Europäische Werte für zypriotische Sparer

Von | 18. März 2013

Die “Europäischen Werte” zu leben verlangte der Berliner Aussenminister Guido Westerwelle jüngst von der ungarischen Regierung. Was diese europäischen Werte in der Praxis wert sind, erfahren die zypriotischen Sparer gerade: deren Sparguthaben, so wollen es die EU-Finanzminister, sollen teilenteignet werden. Ein wirklich bemerkenswerter Beitrag zum “europäischen Friedensprojekt”.

25 Gedanken zu „Europäische Werte für zypriotische Sparer

  1. FDominicus

    Rechtlos im EURo Friedensprojekt. Eigentum nach Kassenlage des Staates aber es gibt keine Grenzen. Verdi hat es angeschrieben. Wir haben doch “nur” 2 Billionen an Schulden aber rund 6 Billionen an Vermögen….

    Jeder kann sich nun hoffentlich nach Zypern vorstellen was das meint.

    Wer mehr darüber lesen will ist gerne auf meinem Blog willkommen. Ich spare es mir hier alles zu wiederholen…

  2. Thomas Holzer

    Sind eigentlich die EU-Granden bei Herrn Orban in die Schule gegangen??
    Rechtsbruch unsanktioniert! durch Politiker all überall

  3. Feldheld

    Wo wird hier wer “teilenteignet”? Hier werden auf Kosten der Steuerzahler Sparvermögen zum größten Teil gerettet. Enteignet wird hier also der Steuerzahler und niemand sonst. Wieder einmal werden Verluste sozialisiert. Neu ist nur, daß die Geretteten sich noch tolldreist beschweren, daß man ihnen nicht 100% ersetzt, sondern nur 90%.

  4. Wafthrudnir

    @Thomas Holzer
    Die Idee des Naturrechts ist im Westen praktisch ausgestorben; wir sagen vielmehr, Recht wäre, was der Gesetzgeber als Recht definiere. Wenn das zypriotische Parlament die Enteignung absegnet, ist sie genauso rechtmäßig, wie es vorher der Schutz des Eigentumes war.
    Seien wir also stolz, daß wir die überkommene (und noch dazu katholisch vorbelastete) Idee des Naturrechts endlich überwunden haben.

  5. DailyMirror

    Mich wundert ein wenig, dass Herr Ortner gegen diese Teilenteignung von Sparern ist. Immerhin tritt er in anderen Fällen vehement dafür ein, krisengeschüttelte Banken Pleite gehen zu lassen, wodurch die betroffenen Sparer ja ebenfalls enteignet werden…

  6. Cato

    @DailyMirror
    Meines Erachtens übersehen Sie, dass in einer freien Marktwirtschaft auch die Möglichkeit bestehen sollte, Banken in Konkus zu schicken.
    Es käme dann für die kleinen Sparer die Garantieerklärung des Staates
    ( derzeit EU-weit Euro 100.000,- ? )zu tragen. Im Falle Zypern liegt eine durch Gesetz verfügte Teilenteignung vor. Durch Eingriff in die natürliche Ordnung der freien Marktwirtschaft sollten die Banken und damit die Grossanleger in Zypern geschont werden. Solch ein Vorgang kann sich jederzeit in Spanien, Portugal, Frankreich, Italien …. erreignen.
    Aber dahinter steht Systhem : Der verängstigte Sparer wird mehr in den Konsum gedrängt .

  7. Thomas Holzer

    @Wafthrudnir
    So ist es, leider:
    aber jeder Rechtsbruch, welcher derzeit begangen wird, und im Nachhinein per Gesetz und/oder Vertrag “legalisiert” wird, dient doch nur dem Erhalt des hehren Friedensprojektes EU.

    Haben nicht auch Herr Hitler ind Konsorten ähnlich argumentiert?!

  8. gms

    Feldheld :
    Wo wird hier wer “teilenteignet”? Hier werden auf Kosten der Steuerzahler Sparvermögen zum größten Teil gerettet. Enteignet wird hier also der Steuerzahler und niemand sonst. Wieder einmal werden Verluste sozialisiert. Neu ist nur, daß die Geretteten sich noch tolldreist beschweren, daß man ihnen nicht 100% ersetzt, sondern nur 90%.

    Niemand hier verteidigt ein Bailout Zyperns mit europäischem Steuergeld – im Gegenteil. Was die Enteignung anbelangt, so ist die Bezeichung völlig angebracht. Wenn ich besagte Enteignung kritisieren, so deshalb, weil ein Irrsinn der Vergangenheit noch lange keinen größeren gegenwärtigen Irrsinn rechtfertigt. Gegenteilige Einschätzungen sind ein Charakteristikum von nützlichen Idioten (no offence!)

