Es war einmal ein harter Euro….

Von | 19. April 2015

(C.O.)   “Als die Schweizerische Nationalbank im Jänner den fixen Wechselkurs des Franken zum Euro aufhob und dieser in der Folge über Nacht um sagenhafte 20 Prozent nach oben schoss, prophezeiten zahllose Ökonomen der Schweiz ein Desaster. Die superharte Währung würde die traditionell wichtige Exportindustrie des Landes abwürgen, weil sie nicht mehr konkurrenzfähig sei, Massenarbeitslosigkeit und sinkende Kaufkraft seien zwingende Folge des “Frankenschocks”.

Starke Währung, geschwächte Wirtschaft: Dieser eigenartigen ökonomischen Logik folgt seit geraumer Zeit die Europäische Zentralbank (EZB). Indem sie den Kurs des Euro abstürzen ließ – gegenüber dem Dollar binnen eines Jahres um 25 Prozent, ein Crash, wie er sonst eher den Währungen brustschwacher Dritte-Welt-Staaten zustößt -, will die EZB nicht zuletzt die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft der Eurozone erhöhen und so dringend benötigtes Wachstum generieren.

Ob ihr das gelingen kann, ist freilich umstritten. Zwar zeigt Europas Wirtschaft derzeit erste, wenn auch noch recht zögerliche Lebenszeichen, doch die dürften eher dem niedrigen Ölpreis (vom Effekt her eine spürbare Steuersenkung und damit eine Stärkung der Massenkaufkraft) geschuldet sein als der EZB-Geldpolitik. Dass der weichere Euro wirklich Wohlstand schaffen kann, ist noch nicht bewiesen.

Dass umgekehrt eine harte Währung durchaus nicht die ihr zugeschriebenen unerquicklichen Nebenwirkungen haben muss, belegt das Schweizer Beispiel. Denn dort ist der noch im Jänner vorhergesagte Weltuntergang weitgehend ausgeblieben. Die Arbeitslosenquote betrug im März 3,5 Prozent, also praktisch Vollbeschäftigung, und die kleine Konjunkturdelle des heurigen Jahres – knapp 1 Prozent Wirtschaftswachstum, ähnlich wie hierzulande ganz ohne “Frankenschock” – dürfte laut den jüngsten Prognosen schon 2016 wieder Geschichte sein. Unter dem Druck des starken Frankens rationalisierten die Unternehmer, wurden noch produktiver und erschlossen neue Märkte – die Währung wirkt als “Innovationspeitsche”, wie das im Ökonomen-Kauderwelsch heißt. Der härtere Franken ließ auch die Kaufkraft der Konsumenten steigen.

Ältere Österreicher kennen das übrigens aus der Geschichte. Auch die seinerzeitige Bindung des Schilling an die harte D-Mark in den 1970ern zwang Österreichs Industrie, produktiver und innovativer zu werden – und war damit unterm Strich wesentlich hilfreicher als jener weicher Schilling, den sich die Exportindustrie wünschte.

Zu befürchten ist deshalb, dass die Politik der EZB, die Zinsen künstlich niedrig zu halten, massiv Geld in die Wirtschaft zu pumpen und damit den Außenwert des Euro zu schwächen, mehr unerwünschte Nebenwirkungen als erwünschte Wirkungen haben wird. Den höchst ungewissen günstigen Auswirkungen auf Konjunktur und Wachstum stehen höchst gewisse Unannehmlichkeiten gegenüber. Die schleichende Enteignung der Sparer und aller, die privat für ihr Alter vorsorgen, schreitet dank der Ausrottung der Zinsen fröhlich voran; an Aktien- und Immobilienmärkten hingegen werden dank EZB wieder riesige Gewinne gemacht. Zumindest, bis auch diese Blasen wieder platzen und den nächsten Crash auslösen. (“WZ”)

16 Gedanken zu „Es war einmal ein harter Euro….

  1. H.Trickler

    Als waschechter Eidgenosse möchte ich Herrn Ortner entgegnen, dass es rund 3 Monate nach dem Kurssprung extrem viel zu früh ist, irgend eine Zwischenbilanz zu ziehen!!!

    In einem Jahr wird man es sehen: Einerseits wie sich der Kurs entwickelt hat und andererseits in welchem Masse die Exportindustrie den herben Schlag abfangen konnte.

