Es ist Eugenik…

(von MARCUS FRANZ) Das neue Fortpflanzungsmedizingesetz (FMedG) ist nun ein Jahr in Kraft. Mit dem FMedG wurde die Präimplantationsdiagnostik (PID) in bestimmten Fällen erlaubt. Mit der PID betraten wir aber sehr heikles Terrain: Diese Technik macht es nämlich möglich, bereits während oder kurz nach der Befruchtung genetische Defekte, Erbkrankheiten und gesundheitliche Risikosituationen, aber auch das Geschlecht des Embryonen festzustellen. Viele jubeln über diesen medizintechnologischen Fortschritt, der im Falle des Falles ein “humanes”, weil extrem frühes Beenden des neuen menschlichen Lebens möglich macht. Wenn einem ein Embryo aus genannten Gründen (Erbkrankheiten, Risikoprofil etc) nicht genehm ist, wird er noch im Reagenzglas aussortiert.
Klarer formuliert: Es wird aus eugenischer Indikation der Embryo abgetötet und “verworfen” (so lautet der Fachausdruck). De facto ist es nicht nur möglich, wegen eines Gendefekts den Embryo zu vernichten, sondern auch aus einem ganz banalen Grund: Es gefällt den Eltern das Geschlecht nicht. Das ist in Österreich zwar verboten, aber in anderen westlichen Ländern erlaubt. Die Grenze zur beliebigen, von den Eltern oder auch vom Labor gesteuerten Selektion ist international bei der PID längst überschritten. In Ländern, wo die Abtreibung in einer späteren Phase als bei uns gesetzlich gestattet ist und daher die Geschlechtsbestimmung beim Fetus generell möglich ist (z.B. in Schweden), werden übrigens deutlich mehr Mädchen als Buben abgetrieben. Dieses Faktum war seltsamerweise noch nie Thema einer Gender-Diskussion. Das Binnen-I und die gendergerechte Endung des Hauptwortes scheinen uns da wichtiger zu sein als über diese krasse tödliche Diskriminierung zu reden.
Doch zurück zur PID. Die Tatsache, dass wir mit dieser Technik exakt jenen Ideen, die ein Teil des eugenischen Rassen- und Reinheitswahns waren, heute wieder Vorschub leisten, fällt bei der PID-Debatte (so sie überhaupt geführt wird), elegant unter den Tisch. Man verwendet lieber eine euphemistische Argumentationslinie und bezieht sich sofort auf das angeblich “humane” Element dieser Vernichtungsform. Die Standard-Begründung lautet, es sei doch viel menschlicher, einen Zellhaufen zu entsorgen als später einen Fetus abtreiben zu müssen, wenn sich herausstellt, dass er behindert oder nur eingeschränkt lebensfähig ist.
Dieses Argument ist aber grob falsch: Durch die Option, im Labor Früh-Abtreibungen mit der Pipette durchführen zu können, steigt erstens die Anzahl der vernichteten (“verworfenen”) Embryonen an. Zweitens wird die Tatsache, dass Leben auf diese Weise klar und deutlich in eine werte und eine unwerte Variante eingeteilt wird, tunlich verschwiegen.
Gerne wird argumentiert, dass Abtreibungen von behinderten Föten auch bei uns bis Stunden, ja sogar noch Minuten vor der Geburt erlaubt sind. Das rechtfertigt allerdings keinesfalls die “Segnungen” der PID und die daraus gewonnen Indikationen zur frühen Abtötung. Vielmehr ist überhaupt die Legitimation der Vernichtung von als wertlos diagnostiziertem menschlichen Leben a priori kritisch zu hinterfragen.
Was bedeutet diese Sichtweise für jetzt lebende Menschen mit Behinderung oder genetischen Störungen? Wie fühlt man sich, wenn man weiß, dass die eigene Erbkrankheit ein gesetzlich legitimierter Grund für die Embryonal-Entsorgung ist?
Auch das Argument, dass eben die Fetozide (so nennt man Abtreibungen kurz vor der Geburt) durch die PID verhindert würden, rechtfertigt dieselbe nicht: Es bleibt ja trotzdem die eugenische Absicht der Vernichtung unwerten Lebens bestehen. Diese Absicht wird nur verharmlost und vernebelt.
Und schließlich geht es auch darum, dass durch die PID  das menschliche Leben an sich bzw. vor allem der Beginn des Mensch-Seins  einer technokratischen Transformation unterzogen werden. Das natürliche Wesen der Zeugung und auch die natürliche Selektion in utero gehen dadurch verloren, weil der Mensch in diesen archaischen Bereich gezielt und steuernd eingreift und mittels einer speziellen Technik die Kreation von Leben selbst übernimmt.
Man kann das natürlich aus einer rein materialistischen und fortschrittsgläubigen Sicht gutheißen und als positive Entwicklung sehen. Der Wunsch nach gesunden Kindern ist nachvollziehbar und natürlich.  Und die PID verlockt eben mit ihren Versprechungen, dass nur gesunde Kinder zur Welt kommen werden. Wenn man diesen Heilsversprechungen glaubt und sie gutheißt, dann muss einem aber klar sein, dass man damit auch die Eugenik als legitim und ethisch akzeptabel betrachtet.

