Erfolglos und unsterblich

Von | 29. August 2021

(Christian Ortner) Es ist ziemlich genau 30 Jahre her, dass der Zusammenbruch der Sowjetunion und damit des Sozialismus als Gegenmodell zum Kapitalismus seinen Lauf nahm. Ende August 1991 versuchten die Wodka-Putschisten aus Militär und KGB in Moskau noch einmal das Ruder herumzureißen und das Sowjetsystem zu retten; doch vergeblich. Auch die prompte eilfertige Anerkennung der Möchtegern-Putschisten durch die Regierung in Wien konnte das Ende nicht verhindern, am Weihnachtsabend 1991 war die Diktatur der Sowjets Geschichte.Doch heute, drei Jahrzehnte nach dem spektakulären Kollaps des real existierenden Sozialismus, ist ein nahezu absurdes Schauspiel zu beobachten: Trotz seines für jedermann und jederfrau sichtbaren völligen Versagens ist der Sozialismus als Idee, wie eine Gesellschaft zu gestalten sei, alles andere als tot. Von den linken Rändern der Grünen und Sozialdemokraten frisst sich sozialistisches Gedankengut in Richtung politische Mitte fort: Diskussionen über Enteignungen (etwa von Immobilienkonzernen in Deutschland), über eine Rückkehr des Staatseigentums an Unternehmen (von Teilen der SPÖ ventiliert) und natürlich der Wunsch nach jeder Menge staatlicher Planung und Lenkung belegen das Tag für Tag.Wie kann ein so nachweisbar nur Armut, Leid und Elend produzierendes System immer wieder neue Anhänger finden, die aus der Geschichte nicht lernen können oder wollen? Gravierend wird das Problem, weil der Klimawandel geschichtsvergessenen Neu-Sozialisten einen perfekten Vorwand liefert, ihre gammelige Agenda unter der flotten Marke “Systemwechsel” anzupreisen – ein Taschenspielertrick, auf den vor allem Jüngere oft hereinfallen.

Ein wesentlicher Grund dürfte in der Psyche des Menschen zu finden sein. “Sozial” zu sein fühlt sich immer irgendwie gut an, während die kalte Logik des Marktes zwar weit bessere Ergebnisse liefert, aber emotional so berührend ist wie ein Kübel Eiswürfel. Das verhilft dem Sozialismus zur erstaunlichen Fähigkeit, die von ihm angerichteten Debakel zu überleben, als wäre nichts geschehen. Dazu kommt das bemerkenswerte Talent vieler Sozialisten, die Theorie von der Realität zu trennen und Erstere so vor Zweiterer zu beschützen. In der UdSSR, in der DDR, auf Kuba, in Nordkorea oder in jüngerer Zeit in Venezuela sei der Sozialismus eben nicht richtig umgesetzt worden, wird dann argumentiert. Dass es etwa eigenartig ist, dass der Sozialismus in seiner mehr als hundertjährigen Geschichte offenbar noch nie und nirgends richtig umgesetzt wurde, beeindruckt seine Anhänger offenbar wenig. Es ist eine zynische Pointe der Geschichte, wenn nun ausgerechnet der Umweltschutz als Vorwand für einen “Systemwechsel” vom Kapitalismus zu einer sozialistisch inspirierten staatlichen Kommandowirtschaft dienen muss. Denn wer je die Staaten des real existierenden Sozialismus bereist hat, weiß: So verdreckt, verstunken und ruiniert wie dort war die Umwelt im Kapitalismus nicht einmal annähernd. Als taugliches Instrument, das Klima zu retten, taugt der Sozialismus so gut wie ein Glas Salzsäure zum Kurieren einer Gastritis. (“WZ”)

9 Gedanken zu „Erfolglos und unsterblich

  1. Mourawetz

    Hat denn ihnen denn niemand gesagt, wie der Böhmische Wald im sauren Regen umgekommen ist? Dass es in den 40 Jahren angewandten Sozialismus‘ zum Waldsterben kam? zu verdreckten Flüssen? Weil in einer Mangelwirtschaft der Gedanke an Umweltschutz so ziemlich an letzter Stelle steht. Zuerst kommt das Fressen dann die Moral. Wenig belesene Backfische mit dem Erfahrungshorizont eines Regenwurms treiben die Welt vor sich her.

  2. Selbstdenker

    Im Westen fand eine echte Aufarbeitung der kommunistischen Ära und ihrer furchtbaren ökonomischen, sozialen und wirtschaftlichen Folgen nie statt.

    Man hat zugesehen, wie die rote Fini und andere kommunistische Nachlassverwalter das Vermögen ihrer Bonzen weissgewaschen, gebunkert und einschlägig bekannten Individuen und Organisationen zugesteckt hat.

    “Medienschaffende” und “Kulturschaffende” haben sich gleich daran gemacht, die DDR zu romantisieren. In Österreich fand sogar eine Ausstellung statt, bei der man die massenhaften Vergewaltigung durch Rotarmisten während der Besatzungszeit zu “freiwilligen romantischen Beziehungen” umdrehte.

    Grundtenor: “alles war nicht so schlimm”, “die Leute waren viel glücklicher”, “das war kein echter Sozialismus”, etc.

    Diese Lügen waren vor der Jahrtausendwende für die meisten Menschen so offensichtlich, dass man sich die Mühe einer näheren Auseinandersetzung sparte.

    Nach 9/11 haben die Amis keine Situation ausgelassen sich als Buhmann zu inszenieren und unter Obama wurden anti-westliche Ideologen in die höchsten Positionen gehievt.

    Das was innerhalb vom Westen passiert ist, hat Yuri Bezmenov präzise vorhergesagt. Wir haben zugelassen, dass eine ganze Generation ideologisch programmiert wird.