    Falls der höhere Kurs des CHF tiefere Inlandpreise von Importen bewirkt (was ich leider bezweifeln muss) müsste es möglich sein, durch Lohnsenkungen einen Teil des Kursunterschiedes abzufangen. Produktivitätssteigerungen sind auf dem heutigen Niveau nur punktuell noch möglich, also wie weiter??

    Trotzdem finde ich es richtig, dass die SNB sozusagen in letzte Sekunde noch nie Kurve gekriegt hat. Eine Loslösung vom Euro wäre schon vor einem Jahr angezeigt gewesen und hätte uns sehr viel Geld gespart!

  2. P. Luif

    Schweden: Kein Krieg im 20. Jahrhundert.
    Österrreich: Kriege, Besatzung etc. im 20. Jahrhundert.
    Schweden: Weichwährungspolitik nach dem 2. Weltkrieg und exzessiver Wohlfahrtsstaat (mit staatlicher Schuldenpolitik) ab den 1970er Jahren.
    Österreich: Hartwährungspolitik ab den 1970er Jahren.
    1990/91: Wirtschaftskrise in Schweden, 3 Jahre negatives Wirtschaftswachstum.
    Danach ist das Pro-Kopf-Einkommen (in Kaufkraftparitäten) in Österreich deutlich höher als in Schweden! Jedoch haben die Schweden gelernt und die Schulden abgebaut, das Pro-Kopf-Einkommen ist nun wieder praktisch gleich mit Österreich.
    Weichwährungspolitik kann – vielleicht – kurzfristig helfen; langfristig sicher nicht!

  3. Christian Weiss

    “Produktivitätssteigerungen sind auf dem heutigen Niveau nur punktuell noch möglich, also wie weiter??”

    Sehe ich gar nicht so. Investitionen in Betriebsmittel, welche die Produktivitätssteigerung ermöglichen, sind jetzt besonders gut möglich – gerade auch weil der Franken gestiegen ist. Die Unternehmen kriegen jetzt, wenn sie im Ausland einkaufen, um 15 Prozent mehr fürs Geld. Und selbst wenn sie ihre Maschinen im Inland kaufen, kriegen sie aufgrund des Konkurrenzdruckes Preisnachlässe bei den Herstellern.

    Tatsache ist, dass der Schweizer Franken immer aufgewertet hat. Er ist relativ die stärkste Währung der Welt und hat seinen Wert gegenüber dem Dollar seit 1970 mindestens vervierfacht, gegenüber der Mark (weitergerechnet auf den Euro) verdoppelt und gegenüber dem britischen Pfund etwa verzehnfacht. Dennoch ist die Schweiz das Exportland schlechthin. Die Schweiz exportiert heute pro Kopf Waren und Dienstleistungen im Wert von 25’000 Franken. Deutschland bringt es auf rund 15’000 Franken und Österreich auf etwa 17’000 Franken und das sind ja beide beileibe auch keine Exportzwerge. Starke, wettbewerbsfähige Wirtschaften haben starke Währungen und nicht umgekehrt.

    Natürlich kann man mit einer ständigen Geldentwertung die Löhne tief behalten und so die überrissenen Forderungen der Gewerkschaften hinten herum wieder deckeln, aber letztendlich bleibt man so eben immer ein Billiglohnland ohne tatsächliche Wohlstandsmehrung. Statt die Mechanisierung voran zu treiben, wurstelt man ständig weiter wie früher und bleibt auch auf dem gleichen Wohlstandsniveau verhaften.

  4. Plan B

    Investitionen in moderne Produktionsmittel sind aber nur die eine Seite der Medaille.

    Denn: wirtschaftliches Wachstum entsteht nicht nur durch Erhöhung der Produktivität, also durch Mehr vom Gleichen. Sondern durch das Bessere (in der Güterproduktion). Innovationsfähigkeit ist die andere Seite der Medaille.

    Und da muss man sich um die Schweiz keine Sorgen machen. Um Deutschland schon.

  5. H.Trickler

    @Christian Weiss:
    >”Sehe ich gar nicht so. Investitionen in Betriebsmittel, welche die Produktivitätssteigerung ermöglichen, sind jetzt besonders gut möglich.”

