Es muss nicht immer Populismus sein

Von | 4. Juni 2013

Das tapfere Vertreten eines als notwendig und sinnvoll erachteten, aber unpopulären Standpunktes ist bei den meisten österreichischen Politikern der Gegenwart ungefähr so häufig zu beobachten wie blauer Himmel in diesem trüben Frühjahr. “Hier zieht mein Volk, ich muss ihm nach, ich bin sein Führer”, hatte schon vor 200 Jahren der französische Spötter Charles-Maurice de Talleyrand-Périgord diese inhaltliche Flexibilität der politischen Eliten verhöhnt.

In ganz besonders hohem Ausmaß gilt dass natürlich in Wahljahren wie 2013. Deshalb ist wirklich beachtlich, dass der sozialdemokratische Justizsprecher Hannes Jarolim diese Woche die weitestgehende Liberalisierung des Konsums und auch des Verkaufs derzeit illegaler Drogen gefordert hat. Das ist nicht nur inhaltlich völlig vernünftig, sondern auch politisch außerordentlich mutig.

Denn in Österreich gilt: Mit einer derartigen Forderung gewinnt man Wahlen nicht, sondern verliert sie. Hätte Jarolim gefordert, alle Pensionen zu halbieren, hätte er sich ungefähr ebenso beliebt gemacht. Deshalb – und nur deshalb – zuckt ja sogar die Grünen-Chefin Eva Glawischnig panisch davor zurück, auch nur die Freigabe des ziemlich harmlosen Joints zu fordern. Mit der Unterstellung, ein Politiker befürworte “Hasch-Trafiken”, kann man jemanden politisch noch immer effizienter hinrichten als mit dem Nachweis tatsächlicher gröblicher Verfehlungen. Es ist halt ein in dieser Hinsicht mehr als konservatives Land, und zwar weit in Parteien hinein, die sich selbst nicht eben als konservativ verstehen. Das zeigte ja nicht zuletzt die eher verhaltene Reaktion der Sozialdemokraten auf den Vorstoß ihres Justizsprechers.

Dabei hat der fast alle Argumente auf seiner Seite. Denn eine völlige Freigabe aller Drogen würde, wie das der liberale Ökonom Milton Friedman (“Drogen sind Privatsache”) bereits vor 40 Jahren vorrechnete, vor allem die milliardenschwere Drogenmafia zerstören, deren Profite ja hauptsächlich aus der Illegalität von Drogen und der daraus resultierenden Risikoprämie entstehen. Dazu kommt, dass legale Drogen gerade für junge Menschen einen Teil ihres Reizes verlieren würden, der gerade durch das Verbot und den konspirativen Konsum generiert wird. Würden Drogen hingegen etwa in Apotheken legal abgegeben, signalisierte das den Jugendlichen weniger Coolness denn Krankheit – was Sucht ja auch ist.

Schließlich sprechen auch ganz pragmatische Argumente für Herrn Jarolims Vorschlag: Drogenkonsum mit dem Strafrecht zu bekämpfen funktioniert schlicht und einfach nicht, wie die Erfahrungen der vergangenen Jahre eindrucksvoll bewiesen haben. Selbst der “Krieg gegen Drogen”, den die USA mit einem Aufwand von hunderten Milliarden Dollar geführt haben, ist vollkommen gescheitert. Und warum es schließlich erlaubt sein soll, sich zwar mittels der hier ortsüblichen bewusstseinsverändernden Substanzen Schnaps oder Wein zu beschädigen, nicht aber mittels Hasch oder Cannabis, ist logisch nicht wirklich erklärbar zu machen.

Groß ist die Chance, dass sich diese Argumente auch durchsetzen werden, freilich trotz Jarolims Vorstoß nicht gerade. (WZ)

 

40 Gedanken zu „Es muss nicht immer Populismus sein

  1. Tom Jericho

    Drogen über Apotheken müßte dann aber alle legalen Drogen beinhalten, also auch Tabak und Alkohol.

  2. Christian Peter

    Absoluter Schwachsinn. Erfahrungen in anderen Ländern haben gezeigt, dass
    mit der Freigabe von (weichen) Drogen kein Blumentopf zu gewinnen ist – der
    Konsum und die Probleme mit Drogen ufern dadurch aus.

