Euro: Weiches Geld hilft niemandem

Von | 18. September 2014

Die Erfahrungen zeigen, dass Abwertungen die Wettbewerbsfähigkeit von Volkswirtschaften auf Dauer nicht stärken können. Die Länder, die vor Gründung der Währungsunion immer wieder gegenüber der D-Mark abgewertet haben, haben den Vorteil regelmäßig rasch wieder verspielt” (Otmar Issing, ehemaliger EZB-Direktor)

8 Gedanken zu „Euro: Weiches Geld hilft niemandem

  1. Sybille stoa

    Wenn die Staaten zu unfähig sind, Reformen durchzuführen, dann muss man halt alles weginflationieren. Und genau das macht Draghi.
    Irgendwann sind die GÖD ORF Privilegienpensionen um 10.000€ dann realistisch so viel wert, wie die heutige 800€ Mindestsicherung / Ausgleichsrente. Diejenigen, die sich reale Werte schufen, sind dann im Vorteil und das ist nicht so schlimm.

  2. Thomas Holzer

    @Sybille stoa
    Das Problem ist nur, daß die Politik erfolgreich verhindert, daß sich ein Großteil der Bevölkerung “reale Werte” schaffen kann; insofern trifft das “Weginflationieren” genau die, welche die Politik in allen Sonntagsreden vor den bösen Bankern, Spekulanten etc. zu schützen vorgibt.
    Nur vor den Politikern wird das vulgus populus leider nicht geschützt.

  3. Sybille stoa

    @Thomas Holzer
    Ja, da haben Sie leider recht, aber die Leute sind hier teilweise so obrigkeitshörig und viele haben dwn Glauben an die eigene Leistung schon verloren und gehen immer mehr ein.
    Ich hoffe, dass endlich wieder einmal eine Reformregierung wie unter Wolfgang Schüssel kommt.

  4. gms

    Sybille stoa,

    “Wenn die Staaten zu unfähig sind, Reformen durchzuführen, dann muss man halt alles weginflationieren.”

    Nein, es sei denn, Sie erachten Verträge zu Lasten Dritter als legitim. Die einzige Alternative heißt Insolvenz.

  5. Quaksi

    Man sollte vor dieser Diskussion erst mal die Begrifflichkeiten klären und verstehen.

    Wann ist eine Währung schwach, wann ist sie stark?

    Eine überbewertete Währung ist schwach, eine unterbewertete Währung ist stark. Die vielen Abwertungen einer italienischen Lira etwa waren stets einer Überbewertung und daher einer inneren Schwäche gedankt. Diese wiederum hatte ihren Ursprung in hohen Lohnabschlüssen und der damit im Inland verursachten Inflation.
    So gesehen ist auch der “griechische Euro” eben schwach – weil überbewertet.

    Die D-Mark in Zeiten des Wirtschaftswunders war hingegen deutlich unterbewertet – und damit stark!

    Und wie kommen nun solche Über-/Unterbewertungen zu stande? Durch die Politik der Notenbanken natürlich.
    Um eine Währung abzuwerten müssen Währungsreserven angekauft werden, um sie aufzuwerten müssen diese abgestoßen werden.
    Während ein Großteil der Welt Währungsreserven aufbaut (allein die Devisenreserven machen heute rund 12 Billionen Dollar aus), verhält sich die Eurozone passiv. Ja es wurden sogar Reserven abgebaut.
    Dadurch ist der Euro passiv überbewertet (da ja die meisten anderen aktiv unterbewertet sind). Hier liegt die Hauptursache für die Krise in Europa. Und man wird ihr nur mit der Bekämpfung der Urwsache beikommen können. Und zwar in dem man die Währung abwertet und damit STÄRKT!

  6. gms

    Quaksi,

    “Man sollte vor dieser Diskussion erst mal die Begrifflichkeiten klären und verstehen.”

    Richtig, doch dafür taugen Ihre Ausführungen nicht, trachten diese doch zugleich noch eigentümlich tautologisch, ohne die Begriffe “Kaufkraft”, “Wechselkurs” und “Relation” auszukommen. Demgemäß (garbage in – garbage out) ist auch Ihre abschließende Folgerung völliger Holler.

    Die Stärke jeder Währung bemißt sich 1:1 an deren Kaufkraft. Die Kaufkraft wiederum ist Folge des einer Währung beigemessen Wertes, der sich wiederum an der Ladentheke manifestiert. Dieser Wert wiederum ist richtig, sprich weder zu hoch noch zu niedrig, solange Währungen ebenso frei gehandelt werden dürfen wie Güter oder Dienstleistungen.