    Niemand würde bestreiten, dass Investitionen in der Schweiz jetzt besonders gut möglich wären.

    ABER diese Investitionen sind in der Schweiz längst gemacht worden, also kommt es auf das Zinsniveau gar nicht mehr an.

    Und auch in der Schweiz ist ein erheblicher Teil der Arbeitsplätze abgewandert, erst in billigere Länder Europas und schliesslich direkt nach China! Dorthin fliessen aktuell ein grosser Teil der Investitionen, weil es sich dort jetzt doppelt rechnet.

  6. gms

    H.Trickler,

    “Niemand würde bestreiten, dass Investitionen in der Schweiz jetzt besonders gut möglich wären. ABER diese Investitionen sind in der Schweiz längst gemacht worden, also kommt es auf das Zinsniveau gar nicht mehr an.”

    Statt “Zinsniveau” war vermutlich eher “Wechselkurs” gemeint.

    Sei’s d’rum — derartige immer wieder aufpoppenden Wenn-das-bloß-gutgeht-Einwände basieren auf der irrigen Annahme, jene Millionen Individuen, die mit ihren freien Entscheidungen Wechselkurse und Zinsen beeinflussen, würden konsequent ihre eigenen Kühe schlachten und irgendwann auf ihrem (im Anlaßfall) knallharten Franken sitzenbleiben.

    Wechselkurse oder sich auf dem freien Markt bildende Zinsen überschießen naturbedingt schon mal, doch mit derselben naturbedingten Dynamik korrigieren sie sich wieder, sollten negative Effekte eintreten oder auch bloß erwartbar sein. Zugleich wird nicht minder oft verkannt, daß es zu jedem Kurs, der sich im Rückblick als falsch herausstellte, Verkäufer gab, die zu diesem hohen Preis verkaufen konnten.

    Marktwirtschaft ist die Summe einzelner Transaktionen, die wiederum von jeweils zwei Parteien betrieben werden. Die zweite Seite der Medaille außen vor zu lassen ist ebenso ein Kardinalfehler, wie der Glaube, Dynamiken in einem freien Wechselspiel würden nur eine Richtung kennen oder gar vermehrt Verlierer hinterlassen.

  7. H.Trickler

    @Plan B:
    >”Innovationsfähigkeit ist die andere Seite der Medaille.Und da muss man sich um die Schweiz keine Sorgen machen. Um Deutschland schon.”

    Was in Westeuropa fehlt ist sind ein paar neue geniale Ideen. Es ist längst alles realisiert worden und noch ein paar Sachen mehr…

  8. H.Trickler

    @gms:
    Das Argument war, dass die tiefen Zinsen für Investitionen besonders günstig seien. Das stimmt, aber es gibt (nicht nur in der Schweiz) viel zu wenig rentable Investitionen – abgesehen von Blasen z.B. in Immobilien.

    >”Wechselkurse oder sich auf dem freien Markt bildende Zinsen überschießen naturbedingt schon mal, doch mit derselben naturbedingten Dynamik korrigieren sie sich wieder,…”

    Diese Theorie ist zweifellos richtig. Aber es gibt bekanntlich temporär auch grosse Marktverzerrungen, z.B. in Zeiten wo Sorros gegen das Pfund gewettet hat. Der CHF als Währung eines kleinen Landes ist solchen Effekten besonders ausgesetzt:

    Der Währungs-Markt in CHF, welcher durch die konkreten Import- und Exportgeschäfte der Schweiz einen bestimmten Kurs bewirkt, wird durch den zigmal grösseren Markt der Devisenspekulanten zigfach stärker beeinflusst. Auch aus diesem Grund hat Ziegler übertrieben und gesagt, die Spekulanten gehören aufgehängt.

  9. gms

    H.Trickler,

    ” .. es gibt (nicht nur in der Schweiz) viel zu wenig rentable Investitionen ..”

    Selbst wenn das (Hypothese!) tatsächlich so wäre — auch Investitionen im Ausland, die dank erstarktem Franken günstig zu haben sind, kommen den Schweizern zu gute.

    “es gibt bekanntlich temporär auch grosse Marktverzerrungen, z.B. in Zeiten wo Sorros gegen das Pfund gewettet hat.”