    Neben den vielen schon aufgezeigten Aspekten kommt ein weiterer hinzu: Die Konten wurden eingefroren, noch lange bevor es in Zypern ein Gesetz dazu gab. Die Macht hat somit einmal mehr derjenige, der über den Ausnahmezustand entscheidet. Diese Macht jedoch ist den europäischen Bürgern lange schon entzogen.

  9. Thomas Holzer

    @gms
    Und es gibt bis jetzt! 18.03.2013; 16.10h (local time VIE) KEIN Gesetz.

    Ein Rechtsbruch, der seinesgleichen sucht!

  10. gms

    DailyMirror :
    Immerhin tritt er in anderen Fällen vehement dafür ein, krisengeschüttelte Banken Pleite gehen zu lassen, wodurch die betroffenen Sparer ja ebenfalls enteignet werden…

    Ja, im Rahmen eines Konkurs-/Ausgleichverfahrens! Es bedarf schon verdammt eng gesteckter Scheuklappen, um den Unterschied eines solchen Verfahrens und der Willkür in Zypern zu ignorieren.

    Gerade für Schwachmatiker hatte ich in einem anderen Thread das Zitat von Juncker gebracht, der für Zypern ja explizit die Gläubigerbeteiligung wie in Griechenland ausgeschlossen hat, weil ansonsten doch seine Glaubwürdigkeit leiden würde.

    Wer ist nun in Zypern Gläubiger?! — Einzig jene, von denen die Dressurelite meint, es seien die Geeignetsten zur Rasur.

  11. gms

    @Thomas Holzer

    Naja, irgendein Gesetz wird schon finden, wonach das Einfrieren aller Konten zur Vermeidung von Blafasel zulässig ist. Die Abstimmung im Parlament darüber, wie die in Geiselhaft genommenen Gelder abzugreifen sind, erfolgt vorraussichtlich erst morgen Dienstag. Nachdem die Abstimmung auf alle Fälle knapp wird, soll nun an Prozentsätzen und Staffelungen gefeilt werden, um auch die Linken ins Boot zu holen.

  12. Thomas Holzer

    Diese ganze Aktion wirft ein ganz neues?! Licht auf das Bestreben “unserer” Volksvertreter, das Bargeld total abzuschaffen.

    Wenn daa erst mal geschehen ist, dann ist dem unlimitiertem Zugriff auf Privatvermögen (respektive, was davon noch übrig ist), Tür und Tor geöffent!

    Und das Volk bekundet in Umfragen ganz begeistert seine Zustimmung zur Abschaffung des Bargeldes, weil sooooooo viele und schwere Münzen in der Hosentasche sind wirklich unpraktisch.

  13. Realist

    Feldheld :
    Wo wird hier wer “teilenteignet”? Hier werden auf Kosten der Steuerzahler Sparvermögen zum größten Teil gerettet. Enteignet wird hier also der Steuerzahler und niemand sonst. Wieder einmal werden Verluste sozialisiert. Neu ist nur, daß die Geretteten sich noch tolldreist beschweren, daß man ihnen nicht 100% ersetzt, sondern nur 90%.

    Wer behauptet denn, dass jeder zypriotische Sparer Geld verloren hätte? Über einen was-wäre-wenn-Automaten verfüge ich leider nicht, Sie vielleicht?

    Wenn auch nur einem einzigen Zyprioten durch diesen Deal Eigentum geraubt wurde, ist die Aktion zu verachten, so einfach ist das. Dass die ganze Rettungsaktion selbst natürlich auch grundfalsch und noch dazu absolut unnötig ist, ist ein ganz anderes Thema.

  14. Jeremias

    @Thomas Holzer

    Siehe das Geld wechseln. Devisen.
    Karl Schiller – ab 1966 BundesWirtschaftsMinister – schützte die”soziale Dividende des klenen Manne”. Das war die Summe aus der Abwertung der Währug des Urlaubslandes plus der Aufwertung der DM. Also der Urlaubronte sich für die DM mehr kaufen.
    Jetzt gibt es Dummköpfe, denen das Wechseln der DM in die Währung des Urlaublandes schon zuviel war. Aber dem es nicht in den Kopf geht, daß er für den EURO weniger bekommt als er für die DM bekommen würde. Da mal seine Gehirnwindungen einem Training zu unterwerfen, wäre mal ein Akt der Dankbarkeit angebracht. Denn dann würde es einem klar werden, welch tolle Sache die DM und die dahinterstehende Deutsche BundesBank war und ist. Ist ja auch klar: In den Mund schaufeln ist dem Gehirn geographisch näher als die Kacke, die mehr oder weniger aus der hinteren Öffnung wieder herauskommt. Da muß einer Landwirt sein, um diese Kacke wertzuschätzen.

