Erst Kabul, dann Brüssel?

Von | 11. September 2021

(CHRISTIAN ORTNER/ “WZ”) Im Sommer 2001, kurz vor den 9/11-Ereignissen, publizierte das angesehene US-Magazin “International Security” eine umfangreiche Studie unter dem Titel “Wie die Schwächeren Kriege gewinnen” von Iwan Arreguin-Toft, einem Experten für Sicherheitsfragen an der Universität Oxford. Das bemerkenswerte Ergebnis der akademischen Arbeit: Schwächere und unterlegene Kriegsparteien können mit geeigneter Strategie einen weit überlegenen Gegner durchaus besiegen. Wie richtig das ist, hat nicht nur die Operation “Enduring Freedom” zur Befriedung Afghanistans, die kurz nach 9/11 begann und nun schmählich verendet, bewiesen. Auch alle anderen Militärinterventionen des Westens – mit der nennenswerten Ausnahme des Jugoslawien-Krieges – sind seit Vietnam mehr oder weniger spektakulär gescheitert.

Man muss kein Prophet sein, um zu vermuten, dass nach dem wohl nahezu endgültigen Beweis der Theorie von den Schwachen als Kriegsgewinnern die Neigung des Westens, sich in absehbarer Zeit auf solche Expeditionen einzulassen, eher überschaubar sein wird. Und das wiederum wird Konsequenzen haben, die heute erst schemenhaft sichtbar, aber von kaum zu unterschätzender Tragweite sind, gerade für Europa.

Relativ absehbar ist: Die USA werden sich noch konsequenter aus ihrer Rolle als Weltpolizist zurückziehen; China und dessen Verbündeter Iran werden an Einfluss und Terrain gewinnen; auch Russland, die Türkei und Indien werden machtpolitisch dort vorstoßen, wo die USA und ihre Alliierten sich matt und erschöpft zurückziehen.
Es ist wohl ein weiterer, entscheidender Schritt zum Ende der “Pax Americana”, die seit 1945 die Welt dominiert hat. An ihre Stelle tritt eine Handvoll globaler Player, die sich die Welt in Interessensphären aufteilen. “Es dürfte ein Regime der Einflusszonen entstehen, in dem die USA und China, Russland und Indien sowie die EU, sofern sie handlungsfähiger wird, als Akteure auftreten”, formuliert es der deutsche Historiker Herfried Münkler. Das entscheidende Wort ist hier “sofern” – derzeit sieht es leider eher nicht danach aus. Wenn etwa die deutsche Bundesluftwaffe Tonnen alkoholischer Getränke in einem eigenen Frachter aus Kabul ausfliegt, um die religiösen Gefühle in einem der größten Drogen produzierenden Länder der Welt nicht zu verletzen, und die Briten wiederum 150 Hunde und Katzen auf dem Luftweg evakuieren, sieht das weniger nach “Wille zur Macht” aus denn nach fortgeschrittener Degeneration.
Es ist dies für uns Europäer deswegen ein sehr delikater Augenblick, weil sich in den kommenden Jahren angesichts dieser globalen Aufstellung erweisen wird, ob wir Akteure sein werden oder Gegenstand der Ambitionen der anderen Mächte – ob wir fressen oder gefressen werden. So ist das nämlich in der kalten Wirklichkeit da draußen, auch wenn das bei woken Schneeflocken Ängste triggert, die eines “safe space” bedürfen.
Eine EU, die nicht schnell lernt, Macht zu projizieren, und ein geachteter – dazu gehört auch: gefürchteter, man wird da auch über Kernwaffen sprechen müssen – Akteur zu werden, droht von China, Russland und auch den US-Verbündeten in Einflusszonen filetiert zu werden. Das wird zuerst Wohlstand und später auch Freiheit kosten. Noch haben wir es in der Hand.

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7 Gedanken zu „Erst Kabul, dann Brüssel?

  1. Franz Meier

    Unsere schlimmsten Feinde sitzen nicht in Moskau, Peking, Tehran oder Kabul. Sie sitzen in Brüssel, in Berlin, in Paris in Madrid und in Rom. Dort sitzen diejenigen die uns schaden und uns vernichten wollen, sei es aus böser Absicht oder aus naiver Dummheit – der kleine Unterscheid spielt für uns Bürger keine Rolle.

