Entwicklungshilfe ist Teil des Problems, nicht der Lösung

Von | 20. Oktober 2013

(C.O.) Wann immer es afrikanisches Elend schafft, von westlichen Massenmedien wahrgenommen zu werden – wie etwa jüngst vor Lampedusa -, ist eine Art europäisches Selbstbezichtigungsritual die Folge. Europa, ist dann regelmäßig aus Politik und Medien zu hören, helfe Afrika einfach zu wenig, um endlich wirtschaftlich auf die Beine zu kommen, deshalb sei mehr Geld für Entwicklungshilfe nötig. Das fühlt sich gut an: Wenn man mehr Geld für die Armen und Bedrückten dieser Welt einmahnt, ist man irgendwie stets auf der Seite der Guten. Allerdings gibt es keinen empirischen Beleg dafür, dass Afrikas Elend mangelnder Entwicklungshilfe geschuldet ist. Ganz im Gegenteil. Immer mehr Entwicklungsexperten, gerade aus Afrika, weisen der Entwicklungshilfe erhebliche Mitschuld an den betrüblichen Lebensumständen allzu vieler Afrikaner zu. “Entwicklungshilfe ist nicht die Lösung,sie ist das Problem”, behauptet etwa der einflussreiche ugandische Publizist Andrew Mwenda. Faktum ist: In den vergangenen 50 Jahren flossen bemerkenswerte 600 Milliarden Dollar an Hilfsgeldern vom Norden allein nach Schwarzafrika. Dennoch geht es zahllosen Afrikanern heute schlechter als vor 50 Jahren.

Die gebürtige Afrikanerin, Investmentbankerin und Autorin Dambisa Moyo ist überzeugt: “Das fundamentale Problem ist, dass die Entwicklungshilfe keine Jobs geschaffen hat, sondern das Gegenteil bewirkte, sie zerstörte. Entwicklungshilfe produziert Inflation, Schulden, Bürokratie und Korruption. In ein solches Land wollen Unternehmer nicht investieren und dort Jobs schaffen. Niemand wird bestraft, wenn er nicht innovativ ist, denn die Hilfe fließt trotzdem. Und niemand wird belohnt, wenn er sich anstrengt.”

Entwicklungshilfe, spottete der angesehene US-Ökonom und Afrikanist William Easterley, funktioniere “für alle, außer für die Armen; sie ist ein Wohlfühlprogramm der reichen Länder”. Und für die herrschenden kleptokratischen Schichten Afrikas, denen die Hauptschuld am dortigen Elend zukommt. Unvergessen etwa der langjährige Herrscher des Kongo, Mobuto Sese Seko, der von der internationalen Gemeinschaft eine Senkung der Zinslast seines Landes erbettelte, seiner Tochter aber eine Concorde für einen Trip an die Côte d’Azur mietete (er dürfte insgesamt etwa fünf Milliarden gestohlen haben). Nicht nur Moyo zieht daraus den logischen Schluss, diese Geldströme vom Norden in den Süden schlicht und einfach zu stoppen und die Entwicklungshilfe in der heutigen Form zu beenden.

Das heißt nicht, dass Afrika nicht geholfen werden soll. Allerdings ganz anders: durch die Beseitigung der protektionistischen Maßnahmen, mit denen Europa seine Produzenten – etwa in der Landwirtschaft – schützt und afrikanische benachteiligt. Afrika braucht nicht geschenktes Geld, sondern die Möglichkeit und den ökonomischen Zwang, Geld selbst zu verdienen. Darauf ist mittlerweile selbst der für sein soziales Engagement bekannte Rockstar Bono gekommen: “Unterstützung kann nur Überbrückungsmittel sein, Handel und unternehmerischer Kapitalismus führen mehr Menschen aus der Armut als (Entwicklungs-)Hilfe.” Er hat recht. (“WZ”)

4 Gedanken zu „Entwicklungshilfe ist Teil des Problems, nicht der Lösung

  1. oeconomicus

    Chinesisches Sprichwort:
    “Gib einem Menschen einen Fisch, nährst du ihn einen Tag, lehre ihn zu fischen, nährst du ihn sein Leben lang.”

  2. Rennziege

    Dass Entwicklungshilfe nur den Apparatschiks und sogenannten NGOs der Spenderländer nutzt und die Empfängerländer weiter zurückwirft, wurde schon vor Jahren publiziert, wenn auch schamhaft. Obwohl diese Diagnose von klugen Köpfen der Dritten Welt gestellt wurde, mit konkreten Beweisen untermauert.
    Aber kein Geberland zog Konsequenzen. Besonders peinliches Beispiel: Dirk Lindner, der im vorletzten deutschen Wahlkampf noch die Abschaffung der Entwicklungshilfe und des gleichnamigen Ministeriums gefordert hatte, wurde anschließend dessen Minister. (Ein weiterer Sargnagel für die FDP, die ihre einst liberale Identität dem Speichellecken um Posten opferte.)
    Das ganze Konzept wurde dem Missbrauch und den lokalen Potentaten überlassen. (Fast vergessen schon sind die pädophilen päderastischen UNO-Mitarbeiter, die Nahrungsmittel nur im Gegenzug für entsetzliche Vergewaltigungen verteilten.)
    Nicht so bestialisch, aber ebenfalls schlimm ist die EU-Agrarsubventions-Kloake, die unter dem Vorwand der “Bekämpfung des Hungers” die Konkurrenzfähigkeit der autochthonen Bauern sabotiert.

  3. wrl

    Rennziege,

    es war Dirk Niebel der im Wahlkampf richtigerweise forderte das Ministerium einzustampfen -es wäre der FDP bei der jüngsten Wahl eventuell wesentlich besser gegangen wenn er es denn getan hätte, er hätte sicher einen anderen Posten bekommen…

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