    ?! — Der Vergleich ist so falsch, daß man sich schon fragt, wo man hier mit der Entgegnung beginnen soll.

    1) Sorros hat nicht gegen das Pfund gewettet, sondern gegen die britische Notenbank, die, und das ist ein entscheidender Unterschied, ein hoch bewertetes Pfund wollte.

    2) Sorros war nicht als einzelnes Individuum erfolgreich, sondern dadurch, daß andere seine völlig zutreffende Einschätzung eines damals überbewerteten Pfund-Sterlings teilten.

    3) Im Anlaßfall hat es die SNB ja gerade aufgegeben, *gegen* die Märkte zu agieren.

    “Der CHF als Währung eines kleinen Landes ist solchen Effekten besonders ausgesetzt:”

    Unterm Stich geht Ihre These davon aus, Investoren könnte einen falschen Kurs ~durchdrücken~ und davon profitieren. Welch ein Unsinn!

    “Der Währungs-Markt in CHF, welcher durch die konkreten Import- und Exportgeschäfte der Schweiz einen bestimmten Kurs bewirkt, wird durch den zigmal grösseren Markt der Devisenspekulanten zigfach stärker beeinflusst.”

    Raten Sie mal, um viel der weltweite Apfelmarkt größer ist, als jener der tatsächlich geernteten Äpfel. Die Tatsache, daß 70 Franken öfters getradet werden als eine Nestle-Aktie, kann und wird einen Kundigen berechtig wenig jucken.

    “Auch aus diesem Grund hat Ziegler übertrieben und gesagt, die Spekulanten gehören aufgehängt.”

    Ziegler ist ein Idiot, dem Halbgebildete auf den Leim gehen. Halbgebildete — und hier schließt sich der Kreis zu meinem vorigen Posting — sind zumeist jene, die nur eine Seite der Medaille sehen oder sehen wollen.

  10. H.Trickler

    @gms 19. April 2015 – 17:33

    >”Ziegler ist ein Idiot, dem Halbgebildete auf den Leim gehen.”

    Wer so selbstsicher austeilt, muss es ja wissen. Damit erübrigt sich für mich eine weitere Diskussion.

  11. Fragolin

    Ökonomen und ihre Weissagungen erinnern mich immer an Zigeuner mit ihren Kristallkugeln auf Mittelaltermärkten. 2007 sagten uns Ökonomen einhellig ein Jahrzehnt höchster Prosperität voraus. 2008 erklärten uns die gleichen Ökonomen die GröKraZ, die größte Krise aller Zeiten. Ökonomen weissagten uns bei Einführung des Mindestlohnes in Deutschland Millionen neue Arbeitslose, erklären uns in Österreich eine Nullrunde bei den Beamten als wirtschaftsgefährdenden Kaufkraftverlust und eine Lohnerhöhung bei den Metallern als das Ende der Exportwirtschaft. Sie erklären uns den Nutzen staatlichen Förderwesens, die Glorie der Subventionitis und das Heil der Schuldenmacherei. In den TV-Börsennachrichten für den Hobbyanleger jubeln sie über einen fantasievollen Handelstag mit schwungvoller Seitwärtskonstante des DAX und erklären uns die Welt in Ordnung, weil das Fluten der Märkte mit Billigmilliarden zu einer Inflation der Aktien führt, die durch keinerlei realwirtschaftliche Stärkung gerechtfertigt ist sondern nur aus der Ratlosigkeit der Inverstoren entsteht, wo sie die ganze Kohle jetzt noch lassen sollen. Ökonomen sind Experten eines Marktes, über dessen Gesetze bis heute keine Klarheit herrscht und betätigen sich deshalb lieber als meinungsformende Kläffer politischer Institutionen oder als Propheten ihrer eigenen religion.
    Die Zeigeuner im Mittelalter nannte man auch Gesindel.
    Für Ökonomen fällt mir inzwischen kein besserer Begriff mehr ein, deshalb bin ich für Ratschläge dankbar.

  12. H.Trickler

    @Fragolin:

    >”Ökonomen sind Experten eines Marktes, über dessen Gesetze bis heute keine Klarheit herrscht”

    Das ist zweifellos so und wird auch so bleiben, weil sich die Menschen, welche die marktrelevanten Entscheidungen treffen, zu oft nicht wie homo oeconomicus sondern wie Lemminge oder anders Getier verhalten.