    Durch Missbrauch von Drogen entstehen der Allgemeinheit Milliardenschäden
    – der Gesetzgeber ist daher verpflichtet, mit aller Härte dagegen vorzugehen.

    Meiner Meinung nach gehören unsinnige Konzepte wie “Therapie statt Strafe”
    abgeschafft, denn für Drogenkonsumenten gutes Steuergeld zu verschwenden,
    ist verantwortungslos.

  3. Samtpfote

    Den Liberalismus kann man auch überstrapazieren, Herr Ortner.
    Dazu passt – bei einigem nachdenken – auch die Forderung nach Abschaffung der lebenslangen Haftstrafe.
    Ich würde mir diese Themen nicht auf meine Erhard’sche Liberalismus-Fahne heften…

  4. nometa

    @Christian Peter
    Als ob die Leute weniger Drogen konsumieren würden, jetzt, da sie verboten sind. Sie wollen (oft kranke) Menschen, die niemandem schaden außer vielleicht sich selbst, ins Gefängnis stecken. Gratuliere, Sie lernresistentes Ar***loch.

    Manche sogenannte Liberale verstehe ich echt nicht. Wirtschaftliche Freiheit ja, aber jede andere: Im besten Fall unwichtig, im häufigsten Fall: Nie im Leben! Wir sind doch keine linken Chaoten! Ja, genau. Ihr seid konservative Idi0ten, die mit Liberalismus so viel am Hut haben wie der Durchschnittsösterreicher – nichts.

  5. nometa

    @nometa
    Inkonsequent sind Sie auch noch. Sonst hätten Sie schon längst Alkohol- und Zigarettenverbote gefordert. Aber was will man erwarten von geistigen Überfliegern wie Ihnen…

  6. Plan B

    These 1:
    Verbote verhindern nicht, sie fördern den Missbrauch von Drogen
    Wäre zum Beispiel Koks legal, würde es der Markt regeln. Die Nachfrage bestimmt das Angebot (und somit ein entkriminalisiertes).

    These 2:
    Was nicht verboten ist, verliert den Reiz einer Grenzüberschreitung.
    Es ist einfach nur dumm, sich täglich die Kante zu geben. Genauso, wie legales Koksen. (Stichwort. Sozialer Druck)

    Außerdem (und wie man so schön sagt, Schwund gibt es immer):

    Urwald wie Wüste, rund um den Erdball hatten Menschen ihre Stoffe, die narkotisieren, euphorisieren, aktivieren oder schön schlummern ließen (Mittel/Südamerika die Coca-Pflanze, Sibirien den Fliegenpilz, Jeremiten den Quatstrauch, China das Cannabis – vor über 6000 Jahren. Seit Menschen Medien für den Rausch entdeckt haben, setzen sie diese auch ein.

    Alles Gegenläufige endet in Erziehungsdiktaturen.

  7. Suwarin

    @nometa
    Das unterschreibe ich. Dieselbe Beobachtung mache ich auch immer wieder.

    @Christian Peter
    Was könnte man alles unter dem Hinweis ,,Schadet der Gesellschaft” verbieten?
    Mit genügend Fantasie fast alles…

  8. Christian Peter

    @Suwarin

    Was könnte man alles unter dem Hinweis “Nur keine Verbote” freigeben ?
    Mit genügend Fantasie eigentlich alles..

  9. menschmaschine

    die diskussion hier, die bereits in derben beschimpfungen gipfelt, ist wirr. man redet aneinander vorbei.
    es gibt drogen und drogen: cannabis ist nicht dasselbe wie heroin, kokain oder synthetische drogen wie methamphetamin. ersteres ist, soweit mir bekannt, mittlerweile als vergleichsweise harmlos einzustufen, die anderen eher nicht. von der weitverbreiteten medikamentensucht bzw. medikamentemissbrauch noch gar nicht zu reden.
    was in jarolims vorschlag genau steht, weiß ich nicht. will er nur cannabis legalisieren oder wirklich alle drogen?
    die gleichsetzung von drogen mit alkohol und nikotin ist übrigens eine von cannabis-konsumenten gern praktizierte strategie, aber sie ist schwachsinnig. nikotin wirkt nicht bewußtseinsverändernd, alkohol hat in maßvollen dosen anerkannt positive auswirkungen und dient nicht allein zur berauschung, sondern ist genußmittel und oftmals kulturgut.

