6 Gedanken zu „EU: Die folgen eines weitreichenden Urteils

  1. elfenzauberin

    Die Liberalen – und damit meine ich nicht die amerikanischen “liberals”, die eigentlich gestandene Sozialisten sind, sondern die Liberalen, die sich auf Adam Smith, F.A. Hayek und L. Mises berufen – haben praktisch in allen Punkten recht, die wirtschaftliche Belange betreffen. Eine Gesellschaft kann langfristig wirtschaftlich nur dann reüssieren, wenn sie eben den menschlichen Egoismus in ihre Betrachtungen miteinbezieht und quasi naturgesetzliche menschliche Verhaltensmuster wie das Streben nach besseren Lebensverhältnissen als unverrückbares zentrales Bürgerrecht akzeptiert.
    Auf der Schattenseite steht der beunruhigende Umstand, dass es den Liberalen bis jetzt nicht gelungen ist, ihre Erkenntnisse in die Köpfe der breiten Masse zu implantieren, wo auf der anderen Seite die Sozialisten mit ihrer verqueren Ideologie sehr erfolgreich waren. Erinnert sei in diesem Zusammenhang an den erfolgreichen Marsch durch die Institutionen, den die politische Linke summa cum laude absolviert hat.
    Früher oder später muss ich mich als Liberaler fragen, warum die Anderen bei der Verbreitung ihrer Ideologie viel erfolgreicher sind als meine Gesinnungsgenossen.

    Woran liegt das? Versucht man diese Frage marktwirtschaftlich zu betrachten, könnte man jetzt behaupten, dass die Sozialisten das bessere Produkt im Köcher haben, das sich bei den Menschen besser verkauft. Wenn dem so ist, so bedeutet das nicht anderes, als dass dem Liberalismus ein wesentliches Element zum Erfolg fehlt – und ich habe eine Vermutung, welches Element das ist. Anders ausgedrückt: Zum Funktionieren einer Gesellschaft benötigt man nicht nur eine funktionierende Ökonomie. Um es in der Sprache der Mathematiker zu formulieren: eine funktionierende Ökonomie ist eine notwendige, aber keineswegs eine hinreichende Bedingung für eine erfolgreiche Gesellschaft. Dem Liberalismus fehlt eben etwas zum Erfolg. Was fehlt ihm? Hier der Versuch einer Antwort.

    Eine Gesellschaft benötigt auch einen gemeinsamen Wertekanon. Menschen, die in einer bestimmten Kultur aujfgewachsen sind, saugen diese Werte quasi mit der Muttermilch ein. Je mehr die Menschen diese Grundwerte teilen, umso einfacher ist eine Gesellschaft zu organisieren. Früher war es zum Beispiel kein Thema, ob Kinder alle am Schwimmunterunterricht teilnehmen sollen oder nicht. Die Menschen wussten früher eben, dass Schwimmen eine wichtige Fertigkeit ist, die lebensrettend sein kann, weswegen darüber Einigkeit bestand. Heute ist das nicht mehr der Fall. Es gibt relevante gesellschaftliche Gruppen, die den Schwimmunterricht insbesondere für junge Mädchen ablehnen, wobei hier die näheren Gründe gar nicht interessieren sollen. Es ist einfach so.

    Ähnliche Beispiele lassen sich zuhauf finden. Eine deutsche Politikern hat das mit den Worten umschrieben, dass man sich das Zusammenleben täglich neu ausverhandeln müsse. Meiner Meinung nach schafft genau das die Probleme, mit denen wir uns konfrontiert sehen. Es sind die Probleme, die mit einer multiethnischen Gesellschaft einhergehen und auf die die Liberalen überhaupt keine Antwort haben.
    Das erklärt auch den Schlingerkurs eines Christian Lindners in der Migrationspolitik und auch die durchwachsene Haltung der Neos zur Migrationsproblematik. Wenn man so will – die liberale Ideologie hat für diese Fragen keine Antworten.
    Ich weiß nicht, ob ich recht habe – aber darüber sollte man sich wohl einmal den Kopf zerbrechen.

  2. Rado

    Woran das liegt ist schnell erklärt. Sozialismus bedient die Denkfaulheit des Menschen. Es ist eine ganz natürliche Regung, es sich leicht machen zu wollen im Leben, so auch beim Denken und grübeln. Dazu gibt es ja Ideologien. Je dämlicher, desto mehr Angänger möchte man fast meinen. Komplexitätsreduktion durch absichtliche Selbstverdummung. So funktionierts. Gibt Denkfaulen und Dummen gleichzeitig das Gefühl hochintellektuell unterwegs zu sein.