31 comments

  1. Mona Rieboldt

    Ich finde das Ganze überzogen. Die Frage ist doch, wieviele Paare machen denn sowas? Sie suggerieren, als machten das 90%, wenn es möglich wäre. Und weil sich heutige Behinderte schlecht fühlen, sollen andere dann einfach auch ein behindertes Kind bekommen?

    Sie können das Rad nicht zurück drehen. Sie können es zwar für Österreich verbieten, aber nicht weltweit. Ich könnte auch sagen, was ist der Organhandel anderes? Menschen auszuschlachten, sie künstlich am Leben erhalten, damit man Organe entnehmen kann, auch das war früher nicht möglich.

    Im übrigen hatten Sie das Thema doch schon mal hier gepostet.

  2. Fragolin

    Einspruch, werte Mona! Die Anzahl der Menschen, die aus welchen Gründen auch immer “unwertes” Leben aussortieren und ihm das grundlegende Menschenrecht auf Leben absprechen ist irrelevant; wenn es nur einer tut, ist es einer zuviel. Allein die Entscheidung, einem Menschen an welchem Punkt seines Lebens auch immer, das Recht auf eine Zukunft, wie auch immer diese aussehen mag, zu verwehren, ist nur mit einem Wort zu beschreiben: Mord. Und jeder Ermordete ist einer zu viel. Und jeder Mörder auch.

  3. Markus Sommer

    Man soll also die PID verbieten, weil sie irgendwie in Zusammenhang mit der Nazi-Ideolgie gebracht werden kann? Wie man sieht, tragen nicht nur die Linken, den Adolf, auf ihrer Schulter sitzend, noch immer umher.

  4. Fragolin

    @Markus Sommer
    Nein, nicht weil Adolf, sondern weil menschenverachtend wie Adolf. Diesen feinen Unterschied sollte man aus dem Text herausfiltern können.

  5. Thomas Holzer

    Der Wunsch nach Kindern ist berechtigt; jedoch: in früheren, nicht allzu fernen Zeiten wurde ein Kind (zumindest in den meisten Fällen) als Geschenk angenommen.
    In unseren Zeiten wird das Geschenk zu einem “Recht”, ja geradezu zu einem Anspruch, dem alles unterzuordnen ist, auch die Biologie.
    Der ach so, vor allem von den vereinigten Linken, verachtete Egoismus feiert “fröhliche” Urständ, gerade mit Unterstützung, Förderung dieser vereinigten Linken

  6. Marcus Franz

    @ Mona Rieboldt
    ja klar, das Thema ist auch so wichtig, dass es immer wieder kommen wird. Gerade in diesem Wirtschafts- und Wissenschaftszweig entwicklen sich die Dinge sehr schnell. (Gesamtumsatz der Fertilitäts-Industrie 2014: knapp 3 Mrd Dollar weltweit) – und wir haben bis dato keine eindeutigen Positionen in der EU. Ausser bei den direkten Eingriffen in die Keimbahn, die sind verboten. Alles andere ist “hatschert”. Allein in England warten 2 Mio eingefrorene Embryonen auf ihr Schicksal.
    Und eine Gruppe hochkarätiger englischre Wissenschafter hat Anfang des Jahres The Houses of Parliament aufgerufen, sich mit der Frage “Designerbaby” zu beschäftigen und über das Legistische nachzudenken. Bei uns hingegen belächelt man das Thema (noch) und denunziert die Leute, die sich kritisch damit auseinander setzen als Reaktionäre.

