Emanuel Macrons napoleonischer Traum von der EU

“……Wenn Emmanuel Macron spricht, dann im Superlativ. In keinem geringeren als „im Namen der Geschichte“ wendet er sich in seinem Plan für einen „Neubeginn in Europa“ direkt an die Bürger der europäischen Mitgliedsstaaten. Es bleibt nicht der einzige pathetische Appell: nie sei Europa seit dem Zweiten Weltkrieg so wichtig gewesen, nie so sehr bedroht, der Brexit die Kulmination dieser Bedrohung. Wie immer sind es Populisten, die Ängste schüren, obwohl Macrons Traktat an dieser Stelle so mancher rechter Schwarzmalerei und „Wir gegen Die“-Polemik den Rang abläuft. Damit jeder Europäer sich ein eigenes Bild von der tiefen Krise und den Rettungsvorschlägen des französischen Staatspräsidenten machen kann, ist der Text in allen Sprachversionen der Mitgliedsländer verfügbar. Manche spotten: womöglich, weil ihm daheim im Angesicht fallender Zustimmungswerte und Gelbwestenprotesten keiner mehr zuhört. mehr hier

6 comments

  1. Selbstdenker

    Macrons Pläne sind völlig durchgknallt.

    Ich befürchte aber, dass sich Macron in einer besseren Ausgangslange befindet, als man im zutraut. Man erinnere sich: der “ehemalige” Sozialist Macron gründete seine “Bewegung” En Marche im Zuge des Absaufens der französischen Sozialisten. Die einzige vernünftige Alternative, Les Républicains, wurde wie aus Geisterhand mit einen inszenierten Skandal kaltgestellt.

    Laut Wahlprognosen zur EU-Wahl werden sowohl die Sozial”demokraten” als auch die EVP absaufen. Für die Gruppierung ALDE – zu der auch En Marche Gehört, werden starke Stimmenzuwächse prognostiziert; sie werden damit zusammen mit SD und EVP eine Art Koalition bilden und bei der Bestellung des EU-Kommissionspräsidenten viel mitreden können.

    Über ALDE könnte es Macron gelingen zum EU-Kommissionspräsidenten zu werden. Leider haben sich ausgerechnet liberale Parteien von ALDE und Macron für die Schaffung der EUdSSR instrumentalisieren lassen.

  2. Sokrates 9

    Man kann nicht leugnen dass Macron aus der sozialistischen Ecke kommt und absolut nichts dazugelnt hat! Sollte das Erfolgsrezept seiner Venezuela_Freunde studieren!

  3. Rupert Wenger

    Präsident Macron hat seiner Rede noch einen Wahlkampfclip nachgejagt, in dem er selbst den Gegensatz von erwartbarer strahlender Zukunft mit seiner Partei LREM und dem unausbleiblichen Chaos, das im Falle des Wahlsieges seiner politischen Gegner folgen müsste, beschreibt und mit Bildern unterlegt.
    Der Clip ist leicht zu finden, wenn man auf einem gängigen Videoportal nach „LREM clip“ sucht. Man muss seine Rede nicht verstehen, sein Tonfall, der im ersten Teil als panisch, im zweiten Teil beruhigend bis einschläfernd wirkt, reicht völlig aus, um dieses Machwerk reiner Propaganda zu verstehen. Es gibt auch kein Argument, das man verstehen könnte, sondern ausschließlich Apelle an unser Gefühl. Das ist genau die Methode, die man dem politischen Gegner vorwirft.
    Der Clip findet in den französischen Medien heftige Kritik. Es wird beispielhaft geschrieben von „verschärft so das Klima der Hysterie und die Kluft des Landes“ und „so karikativ, dass seine Wirkung das Gegenteil von dem sein kann, was angestrebt wird“.
    Macron bezeichnet sich selbst als Progressisten und stammt aus dem sozialistischen Milieu, was ihm zum klassischen BOurgeoisBOhémien macht. Insgesamt scheint das System des „Boboismus“ oder der „buonisti“, also der extremistisch Guten, wie sie in Italien bereits genannt werden, angesichts der bevorstehenden Wahlen vor dem Hintergrund der Wahlergebnisse der jüngsten Vergangenheit in Europa bereits in lodernder Panik befindlich.

  4. Selbstdenker

    @Rupert Wenger:
    Der in Europa noch unverbrauchte Begriff “progressiv” wird von den Sozialisten adaptiert. Die sogenannten “Progressives” haben sich hingegen in den USA in “Liberals” umbenannt, seit diese Bezeichnung dort vetbraucht ist. Wobei deren Freiheitsbegriff auf freedom-to und nicht auf freedom-from beruht.

    Dass die linken NEOS ebenso wie En Marche der ALDE angehören, erstaunt mich nicht wirklich. Was mich aber wundert, ist, dass sich die ansatzweise klassisch liberale FDP als Steigbügelhalter für Macron hergibt.

    Wer sich heute als “progressiv” bezeichnet, meint damit genau genommen neo-progressive. Diese Gestalten glauben daran, das Big Government mit Big Business konvergieren soll um mit organisatorischen und technischen Mitteln die Gesellschaft transformieren soll.

    Der Wunschtraum von Macron die “europäische Zivilisation” neu zu erfinden, passt da natürlich “überhaupt nicht” rein…

  5. Falke

    Wir haben Glück, dass Merkel offenbar nicht mehr viel zu sagen hat und AKK die völlig durchgeknallten Großmachtspläne Macrons ablehnt. Man muss ja tatsächlich an seinem Geisteszustand zweifeln, wenn er einerseits Panik vor den immer stärker werdenden Euroskeptikern bekommt, und als Lösung noch mehr von dem fordert, was immer mehr Bürger der EU ablehnen. Man kann nur hoffen, dass ihn die Gelbwesten vom Thron stoßen.

  6. Hartmut Pilch

    “Neoliberal” sind die Vorschläge von Macron durchaus, genau wie die jetzige EU-Konstruktion es ist. Macron legt es auch darauf an, die neoliberale Rechte für sich zu gewinnen. Juppé Raffarin uvm sind schon bei ihm. Es ist mehr vom gleichen zuzüglich ein paar symbolische Versuche, das ganze etwas protektionistischer aussehen zu lassen. Diese Versuche sind sogar zunächst ein vernünftiger Versuch, lauten Forderungen seiner Landsleute entgegenzukommen, aber sie können in der EU-Struktur nicht funktionieren. Macron will zwar diese Struktur irgendwie überwinden aber das ist illusorisch. Wer die EU überwinden will, muss austreten, also das tun, was Macro als schlimmste Sünde darstellt.

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