Europa wird von seinen Gegnern massiv attackiert – und döst weiter

Von | 10. Juli 2021

Dazu kommt, dass die europäischen Volkswirtschaften, allen voran die deutsche, mittlerweile eng mit der chinesischen verflochten sind, die Volksrepublik für viele Unternehmen der wichtigste Absatzmarkt ist. Den Chinesen in dieser Situation vorschreiben zu wollen, wie sie mit Taiwan zu verfahren haben, scheint da einem gezielten Schuss ins eigene Knie zu gleichen.

Trotzdem ist dieser weit verbreitete Zugang in gewisser Weise ahistorisch, naiv und letztlich gegen das nationale Interesse der Europäer gerichtet. Denn hinter der Frage, wie mit der chinesischen Diktatur zu verfahren ist, steht eine noch wichtigere: der sich immer klarer abzeichnende Konflikt zwischen autoritären Staaten wie China, Russland, zunehmend der Türkei und deren Verbündeten einerseits und dem Westen andererseits.

Nicht alle Europäer haben begriffen, was die oberste Maxime der Autoritären ist, wenn es um die Durchsetzung ihrer Interessen, auch ihrer territorialen, geht: Gewaltanwendung ist für sie ein normales Mittel der Politik, wenn sie angewandt werden kann, ohne dass dafür ein unverhältnismäßiger Preis zu entrichten ist. Darin verbirgt sich auch die Kurzantwort auf die Taiwan-Frage: Peking wird die Insel militärisch annektieren, wenn es davon ausgehen kann, dies ohne allzu hohe Kosten tun zu können; also etwa einem totalen Krieg mit den USA.

Nach dem gleichen Prinzip handelte ja auch Putin auf der Krim und in der Ukraine. Er rückte dort militärisch vor, weil er es konnte. Auch die Türkei bedient sich immer wieder dieser Methode. Und Pekings rechtswidrige De-facto-Annexion Hongkongs basierte auf dem Wissen Pekings, dies folgenlos tun zu können. Während den Amerikanern dieses Denken auch nicht ganz fremd ist, wirkt es auf die meisten Europäer verstörend und inakzeptabel. Was dazu führt, dass sie gegenüber diesen Herausforderungen und Gefahren vergleichsweise hilflos und vor allem ohne wirklichen Plan dastehen.

Natürlich will Peking Europa nicht militärisch besetzen, wohl aber mittelfristig zum Teil seiner globalen Einflusszone machen. Im Fall Russlands kann man nicht einmal territoriale Interessen ausschließen: Die Frage, ob Moskau im Baltikum militärisch vorgeht, wenn das wie auf der Krim oder in der Ostukraine ohne nennenswerten Preis möglich wäre, ist durchaus offen. Die Frage, ob der Westen in diesem Fall wirklich einen großen Krieg riskieren würde, übrigens auch. Was die Sache nicht leichter macht. Klar ist nur: Wenn die Europäer nicht bald aus ihrer naiven Illusionswelt aufwachen, in der Konflikte mittels Sesselkreis und „Brückenbauen“ gelöst werden können, wird es ein eher unangenehmes Erwachen geben.

Auch wenn das politisch extrem unbeliebt und deshalb schwer umzusetzen ist: Jene Regime, die nun den Westen immer dreister herausfordern, verstehen naturgemäß nur eine Sprache – und das ist die Sprache der Macht, basierend auf entsprechender militärischer Stärke und der Bereitschaft, diese auch entschlossen einzusetzen, wo immer es notwendig ist.

Das wird enorm viel Geld kosten, das nicht da ist. Es wird vor allem einen Mentalitätswechsel erfordern: Weg vom Dogma des Appeasements hin zu einer robusten Bereitschaft, den Konflikt nicht zu scheuen, wenn es wirklich notwendig ist. Für die Europäer, die Jahrzehnte in ihrer kuscheligen pazifistischen Komfortzone verbringen konnten, wird das ein eher mühsamer Lernprozess sein; aber ein Kontinent von Kellnern zu werden, die Chinesen bedienen, ist ja auch nicht sehr reizvoll. (“PRESSE”)

 

15 Gedanken zu „Europa wird von seinen Gegnern massiv attackiert – und döst weiter

  1. Mourawetz

    Solange Leute wie eine von der Leyen an der Macht sind, sehe ich kein Umdenken in Europa. Es wird eher schlimmer siehe die aufstrebende Baerbock

  2. aneagle

    Ein Kleinkontinent, der nicht einmal imstande ist seine Sommerzeit einvernehmlich zu regeln, kann auch nicht über seine selbst bestimmte Zukunft nachdenken. Braucht er auch nicht, das tun andere statt ihm. Die Rolle, die Europa gerne spielen möchte, existiert in der realen Welt nur so weit, wie es den Interessen großer, tatsächlich gestaltungsbereiter Staatengebilde genehm ist. Und damit ist nicht die inkompetente UNO gemeint.