  10. Mourawetz

    “Der meiste Schaden, den Drogen anrichten, hat damit zu tun, dass sie illegal sind.”

    Milton Friedman

    Drogen gewinnen erst durch den Reiz des Ilegalen genügend Kraft, zersetzend zu wirken.

  11. Christian Peter

    Was kommt nach der Drogenliberalisierung ? Freie Liebe mit Kindern ?

  12. Georg

    Herr Ortner will hier nicht, dass die Leute Drogen konsumieren. Würden Sie beginnen, Drogen zu nehmen, wenn sie legal wären? Ich sicherlich nicht. Es geht darum, dass seiner Ansicht nach (und ich schließe mich ihm an) die Kriminalisierung von Marihuana mehr Schaden bringt als nützt.

    Die Zahlen geben ihm, wie es scheint, recht. Zwischen 1996 und 2011 lag die Zahl der Drogentoten in den Niederlanden immer zwischen 94 und 144. In Österreich sterben mehr Leute – 2009 waren es mindestens 187 Drogentote, lt. Bundesministerium für Gesundheit. lt. EMCDDA (European Monitoring Centre for Drugs and Drug Addiction) waren es 2011 in Österreich 201 Tote, in Holland waren es 103. Österreich hat lt. Wikipedia 8.488.511 Einwohner, Holland hat 16.680.000

    Niemand hier will, dass die Leute Drogen konsumieren. Es geht um die beste Strategie, den Drogenkonsum und seine schädliche Wirkung einzudämmen.

  13. Vin

    Wenn alles was legal wäre keinen Reiz hätte, würde es wohl kaum so viele rauchende Kinder (nach wie vor) und auch bald keine Raucher mehr geben. Abgesehen davon ist es ein weit verbreiteter Irrglaube, Cannabis sei eine harnlose Droge. Die negativen Langzeitfolgen sind mehrfach wissenschaftlich belegt. Abgesehen davon ist Cannabis oft das Sprungbrett in härtere Substanzen. Auch das ist erwiesen. Eine Legalisierung verändert die Sachen jedenfalls NICHT zum Guten.

  14. Georg

    Ich stimme hier Herrn Ortner zu. Es ist doch klar, dass keiner hier will, dass die Leute Drogen konsumieren, weder Herr Jarolim noch Herr Ortner (und ich selbstverständlich auch nicht). Würden Sie etwa allen Ernstes Drogen konsumieren, wenn sie legal wären? Es geht darum, den Drogenkonsum möglichst wirksam einzudämmen und die Folgeschäden zu begrenzen.

    Die Zahlen scheinen für Herrn Ortner zu sprechen. In den Niederlanden gab es laut European Monitoring Centre for Drugs and Drug Addiction (EMCDDA) im Jahr 2011 103 Drogentote (bei mehr als 16 Mio. Einwohnern) – im selben Jahr waren es in Österreich 201 Drogentote.

    In Portugal ist seit Juli 2000 Besitz und Konsum aller Drogen entkriminalisiert. (nach wie vor verboten, aber lt. “Spiegel” ist es vom “Kriminalitätsstatus” her mit Falschparken vergleichbar). lt. “Time” hat Portugal die liberalsten Drogengesetze in Europa. Wer mit Drogen erwischt wird, kommt nicht ins Gefängnis, sondern vor eine Kommission. Deren Ziel ist primär, den Drogenbesitzer zu therapieren. Portugal hat mehr als 10 Millionen Einwohner. Zahl der Drogentoten (lt. EMCDDA) im Jahr 2011: 10. In Worten: Zehn.

    http://www.emcdda.europa.eu

  15. Georg

    Korrektur zu meinem vorigen Kommentar: eine zweite Quelle, das “Special Registry of the National Institute of Forensic Medicine” spricht von 19 (neunzehn) Toten im Zusammenhang mit Drogenkonsum in Portugal im Jahr 2011.

