Europa hat einen zweiten Euro

Von | 10. April 2013

Der freie Kapitalfluss zwischen den Banken unterschiedlicher Länder ist das signifikanteste Charakteristikum der Währungsunion. Wird dieser Verkehr eingeschränkt, ist der Wert des Euro auf dem Konto einer zyprischen Bank weniger wert als der (Euro), der auf ein Konto bei einer Bank eines anderen Landes eingezahlt worden ist. Praktisch bedeutet dies, dass der zyprische Euro kein Euro mehr ist. Mit der Einführung von Beschränkungen in der Bewegung von Kapital schaffte die Europäische Zentralbank praktisch eine neue Währung.“ (Guntram Wolff, stellvertretender Direktor des europäischen Think Tanks Bruegel )

23 Gedanken zu „Europa hat einen zweiten Euro

  1. world-citizen

    Eine Forderung an einen Augustin-Verkäufer ist weniger wert als eine Forderung an Karl Wlaschek.
    Ob diese Forderung aber auf Euro, Dollar, Rubel oder Quetzal lautet ist irrelevant.

  2. Thomas Holzer

    Das hat Hans-Olaf Henkel schon vor mehr als 2 Wochen festgestellt 😉

  3. Thomas Holzer

    @world-citizen
    Das stimmt so nicht;
    wenn Sie von einem Auguston-Verkäufer z.B. eine Dose Coca-Cola fordern, und auch vom Herrn Wlaschek eine Dose Coca-Cola fordern, sind beide Forderungen gleich viel wert.

  4. Herr Karl jun.

    @world-citizen
    Wumm, world-citizen als verkappter Grenznutzentheoretiker :-). Freilich erkannten schon damals (anno 1890 ff.) die Theoretiker, dass eine “Forderung” für den Forderungsinaber genauso subjektiv werthaltig ist wie für den Gläubiger. PS: Im übrigen hat dies nichts damit zu tun, dass die EZB auf diese Weise faktisch unterschiedliche Währungsräume schafft (was ja den träumerischen Plänen der world-citizens et alt. nach einem uniformen europäischen Wirtschaftsraum zuwiderläuft).

  5. Thomas F.

    Unsinn. Ein Stück Gold, das ich irgendwo liegen habe, wo ich gerade nicht ran komme, ist trotzdem genauso ein Stück Gold, wie eines, das ich in meiner Tasche habe. Das gebundene Stück mag wohl für mich im Moment weniger wert sein. Das ändert aber nichts am inneren Wert und an der Qualität beider Gegenstände.
    Die Kapitalverkehrsbeschränkungen haben dem Euro selbst nicht geschadet, wohl aber den Finanzplatz Zypern und vielleicht die gesamte EU kaputt gemacht. Das hat aber nichts mit der Währung zu tun sondern mit Rechtssicherheit im allgemeinen. Geld in der EU anzulegen ist für internationale Investoren nun mit einem politischen Risiko verbunden, so wie man es bisher eher nur Bananenrepubliken zugeordnet hat.

  6. Tom Pinger

    @Thomas F.
    Sehr ich anders! Der Faktor Zeit spielt eine wesentliche Rolle. Euros, die ich JETZT ausgeben will/muss, aber an die ich nicht ran komme, weil ich mich im falschen Land befinde, sind wertlos. Können natürlich irgendwann wieder mal wertvoll sein, aber im Moment bin ich schlechter gestellt und kann daher mit meinen (zypriotischen) Euros weniger anfangen. Ergo: Zypern hat einen Euro, der weniger wert ist als im Rest der €-Zone.

  7. Samtpfote

    Thomas F. :
    Unsinn. Ein Stück Gold, das ich irgendwo liegen habe, wo ich gerade nicht ran komme, ist trotzdem genauso ein Stück Gold, wie eines, das ich in meiner Tasche habe. Das gebundene Stück mag wohl für mich im Moment weniger wert sein. Das ändert aber nichts am inneren Wert und an der Qualität beider Gegenstände.
    Die Kapitalverkehrsbeschränkungen haben dem Euro selbst nicht geschadet, wohl aber den Finanzplatz Zypern und vielleicht die gesamte EU kaputt gemacht. Das hat aber nichts mit der Währung zu tun sondern mit Rechtssicherheit im allgemeinen. Geld in der EU anzulegen ist für internationale Investoren nun mit einem politischen Risiko verbunden, so wie man es bisher eher nur Bananenrepubliken zugeordnet hat.