  3. Rado

    Die Europäische Dekadenz und Wohlstandsverwahrlosung hat ein weibliches Gesicht. Und damit meine ich nicht nur Merkel und UvdL.

  4. sokrates9

    Ich halte derzeit Europa für den größten Kriegstreiber gefolgt von den USA die um ihre Weltmacht Nummer 1 Status fürchten.Wenn man sich die Militärbasen der Welt ansieht sind diese 95%USA / Nato.Dass natürlich die Chinesen ihre Macht und Einfluss ausbauen ist logisch. Wenn man objektiv ist sieht man aber in Afrika dass die nicht mit permanenten Kriegen angezunden von Westen vor sich geht.Die Stärke Europas lag bisher in ihrer Vielfalt, durch den jetzt ausgebrochenen zentralkommunistischen Größenwahn wird Europa auf ganzer linie verlieren!

  5. Johannes

    Europa hat keine nennenswerten Rohstoffe, somit ist es von China und Russland abhängig.
    Hätte Europa nicht einen Technologievorsprung, den es gerade gegenüber China verspielt, würde es von den beiden Großmächten nicht einmal ignoriert.
    Der Arrogante Umgang mit Russland in den 90geer Jahren rächt sich nun bitter.
    Der Westen wollte damals das Fell des russischen Bären verteilen. Gorbatschow selbst, dem man nur schwer unterstellen kann eine aggressive Politik betrieben zu haben, beklagt das falsche Spiel des Westen bitter in seinen Memoiren.
    Heute richten westliche europäische Politiker ihre bilateralen Nichtbeziehungen zu Russland über die Medien aus.
    Biden scheint erkannt zu haben das es notwendig ist das persönliche Gespräch mit Putin zu suchen.
    Russland ist wirtschaftlich schwach, eine Zusammenarbeit mit dem Westen könnte dazu führen das Russland nach und nach auch Fortschritte im Bereich der Demokratisierung macht.
    Eine gute Beziehung Russlands zum Westen würde China in die Defensive bringen und ein sehr gutes geopolitisches Gleichgewicht schaffen.
    Wenn in Europa jedoch die Annalenas tatsächlich an die Spitze Deutschlands gespült werden kann man jede geostrategischen Überlegungen getrost vergessen.
    Dann sind der Verzwergung keine Grenzen gesetzt und Europa wird noch mehr von einer tagespolitischen Gefühls-Haltungspolitik getrieben die international manipulierbar, verschreckt und mit Selbstgeisselung beschäftigt Akzente nicht einmal anzudenken vermag.

  6. Franz Brandl

    Lieber Herr Ortner!
    Gerne lese ich ihre Kommentare!
    Aber heute liegen Sie m.E. total falsch.
    Wer hat denn in den letzten jahrzehnten die Welt dominiert, unzählige Regimechanges und Kriege mit Millionen von Toten begonnen, sicherlich nicht China und Russland, Sie ahnen es schon, es war der Hegemon USA!
    Natürlich muss Europa eine weltpolitische Rolle spielen, sich von der Mutterbrust der USA lösen und auf eigenen verteidigungspolitischen Füßen stehen. Das will aber die USA nicht und durch die transatlantischen Verflechtungen ist auch nicht davon auszugehen.
    Ein Tip für Sie: lesen Sie das Buch von Zbigniew Brezezinsk:i USA, Die einzige Weltmacht, Amerikas Strategie der Vorherrschaft aus dem Jahr 1997!
    Gerne kann ich Ihnen, gerade in Bezug der Russen unsd Chinesen auf die westliche Geopolitik noch weitere Informationen liefern, warum die Welt heute so ist, wie sie ist.
    Gruß! Franz Brandl

  7. Wolfgang Niedereder

    Danke für den sehr realistischen Artikel.
    Europa wird zum Freilichtmuseum für lächelnde Touristen aus den bestehenden/kommenden Industrienationen Südostasiens.
    Großbritannien ist durch einen neuen Vertrag de facto der 51 Bundesstaat der USA und hat damit möglicherweise eine Sonderstellung, da dieser Wirtschaftsraum GB-Nordamerika durchaus interessant sein könnte.
    Ja und was wird aus der EU? – man war schon optimistischer.

  8. CE___

    @ sokrates9

    Europa, also ich denke Sie meinen die EU, der weltweite größte Kriegtreiber? Wie das? Können Sie das ausführen, es interessiert mich.

    Ja, diese Rotchinesen mögen (derzeit) vielleicht in Afrika keine Konflikte anzünden, dafür sind sie in Asien mit allen Händen umso aktiver mit Zündeln in alle Richtungen, abgesehen vom Unterminieren des Westens weltweit seit Jahrzehnten.

