Entwicklungshilfe hilft nicht gegen die Völkerwanderung aus Afrika

(Volker Seitz) Die mediale Einheitsmeinung will uns glauben machen, dass die Ausgaben für Entwicklungshilfe deutlich erhöht werden sollten, um die Migration aus Afrika zu bremsen. Dabei wird von der Vorstellung ausgegangen, dass unsere Zuwendungen immer nur Gutes schaffen. Wir erkennen aber, dass die Milliarden, die wir nach Afrika überwiesen haben, wahrscheinlich eher das Gegenteil bewirken. Feudalistische Strukturen wurden und werden gestärkt statt geschwächt. Das Klientelsystem scheint ja zunächst einmal zu funktionieren, solange es etwas zu verteilen gibt. Und dass die dortigen Politiker auch immer etwas zu verteilen hatten, daran haben die Finanzspritzen, insbesondere Budgethilfen einen erheblichen Anteil. Auch deshalb konnten sich die Empfänger-Länder so lange der Illusion hingeben, ihre Systeme würden schon irgendwie funktionieren.

Zweifel der Wirkung der Entwicklungshilfe sind immer noch nicht politisch korrekt. Unser Afrikabild wird immer noch von ideologiegesteuerten Wunschträumen und den sich selbst erhaltenden Hilfswerken geprägt. Die Hilfsindustrie hat einen Sonderstatus, der scheinbar jegliche Kritik verbietet. Es ist unverständlich, wenn derartige Organisationen, die erheblichen wirtschaftlichen Eigeninteressen verfolgen, sich nicht damit anfreunden können, dass das eigene Handeln kritisch hinterfragt werden darf. Afrika wird von diesen Organisationen als hilfsbedürftiger Kontinent gesehen, wobei die Hilfe nur von außen kommen könne.

Mit der Political Correctness entsteht auch in der Entwicklungspolitik ein Zwang zum Wegschauen und zur Schönfärberei. Probleme werden geleugnet. Viele Entwicklungspolitiker wollen nicht den flagranten Mangel an Verantwortungsgefühl vieler Eliten in Afrika sehen. Stattdessen sind wieder Europa und die EU am Elend der ganzen Welt schuld. Dass z.B. die afrikanischen Länder zu einem großen Teil selbst verantwortlich dafür sind, seit ihrer Unabhängigkeit kein Bein auf den Boden zu bekommen, wird gar nicht in Betracht gezogen. Man muss sich als Gegenbeispiel nur einmal Südkorea vor Augen führen. In den 50 er Jahren noch ärmer als die meisten afrikanischen Staaten, heute aus eigener Kraft führende Industrienation.

Nachdem schon zahlreiche Wissenschaftler den Nutzen vieler Entwicklungsprojekte angezweifelt haben, wurde dieses Tabu endlich auch von der Unterhaltungsindustrie aufgegriffen. Eine TV Satire in Kenia zieht den Jargon der Weltverbesserer und den naiven Idealismus durch den Kakao. Es geht bei „Aid to Aid“ um das Helfen um des Helfens willen, sonst um nichts… (weiter hier)

13 comments

  1. Mourawetz

    Die Hilfsindustrie unterstützt totalitäre Regime in Afrika, und doch dsrf sie niemand lächerlich machen. Eine Fernsehserie wie Aid to Aid ist hierzulande völlig undenkbar.

  2. Reini

    … wenn man sich Wirtschaftlich abhängig macht und nur auf Spenden angewiesen ist,
    der wenige Reichtum in Sinnlose Projekte verpulvert wird,
    der Rest in Korruption verschwindet,
    dem Staat das eigene Volk “wurscht” ist,
    für was braucht dieses Afrika Entwicklungshilfe!?! (nicht alle Länder)
    Afrikanische Stämme lebten 1000ende Jahre in der Wildnis und jetzt müssen alle nach Europa??

  3. astuga

    Selbst Korruption erklärt nicht jede Rückständigkeit.
    Auch China, Taiwan oder Korea (wenn auch die beiden letzteren zunehmend weniger) waren und sind korrupt, und die Eliten haben sich bereichert und Klientelpolitik betrieben.
    Es gibt auch korrupte Länder die rohstoffreich sind und die es dennoch schaffen, weite Teile der Bevölkerung partizipieren zu lassen (was macht etwa Saudi Arabien anders als Nigeria oder Venezuela?).