  7. nattl

    Um der allgemeinen Argumentation zu folgen wäre dann ja auch der onanierende Jugendliche quasi ein Massenmörder, da er jedes mal, die er seine Sünde erneut begeht, Millionen von potentiellen ÖVP-Wählern tötet.

    Grausam, welchen Irren man diesen Blog überlassen hat.

  8. Fragolin

    @nattl
    Trinken’s erstmal einen guten Kaffee, dann setzt das logische Denken auch wieder ein. Das menschliche Leben beginnt mit der Vereinigung von Eizelle und Samenzelle. Nicht früher und nicht später. Es geht nicht um potentiell mögliches sondern real existierendes Leben, das zu vernichten niemand das Recht hat.
    Auch keine Frau aus der “mein Bauch gehört mir”-Fraktion, denn erstens ist das junge Leben nicht durch Luftbestäubung entstanden und somit existiert eine elterliche Verantwortung für das Leben des Kindes und zweitens gehört nicht nur der Bauch der Frau ebenjener Frau sondern auch der kleine Körper in ihrem Leib ebendiesem Kind, das keiner fragt und das keine Transparente lauthals schreiend vor sich her tragen kann. Bei der Mutter geht es um Befindlichkeiten, bei dem Kind ums nackte Überleben. Wie kann das Leben eines Menschen wertlos sein gegenüber den Befindlichkeiten eines anderen Menschen? Wer solches als Normal ansieht, sollte wenigstens so ehrlich sein und Worte wie “Menschenrechte” und “Moral” nie wieder in den Mund nehmen.
    Der einzige Grund, über Mord am ungeborenen Kind auch nur nachzudenken, wäre eine real existierende große Gefahr für das Leben der Mutter.
    Über die Verantwortung der Väter können wir an anderer Stelle diskutieren. Dass die Welt da voller A*löcher ist, stellt aber keine Legitimation für Kindesmord dar.

  9. Marcus Franz

    @ fragolin
    Guter Kontra an Nattl !
    Obwohl der schnoddrig-inhaltsleere Comment von Nattl wohl eher einem dysphorischen Gefühl entspringt als einem haltbaren Argumentationsgebäude. Und die Dysphorie kommt daher: Sie weiß eh, dass sie falsch liegt.

  10. Gerhard

    Ein weiterer Dank an Dr. Franz, als Mediziner ein wichtiges Thema aufzugreifen und sich auch seriösen Diskutanten zu stellen (Beiträge von sog. Trollen muss man aber überlesen, soweit sie nicht ohnehin vom Blogbetreiber rechtzeitig entfernt werden).

    Es ist wahrhaftig ein heikles Gebiet mit einer ebenso heiklen Gratwanderung. Ich kenne Eltern und Angehörige von Behinderten (z.B. mit Trisomie 21 – auch Down-Syndrom genannt), welche mit viel Aufopferung diese Leute lebenslang betreuen und auch ebenso viel Liebe “zurückbekommen”.
    Die beschriebene Art zur “Erzeugung von Designerbabys” ist nur ein weiterer Schritt, die Natur (für Gläubige: des Gottes Schöpfung) zu beeinflussen.
    Aus meiner Sicht gehören diese neuen Möglichkeiten strengen gesetzlichen Regeln unterworfen, damit hier kein kommerzielles und persönliches Wunschdenken Platz ergreift.

  11. sozialrat

    Die Motive von Dr. Franz sind voll zu respektieren. Dennoch wünsche ich mir viele gesunde autochtone Kinder. Im Gegenzug sind wir ja jetzt und in der Zukunft mit den Inzuchtfolgen aus der Verheiratung und Vermehrung innerhalb muslimischer Großfamilien gefordert genug.