  16. menschmaschine

    Mourawetz :

    Drogen gewinnen erst durch den Reiz des Ilegalen genügend Kraft, zersetzend zu wirken.

    das denke ich nicht. drogen haben schon auf manche einen gewissen reiz an sich, auch wenn sie legal wären.

  17. Christian Peter

    @Georg

    Das stimmt doch nicht. Zahlreiche Städte, wie etwa Zürich, haben mit der
    Legalisierung von Drogen fürchterliche Erfahrungen gemacht. Selbstver –
    ständlich werden Drogen durch Legalisierung gesellschaftsfähig und der
    Konsum weitet sich aus.

    Es geht im Zusammenhang mit Drogenverboten nicht um eine erzieher-
    ische Maßnahme des Staates (das lehne ich als Liberaler strikt ab), son –
    dern darum, die Steuerzahler schadlos zu halten, denn der Konsum von
    Drogen verursacht der Allgemeinheit einen immensen finanziellen
    Schaden – der Konsum von Drogen ist somit (leider) mitnichten eine
    Privatangelegenheit.

  18. Regninnam

    @Christian Peter
    “verursacht der Allgemeinheit einen immensen finanziellen
    Schaden”
    Das gilt allerdings für viele scheinbar harmlose Angewohnheiten, wie Fressen, Saufen, Rauchen, Sport, ungeschützten Verkehr uvm etc etc.

  19. Rennziege

    @Christian Peter

    “… denn der Konsum von
    Drogen verursacht der Allgemeinheit einen immensen finanziellen
    Schaden – der Konsum von Drogen ist somit (leider) mitnichten eine
    Privatangelegenheit.”

    O.K. Aber den größten und verheerendsten finanziellen Schaden verursachen immer noch unsere Politkasperln und deren schuldenträchtige Wahlversprechen — somit auch die Wähler, die sich dadurch bestechen lassen, ohne die schmerzlichen Folgen für sich und ihre Nachkommen zu bedenken.

  20. Rennziege

    @Christian Peter

    Danke, Herr Oberlehrer. Die von Ihnen und der “Kleinen Zeitung” zitierten “Experten” berufen sich aber in ihrer Schätzung (2008!) von 30 Mrd. Euro p.a. nur auf ein hypothetisches “Dunkelfeld”, das durch keinerlei belastbare Daten gestützt wird. Und sie rechnen sogar ein, was es kostet, wenn sich ein Polizist die Schuhe zubindet.
    Das sind ebenso windige “Experten” wie die die Öko-Spinner des IPCC: Man erzeuge Hysterie, um Medien und Steuerzahler zur eigenen Durchfütterung zu benutzen.

  21. Regninnam

    @Christian Peter
    Der “Uni-Kriminalpsychologe Professor Walter Hauptmann”, aha, da hätte ich aber lieber welche Studien von Volkswirtschaftern, ahso die gibt es: “Außerdem wurden bisherige Kostenstudien von Nationalökonomen und Gesundheitsökonomen verfasst, wir orientieren uns aber viel stärker an kriminologischen Daten” — die haben wohl zu niedrig gegriffen, oder wie?
    Der Spezialist Hauptmann sagt also: “Ein knappes Drittel [der Summe] sind Drogenkosten, das Geld wird ja der Wirtschaft entzogen.” Aha, sehr logisch. Wo kommt denn das geld hin? ‘Tschuldigung, als sehr seriös kann man derlei Geschwätz nicht einstufen.

  22. Thomas Holzer

    @Christian Peter
    ja, ja, die Volksgesundheit!
    Das habe doch schon irgenwann, irgendwo schon mal gehört!
    Sie haben recht, damit durch die Freigabe “weicher” Drogen nicht kurz darauf die Freigabe von Sex mit Minderjährigen/Kindern, wie von Ihnen erwartet wird, stattfindet bin ich ganz Ihrer werten Meinung und fordere hiemit öffentlich:
    Verbot aller Drogen, von Cannabis über Hasch, Alkohol, Zigaretten, Zigarren, Schnupftabak etc., außerdem, präventiv, auch das Verbot des Verzehrs von Süßspeisen, Schweinsbraten, Wiener Schnitzel und dergleichen, außerdem den durch Staatsorgane für jeden Volksgenossen durchgeführten täglichen Einkauf von gesunden Lebensmitteln, die Überwachung der gesunden Zubereitung und des gesunden Verzehrs; letzteres am Besten per life-video-stream, auf einer staatlich organisierten Website natürlich, um der geforderten Transparenz zu genügen.
    Sollte Sie noch Erweiterungsvorschläge zur Verbesserung der Volksgesundheit haben, wäre ich Ihnen für die Veröffentlichung derselben dankbar.
    Wenn das dann Alles durch-! und umgesetzt wurde, werden wir alle unendlich lange Leben, und niemand wird mehr sterben, und das BIP wird in unbekannte Höhen steigen