    Die Realität ist eben komplexer als schlichte Erklärungsmodelle linker NGO`S.

  4. Erich

    Leseempfehlung: Volker Seitz – Afrika wird armregiert oder Wie man Afrika wirklich helfen könnte (ISBN 978-3-423-26038-1). Ein Insiderbuch von 2009 mit Aktualisierungen 2014, das einem eigentlich die Augen öffnen könnte. Leider glauben ja die meisten Menschen, dass Afrika von uns Europäern so zugrunde gerichtet und immer noch ausgebeutet wird, dass wir ununterbrochen, aber ohne jede Nachkontrolle Geld schicken müssen! Die praktisch überall herrschenden Diktatoren, die die Länder aussaugen und denen die eigene Bevölkerung völlig egal ist, werden ausgeblendet; sie passen halt nicht so in das Schema der GutmenschInnen.

  5. astuga

    Wir können ja auch in Europa bleiben.
    Warum funktioniert die Slowakei aber Griechenland nicht?

  6. Lisa

    DAs Bild, das hier mal jemand evoziert hat mit demjenigen, der mit Schwielen an den Händen in seinem selbst gebauten Haus sitzt, während der andere, der das Baumaterial verkauft hat und dann auf seinem iPad rumdaddelt ist mir sehr lebendig geblieben. Arbeitsmoral ist nicht in jeder Kultur so “protestantisch” wie in der mitteleuropäischen – oder auch im Amerika der frühen Einwanderer. Bei den Griechen wurde philosophiert, nicht gearbeitet; das überliess man andern. Bei gewissen Christen wurde das irdische Leben als unwichtig angesehen – Papst und Kirche nahmen den Gläubigen gern diesen unnütze Ballast ab ;-)… Um heutige Mentalitäten zu verstehen, braucht es nicht nur aktuelle Beobachtungen und Meinungen, sondern auch so etwas wie Geschichtsbewusstsein. Nicht Gretchens Frage ist bei einer erfolgreichen Assimilation wichtig, sondern: Wie hältst du’s mit der Arbeit? mit säkularen Gesetzen? mit Gemeinsinn? etc.

  7. Falke

    Angesichts dieser Tatsachen sowie der Bevölkerungsexplosion, können wir uns in Europa sehr bald auf eine Flüchtlingsflut gefasst machen, die die derzeitige noch mehrfach übertreffen wird. Teilweise gibt es sie ja schon (Nigeria, Eritrea, Sudan, Äthiopien, Nordafrika sowieso).

  8. astuga

    @Lisa
    Es hat sicher eine Menge mit Gemeinsinn, Identifikation mit dem Land und Einstellung zur Arbeit zu tun.
    In Afrika ist so gut wie allen die Angehörigkeit zur Großfamilie und zur eigenen Ethnie wichtiger als jene zum Staat oder einem beliebigen Mitbürger.
    Tatsächlich ist wohl Afrika der rassistischste Kontinent, im Sinne von am stärksten durch ethnische Zugehörigkeit definiert.
    Die Black Communities in Europa sind deshalb ja auch rein ideologische Kunstprodukte.

    Was die Griechen betrifft, die Zeit der Philosophen ist doch schon etwas lange vorbei.
    Die Griechen waren unter den Osmanen jahrhundertelang Handwerker, Kleriker, Fischer aber vor allem aber Landbevölkerung.
    Und natürlich fremd im eigenen Haus und immer abhängig vom Wohlwollen der Muslime.
    Später dann einer kleinen kleptokratischen Elite ausgeliefert.
    So entwickelt man nur schwer eine positives Verhältnis zur Obrigkeit und zum Gemeinwesen.
    Aber so etwas kann natürlich auch keine Entschuldigung für alle Zeiten sind.
    Schließlich haben andere kleine Völker (wie Slowaken oder Balten oder wir selbst) auch viele historische Brüche erlebt.

  9. Christian Weiss

    Das Entwicklungshilfe Misswirtschaft begünstigt, kennen wir ja auch aus unseren innereuropäischen und innerstaatlichen Finanzausgleichssystemen, die sogar in föderalistischen bzw. semiföderalistischen Staaten wie der Schweiz, Deutschland und Österreich praktiziert werden.