    Daneben existiert ein politischer Wille, per Geldpolitik die Preisschilder aller Güter und Dienstleistungen innerhalb eines Währungsraumes zu beeinflussen respektive jene, die sich relativ beim Blick über Währungsgrenzen zeigen. Nachdem bei reinen Marktkräften auf lange Sicht alle Relationen sich an der richtigen Stelle einpendeln sind, sind alle Über- oder Unterbewertungen das Ergebnis staatlicher Interventionen.

    Die von Ihnen thematisierten innerstaatlichen Lohnabschlüsse sind reine Marktkräfte, die zu keiner generell falschen Bewertung einer Währung führen können, sondern bestenfalls zu einem falschen Preis in diesem Staat für Arbeitskraft in Relation zu Gütern, die weniger oder keinen Arbeitsaufwand erfordern.
    Auf lange Sicht (siehe oben) werden solche Fehler von wegen Angebot und Nachfrage auf eine /richtige Art und Weise/ korrigiert, nämlich indem überzogene Arbeitspreise wieder gesenkt werden. Die Politik wiederum kann behaupten, diese überzogenen Arbeitspreise seien richtig, falsch sei allein der Wert der Währung. Das aber ist grober Unsinn!

    “Ja es wurden [von der ECB] sogar Reserven abgebaut.”

    Falsch.

    “Dadurch ist der Euro passiv überbewertet (da ja die meisten anderen aktiv unterbewertet sind).”

    Die behauptete massive Überbewertung existiert nicht [1], erst recht nicht basierend auf aktuellen Kursen (EU/USD = 1.287). Seit 2008 hat der Euro kontinuierlich abgewertet.

    Neben dieser Momentan-Beobachtung existiert ein weiteres Phänomen, nämlich die Vorwegnahme des Marktes von währungspolitischen Aktionen. Der Papierform nach ist der Schweizerfranken ebenso krass überbewertet wie die Schweden- oder Dänenkrone, ohne daß sich dort Krisen breitmachen würden.

    “Und zwar in dem man die Währung abwertet und damit STÄRKT!”

    Falsch. Eine Abwertung ist und bleibt eine Schwächung der Währung, deren Nebenwirkungen von inferioren Politfiguren begrüßt und von allen anderen ausgebadet werden müssen.

    [1] http://www.economist.com/content/big-mac-index

  7. Quaksi

    “Nachdem bei reinen Marktkräften auf lange Sicht alle Relationen sich an der richtigen Stelle einpendeln sind, sind alle Über- oder Unterbewertungen das Ergebnis staatlicher Interventionen”

    Witzig diesen Sachverhalt zu kennen, und ihn völlig zu ignorieren. Solche Interventionen sind die Regel, nicht die Ausnahme. Und es wird auch Ihnen einleuchten, dass in einer Welt in der es nur zwei Währungen gäbe, eine Intervention zur Unterbewertung der einen Währung automatisch die andere relativ überbewerten würde. In der realen Welt mit sehr viel mehr Währungen ist das nicht anders.

    In den letzten 10 Jahren wurden gut 3 Billionen Währungsreserven in Euro aufgebaut, während die Eurozone ihrerseits keine Reserven erwarb. Mit nur minimalem marktwirtschaftlichen Verständnis, muss Ihnen einleuchten welchen Effekt diese staatlichen Interventionen auf den Wechselkurs des Euro hatten – und nach wie vor haben, da das Spiel munter weiter lauft.

    Man muss daher auch nicht den “wahren”, “marktwirtschaftlichen” Kurs des Euro kennen. Es reicht aus zu verstehen, wie diese Interventionen wirken um über jeden Zweifel erhaben eine starke Überbewertung des Euro feststellen zu können. Und sollte es notwendig sein, wird dieser Befund voll durch makroökonomische Aggregate bestätigt (Arbeitslosigkeit, Nullwachstum, Budget- u. Finanzkrise etc..).

    Das Trauerspiel ist die vorherrschende Imkompetenz diese schlichten Zusammenhänge zu sehen.

  8. gms

    Quaksi,

    nicht bös’ sein, aber Ihre Ausführungen sind derart jenseits von Vernunft und zugleic nackten Tatsachen (Wechselkurse, ECB-Statistiken, usw. usf), daß sich jede weitere Debatte mit Ihnen erübrigt.

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