  23. ww

    @Tom Jericho

    Um Gottes willen, denken Sie doch an die Preissteigerungen. Stichwort “Apothekerpreise”

  24. Georg

    @ChristianPeter:

    Dass die Legalisierung zu einer höheren Drogenkonsumrate führt, wird zwar immer wieder behauptet. Ich hätte aber gerne eine nachvollziehbare Quelle dafür.

    Auch der Bericht der Vereinten Nationen bestätigt meine Ansicht im Wesentlichen.
    http://www.unodc.org/documents/data-and-analysis/statistics/WDR2012/Drug-related_Mortality_2012.xls
    Hier geht es um Drogentote unter 15-64jährigen, im Jahr 2007.
    In Österreich waren es 2007 195 Drogentote von 5,6 Millionen 15-64jährigen. (34,6 pro Million)
    In Holland waren es (allerdings 2009) 139 von 11,1 Millionen 15-65jährigen (12,5 pro Million)
    In Portugal waren es 27 Drogentote von 7,1 Millionen 15-64jährigen (3,8 pro Million).
    Damit hat Portugal in dieser Tabelle die drittniedrigste Drogensterblichkeitsrate (hinter Monaco und Liechtenstein).
    Österreich hatte die zwölfthöchste bzw. neunzehntniedrigste.
    Holland hatte die zwanzigsthöchste bzw. elftniedrigste.

    Was Zürich betrifft, handelt es sich tatsächlich um ein abschreckendes Beispiel – aber nicht als Abschreckung im Bezug auf Legalisierung, denn in Zürich waren die Drogen in der (wahrscheinlich) von Ihnen gemeinten Zeit eben NICHT legal.

    Zitat:
    “Seit der 68er Revolte wurden Drogenkonsumenten als Gesellschaftsfeinde geächtet und polizeilich auch hierzulande intensiv verfolgt. Im Verlauf der achtziger Jahre gelang es der Polizei immer weniger, die stark gewachsene Szene dauernd aus allen Winkeln der Stadt zu vertreiben und zu zerstreuen. Auf dem Platzspitz blieb die Drogenszene immer öfter polizeilich unbehelligt. Ein quasi rechtsfreier Raum entstand.”

    http://www.nzz.ch/aktuell/zuerich/stadt_region/als-das-heroin-zuerich-im-griff-hatte-1.14765790

    Zum Kostenargument:
    Das Kostenargument ist hinfällig, denn wenn die Legalisierung zu einer geringeren Konsumrate führt (bei gleichzeitig angebotener Therapie etc.), dann sinken die Kosten. Zusätzlich fallen die Kosten für den Drogenkrieg weg. Therapiekosten gibt es auch bei Kriminalisierung der Drogen.

    Ich muss aber betonen, dass das für mich nicht das entscheidende Argument ist, da ich mich weigere, in einer Debatte, in der es um Menschenleben geht, Menschen auf ihre Kosten zu reduzieren.

  25. Christian Peter

    Dass Drogenkonsum enormen wirtschaftlichen Schaden für die Allgemeinheit
    bedeutet, braucht man nicht zu diskutieren. Alles andere als die volle Härte
    des Gesetzes bei Drogendelikten ist ein Schlag in das Gesicht aller Steuer –
    zahler.

    Das teure und völlig verfehlte Konzept “Therapiegespräche statt Haftstrafe”
    sollte daher endlich beseitigt werden. Böse Zungen behaupten, Drogen –
    gesindel würde sich keinerlei Sonderbehandlung durch den Gesetzgeber
    verdienen.