    Die Zypreuros sind nicht weniger wert, sie sind nur- zur Zeit – weniger verfügbar. IIm Jetzt gefühlt bedeutet das: Ich hab mein Geldbörs’l verloren. (Hoffentlich gibt es einen ehrlichen Finder 🙂 )

  8. world-citizen

    Thomas Holzer :
    @world-citizen
    Das stimmt so nicht;
    wenn Sie von einem Auguston-Verkäufer z.B. eine Dose Coca-Cola fordern, und auch vom Herrn Wlaschek eine Dose Coca-Cola fordern, sind beide Forderungen gleich viel wert.

    NEIN, weil Wlaschek kann mühelos eine Dose Cola bezahlen, beim Augustin-Verkäufer ist das nicht selbstverständlich.

  9. rubens

    @Thomas Holzer
    Der WC möchte eben in der Preisbildung eine soziale Komponente sehen. Der Wlaschek soll eben die Dose des Augustin-Verkäufers quersubventionieren. Sowas hat zwar vor 20 Jahren zum Zusammenbruch einer Planwirtschaft geführt, offenbar war damals noch zu jung, das zu wissen.

  10. Thomas Holzer

    @rubens
    ah, danke für die Aufklärung! In diese Richtung hatte ich leider nicht gedacht 😉

  11. world-citizen

    @rubens

    Bin immer gerührt, welche “Böswilligkeiten” mir immer wieder unterstellt werden, insbesondere wenn ich alle Forderungen summiere, die ich in meinem Leben in den Rauchfang schreiben musste, weil beim Schuldner nichts zu holen war.

  12. Smarti

    world-citizen :
    Eine Forderung an einen Augustin-Verkäufer ist weniger wert als eine Forderung an Karl Wlaschek.
    Ob diese Forderung aber auf Euro, Dollar, Rubel oder Quetzal lautet ist irrelevant.

    Dumm nur, dass Geld keine Forderung ist, sondern das Medium, in dem Forderungen beglichen werden. Insofern lautet die Frage nicht, ob eine Forderung an A weniger Wert ist als eine Forderung an B, sondern eher ob ein Betrag von X Euros weniger Wert ist, wenn er von A kommt, als wenn er von B kommt. Die Antwort ist ‘Nein’.

  13. Feldheld

    Sorry, Herr Ortner, dieser Satz ist Blödsinn. Man sollte nicht alles, was irgendwie auf den ersten Blick plausibel klingt, gleich begeistert zitieren.

  14. Turing

    Wieso zweiter Euro? Wer Geld auf einem Tagesgeldkonto parkt, wird zum Gläubiger der Bank. Und es gibt Banken unterschiedlicher Bonität, so wie es private Schuldner unterschiedlicher Bonität gibt. Und ein Schuldschein von 1000 € ist nicht gleichwertig zu jedem anderen Schuldschein von 1000 €, selbst wenn die Zinssätze gleich sind. Es ist ein Unterschied, ob mir Hasso Plattner 1000 € schuldet oder Franjo Poth.

    Mein Mitleid mit den Gläubigern der zypriotischen Banken hält sich in Grenzen. Hierzulande japst man herum, dass man die Banken gerettet hätte. Lässt man die Gläubiger der Bank die Chose bezahlen (nichts anderes ist die Konsequenz der Verweigerung, eine Bank zu retten), dann ist das Gejammere auch wieder groß.

    Bislang habe ich dieses unlogisches Gejaule dem linken Spektrum zugeordnet und bedauerlicherweise finde ich es hier in einem neoliberalen Block. Im Ernstfall kann so eine Bankenpleite auch bedeuten, dass alles ab 100000 € weg ist.

    Übrigens: Wer so viel Cash hortet, hat ohnehin einen an der Klatsche. Vor wenigen Jahren hätte man damit sehr günstig Anteile an solide geführten deutschen Großunternehmen kaufen können. Wer 2009 eingestiegen ist, hätte bei den meisten DAX-Werten den Reibach gemacht. Man hätte kaum etwas falsch machen können. Ich habe als Berufsanfänger genau das gemacht. Leider hatte ich zu dem Zeitpunkt nur wenig Geld.

  15. Christian Peter

    @Turing

    Sehr richtig. Geht es um den Schutz privater Vermögen durch den Staat,
    werden aus Kapitalisten urplötzlich Sozialisten.

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