Erhard und Mises – ein fiktiver Dialog

Von | 4. Mai 2021

(von JOSEF STARGL)

Erhard, Ludwig (1897-1977): Die Kollektivisten ersehnen keine Gemeinschaft freier Menschen. Sie wollen „mehr Staat“ und sie fördern eine „selbstverschuldete Unmündigkeit“.
Mises, Ludwig von (1881-1973): Sie ertragen es nicht, dass andere Menschen anders denken, anders handeln und anders leben, als sie es für richtig halten.
Erhard: Mehr marktwirtschaftliche Bildung ist eine wesentliche Voraussetzung für das Erkennen der Folgen des Kollektivismus.
Mises: Unsere Wirtschaft ist schon lange nicht mehr liberal und kapitalistisch. Staatliche Bildungssysteme haben stets eine Ausdehnung der Macht des Staates gefördert (und einen Totalitarismus vorbereitet). Es ist nicht die Aufgabe des Staates, das Verhalten der „Bürger“ zu verbessern und einen „Knechtsinn“ zu fördern.
Erhard: Die „falschen Propheten“/die Sozialingenieure verschweigen, dass jede Planwirtschaft und jeder paternalistische Versorgungsstaat, der für das Glück des Einzelnen sorgen will, „unsozial“ sind. Die Marktwirtschaft und der Wettbewerb (als Entmachtungsinstrument und als Entdeckungsverfahren) sind „sozial“.
Mises: Jede Planwirtschaft/Zentralverwaltungswirtschaft muß scheitern. Ohne Marktpreise, die eine Knappheit anzeigen, ist eine Wirtschaftsrechnung nicht möglich. Das führt zur Fehlallokation und zur Verschwendung von Ressourcen. Die Marktwirtschaft dient allen. Das Verfolgen von Sonderinteressen ist antisozial. Der Wettbewerb macht uns die Erreichung unserer Ziele leichter.
Erhard: Eine Wirtschaftsordnung für freie Menschen mit Mut zur Eigenverantwortung, zur Zivilcourage, zu Eigenleistungen, zum Wettbewerb und zu einer freien Preisbildung fördert Produktivität und Wohlstand.
Mises: Freie Menschen streben stets nach einer Verbesserung ihrer Lage. In einer Wirtschaftsordnung mit Privatbesitz und Unternehmertum wird Kapital stets neu gebildet und über Investitionen zur Steigerung der Produktivität eingesetzt. Privateigentum ist im Interesse der Allgemeinheit.
Erhard: Eine „Befehls- und Lenkungswirtschaft, Etatismus, Dirigismus, Interventionismus und Korporatismus führen zu einem Anschwellen der Macht des Staates und zu einer Verringerung der individuellen Freiheit. Es gibt keine Würde des Menschen ohne Freiheit.
Mises: In einer Wettbewerbsordnung gibt es eine Ungleichheit von Einkommen und von Vermögen. Das fördert den Wohlstand für alle. Der Interventionismus führt in den Staatssozialismus und zu einem „Elend für alle“.
Erhard: Die Kollektivisten verachten den Wert und die Würde der Persönlichkeit. Eine liberale Sozialpolitik unterstützt eine selbstverantwortliche Vorsorge und die Umsetzung der Idee der Subsidiarität. Der verderbliche Geist des Kollektivismus fördert eine Flucht vor der Eigenverantwortung.
Mises: Die Antikapitalisten verfolgen im antisozialen Versorgungsstaat ihre Sonderinteressen. Ihre antiliberale Politik ist Kapitalaufzehrungspolitik. Sie empfiehlt die Gegenwart auf Kosten der Zukunft reichlicher zu versorgen. Es gibt keinen „Wohlstand auf Pump“.
Erhard: In einer Unternehmerwirtschaft gibt es einen Wettbewerb um Gewinne. Die Zwangsumverteiler befürworten eine Günstlingswirtschaftsordnung. Sie lehnen eine „spontane Ordnung in Freiheit“ ab.
Mises: Die Antikapitalisten fördern den Haß gegen den Liberalismus. Sie erkennen nicht, dass nicht der Kapitalismus sondern die (Wirtschafts-)Politik versagt. Die Geldpolitik der Zentralbank ist für sie ein Hilfsmittel einer Wirtschaftspolitik, die ihre Folgen zu verschleiern sucht.
Erhard: Eine Marktwirtschaft erfordert im Interesse einer freien Preisbildung eine stabile/solide Währung.
Mises: Der Geldwertschwund ist eine Folge der politisch erwünschten Geldentwertung. Die „Inflationssteuer“ wird immer höher. Die Geldmengenausweitung, die Zinsmanipulation, ein „permanentes deficit-spending“ und eine immer höhere Überschuldung der Staaten dienen dem Weg in eine „kollektivistische Wirtschaftsordnung“. Ich wünsche mir eine Verringerung des marktwirtschaftlichen, des unternehmerischen und des geldpolitischen Analphabetismus.

5 Gedanken zu „Erhard und Mises – ein fiktiver Dialog

  1. Gerhi09

    Es ist wohltuend so etwas Vernünftiges zu lesen. Die beiden würden in der heutigen Zeit wohl als Rechtsradikale diffamiert werden. Natürlich ganz ohne Argumente. Der Zug in die (Klima-)Knechtschaft ist allerdings bereits abgefahren und hat volle Fahrt aufgenommen. Die nächsten Generationen werden wieder unter dem Kommunismus leiden.

  2. Kluftinger

    @Gerhi09
    Einspruch Euer Ehren!
    Die Einstellung “der Zug ist abgefahren” ist genau das worauf die Kollektivisten hinwollen.
    Wer hindert uns, entgegen dem main-stream ,die Werte “Eigenleistung , Zivilcourage und Eigenverantwortung sowie Wettbewerb” immer wieder zu propagieren und diese auch in Diskussionen zu vertreten?
    Allerdings musste man da ein gerüttelt Maß an Verständnis für Wirtschaft und Gesellschaft mitbringen. Eine Forderung, die heutzutage nicht so leicht zu erfüllen ist – zumal auch das Gegenüber derartige Argumente verstehen müsste.

  3. sokrates9

    Kluftinger@ Wenn kollektive Dummheit immer mehr zunimmt und eine logische oder Wissenschaftliche Argumentation nicht mehr akzeptiert wird (…aber die Greta hat gesagt…) (Klima) ziele nicht mehr hinterfragt werden dürfen ist der Weg in den Kommandokommunismus vorgezeichnet!

  4. Nightbird

    @sokrates9

    Bin ganz bei Dir. Der Großteil des öst. Volkes denkt nicht mehr (selbst) sondern befolgt nur mehr die Anordnungen. Es wird nichts mehr hinterfragt, nichts mehr angezweifelt. Alles wird nur mehr nachgeplappert wie ein Papagei.

    Grund ist hauptsächlich die falsche, einseitige Schulbildung, das fehlende Interesse, der Einfluß der gleichgeschalteten Medien und vieles andere. Wissenschaftliche Argumentation/Kommunikation wird dadurch erst gar nicht verstanden.

    Diejenigen, die da nicht hineinpassen, sich interessieren, alles hinterfragen & anzweifeln, sind dermaßen marginal, daß sie (leider) nichts ausrichten.

  5. Kluftinger

    @sokrates9
    Da sieht man wieder einmal wie lange sich die Mentalität aus der K&K Monarchie hält?😇

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.