  12. Selbstdenker

    Die Sache ist wahrhaftig heikel und kaum zu beantworten, wenn man – wie heutzutage leider meist üblich – aus der (sicheren) Distanz über andere moralisch urteilt.

    Soweit mir bekannt ist, betrachtet z.B. die katholische Kirche den Beginn des schützenswerten menschlichen Lebens ab dem Zeitpunkt, ab dem sich eine befruchtete Einzelle einnistet. Bis zu diesem Zeitpunkt stehen umfangreiche Möglichkeiten zur Verfügung, eine ungewollte Schwangerschaft zu verhindern. Das Thema Abtreibung sehe ich daher sehr kritisch, da sie bei allen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten (Verhütung, anonyme Geburt, Adoption, etc.) selbt dann nicht erforderlich wäre, wenn ein Kind tatsächlich ungewollt ist.

    Anders sieht es jedoch aus, wenn eine Schwangerschaft das Resultat einer Vergewaltigung (z.B. Inzest) ist. Auf diese Situation hat die betroffene Frau nicht den geringsten Einfluss und man kann beim besten Willen nicht per Gesetz verordnen, dass so ein Kind auszutragen wäre.

    Was Kinder mit schweren Behinderungen (z.B. Down-Syndrom) anlangt, sollte sich auch jeder die Frage stellen, was er bzw. sie tun würde, wenn man selbst davon betroffen wäre. Mein Respekt und meine Wertschätzung gilt allen Eltern, die sich zutrauen so ein Kind gross zu ziehen, denn häufig werden sie auf kurz oder lang von ihren sozialen Umfeld in Stich gelassen und das behinderte Kind wird zu ihren ausschließlichen Lebensmittelpunkt. Auch hier: das per Gesetz verpflichtende Austragen so eines Kindes kann man nicht zumuten. Eine andere Frage, die sich für mich stellt, ist jedoch die, wie fehlerhaft solche Untersuchungsergebnsise sein können.

    Von Eugenik kann man meiner Meinung nach sprechen, wenn der Staat die Abtreibung oder Ermordung eines – nach welchen “Kriterien” auch immer “unwerten” menschlichen Lebens – vorschreibt. Wie z.B. im Dritten Reich oder im Islamischen Staat:
    http://www.breitbart.com/national-security/2015/12/14/islamic-state-issues-fatwa-children-syndrome-murders-38-disabled-infants/

    Der Vergleich von Eugenik mit der Straffreistellung einer Abtreibung in bestimmten, sehr eng umrissenen Ausnahmefällen und innerhalb einer Frist ist meiner Meinung nach unzulässig.

    Leider kommt die in Österreich mögliche “soziale Indikation” einen derartigen Gummiparagraphen (schönes Wortspiel, oder?) gleich, dass man eine Straffreistellung in Kreisen der SPÖ und der Grünen mit einen generellen “Recht auf Abtreibung” verwechselt.

  13. Lisa

    Das mit den abgetriebenen oder herauszentrifugierten Geschlechtern ist tatsächlich kaum einmal ein Thema bei Gender-Diskussionen. Dass Männer einen Stammhalterund Erben brauchen, sit heute nciht mehr nötig. Trotzdem hält die Beziehung besser, wenn das erste Kind ein Junge ist. Und auch Frauen, die ganz bewusst nur ein Kind und keinen Mann wollen, bevorzugen ebenfalls ein männliches Baby (für Samenspende oder Samenraub brauchte es zwar noch einen “Erzeuger”..) In Indien oder andern Länder, wo Mädchen vor allem Kosten verursachen und Söhne Geld verdienen, kann man das noch rational begründen. Aber im Prinzip ist es eben schon die Abwertung der Mädchen aus tiefster unbewusster Seele – und das, obwohl Frauen eigentlich viel sozialverträglicher wären als Männer. Trisomie 21 u.a. , was man heute früh feststellen kann, wird sozial nciht eben freundlich aufgenommen. p.c. lobt man die Eltern für ihren mutigen Entscheid – gedacht wird aber: das muss doch heute nciht mehr sein. Ganz schönes Dilemma für eine werdende Mutter in einer medizinisch überversorgten Gesellschaft!