    Man sollte trotzdem nicht alle Vertreter dieses Fachs über einen Leisten schlagen, es gibt auch solche welche sich mit der gebotenen Vorsicht äussern.

    Ich schreibe oft “die sog. Wirtschaftswissenschaften”, was zum Ausdruck bringt dass es sich nicht wirklich um eine Wissenschaft handelt.

  13. Fragolin

    @H. Trickler

    Viele vorsichtige Ökonomen gibt es nicht (mir fällt da höchstens noch der Herr Sinn ein, der sich, scheint mir, aber öfter vom gesunden Hausverstand als von wirtschaftstheoretischen Berechnungen leiten lässt). Mag sein, dass auch mal eine Kristallkugel “richtig geht”, aber unterm Strich sind für mich ein paar Vorsichtige unter dem johlenden Haufen der Volksverdummer zu wenig um mein Urteil zu revidieren.
    Es geht um Menschen, und die sind nicht berechenbar. Der Markt besteht nur aus Menschen; wir abstrahieren nur gerne, wenn wir die Verantwortung nicht wahrhaben wollen. Dann reden wir von “die Firma”, “der Staat” oder gar “dem Straßenverkehr”, und dass dieser wieder 3 Tote gefordert hat. Ich habe den Straßenverkehr noch nie reden und schon gar nichts fordern gehört, bin aber schon genug menschlicher Dummheit für ein ganzes Dutzend Tote begegnet.

    Wer trifft denn die marktrelevanten Entscheidungen?

    Wer hat sich denn entschieden, mit dem Aufkommen des Internets keine Postkarten und Briefe mehr zu verschicken, sondern nur noch e-mails und später sms? Die gleichen Leute, die jetzt jammern, dass “die da oben” die schönen Postämter schließen und es nur noch dämliche Paketshops gibt, von denen sie sich ihre Packerl holen müssen, die sie im Online-Handel bestellt haben. Und den schönen Buchladen neben der Post haben “die” auch kaputtgemacht. Und den Greißler sowieso. Sie selbst und ihr Verhalten sind ja zu unwichtig, viel zu klein, neinein, das ind immer “die da oben”…
    Der Kunde und sein Kaufverhalten bestimmen den Markt, das ist eine ebenso einfache wie universelle Tatsache. Sonst wäre die Werbung, also der aktive Versuch den Kunden in seiner Entscheidung zu beeinflussen, zu manipulieren, keine solche wirtschaftliche Macht. Und sonst würde es keine Lobbyisten geben, die es über den Weg der Gesetzgebung versuchen, die Kunden zum Kauf zu zwingen.
    Die einzige wirklich marktrelevante Entscheidung lautet: “Will ich das um diesen Preis kaufen oder nicht?”, und die trifft am Ende des Tages immer der Kunde. Nur die Frage: “Muss ich das kaufen?” beantwortet ihm gelegentlich der Staat. Meist kassiert er sogar ohne Gegenleistung. Aber das hat mit Markt nichts mehr zu tun, sondern mit Raub.

    Deshalb ist jede Voraussage, wie sich “der Markt” entwickelt, absolute Kaffeesudleserei und unseriöse Selbstdarstellung. Kein sogenannter Ökonom weiß, wie sich was entwickelt, welche Innovationen schon morgen “den Markt” überraschen, welche Politiker wo ihre Raketen hinschmeißen oder welcher Vulkan ausbricht. Das alles nur Wahrsagerei und Kurpfuscherei, aber die Mächtigen haben sich ja schon immer gerne aus den Vogeleingeweiden vorhersagen lassen. Wenn man selbst keine Ahnung hat vertraut man eben auf Runenleser.