    In einer EU in der viele Richter die Verbrechen und die Kriminalität von Menschen anderer Hautfarbe und anderer Religionen für weniger schlimm beurteilen als diejenigen der autochthonen, eigenen, christlichen Bevölkerung …in einer EU in der mit den Steuergeldern der Bürger vollkommen zweckentfremdet für jeden noch so beliebigen Zweck sinnlos herum geworfen wird und die Staatschulden in Grenzenlose steigen …in einer EU in der schon in den Kindergärten kleine Kinder einer Gehirnwäsche unterzogen werden…in einer EU die ohne, eigene schlagkräftige Armee und Wehrwillen auskommen will…in einer EU in der die Polizei als böse Truppe dargestellt wird…in einer EU in der “andere” Meinungen nicht mehr erlaubt sind und Meinungsdiktatur herrscht…in einer EU in der die angeblich vierte Gewalt im Staat – die Main Stream Presse und die staatlichen Medien – heute nicht mehr vertrauenswürdig sind weil sie lügen, betrügen, verdrehen und manipulieren …in einer EU die sich zunehmend um pseudomoralische Themen kümmert und uns zum Gespött der restlichen Welt macht…in einer EU die glaubt diese läppisch-dümmlichen Moralvorstellungen mit dem Scheckbuch in die Welt hinaus tragen zu können…in einer EU die dauernd irgendwo Intoleranz und Unterdrückung zu sehen glaubt, obwohl unsere europäischen Gesellschaften noch nie so tolerant und sozial waren…in einer EU die von einer beispiellosen Klimahysterie befangen ist und wirklich glaubt das Klima beeinflussen zu können …in einer EU die moderne, funktionierende Kraftwerke einfach abstellt, die Preise für Energie bewusst und absichtlich hochtreibt und damit eine gefährlich Inflation anheizt…in einer EU die von Minderheiten besessen ist, in der Minderheiten das Tagesgeschehen diktieren…

    in dieser EU sind wir in grosser Gefahr, in aller höchster Gefahr. Dort liegen die Probleme und Gefahren unseres alten Kontinents, das sind die Dinge die man sich jeden Tag vor Augen führen muss, die man sich täglich überlegen muss.. Solange wir diejenigen Leute, die diese böse, gefährliche, zerstörerische Agenda betreiben nicht loswerden, so lange wird sich nichts ändern – und es wird nicht besser. Wie sagte der Wegscheider einst in einer seiner Sendungen: Er suche neue Verschwörungstheorien, sie gehen ihm langsam aus – denn seine alten sind leider schon alle eingetroffen.

  2. Selbstdenker

    Die kurze Antwort:

    Der deutsche Michel stößt bei der kommenden Bundestagswahl Deutschland ins Verderben. Und Deutschland stößt dank dem großen Eigengewicht über die EU dem Rest Europas ins Verderben.

    Einmal mehr: die Konservativen haben geschlafen.

  3. Gerald Steinbach

    Zumindest deutet alles darauf hin, das der linke Weg nicht nur fortgesetzt wird , sondern auch verstärkt wird.
    Der deutsche fühlt sich in den linkesten und zugleich besten Deutschland das es jemals gab, pudelwohl und möchte in seinen Headquarter die Welt retten , dann bitte….

  4. Selbstdenker

    Schon erstaunlich was in Deutschland passiert:

    Anfang August war die SPD noch bei 14 Prozent – ihr Gravitationszentrum der letzten Jahre – und seit circa 1 Monat vor der Bundestagswahl steigt die SPD mit jeder Umfrage bis auf nunmehr 27 Prozent. Also fast das Doppelte binnen eines Monats.

    Der mit der Glatze ist sicherlich ein ähnliches Beliebtheitsgenie wie der alte weiße Mann im Weissen Haus.

    Und dort wo der Kandidat aus eigener Kraft nicht weiterkommt, helfen unabhängige Umfrageinstitute, unabhängige Medien und unabhängige Wahlhelfer mit.

    Und die “Konservativen”? Sie schlafen.

  5. Ossi Laden

    @Selbstdenker

    Merkel schläft schon seit Jahren, zuerst die Pleite mit Krampen-Karrenbauer und jetzt mit Laschet,

  6. Falke

    Wir haben es leider nicht mehr in der Hand. Während China, Indien, Russland, Brasilien, die asiatischen “Tigerstaaten” und sogar noch die USA weiter und immer rascher auf dem Weg der wirtschaftlichen und industriellen Entwicklung gehen, werden in der EU dritte (und noch weitere) Geschlechter erfunden, das Weltklima gerettet, der Sozialismus wieder eingeführt, massenweise muslimische Migranten mit steinzeitlicher Gesellschaftsauffasung eingeladen, gegendert bis zur völligen Verblödung und die Meinungsfreiheit schrittweise abgeschafft. Der “point of no return” ist zweifellos schon überschritten.

  7. Wolfgang Niedereder

    An Selbstdenker-
    kann es nur bestätigen, die Eliten schwelgen in Selbstmitleid und schweigen feige, denn man könnte ja doch für etwas einstehen müssen und kritisiert werden.

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