Energiewende – Eine Industrienation schafft sich ab

(ANDREAS TÖGEL)  Unter dem Titel Hi-Tech und Energie, Zukunft für Österreichs Industrie startete die Wiener Freiheitsakademie (http://www.freiheits-akademie.at/) am zurückliegenden Sonntag einen Veranstaltungszyklus, der sich mit Fragen der künftigen Entwicklung der Energieversorgung beschäftigt. Nicht nur die zuverlässige und unterbrechungsfreie Lieferung (elektrischer) Energie, sondern auch die Höhe der Energiepreise ist von größtem Einfluss auf die Entwicklung eines Industriestandorts und auf die in einer Volkswirtschaft zu erzielenden Einkommen. Umso mehr gilt das für eine wirtschaftlich grenzenlos gewordene Welt.

Zwei der am achten September gehaltenen Vorträge beschäftigten sich mit Themen, die keineswegs ausschließlich den Standort Österreich betreffen: Die Zukunft der Atomenergie einerseits und die mit geradezu religiösem Eifer vorangetriebene „Energiewende“ im Nachbarland Deutschland. Es macht den Anschein, als ob beide Themen – spätestens seit der Reaktorkatastrophe im fernen Fukushima – längst nicht mehr von harten Fakten und wissensbasierter Forschung, sondern vielmehr von Emotionen und Bekenntnissen bestimmt werden und sich einer offen geführten Debatte nahezu vollständig entziehen. Atomkraft gilt in Deutschland und Österreich mittlerweile als Inbegriff des Bösen und der menschengemachte Klimawandel als schlechterdings nicht anzuzweifelnde Tatsache. Ende der Durchsage: Merkel locuta, causa finita. Mit dem „Potsdam Institut für Klimafolgenforschung“ hält sich die deutsche Kanzlerin eine Ideologiefabrik voller strenggläubiger Klimaalarmisten, deren Umgang mit kritischen Geistern stark an jenen Tomas de Tórquemadas mit nichtswürdigen Häretikern erinnert.

Gerhard Wrodnigg, Systemanalytiker und Experte für Risikomanagement und Technikabschätzung, widmete sich dem Thema „Zukunft der Kernkraft“. Genauer gesagt, beschäftigte er sich mit einer nüchternen Analyse der mit dem Einsatz von Kernenergie verbundenen Risiken (und zwar den tatsächlichen, nicht den von den stets im Panikmodus laufenden Hauptstrommedien behaupteten) und den aktuellen, zum Teil sehr vielversprechenden technischen Entwicklungen. Die derzeit in Gebrauch stehenden Reaktortypen, die große Mengen an (waffenfähigen) Plutonium produzieren und damit unaufhörlich Diskussionsstoff hinsichtlich der Frage von Zwischen- und Endlagerung strahlender Abfälle liefern, könnten demnach schon bald durch solche ersetzt werden, bei denen dieses Problem nicht mehr auftritt. Auf dem Gebiet dieser „Dual-Fluid-Reaktoren“ (http://dual-fluid-reaktor.de/) stehen deutsche Wissenschaftler an vorderster Front. Nicht nur die Verwertung von Brennelementen, die in konventionellen AKW abgebrannt wurden und die weit erhöhte Betriebssicherheit (die Gefahr einer Kernschmelze besteht bei dieser Bauart nicht länger), sondern auch die wesentlich verringerte Menge (schwach) strahlenden Abfalls sprechen für den Einsatz dieser Technik. Auch die Überlegung, von Großkraftwerken wegzukommen und stattdessen kleineren Einheiten mit entsprechend verringerten Umweltrisiken den Vorzug zu geben, wird seitens der Politik nicht einmal in Erwägungen gezogen. Zumindest in Deutschland und Österreich, wo man denjenigen, die auch nur das Wort AKW in den Mund nehmen, auf der Stelle das Wort verbietet, scheint dieser Zug abgefahren zu sein. Gegen quasireligiöse Bekenntnisse mit rationalen Überlegungen zu Felde zu ziehen, ist allemal sinnlos…

Markus Fichtinger, Ökonom am Economia Institut für Wirtschaftsforschung, widmete sein Referat der in Deutschland im Jahr 2010 eingeleiteten „Energiewende“. Bis 2020 sollen dort demnach mindestens 35% des Strombedarfs aus „erneuerbaren Energien“ gedeckt werden – ein, gelinde ausgedrückt – mehr als ehrgeiziges Ziel. International ist keine vergleichbare Tendenz zur radikalen Änderung des Energiemix´ erkennbar. Daß man sich in Deutschland gefährlich weit aus dem Fenster lehnt, um die Emissionen des angeblich klimaschädlichen Kohldioxids zu begrenzen, während außerhalb der OECD-Staaten zugleich eine drastische Zunahme der CO2-Emissionen stattfindet, scheint niemanden zu irritieren. Der ganze hochfahrende Plan, dessen Herzstück das „Erneuerbare-Energien-Gesetz“ (EEG) bildet, kann ohne weiteres als die Umstellung von der Markt- auf eine Planwirtschaft bezeichnet werden, bei der die Ausschaltung von Marktpreisen für elektrische Energie am Anfang steht.