  14. Falke

    @Fragolin
    Und wie stehen Sie zu einer Schwangerschaft nach einer Vergewaltigung? Ist ja auch Leben, und das Kind kann nichts dafür. Und Sie wollen der vergewaltigten Frau offenbar zumuten, dieses Kind auszutragen? Oder etwa doch nicht? Also doch Abtreibung = Mord? Oder was?

  15. Selbstdenker

    @Lisa:
    “Das mit den abgetriebenen oder herauszentrifugierten Geschlechtern ist tatsächlich kaum einmal ein Thema bei Gender-Diskussionen.”

    Sehr guter Punkt. Vor allem wenn man bedenkt, dass die weitaus häufigeren Abtreibungen weiblicher Föten in China und Indien sowie die daraus resultierenden gesellschaftlichen Verwerfungen ursprünglich jenes Trägersystem war, mit dem Gender Mainstreaming in die Sphären internationaler (UNO, Peking-Konferenz) und supranationaler Organisation (EU) katapultiert wurde.

    Wie häufig beim Lobbying werden arme Teufel vorgeschoben um in Wahrheit eine Agenda bestens organisierter Gruppierungen (EU, USA: Geschlechter-Beliebigkeit, Quotenregelungen, Affirmative Action, etc.) voranzutreiben.

  16. forumszombie

    Hier haben sich also ein paar Uninformierte zusammengefunden um ein bisschen zu polemisieren.
    Zur Aufklärung:
    Die meisten “aussortieren” Zellhaufen haben nicht mal die ANLAGEN dass daraus ein Kind wird! Monosomie4, Trisomie12, manchmal beides zusammen….
    Es geht hier nicht darum, dass ein Kind eine kleine Behinderung hat. Es geht darum, dass da nichts draus wird. Die “Schwangerschaft” dauert vielleicht einige Wochen, vielleicht Monate, dann kommt es zu einer Spontanabteibung durch den Körper.

    Frauen zu zwingen diese Embryos auszutragen ist grausam. Sie sollen die körperliche Strapazen auf sich nehmen, die Hormone, um Zellgewebe wachsen zu lassen, das sowieso nie ein Mensch werden kann?? Vor alles handelt es sich oft um Frauen, die schon erfolglose Schwangerschaften hinter sich haben!
    Man sollte sich schon ein bisserl informieren, bevor man hier herummoralisiert.
    Ausserdem: Ich hab auch eine Behinderung und ich würde ein Kind mit der selben Behinderung sofort abtreiben.

  17. forumszombie

    @Lisa
    1. Überversorgte Gesellschaft?
    Ich könnte nicht sagen wer nach meinem Tod für das Kind sorgt, sollte es eine schwere Behinderung haben. Der Gesellschaft würde ich in der Hinsicht nicht trauen. Die Kassen sind leer.
    2. Die abtreibung weiblicher Föten hat zumindest den Vorteil, dass sich langfristig ein geringeres Bevölkerungswachstum ergibt. Ich finde das schlimm, aber diese Gesellschaften reduzieren sich so zumindest selber.

  18. Nattl

    Ich nehme zur Kenntnis, das dieser Blog nicht mehr liberal/libertär ist sondern von ultrakonservativen Spinnern gehijacked wurde. Viel Spaß noch in der kleinen Welt der Schachbrettmusterdenkenden.

  19. Selbstdenker

    @Nattl:
    “…von ultrakonservativen Spinnern gehijacked…”

    Werte Nattl, so nicht.

    Im Sinne einer gewissen intellektuellen Redlichkeit könnte es nicht schaden, wenn Sie auf konkrete Argumente eingehen würden. Nachdem Sie hier pauschal alle als “konservative Spinner” bezeichnen, würde mich interessieren, wo Sie genau in z.B. meinen Beiträgen den “konservativen Spinner” erblicken.