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  15. Christian Weiss

    Na ja. Ich denke, Ökonomen können auf der Grundlage seriöser Daten und mit Rückblick auf hieb- und stichfeste Erfahrungen zumindest sagen, was nicht funktioniert. Was mich irritiert: Wenn immer wieder Dinge behauptet werden, die angeblich Wohlstand schaffen, und dann schaut man auf die wirklich wohlhabenden Staaten dieser Erde und sieht, dass die eigentlich immer alles anders gemacht haben als insbesondere die Keynesianer, die ja die eigentlichen Kaffeesatzleser sind, weil sie an die per Intervention steuerbare Konjunktur glauben. Und wenn sie es mal doch so gemacht haben, wie das die Interventionisten gerne sehen, dann waren es sicher die schlechtesten Jahre der betreffenden Volkswirtschaft.
    Auch hier ist die Schweiz wieder mal ein ganz spezielles Beispiel. Die wachstumsschwächste Jahre seit der Nachkriegszeit hatte man in den 1990er-Jahren als auch in der Schweiz die fiskale Liederlichkeit Einzug hielt. Plötzlich stieg die Staatsverschuldung von 20 auf zeitweise gegen 60 Prozent des BIP, aber die Wirtschaft stagnierte völlig. Die Staatsquote wurde von 30 auf gegen 40 Prozent aufgebläht.
    In den 2000er-Jahren hat man in den meisten Kantonen und beim Bund eine Schuldenbremse eingeführt. Sowohl Staatsverschuldung und Staatsquote sind wieder gesunken und trotzdem ist der Kollaps, der da aus der Interventionistenzunft angekündigt wurde, ausgeblieben.

  16. Laubfrosch

    Ja von der “Strukturpeitsche” hat schon mein Geo-Lehrer seinerzeit parliert. Wechselkurs rauf, Löhne rauf, und die Unternehmer werden so endlich gezwungen effizienter zu arbeiten. Alles wunderbar.

    Nur: besagter Lehrer war überzeugter Kommunist, und Privatisierungen verteufelte er etwa grundlegend als Verkauf von Familiensilber. Noch etwas ist irritierend. Wenn man schon gegen Mindestlöhne Sturm lauft (die die Lohnkosten allenfalls im Promillebereich beeinflussen, noch dazu dort wo Unternehmen eben nicht im internationalen Wettbewerb stehen), dann sollte man vielleicht etwas sensibler beim Thema Wechselkurs sein.

    Überhaupt bräuchte das Thema ein Minimum an Sachverständnis, denn Wechselkurs in nicht gleich Wechselkurs. Dabei muss man streng zwischen Politik und Markt unterscheiden.
    So hat die Schweiz eine starke Währung und eine starke Wirtschaft. Stark ist der Franken, weil der Markt sein Kapital lieber den schweizer Banken überantwortet. Die rund eine Billion Franken die der Schweiz im Zuge der Krise zugeflossen sind, dürften im Finanzbereich nicht gerade wenige Jobs geschaffen haben.
    Griechenland hat ebenfalls eine (zu) starke Währung, und eine miserable Wirtschaft. Der Unterschied: hier hat die Politik den Markt überholt.
    China wiederum hat eine schwache Währung und eine super starke Wirtschaft. In dem Fall setzt die Politik den Wechselkurs (zu) niedrig an. Die Produktionskosten liegen unter der Wechselkursparität. Und obwohl das das genaue Gegenteil einer “Strukturpeitsche” ist, steigen Produktivität und Wirtschaftsleistung in ungeahntem Ausmaß.

    Um das zu verstehen muss man die Tatsache akzeptieren, dass es einen an sich schon schwankenden Marktpreis für eine Währung gibt. Dieser Marktpreis ist niemals zu hoch oder zu niedrig, sondern eben der Marktpreis. Die Politik kann den Wechselkurs davon ausgehend beeinflussen.

    Eine lose Geldpolitik (im Inneren) beeinflusst den Marktpreis selbst. Hieraus entsteht jedoch noch keine Verzerrung des Marktpreises.

    Das bewirkt erst eine direkte Intervention am Devisenmarkt. Dann liegt der Wechselkurs über bzw. unter dem Marktniveau. Die Auswirkungen sind entsprechend negativ bzw. positiv auf die Wirtschaftsentwicklung.

    Wichtig ist zu verstehen: der Euro ist durch die Politiken fremder Notenbanken überbewertet, und die expansive Geldpolitik kann daran nichts ändern, da sie nur den Marktpreis senkt.
    Die direkte Intervention der SNB hat dagegen den Franken unter sein Marktniveau gedrückt, was der Schweiz in den letzten Jahren zusätzliches Wachstum verschaffte.

    http://www.wirtschaftsblog.info/archiv/2014/der-wechselkurs-teil-3-exportschlager-staatsanleihen/

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