 

Der Verzicht auf die gründliche wissenschaftliche Untersuchung von Möglichkeiten und Konsequenzen eines Übergangs auf „erneuerbare Energieträger“ (hauptsächlich Windkraft und Photovoltaik), wird erhebliche Folgen nach sich ziehen. Die für jedermann unmittelbar erkennbare davon liegt in einer dramatischen Steigerung der Stromkosten für die Privathaushalte. Deutsche Stromkunden bezahlen schon heute die (nach Dänemark) höchsten Gebühren pro KWh. elektrischer Energie. 85,7 Prozent der Preissteigerungen sind den auf 20 Jahre hinaus garantierten Subventionen der Einspeisetarife für Strom aus Wind- und Photovoltaikanlagen geschuldet. Unter dem Strich ergibt sich ein kollektiver Wohlstandsverlust, da die verfügbaren Einkommen nunmehr vermehrt für Energiekosten aufzuwenden sind und nicht für alternative Konsumausgaben eingesetzt werden können. Daß im Strompreis zudem mehr als 40 Prozent an Steuern enthalten sind, rundet das schauerliche Bild harmonisch ab.

 

Ferner bedarf es gewaltiger Investitionen in die Leitungsnetze, da die meiste Windenergie bekanntlich im Norden des Landes anfällt, während der Strombedarf aber vorrangig im Süden entsteht. Die flächendeckende und nachhaltige Verschandelung der Landschaft durch die unter Marktpreisbedingungen nicht wirtschaftlich zu betreibenden Windräder, ist dagegen gar nicht in Zahlen zu fassen. Der bis spätestens 2022 geplante, völlige Ausstieg aus der Atomenergie, wird darüber hinaus eine ernstzunehmende Lücke in der Grundlastversorgung hinterlassen, wodurch sich das Risiko von Netzzusammenbrüchen erheblich erhöhen wird. Hier geht es schlicht an den Lebensnerv des Hochtechnologiestandortes Deutschland. Die politisch Verantwortlichen scheinen offenbar bis heute nicht erkannt zu haben, dass Strom nicht nur dann gebraucht wird, wenn die Sonne scheint und der Wind bläst. Auch nachts und bei Flaute sollte der Kühlschrank kalt bleiben. So lange es für das Problem der großtechnischen Speicherung elektrischer Energie keine brauchbare Lösung gibt, sind Produzenten, die nicht dauerhaft liefern können nur dann etwas wert, wenn jederzeit einsetzbare Ersatzlieferanten bereitstehen. Immerhin sind ganze Industriezweige auf eine rund um die Uhr stabile und zuverlässige Lieferung elektrischer Energie angewiesen. Da die Möglichkeiten zur Gewinnung von Energie aus Wasserlaufkraftwerken aber bereits ausgeschöpft sind, führt zur Sicherung des Grundlastbedarfs kein Weg an einem massiven Aus- und Neubau konventioneller kalorischer Kraftwerke (die mit Gas, Öl oder Kohle befeuert werden) vorbei. Wie sich das mit dem Ziel der angepeilten CO2-Reduktion unter einen Hut bringen lassen soll, steht dahin.

Bleibt zusammenfassend festzustellen: Während andernorts auf – stark verbesserte – Nukleartechnologie gesetzt und durch den Einsatz modernster Methoden zur Energiegewinnung aus Schiefergas und –Öl die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie erheblich gesteigert wird, legt die Regierung Deutschlands mit dem mittelfristigen Verzicht auf Kernkraft und den Umstieg auf kostspielige „erneuerbare Energien“ seinen Unternehmen eine Zwangsjacke an und / oder vertreibt energieintensive Branchen ganz aus dem Land. Die internationalen Wettbewerber dürfen diesem irrwitzigen Treiben der seltsamen Teutonen mit einer Mischung aus Unverständnis und Schadenfreude zusehen – erste Reihe fußfrei.

 

Mit der Politik der „Energiewende“ schickt sich Deutschland an, wieder einmal einen Sonderweg zu beschreiten. Die Zukunft der wichtigsten Industrienation Europas wird von einer emotional motivierten, von völlig falschen Voraussetzungen ausgehenden, überstürzt angegangenen Kampagne bestimmt. Damit kann es – wenn auch um 70 Jahre verspätet – durchaus gelingen, den 1944 bekannt gewordenen Plan Henry Morgenthaus doch noch zu realisieren und das Land der Techniker und Ingenieure auf den Status eines primitiven Agrarstaates zurückzuführen. Ganz ohne äußeren Zwang und ohne Not. Die ganze Welt würde zum Zeugen des historisch einmaligen Akts der Selbstkastration der bedeutendsten Technologielokomotive der Alten Welt. Österreich wird, dank seiner intensiven wirtschaftlichen Verflechtung mit Deutschland, davon nicht unberührt bleiben. „Interessante Zeiten“ stehen uns ins Haus…

 

8 comments

  1. Thomas Holzer

    “Die internationalen Wettbewerber dürfen diesem irrwitzigen Treiben der seltsamen Teutonen mit einer Mischung aus Unverständnis und Schadenfreude zusehen”

    Die Polen schrammten auf Grund dieser sogenannten “Energiewende” schon mehrmals an einem black-out nur knapp vorbei!