  20. Franziska Malatesta

    Alle Eltern wünschen sich gesunde Kinder, ein behindertes, krankes oder gar noch während der Kindheit todgeweihtes Kind wird man gegebenenfalls als Schicksal akzeptieren, aber man wird es nicht anstreben, auch wenn noch so viel “Liebe” von einem T21-Kind “zurückkommt” (so, als ob von gesunden Kindern keine oder weniger Liebe zu erwarten wäre). Schweigen wir auch nicht von T13 und T18 (Photos gefällig?), von Anencephalie, anderen Neuralrohrdefekten, Muskeldystrophie Duchenne, Osteogenesis imperfecta, und allen anderen schweren Syndromen und erblichen Stoffwechselerkrankungen. Kein vernünftiger und halbwegs menschlicher Arzt wird einer Patientin, die eine kostspielige IVF hinter sich hat – z.B., weil ihre schon geborenen Kinder an Muskoviszidose oder an Thalassämie leiden – einen Achtzeller mit denselben Anlagen einsetzen. Denn nur die IVF-Patientinnen kommen überhaupt für eine PID in Frage.

    Wie fühlt ein Behinderter sich (im Falle, daß er seine Kindheit überlebt hat) dass die eigene Erbkrankheit ein gesetzlich legitimierter Grund für die Embryonal-Entsorgung ist? Gegenfrage: Wie fühlt sich ein völlig gesunder Mensch, der weiß, daß bis zur 16.SSW kein Embryo unter einem gesetzlichen Schutz steht, der Achtzeller in der Petrischale aber schon? Wie fühlt sich ein gesunder Mensch, der ebenso vom guten Willen seiner Eltern abhängig und der vielleicht zufällig der einzige Überlebende war nach einer ganzen Kette von Lifestyle-Abbrüchen, und der nie: weder von den Bischöfen, noch von gewöhnlichen Katholiken irgendeine Form der Parteinahme für das gewöhnliche, gesunde, durchschnittliche Leben erfährt, sondern stets nur die die Umkehrung aller Werte erlebt: Gut ist nicht, gesund, vielleicht auch noch schön und intelligent zu sein, gut ist, behindert, arm und geknickt zu sein und im Rollstuhl zu sitzen, und am besten ist, wenn es “im Straßenbild”, wie es immer wieder so dumm und phrasenhaft heißt, besonders viele T21-Menschen auftauchen, die Pandabären der Eugenik-Gegner. Über das eigentliche Problem, die Fristenlösung bis zur 16.SSW, ohne Angabe von Gründen, ohne Indikationen, ohne Beratung, sogar von der Gemeinde Wien in den Gemeindespitälern subventioniert, trauen weder die Kirche noch die ÖVP sich drüber. Da wird geschwiegen, daß es dröhnt. Da wird einer Stadträtin Brauner, die für die Wiener Hauptabtreiber und ihre Kongresse Danksagungs-Parties im Rathaus schmeißt, vom Grafen Schönborn der Gregoriusorden um den fetten Hals gehängt. Man möchte sich das Gesprächsklima mit den Sozen nicht kaputtmachen, man berät bei der „Aktion Leben“ „ergebnisoffen“, außer – wenn es sich um IVF und PID handelt. Das verstehe wer will.

    In meinem Umfeld sind vier Kinder an Mukoviszidose verstorben, mit 4 Wochen, mit 8 Monaten und mit 6 Jahren, das war in den Siebzigerjahren; der jüngste erreichte das 34. Lebensjahr. Beide Elternpaare blieben von diesen Tragödien ihr Leben lang gezeichnet; ihre überlebenden Kinder werden ihr Vererbungsrisiko wohl untersucht haben. Und das ist auch gut so. Mit gemeingefährlichem Unsinn wie “nicht genehm”, “aussortiert” oder “nicht perfekt” hat das nicht das Geringste zu tun. Eugenik ist nicht schlecht, sondern gut, vernünftig und sie erspart viel Leid.

  21. Selbstdenker

    @Franziska Malatesta
    Ich bin weitgehend Ihrer Meinung.

    Die Straffreistellung von Schwangerschaftsabbrüchen in klar abgregrenzten, den Eltern – und eigentlich auch den Kindern – nicht zumutbaren Ausnahmefällen innerhalb der 12-wöchigen Frist, würde ich jedoch nicht mit Eugenik, wie sie z.B. im Dritten Reich praktiziert wurde und im Islamischen Staat wieder praktiziert wird, gleichsetzen.