  3. sokrates9

    Elfenzauberin@ Sie haben mit ihrem Wertekanon völlig recht!Ich glaube auch die Bevölkerung würde dieses liberale Gedankengut – und nicht nur den Nutzen- anerkennen wenn sie entsprechend informiert würde. Da sehe ich das Problem: Die Linken haben den Gang durch die Institutionen perfekt bewältigt und speziell die Schulen und die Universitäten erobert. An den Unis unzählige DDR Professoren, die höchstwahrscheinlich in der BRD mit ihrer Vergangenheit nie Karriere gemacht hätten, völlig ideologisch Linke pädagogische Akademien die nicht nur liberales Gedankengut verteufeln sondern permanent die Wohltaten des Sozialismus prdeigen. Auch die DDR wird immer mehr verklärt dargestellt!

  4. Manfred Moschner

    @Elfenzauberin: Marxismus/Sozialismus et.al ist der extreme Egoismus – indem in den Köpfen der Menschen der Anspruch genährt wird, man könne sein Leben auf Kosten “der anderen” verwirklichen. Liberalismus meint, jeder kann sein Leben nach seinen Vorstellungen verwirklichen, muss aber die Voraussetzungen dafür selbst schaffen. Sozialismus meint dagegen, man kann “den anderen” wegnehmen, um sich selbst zu verwirklichen. Die verschiedenen -Ismen unterscheiden sich nur im Grad der Gewalttätigkeit dieses Raubes. Verständlich, dass solche Ideologien bei bestimmten Menschentypen und Charakteren großen Anklang finden. Was gibt es Schöneres, als auf Kosten “der anderen” zu leben? Diese Grundeinstellung wird man nie ausrotten können. Selbst bei großem allgemeinen Wohlstand gibt es immer welche, die sich benachteiligt fühlen und ihre Hand nach Umverteilung ausstrecken werden. Dessen müssen sich Liberale bewußt sein. Da hilft auch die ganze Kuschelpolitik mit den Umverteilungsfanatikern nichts.

  5. Rennziege

    @elfenzauberin: Gescheit und unaufdringlich analysieren Sie die vorherrschende Weltlage und deren Facetten. Erfrischend zu lesen; erhellend, soweit man ins Dunkel blicken mag. Aber erst wenn die rotgrünen und anderen Kommunisten (auch in Parteien der ehemaligen Mitte) uns das Lachen über ihren weltweit propagierten Wahnsinn ausgetrieben haben, dürfen sie zum Tanz auf dem Vulkan laden.

  6. Johannes

    “Diese souveränen Staaten sollten einander beistehen und denjenigen helfen, die von der Krise besonders betroffen waren. Das ist zu allererst Italien, das die meisten Todesfälle hatte und als Erstes von der Epidemie heimgesucht wurde. “

    Ich höre immer wieder Italien brauche jetzt unbedingt finanzielle Hilfe weil es die meisten Todesfälle hatte und ich verstehe diese Argumentation nicht.
    Um nicht falsch verstanden zu werden, jedes Todesopfer ist eines zuviel und wenn mit Geldhilfe Menschen vor dem Tod gerettet werden könnten so würde ich es sehr begrüßen.

    Aber ich verstehe nicht die Logik, welche nun auch von Herrn Sinn geäußert wurde.
    Wenn der italienische Staat weniger Gelder für Pensionen aufzubringen hat so ist das kein wirtschaftlicher Schaden und keine zusätzliche wirtschaftliche Belastung für Italien.

    Wie gesagt das hat nichts mit dem Leid der Menschen und ihren Angehörigen zu tun, es ist einfach eine mathematische Größe wie sie in jedem Sozialversicherungsverband überlegt und kalkuliert wird. Daher würde ich gerne wissen warum der tragische Tod von Menschen in Italien eine solidarische Zahlung anderer EU-Mitgliedsländer erfordert wenn der italienische Staat wohl an die 500 Millionen Euro pro Jahr weniger für Pensionen aufbringen muss.

    Es hat mich von Anfang an irritiert wie schnell italienische Politiker den sehr konkreten Plan der Schuldenunion ins Spiel brachten, es war für mich befremdlich den Eindruck zu gewinnen das man die Situation sehr geschickt nutzt und taktisch verwendet.

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