus unserem Haus einen Knast machen würden – obwohl wir doch den Schlüssel haben, es also gar kein Knast ist.
    So einfach ist das nicht. Leider.

  9. Selbstdenker

    @Lisa:
    Da habe ich offenbar etwas falsch interpretiert. Ich möchte meiner Aussage etwas die Schärfe nehmen.

    Ich gebe Ihnen recht: wer zwischen Gut und Böse unterscheiden kann, wird ohne bzw. trotz staatlicher Bevormundung tendenziell meist das Richtige tun.

    Auch wenn ich mich nicht unbedingt als ausgeprägt gläubigen Christen bezeichnen würde, so sehe ich doch klar, dass vom Christentum eine ausgesprochen positive, kultivierende gesellschaftliche Ordnung ausgeht.

    Ich glaube, dass die christliche, römische und griechische Kultur erheblich zur Entwicklung eines Freiheitsbegriffes beigetragen hat, der sich unter Einhaltung bestimmter Spielregeln als Win-win Situation für alle Beteiligten herausstellt.

    An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, dass Adam Smith sowohl Ökonom als auch Moralphilosoph war. Seine Werke verstehe ich als die Übersetzung des oben erwähnten Freiheitsbegriffes in die Ökonomie.

    Die obigen Zusammenhänge werden durch die aktuellen Geschehnisse meiner Meinung nach klar bestätigt:

    Dort wo sich die christliche Kultur zugunsten von säkularen Religionen (Klima, Gender, Multikulti, Sozialismus als pseudowissenschaftliche Polit-Religion), Islam, Paganismus und dergleichen auf dem Rückzug befindet, implodiert auch der erwähnte Freiheitsbegriff.

    Man kann es zum Teil sogar geographisch zuordnen: dort wo die Kultur verrottet, verrottet auch die Ökonomie und es treten neue Herrscher (Warlords, Radikale, Gangs, etc.) mit robusteren Herrschaftsmethoden auf.

    Ich denke hier an Detroit, Nordengland, bestimmte Gegenden in Frankreich und Belgien, Malmö, NRW, etc.
    Die haben sehr vieles gemeinsam.

  10. mariuslupus

    Die europäischen “Eliten” bleiben bei ihrer unverrückbaren Haltung. Amerikaner die Trump gewählt haben sind zurückgebliebene Rassisten, die auf den Rattenfänger hereingefallen sind. Trump, als gewählter Präsident wird weiter als Rechtspopulist oder Rechtsextremist beschimpft. Niemand von den sogenannten Elitisten ist bereit wahrzunehmen, zum nachdenken sind die meisten nicht fähig, was sich von ihren Augen abspielt. Die bisherigen Machthaber wollen und müssen an der Macht bleiben, dazu gibt es für sie keine Alternative. Deswegen müssen sie sich selbst, und allen anderen in ihrer Umgebung, ständig wiederholen, dass sie alles richtig gemacht haben. Das dumme Volk will es nur nicht verstehen.
    Ein Treppenwitz, Merkel hat im Bundestag vor den Desinformationen die im Netz verbreitet werden, gewarnt.
    Hat ihre Leutnants von den Staatsministrien auf ihre Pflichten, dieses Treiben zu beenden, aufmerksam gemacht.

  11. Selbstdenker

    Ob die Interne Mitarbeiterin, die die CDU, Deutschland und Europa gerade an die Wand fährt, gegen den Hate-Speech, der über die Systemmedien gegen Kritiker verbreitet wird, vorgeht, oder ob sie in altgewohnter Stasi-Manier Kriitk an ihrer desaströsen Politik als Hate-Speech umetikettiert?

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