  26. Georg

    Herr Peter, ich muss Sie bitten, auf mein Argument einzugehen. Dass nämlich die nachvollziehbaren Daten für Länder mit liberaler Drogenpolitik nahelegen, dass die Liberalisierung zu einem GERINGEREN Drogenkonsum führt. Oder Sie könnten ansonsten nachvollziehbare Daten liefern, die das Gegenteil belegen.

  27. Christian Peter

    Jarolims Vorschlag zur Drogenliberalisierung ist natürlich Populismus
    pur, eine Kampfansage an die Grünen im Superwahljahr 2013.

  28. Georg

    Sie gehen also auf mein Argument nicht ein. Das ist schade.

    Wie Herr Ortner es geschrieben hat. Man kann jemanden mit dem Schlagwort der “Haschtrafiken” politisch kaltstellen, Debatte erübrigt sich, Argumente unnötig. Sie ignorieren die sachlichen Argumente genauso wie jeder populistische Politiker, der jetzt über Jarolim herfällt.

    Damit ist Herr Jarolim genau das Gegenteil eines Populisten. Er muss sich jetzt von der FPÖ anhören, er entdecke Junkies als Wählerreserve. Und genau dieser schwachsinnige Vorwurf, den Harald Vilimsky geäußert hat, ist “Populismus pur”.
    http://www.fpoe.at/aktuell/detail/news/vilimsky-spoe-entdeckt-abnorm/

  29. KClemens

    Rennziege :
    @Christian Peter
    “… denn der Konsum von
    Drogen verursacht der Allgemeinheit einen immensen finanziellen
    Schaden – der Konsum von Drogen ist somit (leider) mitnichten eine
    Privatangelegenheit.”
    O.K. Aber den größten und verheerendsten finanziellen Schaden verursachen immer noch unsere Politkasperln und deren schuldenträchtige Wahlversprechen — somit auch die Wähler, die sich dadurch bestechen lassen, ohne die schmerzlichen Folgen für sich und ihre Nachkommen zu bedenken.

    Werte Rennziege,

    volle Zustimmung. Es wird mit Zahlen um sich geschmissen, die nirgendwo nachprüfbar sind. Oder, wenn man mal genauer hinschaut, wie bei den 3301 Passivrauchtoten in Deutschland man die größte Zahl (an die 80%, glaube) der bedauerlichen Opfer jenseits der Alterdgrenze von 80 Jahren findet.

    Wie man u.a. mit liberalem Gelaber Wahlen gewinnt, und dann den Liberalismus hinterrücks massakriert, kann man hier nachlesen:

    http://www.ruhrbarone.de/party-off-koelner-ob-roters-will-nrw-mit-alkoholverbot-trockenlegen/#comments

    http://www.ruhrbarone.de/baden-wuerttemberg-gesoffen-wird-immer-kretschmanns-klassenkampf-von-oben/

    Und immer ganz vorne mit dabei die Grünen und die Roten….

  30. Christian Peter

    Georg :

    Damit ist Herr Jarolim genau das Gegenteil eines Populisten. Er muss sich jetzt von der FPÖ anhören, er entdecke Junkies als Wählerreserve.

    Das wird potentielle Rot – und Grünwähler abschrecken, Sie Kasperl.

  31. Georg

    Potenzielle Grünwähler wohl nicht, aber wieso sollten die rot wählen? Nur weil einer in der SPÖ eine liberale Drogenpolitik vorschlägt, die die Grünen schon lange vorschlagen? Und unter den SPÖ-Wählern gibt es sicherlich genug, die bei diesem Thema genauso denken wie die FPÖ.

    Mit sowas kann Jarolim im Bezug auf Wahlen nur verlieren, deswegen ja die abschwächende Reaktion von Darabos.

    Schade, denn Jarolim hat Recht mit seiner Drogenpolitik. Aber ein paar Wählerstimmen zählen halt für die SPÖ mehr, daher sagt Darabos, es sei nicht Parteilinie.

  32. Georg

    @KClemens: Es ist schon sehr merkwürdig, dass Sie hier beklagen, es werde “mit Zahlen um sich geschmissen, die nirgendwo nachprüfbar sind”, und dann gleichzeitig von Zahlen reden, die Sie “glauben”. Woher genau haben Sie Ihre Zahlen? Oder haben Sie die nächstbesten von irgendeiner Seite genommen?