    Der Lüge die Wahrheit gegenüber zu stellen war vielen zu aufwändig und sie scheuten mögliche Konflikte.

    Die Rechnung zahlen wir heute: mit Zinsen und Verzugszinsen

  3. Allahut

    “Dazu kommt das bemerkenswerte Talent vieler Sozialisten, die Theorie von der Praxis zu trennen” – Rendi lässt grüßen.
    Letztendlich verdankt der Westen seinen wirtschaftlichen Aufstieg nach 1945 auch zu einem großen Teil dem Sozialismus im Osten.

  4. Selbstdenker

    Aus ökonomischer Sicht ist der Kapitalismus das beste System.

    Man sollte sich aber bewusst sein, dass sich die Lebensrealität der Menschen nicht ausschließlich in ökonomische Kategorien erfassen lässt.

    Und diese Bereiche deckten bis dato Familien, Vereine, Kirchen, Genossenschaften, etc. ab.

    Unsere “Freunde” greifen den Kapitalismus u.a. an dieser Stelle an: organisch gewachsene soziale Strukturen werden entweder offen bekämpft, umdefiniert oder unterwandert.

    Ökonomische Argumente sind zwar völlig korrekt. Um unseren Way of Life bei uns zu verteidigen, muss man aber auch weitere – bis dato kaum geschützte – Flanken absichern.

    Wir müssen unsere findamentalsten Institutionen absichern ohne selbst zu Gesinnungsetikern zu werden.

    Die Scheidungsindustrie in den USA (zunehmend auch hierzulande) ist ein warnendes Beispiel:

    Gesellschaftlich wird ein organisch gewachsenes soziales System (Familie) durch ein bürokratisches (Familiengericht, Jugendamt … später Suchtberatung, etc.) ersetzt.

    Überdrehte Gesinnungsethik führt dazu, das sofort die nukleare Option (Scheidung) gewählt wird, anstatt aus Fehlern zu lernen oder sich wenigstens zu arrangieren.

    Viele verdienen finanziell (und idelogisch) daran mit, wenn die Fetzen fliegen: Scheidungsanwälte, Beratungseinrichtungen, ideologische Ersatzfamilien mit eigener Agenda, etc.

    Wenn sich zwei strei streiten, freut sich meist ein Dritter und die Schäden trägt die Allgemeinheit.

    Ich werde den Eindruck nicht los, dass im Westen die Menschen gezielt gegeneinander aufgesetzt werden um bis dato gut funktionierende organisch gewachsene soziale Systeme schrittweise durch sozialistische Apparate sowie Kulte, die als Ersatzfamilien fungieren, zu ersetzen.

  5. Johannes

    Das verlockende am Kommunismus für seine Befürworter ist es, die totale Macht über alle anderen zu besitzen.
    Damit sind jetzt nicht nur die obersten Bonzen – Kommissare genannt – gemeint sonder es werden geschickt Hirarchien aufgebaut.
    Das Dienen für eine Bewegung die immer und unumschränkt für “des Menschen Recht” kämpft verleiht eine Aura der Unantastbarkeit

    Wer hier Kritik übt oder einen anderen Weg gehen möchte ist ein Feind und seine Vernichtung, egal in welcher Form, kann als gute Tat, als wichtiger Beitrag, als gefeierter Einsatz für die Bewegung
    betrachtet werden

    Mit dieser Geisteshaltung ist die unglaublich gnadenlose Gewalt der Kommunisten erklärbar.
    Diese Einstellung spiegelt sich in den verschiedenen Verbrecherorganisationen wie sie, meiner Meinung nach, etwa Antifa darstellt, wieder.
    Gewalt, Zerstörung Plünderung wer hat es nicht gesehen am Hamburger G20 Gipfel und die Antwort des Staates war ängstliches Ignorieren.
    Die Antwort der linken Parteien sogar breite Unterstützung.

    Ja es gibt sie noch immer die deutsche Partei der Linken in deren Reihen das Erschießen des einen Prozentes der Bevölkerung offen gefordert werden darf. Der vorsitzende Politiker in dieser internen Besprechung war sich dann wohl bewußt das dies nach außen dringen könnte und versuchte zu entschärfen indem er von Zwangsarbeit sprach die man den “Reichen” zuteilen würde.

    Es gibt diese Partei immer noch, sie wird nicht vom Verfassungsschutz beobachtet und ist gern gesehener Koalitionspartner von Merkel und Co.

    Das sagt mehr über den Zustand Europas aus als man glauben möchte.
    Der Kommunismus ist näher als wir denken, die Taliban dieser Gesinnung haben ihr Werk längst begonnen.

  6. Kluftinger

    “Kapitalismus” oder besser gesagt, freie Marktwirtschaft bedingt auch freie Entscheidungen , einstehen für die eigenen Entscheidungen und die Übernahme von Verantwortung. All dies sind Kriterien die nicht von allen mitgetragen werden. Da fühlt man sich in der “Befehlskette” der Partei wohler.
    Empfehlenswert das Gedicht von Bert Brecht: “Ich habe gehört, ist wollt nichts lernen”
    PS:. vielleicht kann das jetzt jemand ins Netz stellen?

  7. LePenseur

    Cher Selbstdenker,

    Ihre die Probleme ausgezeichnet auf den Punkt bringenden Kommentare würde ich gerne auf dem LePenseur-Blog als Gastkommentar bringen.Sind Sie einverstanden?

    U.A.w.g.

    LePenseur

  8. Selbstdenker

    Im ernsten Absatz vom ersten Beitrag sind natürlich “die furchtbaren ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Folgen” gemeint.

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