    Und betreffend “China”, weil das klingt immer so harmlos. Wir reden hier nicht über die freiheitliche demokratische Republik China auf der Insel Taiwan, sondern über die totalitär-kommunistisch-repressive Volksrepublik China.

    Und hinsichtlich der VR China bin ich als Europäer heilfroh dass die USA, laut Ihren Zahlen 95%, der Militärbasen der Welt innehaben, und nicht erstere. Ich möchte es unter keinen Umständen anders haben, egal wie auch ich die derzeitige US-Administration ablehne da durch Wahlbetrug an die Macht gekommen und mit den ganzen kulturmarxistischen Beiwagerln. Aber die US-Administration kann und wird sich wieder ändern, ganz im Unterschied zur VR China die derzeit voll in einen Partei- und Führerkult mit Globalambitionen abgleitet, der frappant an eine NS-Zeit erinnert.

  9. CE___

    Zwischen den Handlungen Russlands auf der Krim und der VR China gegenüber der Republik China komme ich zu anderer Einschätzung.

    Die Annektion der Krim durch Russland war ein Offensivschritt aus der Defensive heraus. Fakt ist die NATO rückt näher an Russland heran, warum auch immer, und Russland KANN die Ukraine nicht in NATO-Hand fallen lassen, ansonsten der weiche Leib Russlands im Süden ganz offen wäre. Und wie schnell und weit aus der Ukraine mitten nach Russland hinein vorgestossen werden kann, haben die Deutschen im Sommer 1942 gezeigt. DAS wird Russland kein zweites Mal zulassen, EGAL was das kostet. Und globale Ambitionen sehe ich bei Russland wirklich keine. So ein grosses Land, so wenige Leute, und das größte Problem Russlands ist ebenfalls die VR China, die Ansprüche auf große Gebiete stellt welche das chin. Kaiserreich an das Zarenreich verloren hatte, auch wenn diese Frage derzeit kaltgestellt ist.

    Bei der Aggression der VR China gegen die Republik China auf der Insel Taiwan ist der Sachverhalt jedoch ganz anders. Die VR China will endlich den Bürgerkriegsgegner eliminieren, diese lästige Insel die mit jeder Minute zeigt dass die Chinesen sehr wohl zu Demokratie und Rechtsstaatlichkeit fähig sind und nicht die totalitäre Knute eines Kaisers oder eines Führers samt Einparteistaates benötigen. Der Kriegszustand besteht seit den 1920ern bis heute, auch wenn der Konflikt vorerst kälter geworden ist. Und natürlich, die Insel ist strategisch für weitere Aggression nach aussen eine Voraussetzung, wenn man im Norden den Japanern die Ryukyu-Insel herausreissen will, und den Phillipinen die zwischen Taiwan und Philippinen gelegenen Inseln, damit die Flotte der VR China freien und breiten Zugang in den Pazifik hat.

  10. Falke

    Durch den aktuellen Klimawahn und die einwanderungsfreundliche Politik der EU wird Europa in 10 Jahren, nach weitestgehender Zerstörng seiner Industrie, Wirtschaft und des Sozialwesens, den Status eines 3.-Welt-Staates haben und international keine Rolle mehr spielen. Die “Musik” wird dann in Asien (China, Indien, Japan, Südkorea, vielleicht auch Taiwan, Vietnam, Thailand) und Amerika (USA, Kanada, Brasilien) spielen, mit Beifall und Resteverwertung durch Russland und die Türkei.

  11. sokrates9

    CE_Europa – Kriegstreiber? Unter zündelnden Europa verstehe ich natürlich die Eu. Schweiz und Norwegen spielen da weniger eine Rolle.
    Da hätten wir zB mal den arabischen Frühing. Wer hat Ghadaffi weggebombt?War Lybien nicht eines der reichsten Länder Afrikas? Wer hat in Syrien,im Irak gemeinsam mit den USA da großartig gezündelt? Das Interesse Europas in dieser Gegend ist mindestens so groß als die der USA.Was ist mit Tunesien, Ägypten? da wurde ja auch die Lunte von Europa gelegt! Afrika – da vertritt die Eu vor allem die Interessen der Franzosen. Sudan, Mali andere Friedenseinsätze wie in Ostafrika – da werden auch euuropäische Werte verteidigt??.Europäische Werte müssen laut Merkl ja ( anscheinend wie immer erfolglos) 20 Jahre in Afghanistan verteidigt werden.Dere gesamte Jugoslawienkrieg – hatte damit die Eu nichts zu tun?Gab es nicht ein Agreement dass die ehemaligen Ostblockstaaten nicht Natomitglieder werden sollen? Wer hat das gebrochen?Was hat Europa in Syrien verloren?
    Völkerrechtskonforme Einsätze der Nato? Der Ukraine wurde der Anschluss an die Eu in Aussicht gestellt,ukrainischer Präsident gestürzt.Weißrussland NGOs versuchen Putsch zu inszinieren,Moldawien, andere Satelliten trennen sich von Rußland mit Eu – Flagge im Hintergrund. Dass Rußland Krim aus strategischen Gründen okkupieren musste bestätigen sie ja selber. aber Volksabstimmmung mit 85% für Rußland gab wird ignoriert.
    Warum agiert die friedensliebende Eu perrmanent mit Sanktionen? Glauben sie die Novitsschok- Schmähs mit dem der böse Putin die EU angreifen will? Der Fall Nawalny -Halbkrimineller wird eingesetzt um Putin zu destabilisieren, funktioniirt nicht weil die EU da auch dilettantisch vorgeht.Wie viele Tote hat eigentchh China so produziert, wie viele die friedensliebende EU??