  33. Georg

    DIe Schwäbische Zeitung berichtet in ihrer Online-Ausgabe, dass lt. Dr. Romano Grieshaber vom BGN (Bundesgenossenschaft für Gastronomie und Nahrungsmittel) zwei Drittel der Passivrauchtoten älter als 85 Jahre alt gewesen seien.
    http://www.schwaebische.de/home_artikel,-Ideologie-verdraengt-ueberpruefbare-Fakten-_arid,2686221.html

    Lt. der Tageszeitung “Heilbronner Stimme” sagt Isabel Dienstbühl vom BGN, also von derselben Organisation, dass “zwei Drittel älter als 75” Jahre alt geworden seien, “zum großen Teil auch über 85 Jahre”.
    http://www.stimme.de/heilbronn/rauchverbot/Berufsgenossenschaft-Zahlen-im-Raucher-Streit-sind-falsch;art18312,1315544

    Es gibt einen riesigen Unterschied zwischen “zwei Drittel älter als 85” und “zwei Drittel älter als 75, zum großen Teil auch über 85”.

    Lt. dieser Studie sind 1094 der Passivrauchtoten über 85 Jahre alt geworden, 1014 fallen in die Alterskategorie 75-84. Gesamt sind es 3301. D.h. in etwa ein Drittel über 85, in etwa ein Drittel zwischen 75 und 85.
    https://www.dkfz.de/de/tabakkontrolle/download/Publikationen/RoteReihe/Passivrauchen_Band_5_2Auflage.pdf

  34. KClemens

    Da sind Sie ja schneller fündig geworden, als ich antworten konnte.

    Was auf der anderen Seite doch recht stichhaltig mein Post untermauert. Gerade die 3301 Passivrauchtoten pro Jahr sind recht eindeutig als Geschwurbel zu identifizieren.

    Denn ursprünglich stammte diese Zahl 3301 Passivrauchtote aus einer Studie mit der in den USA die Gefährlichkeit des Passivrauchs dokumentiert werden sollte.

    Irgendjemand hat dann den Fehler gemacht, und diese Zahl nicht mehr für Deutschland heruntergebrochen. Alle anderen Zahlen für Europa (außer GB, soweit ich weiß), basieren auf den 3301 Passivrauchtoten für Deutschland.

    Interessanterweise gibt es keine neueren Informationen, ob die Zahl der Passivrauchtoten nach Einführung der Rauchverbote gesunken ist. Denn immerhin gab es ja in allen Ländern in denen ein Rauchverbot erlassen wurde, innerhalb von 3 Monaten jeweils ein “Herzinfarktwunder”, mit angeblich rapide gesunkenen Zahlen von Herzinfarkten.

    Schaut man sich dann diese Herzinfarktwunder genauer an, stellt man fest, daß in der Regel Datenmaterial von Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre mit Datenmaterial aus den Jahren 2003 bis 2007 verwendet wurde.

    Also gab es auch schon Herzinfarktwunder, bevor die ersten Rauchverbote überhaupt Gesetz wurden.

  35. de Voltaire

    Christian Peter :@Georg
    Es geht im Zusammenhang mit Drogenverboten nicht um eine erzieher-ische Maßnahme des Staates (das lehne ich als Liberaler strikt ab), son -dern darum, die Steuerzahler schadlos zu halten, denn der Konsum vonDrogen verursacht der Allgemeinheit einen immensen finanziellenSchaden – der Konsum von Drogen ist somit (leider) mitnichten einePrivatangelegenheit.

    Und schon wird aus einer “guten” Maßnahme wie der allgemeinen Sozialversicherung eine “bessere” – nämlich die Basis für ein Argument zur Bevormundung von Anderen. Gesellschaftliche Schäden durch Alkohol? Durch zu fettes Essen? Spiel- und Sexsucht? Dieses Argument öffnet zwangsläufig gefährliche Türen! Solidarische Versicherungspflicht kann einschränkend mittels Selbstbehalten etc. funktionieren, als Basis zur Fremdbestimmung von anderen zwangsweise Versicherten ist sie allerdings ein totalitaristisches Werkzeug.

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