    Der wirkliche Skandal ist meiner Meinung nach die sogenannte “soziale” Indikation. Wie so oft wird auch hier mit dem Wieselwort “sozial” die Hintertüre sperrangelweit aufgemacht.

  22. gms

    Lisa,

    “In Indien oder andern Länder, wo Mädchen vor allem Kosten verursachen und Söhne Geld verdienen, kann man das noch rational begründen. Aber im Prinzip ist es eben schon die Abwertung der Mädchen aus tiefster unbewusster Seele – und das, obwohl Frauen eigentlich viel sozialverträglicher wären als Männer.”

    Eine bewußt leicht verschobene Geschlechtswahl bei der IVF entspräche der natürlichen, zumal auch biologisch mehr Buben gezeugt werden (Faktor 1,2), etwas mehr tatsächlich geboren werden (1,05x) und als Heranwachsende eher versterben, weshalb auch ohne menschliches Zutun das initial ungerecht anmutende Verhältnis sich später umkehrt und, zumindest in unseren Gefilden, mehr sozialverträgliche XX-Träger drei Lebensjahrzehnte erreichen, als rauhen Dreibeinen dies gelingt.

    Was folgt daraus? — Tschendagerechtistische IVF mit paritätischen 50:50? Chancen- oder Ergebnisgleichheit? Was wäre “fääa!” gegenüber allen später lebenden MenschInnen und gleichfalls zu nicht geborenen?
    Heinisch-Hosek, übernehmen Sie!

  23. gms

    Selbstdenker,

    ” .. würde ich jedoch nicht mit Eugenik, wie sie z.B. im Dritten Reich praktiziert wurde und im Islamischen Staat wieder praktiziert wird, gleichsetzen.”

    Die Konnotation mit staatlichen Zwangsmaßnahmen ist unschön. Zugleich bezeichnet ‘Eugenik’ strenggenommen die Systematik oder auch Lehre der guten Entstehung. Eine werdende Mutter betreibt im Normalfall auch keine Gynäkologie, insofern kratzt ‘Eugenik’ semantisch ein weiteres Mal.
    Eugenisch motivierten Zwang per Gesetz und Richter gab es übrigens auch in den USA, von denen schon Hitler in seinem “Kampf” zu berichten wußte. Nach dem Krieg mutierten viele der damit befaßten Institute euphemistisch zu Stellen rund um Mutterschaft.

    historynewsnetwork.org/article/1796
    nature.com/scitable/forums/genetics-generation/america-s-hidden-history-the-eugenics-movement-123919444

  24. Fragolin

    @Falke
    “Und wie stehen Sie zu einer Schwangerschaft nach einer Vergewaltigung?”
    Einfach mal “Notfallverhütung” googeln, die ersten drei Tage danach kann medikamentös eine Befruchtung verhindert werden. Rezeptfrei. Bei aller widerlichen Gewalt, die einer armen Frau angetan wird und allem Schock, den solche Gewalt sicher verursacht, sollte ein Rest an Vernunft dafür sorgen, sofort nach einer Vergewaltigung alle Maßnahmen zu ergreifen, um nicht auch noch schwanger zu werden.

    @Nattl
    Wer Menschen, die eine andere Überzeugung haben, als “Irre” und “Spinner” bezeichnet, setzt sich unter eine dickwandige Käseglocke aus Selbstgerechtigkeit und ist für eine Diskussion nicht geeignet.

  25. Falke

    @Fragolin
    Aha! Schuld ist natürlich das Opfer – die Vergewaltigte ist also gehalten (verpflichtet!), sofort, so traumatisiert sie auch sei, alle erforderlichen und logischen Maßnahmen zu treffen, damit die Vergewaltigung (an der sie Ihrer Meinung nach wohl zumindest teilschuldig ist) ohne Folgen bleibt. Tut sie das unverantwortlicherweise (aus welchem Grund auch immer) nicht, na, dann folgt die Strafe auf dem Fuß, dann muss sie natürlich das Kind austragen – Abtreibung kommt jedenfalls nicht in Frage. Eine großartige menschliche und empathische Einstellung!

  26. gms

    Falke,

    > Aha! Schuld ist natürlich das Opfer

    Zumindest ich kann dies nirgends aus dem bisher Geschriebenen herausdestillieren.