    In der Schweiz ist es gar so verrückt, dass die Einwohner der Entwicklungshilfebezüger-Staaten wie Wallis, Bern, Graubünden in die Bezahler wie Zürich “flüchten”. Neben dem Viertel Einwohner ausländischer Staatsbürgerschaft hat im Kanton Zürich ein weiterer Viertel eine Herkunft aus einem der Finanzausgleichskantone.

  10. gms

    Wirksame und nachhaltige Entwicklungshilfe bestünde im Aufbau sogenannter Charter-Cities, adressieren diese doch das entscheidende Übel inform mangelnder Rechtssicherheit.
    Anstatt als westlicher Staat Gelder für diverse Projekte zu vergeben, erfolgte die Finanzierung indirekt, indem man Firmen, die in Charter-Cities erfolgreich investieren, deren Profite fiskalisch unpönalisiert einstreifen läßt.

    Wer Private eigenes Geld einsetzen läßt, in fernen Ecken der Erde entsprechende Infrastruktur zwecks wirtschaftlicher Prosperität zu errichten, hat als Staat nicht nur weniger eigene logistische Sorgen am Hals, als zugleich ein weitaus geringeres monetäres Risiko.

    Was spricht gegen Charter-Cities aus Sicht des Westens? — Sie bieten lokalen Gewerbetreibenden unerwüschtes Anschauungsmaterial, wonach weniger restriktiv verfaßte Soziotäten sich rascher und erfolgreicher entwickeln. Entwicklungshilfe eben!

  11. Lisa

    @Christian Weiss:im Prinzip wäre ich ja für ein Europa der Regionen, aber was Sie hier schreiben, schlägt dem Fass den Boden aus: Was heisst in der Schweiz “Herkunft”? Verstehen Sie darunter das Bürgerrecht – oder gar das immer ncoh existierende Burgerrecht – oder den Wohnsitz? Den unterstützten Kantonen wird mit dem Konsens des immerhin ziemlich direktdemokratischen Souveräns geholfen – und schon mancher “arme” Kanton hat sich dann wieder aufgerappelt: der Kanton Zug war vor zwei Generationen noch das Armenhaus der Schweiz. Die Einstellung zu Arbeit und Leistung ist eine Mentalitätsfrage – und mit dem europaweit höchsten Anteil an eingebürgerten und nicht eingebürgerten Ausländern hat die Schweiz das ganz ordentlich hingekriegt. Hilfe mit dem Marshallplan hat nur in D wirklich funktioniert – in GB und F und I habe ich auf alten Fotos noch in den 80er Jahren Kriegsruinen und Häuser mit Bombenrissen gesehen. Jeder, der eine Firma in Afrika mit afrikanischen Arbeitern führt oder geführt hat, kann ein Lied davon singen, wie es um die Arbeitsmoral dort steht. Und Afrikaner, die nach ein paar Jahren Europa dann doch das Heimweh packt und zuhause ein kleines Geschäftchen auftun, werden schnell mal als “Deutsche” belächelt – und übers Ohr gehauen, weil sie sich an deutsche Ehrlichkeit gewöhnt ahtten. (nach fünf Jahren stehen sie dann vermutlich wieder an der Grenze…) Leider können wir aber bei der offenbar nicht zu vermeidenden Informationsflut nciht einfach sagen “Macht euren Dreck alleene”.

  12. Christian Weiss

    “und schon mancher „arme“ Kanton hat sich dann wieder aufgerappelt: der Kanton Zug war vor zwei Generationen noch das Armenhaus der Schweiz.”

    Noch ein gutes Beispiel, das auch die Kernaussage des obigen Artikels bestätigt: Der Kanton Zug hat sich nämlich mitnichten dank des Finanzausgleiches zu einem der reichsten Kantone der Schweiz entwickelt. Eine kluge Standortpolitik und gute Rahmenbedingungen waren dafür verantwortlich. Der Kanton Zug hat eine der geringsten Regulierungsdichten und eine der höchsten Rechtssicherheiten der Schweiz, ist vielleicht sogar in beiden Bereichen die weltweite Nummer 1.

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