  2. Christian Peter

    Halte den Ausstieg aus der Atomkraft ebenfalls für einen schweren Fehler. Gerade wenn man die Umwelt schützen möchte, ist Atomkraft das Mittel der ersten Wahl. In anderen Ländern hat man das längst erkannt, in Großbritannien, Frankreich, Polen und Tschechien kommt es in Zukunft zu einem Ausbau der Nukleartechnologie.

  3. Wettbewerber

    Bisher sind sich ja alle einig, dass das, was man beim großen Nachbarn als “Energiepolitik” bezeichnet, in Wahrheit ein Schuss in den Ofen aller erster Güte ist, wobei man sprichwörtlich sehr, sehr nahe am Ofen steht, während der Schuss losgeht…

    Noch ist ja nicht allzu viel passiert, aber wenn es so weiter ginge (Was ich mich immer noch weigere, als gegebenes Faktum hinzunehmen), dann steht am Ende wirklich genau das von Herrn Tögel so treffend beschriebene “Endlösungsszenario” ins (“deitsche”) Haus.

    Dann hat man zumindest nicht mehr das Problem, dass DE den anderen so weit voraus ist, und man muss sich keine künstlichen anderen Bremsen überlegen, wie man die Deutschen wettbewerbstechnisch einzäumen (oder besser einzäuNen) kann. Und der derzetigen Führung scheint indes genau das das Hauptproblem zu sein, um im Einheitsbrei-Chor der EUdSSR nicht mehr (ach) so “negativ” aufzufallen.

  4. Plan B

    Nun, Ihr Lieben in der Ostmark, seid doch froh, dass die Bayern eure Pumpspeicher mit geschenktem Sonnenstrom fluten (manchmal legen sie sogar noch Geld drauf – negative Preise ;-), den dann die Kaprauner mit dickem Gewinn wieder an die nachtblinden Nachbarn (Sonne weg) verscheuern können.

    Besser kann man doch Energie nicht wenden.

  5. Weninger

    @Plan B
    In der Nacht, wenn keine Sonne scheint und wenig Strom in Deutschland gebraucht wird, ist es aber vor allem Atomstrom, der aus D und Tschechien zu uns fließt, um die Speicher aufzufüllen und so propagandistisch ökologisiert wird.

  6. Plan B

    Weniger.

    ich habe an keiner Stelle behauptet, dass der bayrische tagsüber verschenkte Sonnenstrom allein in der Lage wäre, die Speicher in Österreich zu füllen. Tatsache ist, das aufgrund der Frequenzerhaltung an besonders sonnenreichen Mittagsstunden der auf bayrischen Solardächern und -feldern erzeugte Zappel-Strom von österreichischem Netz zu Speicherzwecken aufgefangen wird; und das lassen die sich in Kaprun sogar bezahlen – vom deutschen Stromkunden per EEG. Der Atomstrom aus D und Tschechien wird natürlich vergütet zu marktüblichen Preisen.

  7. Rennziege

    15. September 2013 – 17:55 – Weninger
    15. September 2013 – 19:40 – Plan B
    Gentlemen, lasst uns nicht über Details (die Sie beide korrekt wiedergeben) streiten. Was unterm Strich übrigbleibt, sind die (nichtsahnende?) Neuauflage des antiken Morgenthau-Plans und die Umverteilung von unten nach oben. Das weithin propagierte Fundament des EEG-Wahnsinns und der Energiewende wird durch den kommenden IPCC-Bericht weiter unterhöhlt werden.
    Sogar die dort alimentierten Klima-“Forscher” bequemen sich dazu, ihre Computermodelle und deren Prophezeiungen als ungenau einzugestehen. Möglicherweise sogar, dass das gute alte Kohlendioxid überhaupt kein Giftgas ist. Und dass das Arktis-Eis nicht schrumpft, sondern wächst; dass auf dem Pazifik und seinen Küsten sich seit fünf Jahren so wenige Hurrikans und Tsunamis gebildet haben wie noch nie — diametral anders als vorhergesagt, etc.
    Es gibt ein wenig Hoffnung, dass die Global-Warming-Hysterie und ihre Profiteure geschnallt haben, dass man eine Geschäftidee nur für eine begrenzte Zeit auf Lügen aufbauen kann.

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