Energie sparen für Dummies

(MANFRED JACOBI) Energie sparen ist eine feine Sache. Es gibt viele Bereiche, wo sich Einsparungen erzielen lassen. Allerdings, das wird in den einschlägigen und wohlmeindenden Medienartikeln gerne übersehen, ist das Sparpotenzial nicht beliebig groß. Im Gegenteil, wenn man sich Energieverbrauchsdaten etwas genauer ansieht, merkt man, dass die Effizienz der Energienutzung stetig zunimmt, allerdings mit sinkender Tendenz. Das heißt nichts anderes, als dass die Einsparung einer Kilowattstunde (kWh) in unseren Tagen sehr viel schwieriger ist, als das in den 1980er Jahren der Fall war.

Und so wird munter darauf losfabuliert, welche enormen Mengen an Energie man noch da und dort einsparen könnte. Gemach, gemach, kann man dazu nur sagen. Denn nicht alles, was nach Einsparung aussieht, ist auch eine.

Beispiel gefällig? Nun ja, es gibt da ein funkelnagelneues Wohngebäude in Brüssel, das erst vor wenigen Wochen zum Bezug freigegeben wurde. Das Gebäuse hat zwei Aufzüge. Jeder Aufzug hat eine Anzeigetafel, die dem Benutzer signalisieren soll, in welchem Stockwerk sich der Lift gerade befindet. So weit, so gut. Doch leider leuchtet die Anzeigetafel – aus Energiespargründen – erst dann auf, wenn der Rufknopf gedrückt wird. Erst dann kann der Benutzer sehen, aus welchem Stockwerk der Lift anrauscht.

Es wäre nun sehr praktisch, auch vom Standpunkt des Energiesparens aus gesehen, im Voraus zu wissen, wo jeder Lift sich befindet. In diesem Fall würde der Benutzer sich klarerweise für den nächstgelegenen entscheiden, was sowohl Zeit als auch Energie sparen würde. Nachdem die Anzeige aber auf Energiesparmodus geschaltet ist, tippt der dumme Mensch also blind und ruft mit 50% iger Wahrscheinlichkeit jenen Lift, der gerade weiter entfernt ist. Das kostet mehr Zeit und mehr Energie. Es soll auch Leute geben, die beide Lifte gleichzeitig rufen, um dann einfach denjenigen zu nehmen, der schneller da ist.

Es dürfte auch dem Leser ohne physikalisches Vorwissen intuitiv klar sein, dass die Bewegung eines größeren Gegenstands (der Lift ist in diesem Fall ein solcher) beträchtlich mehr Energie benötigt als die digitale Anzeige.

Wir haben es hier mit einem sehr schönen Beispiel zu tun, wo der Wille zum Energiesparen in sein glattes Gegenteil umschlägt. Da kann man nur noch sagen: Chapeau!

7 comments

  1. Thomas Holzer

    “Wir haben es hier mit einem sehr schönen Beispiel zu tun, wo der Wille zum Energiesparen in sein glattes Gegenteil umschlägt”

    Ist (meistens) dem politischem Eingriff zu “verdanken”; gut gemeint bewirkt meistens das Gegenteil (vor allem in der Politik)

  2. Marianne

    Ein ähnlicher Schildbürgerstreich dürfte die Verwendung von Energiesparlampen, die ja defacto Leuchstoffröhren sind, an Orten wo kurze Brenndauer und häufiges Einschalten gegeben ist wie Hotelflure, Toiletten in Gaststätten etc. Habe, in der Schweiz, in einer Büro-Toilette folgendes Plakat gelesen: bitte Licht erst nach Arbeitsschluss abschalten!
    Soviel zur Sinnhaftigkeit der EU-bürokratisch verordneten Energiesparlampen. Durch falschen Einsatz kostet das Ganze wahrscheinlich mehr als es bringen kann.

  3. MSc

    Normalerweise ist jede Liftanlage mit nebeneinander liegenden Liften so gesteuert, dass der näherstehende Lift kommt, egal, welchen Knopf man drückt ?

  4. DNJ

    @MSC
    Ist nicht generell so, kenne mehrere Gegenbeispiele zb wo die Lifte unterschiedliche Größen aufweist.

  5. Wafthrudnir

    Ich fürchte, Hr. Jacob hat die Idee, die hinter dem Energiesparen steht, nicht ganz verstanden. Es geht nicht darum, den optimalen Komprmiß zwischen Energieverbrauch, Fertigungs- und Wartungskosten, Nutzerkomfort etc. zu erzielen. Dafür sorgen nämlich schon die Marktkräfte ganz allein. Vielmehr geht es darum, daß der Konsument einen kleinen Komfortverlust verspürt – groß genug, um über der Wahrnehmungsschwelle zu liegen, aber auf jeden Fall viel zu klein um wehzutun -, damit er anschließend daß Gefühl haben kann, für die Umwelt ein Opfer gebracht zu haben. Danach weiß er nicht nur, daß es nur ihm selbst zu verdanken ist, wenn auch unsere Enkel noch eine lebenswerte Welt vorfinden, sondern er kann sich auch all jenen überlegen fühlen, deren Alltag nicht so sehr wie bei ihm mit Opfern für Um- und Nachwelt gepflastert ist.

  6. Erich

    Zum Thema empfehle ich “Grüne Lügen” von Friedrich Schmidt-Bleek. Er ist kein Vertreter der Betonlobby oder sonstiger “Bösen”; ganz im Gegenteil: er nimmt alle “grünen” Ideen genau unter die Lupe und entlarvt sie als Projekte, die genau den gegenteiligen Effekt haben als sie vorgeben. Er kämpft laut eigenen Angaben seit vielen Jahren um echten Naturschutz und wirklich sparsame Ressorcenverwendung. Dass dabei z.B. weder Photovoltaik noch Elektroauto gut wegkommen wird wohl viele Menschen zunächst erstaunen; vom CO2-Wahn gar nicht zu reden.

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