    Vor welchem Dilemma stehen wir denn hier? — Einerseits stellen wir wohl begründet den einzelnen Menschen und dessen Wohlergehen ins Zentrum unserer Aufmerksamkeit, zugleich wollen wir divergierende Interessen zwischen diesen abwägen, und als wäre das nicht schwierig genug, herrscht kein Konsens darüber, ab wann das Menschsein beginnt. Zum Abrunden wandeln wir dabei hypothetisch in Schuhen, die wir mehrheitlich niemals anhatten.

    Unterm Strich läuft’s mangels Objektivierbarkeit auf eine echte Gewissensentscheidung hinaus, bloß verlagert dieser Zugang das Problem nur eine Stufe höher, wonach der Grundsatztreue derartige Entscheidungen anderer Personen zwar schweren Herzens hinnimmt, zugleich aber daran zweifeln kann, es würde eingedenk möglicher profanerer Motive überhaupt eine solche erfolgen.
    Demgemäß laboriert auch die Debatte hier weniger an mangelndem Wissen, den viel mehr an unterstellten Zuschreibungen dessen, was jemanden hier zu bestimmten Aussagen bewegt.

  27. Fragolin

    @Falke
    Wenn Sie nur das lesen, was Sie lesen wollen, aber nicht das, was geschrieben steht, wird es wohl so sein.
    Dass Sie mir unterstellen, dem Opfer eine Teilschuld an der Vergewaltigung zu geben, ist nebenbei bemerkt eine bodenlose Frechheit.
    Aber Sie können wahrscheinlich nicht anders. Schade, es zeigt mir nur wieder, dass es sich hier um ein Thema handelt, bei dem eine vernunftbasierte Diskussion nicht möglich ist. In einer Gesellschaft, in der der Opferstatus als Rechtfertigung für alles gilt, nimmt mich das aber auch nicht Wunder. Da muss man eben emotional sein, um etwas zu erreichen.

  28. Falke

    @Fragolin, gms
    Wenn man dem Opfer einer Vergewaltigung keinerlei Schuld daran gibt, dann darf man ihr auch nicht Schuld geben, dass sie nicht sofort die Maßnahmen trifft, die Sie – ich nehme an, als Mann – ihr so locker vorschreiben. Ich traue mich – ebenfalls als Mann – keinesfalls einzuschätzen, wie sich das Trauma einer Vergewaltigung auf eine Frau auswirkt. Ob sie sich etwa danach vielleicht wochenlang nicht mehr auf die Straße traut, nicht fähig ist, einen logischen Gedanken zu fassen, sich niemandem anvertraut und möglicherweise erst einen Monat später Anzeige (wenn überhaupt) erstattet usw. Und da soll sie gleich danach in die Apotheke oder ins Spital gehen, um sich ein Mittel gegen eine mögliche Schwangerschaft beschaffen? Absurd! Nun, vielleicht können das ja manche; und die, die dazu nicht fähig sind, sollen also das Kind austragen müssen? Zur “Strafe”, weil sie nicht sofort folgerichtig reagiert haben? Ich bin ja keineswegs ein Befürworter der Abtreibung – aber in gewissen Situationen geht das Wohlergehen der Frau eindeutig vor.

  29. gms

    Falke,

    “Wenn man dem Opfer einer Vergewaltigung keinerlei Schuld daran gibt, dann darf man ihr auch nicht Schuld geben, dass sie nicht sofort die Maßnahmen trifft, die Sie – ich nehme an, als Mann – ihr so locker vorschreiben.”

    Vertrauen Sie mir, ich schreibe hier zumeist gezielt langsam, damit auch wirklich jeder mitlesen kann, insbesondere bei heiklen Themen. Sollte ich dabei immer noch jemanden überfordern und dabei speziell Repliken wie Ihre jüngste hervorrufen, dann juckt mich das weder vorne noch hinten.
    Dieser dabei locker praktizierte Tefloneffekt folgt keiner Gewissensentscheidung, sondern dem inzwischen mehr als berechtigten Zweifel, Sie hätten verstanden, was man Ihnen sorgsam aufbereitet darlegte.

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