  12. Rado

    Stimme Sokrates9 in Punkte Kriegstreiberei zu. Die Migrationspolitik der EU zB kann man gar nicht anders als Kriegstreiberei ins eigene Innere nennen.

  13. CE___

    @ sokrates9

    Danke für die Aufzählung.

    Ohne jetzt jedes Beispiel einzeln thematisieren zu wollen, manche Einsätze waren gut, manche Einsätze reine Dummheit und sinnlos, vor allem Lybien, ohne hier irgendeine “Symphatie” für Gaddafi und Co.

    Nur, in vielen “humanitären Einsätzen”, also in Ländern wo Rotchina auch etwas herausholen will, sind die Rotchinesen schon seit langen Jahren voll mit dabei, zuminest nachdem die Kugeln geflogen sind.

    Und weiters, aus ihren Beispielen nun schlussfolgern zu wollen dass die Rotchinesen keine Umstürze planen und durchführen würden, und deswegen relativ gesehen die “Braven und Guten wären”, ist doch wirklich falsch, vor allem wenn man die VR China seit 1949 betrachtet.

    Nur ein Beispiel, wer hat die ganzen totaliär-maoistischen “Freiheitskämpfer” finanziert, 1950/60/70/80er, die in Asien, Indien und Afrika teilweise bis heute für Unruhe sorgen? Natürlich die VR China, um Umstürze zu planen und Verbündete an die Macht zu bekommen.

    Nur derzeit, man könnt’ fast sagen, die Rotchinesen konzentrieren sich auf das Hauptpreis, nämlich die USA und die größten westeuropäischen Staaten zu schwächen und zu unterminieren, sogar in diesen Ländern selber, während sich der Westen mit “Kleinmist” in Afrika und Afghanisten verausgabt.

  14. CE___

    @ sokrates9

    Noch ein Nachsatz zu Sanktionen und Irak.

    Sanktionen verhängen die Rotchinesen selber, siehe derzeit unter anderem Australien, also auch hier nichts was anders gemacht wird als der Westen.

    Zum Irak. Hier zeigt sich sehr gut wie Rotchina vorgeht um die Vorgangsweise des Westens auszunutzen um sich nicht die Finger schmutzig machen zu müssen.

    Quasi die marketingmäßige “Piggy-Back-Methode” für Markteintritte. Die USA installieren mit Krieg ein neues Regime, und die Rotchinesen schliessen dann mit diesem von den USA installierten Regime riesige Erdöl-Investitions-und-Abnahme-Abkommen.

    Lassen wir eimal beiseite warum die USA so dumm sind das zuzulassen.

    Wer ist aber hier nun also der “Böse”. Die USA die das Regime mittels Krieg installiert haben und um US-amerikanische Steuergelder stützen? Oder die Rotchinesen, die riesigste Geschäfte mit ebendiesen Regime abschliessen, das sie aber eigentlich ablehnen und boykottieren müssten, wenn es denn so schlecht wäre was der Westen da täte?

  15. sokrates9

    Warum sollen die Chinesen die “Guten” sein und nicht alle Vorteile für sich nutzen? USA / EU regieren mit Kriegen und Sanktionen und die Chinesen sollen das nicht für sich nutzen? Europa ruiniert sich nun mit den Klimazielen mit 8% CO2 Anteil will man Vorbild für die Chinesen spielen? Die Chinesen sagen lächelnd Danke und bringen 80 weitere Kohlenkraftwerke in Startposition!Chinesen kämen nie auf die Idee Afghanistan westliche Werte aufzuzwingen! Somit ein Bravo den Chinesen – 8% Wachstum sind Werte die man in Europa / USA sich nicht einmal vorstellen kann.

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