Erinnerungen an die Zukunft

(G.VETTER) Die vergangene Woche war für mich geprägt vom Besuch diverser Gedenkveranstaltungen. Am Montag gedachte das Parlament im historischen Sitzungssaal der Befreiung des Konzentrationslagers Mauthausen. Karl Schwarzenberg, der vom Moderator mit seinem fürstlichen Titel angesprochen wurde, hielt die Gedenkrede. Unter anderem erinnerte er daran, dass die Lehren der Vergangenheit nicht um ihrer selbst willen gezogen werden müssen, sondern um die Gegenwart zu bewältigen. Am Donnerstag wohnte ich einer Veranstaltung im Bundeskanzleramt bei, wo der Befreiung vom Nationalsozialismus gedacht wurde. Nach dem Kanzler und dem Vizekanzler sprach Arik Brauer, der unter anderem seine Eindrücke vom Ende des Krieges in sehr persönlicher Weise schilderte. Am Freitag war ich schließlich in der russischen Botschaft zu Gast, in der der 9. Mai als Tag des Sieges begangen wurde. Davor hatte ich Gelegenheit, die Fernsehübertragung über die Feiern am Roten Platz – mit Putin – zu sehen, danach jene auf der Krim – ebenfalls mit Putin. Während all dieses Gedenkens bahnt sich in der Ukraine der Krieg seinen Weg. Die Propagandamaschinen laufen auf Hochtouren, Klischees werden bedient, die einen mehr oder weniger offen des Faschismus, die anderen mehr oder weniger offen des Kommunismus geziehen. Beschrieb nicht Stefan Zweig in der „Welt von Gestern“, wie 1914 Menschen sich in kürzester Zeit auf verschiedenen Fronten gegenüber sahen? Nächste Woche werde ich an den Verhandlungen über einzelne Budgetteile, insbesondere über das Verteidigungsbudget, beteiligt sein. Bei aller Wertschätzung für diverse Katastropheneinsätze dürfen wir nicht vergessen, dass die militärische Landesverteidigung die erste Aufgabe des Bundesheeres ist – gerade jetzt, wo in Europa die Kriegsgefahr wächst. Immer wieder ist zu lesen und zu hören, dass zu viele Österreicher den Einmarsch 1938 bejubelt hätten. Wie viele haben sich damals für eine militärische Gegenwehr ausgesprochen? Wie viele hielten eine solche Gegenwehr aus heutiger Sicht für richtig? Und wie viele setzen sich heute für eine entsprechende Verteidigungsfähigkeit ein? Ohne Illusion gilt nach wie vor: Si vis pacem, para bellum.

4 comments

  1. Klaus Woltron

    Ich drücke Ihnen meine aufrichtige Anteilnahme betreffend Ihre Leidensbereitschaft, im Parlament zu weilen, aus. Es muss schrecklich sein. Allein beim Zusehen ergreift mich stets Melancholie. In der Frage Heer habe Sie natürlich Recht.
    Im Übrigen ist ein grosser Teil Österreichs derzeit mit sexuellen Fragen befasst, sodass man den Eindruck erhält, der Unterleib wäre der Mittelpunkt des politischen Interesses. In diesem schwülen Klima gedeiht kein klarer Gedanke.
    Ich empfehle Honig als Nervenstärkung. Mit freundlichen Grüssen Klaus Woltron

  2. Thomas F.

    Und was ist nun die klare Position des Team Nachbaur zur Situation in der Ukraine? Sollte man einem Agressor, der in ein friedliches Land militärisch einmarschiert und Territorium erobert, im Sinne von “Si vi pacem…” dann nicht bereits bei der ersten gewaltsamen Übertretung militärisch entgegentreten?

  3. Ehrenmitglied der ÖBB

    @ Thomas F.
    Die Frage ist weniger, was das Team Stronach (Nachbaur) will, sondern wir sollten eine Antwort darauf finden, was Österreich tut wenn die Krise gewalttätig “überschwappt” und unseren Staat betrifft?
    Oder glauben sie noch immer, die Ungarn, die Slowaken oder die Tschechen werden alles Unheil von uns abwenden?

  4. Christian Peter

    @Georg Vetter

    schon konkrete Pläne für die Zeit nach 2019 ? Werden Sie in Ihren zivilen Beruf zurückkehren oder in einer anderen Partei anheuern, um dem Steuerzahler weiterhin auf der Tasche zu liegen ?

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