  15. Jeremias

    Schon während meines Studiums (MINT;1972) war klar, wer Jura studiert. Diejenigen, die sich ungern an das Reeht halten.
    Deshalb war das Angebot im studium generale mit BGB, HGB, Arbeitsrecht, Vertragsrecht usw. gut bestückt.

  16. Feldheld

    @gms
    Mich stört, wie hier gerade diejenigen, die die Hauptursache für den Schnullerstaat sind, als die armen unschuldigen Opfer dargestellt werden, die sogenannten “kleinen Leute”.

    “Kleiner Leut” zu sein meint jede Verantwortung für alles und für sich selbst von sich zu weisen und auf “die da oben” zu schieben. Nie erwachsen werden müssen, von der Wiege bis zur Bahre vom Staat durchgepäppelt und verwaltet zu werden. Und natürlich anschließend tränenreich über “die da oben” zu schimpfen. Wie kleine Kinder eben.

    Mir wäre es selbstverständlich sehr recht, wenn die zyprischen Banken sich in Luft auflösen würden und die Einleger sich mit der Konkursmasse zufrieden geben müßten. Das ist doch gerade mein Punkt.

  17. Samtpfote

    Ich versteh die ganze Aufgeregtheit nicht wirklich. Hierderorts werden Kest-Beträge einbehalten, die die Netto-Sparzinsen auf ein Nivieau treiben, das einem tatsächlichen Wertverlust entspricht. Na suprig!
    Da weder GR noch ZY eine Kestabgabe per Gesetz installiert haben, wird jetzt einmalig(!) eine kestartige Abgabe abgeführt. Na und?
    Wer hat bei uns gebrüllt, als bei uns die Sparerberaubung Gesetz wurde???
    Also keine Angst. Das Gesetz in Zypern kommt. Beim Zeus, es soll nix schlimmeres passieren….

  18. gms

    Feldheld :
    Und natürlich anschließend tränenreich über “die da oben” zu schimpfen. Wie kleine Kinder eben.

    Soweit sind wir garnicht auseinander. Darüber schrieb ich schon mehrfach, wie der Staat sich durch permanente Einmischung mit Vorschriften und Aufsichten ins Geldwesen einmischt und welche Wirkung dies insbesondere auf das Tragen individueller Verantwortung hat. Die Konsequenz ist der Ruf nach Amtshaftung.
    Kombiniert mit der ostentativ ausgesprochenen Einlagensicherung (100.000.-), ist der Ruf der Öffentlichkeit nach einem Bailout des sprichwörtlich kleinen Mannes aufgelegt. Die einen verweisen auf den Grundsatz, Verträge seien einzuhalten, die anderen nennen es naiv.
    Beide Standpunkte sind vertretbar, gibt es zwischen dem Verhalten von “kleinen Kindern” und deren Vormund eine Wechselwirkung.

  19. gms

    Samtpfote :
    Da weder GR noch ZY eine Kestabgabe per Gesetz installiert haben, wird jetzt einmalig(!) eine kestartige Abgabe abgeführt. Na und?

    Kritisiert wird die Art und Weise deren Einführung. Auch ist fraglich, ob es sich auch um eine Kapitalertragssteuer handelt, einmalig einen Prozentsatz von Einlagen abzuschöpfen, unabhängig davon, wie diese Einlagen zustandekamen.
    Wer von der Bank ein Darlehen noch auf dem Konto hat oder Gelder von Dritten verwahrt, dessen Schuld vergrößert sich durch politische Willkür. Durch die sich abzeichnende stärkere Progressierung der Abgabe wird das Ganze zusätzlich verschärft.
    Eine reguläre KESt ist übrigens für Zyperns schon fix vereinbart.

  20. Samtpfote

    @gms
    Eine reguläre KESt ist übrigens für Zyperns schon fix vereinbart.

    Sag ich doch!
    Übrigens 9,9% einmalig sind so viel, wie 39,6 Jahre jedes Jahr 0,25%.
    Sagen Sie: Seit wann haben wir die Kest???

  21. Feldheld

    Peter Schiff erklärt es brilliant wie gewohnt:

  22. Christian Peter

    @Samtpfote

    Sie haben recht. Die Massenhysterie um die Sonderabgabe in Zypern
    ist idiotisch, denn (Sonder-) Abgaben sind im Prinzip nichts anderes
    als Steuern.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.