Europas törichte Affaire mit Barack O.

Von | 15. Juni 2013

Als US-Präsident John F. Kennedy am Brandenburger Tor den legendären Satz “Ick bin ain Berliner” sprach, gab er den vom Kommunismus umzingelten Berlinern Mut und Hoffnung. Als Ronald Reagan an selber Stelle “Herr Gorbatschow, reißen Sie die Mauer nieder!” rief, nahm er vorweg, was kurze Zeit später Wirklichkeit wurde.

Was Barack Obama nächste Woche in Berlin sagen wird, wissen wir naturgemäß noch nicht. Zu vermuten ist angesichts seiner diesbezüglichen Erfolgsgeschichte: Der Mann wird eine rhetorisch hervorragende Rede halten, die inhaltlich nicht eben in die Geschichte eingehen wird, um es einmal freundlich zu sagen. So wie letztlich die ganze Präsidentschaft Obamas, die mehr an jene des netten, aber unbedeutenden Erdnussfarmers Jimmy Carter gemahnt denn an Männer wie Kennedy oder Reagan.

Interessant zu beobachten wird nächste Woche in Berlin freilich sein, ob der riesige europäische Obama-Fanclub aus der medialen und der politischen Klasse langsam erkennen wird, was für einer Windnummer sie da, wenn auch meist durchaus aus redlicher Absicht, letztlich aufgesessen sind. Denn noch kein US-Präsident ist in Europa derart idealisiert, zu einem Heilsbringer hochstilisiert und nahezu als Erlöserfigur adoriert worden wie der 44. Amtsinhaber im Weißen Haus zu Washington.

Das kontrastiert ziemlich herb mit den von Obama zu verantwortenden Fakten: der Liquidierung amerikanischer Staatsbürger mit Kampfdrohnen, dem entgegen seiner Wahlversprechen weiteren Betrieb von Guantanamo, der orwellschen Bespitzelung von Milliarden Internet-Usern weltweit, der missbräuchlichen Jagd der Steuerbehörden auf politische Gegner des Präsidenten, der illegalen Beschnüffelung von Journalisten – gegen diese Erfolgsbilanz der Ära Obama nimmt sich sein Vorgänger Richard “Watergate” Nixon fast schon wie ein seriöser Politiker aus. Nicht wirklich besser wird diese Bilanz dadurch, dass die Administration Obama genauso viel Staatsschulden aufgenommen hat wie alle seine 43 Vorgänger zusammen (was freilich mit dem Ausbruch der Weltwirtschaftskrise zu tun hat, die er nicht zu verantworten hat).

Dass Barack Obama gerade in Europa Erwartungen erzeugte, die selbst eine Kreuzung aus John F. Kennedy und Nelson Mandela nicht einlösen hätte können, hat mehrere Ursachen. Erstens: Nach dem schwachen George W. Bush strahlte nahezu jeder Kandidat heller, als eigentlich angemessen war. Zweitens: Obama hatte als Nicht-Weißer einen enormen Sympathie-Bonus, emotional verständlich und sympathisch, in der Sache freilich irrelevant. Drittens: Obama verströmte, nach europäischen Kriterien jedenfalls, einen linksliberalen politischen Duft, der bei der übergroßen Mehrheit der Meinungsführer wesentlich besser ankommt als Männer vom Typus eines Reagan oder des älteren Bush.

Entgangen sein dürfte Obamas europäischen Verehrern freilich, dass noch jeder US-Präsident, sobald er gewählt war, vor allem das nationale Interesse der Vereinigten Staaten im Auge hatte – und nicht die Erwartungen des europäischen Feuilletons. Europas Affäre mit dem ersten schwarzen US-Präsidenten war von Gefühlen getrieben, die zunehmend mit der Wirklichkeit kollidieren. (“WZ“)

 

16 Gedanken zu „Europas törichte Affaire mit Barack O.

  1. Nettozahler

    Ist tatsächlich die gesamte aussenpolitische Gruppe der Medienleute, mit Journalisten, Kommentatoren, Korrespondenten, Leitariklern, etc. so dumm, dass sie einen Präsidentschaftskanditaten so hochjubeln und so hohe Erwartungen in ihn setzen, nur weil er eine etwas andere Hautfarbe hat. Es ist genausoviel Schwarzer wie Weißer. Für seine kommunikativen Fähigkeiten böte sich eher der Beruf eines Predigers an, als die eines Führers einer Weltmacht.
    Ich bin nur ein – politisch interessierter – kleiner Vorstadthandwerker, aber mir war diese hohle Fassade und diese Entwicklung schon bei seiner Erstkanditatur klar.
    Selbst in den sogenannten Qualitätsmedien las man damals kein einziges kritisches Wort.
    Also, ist die politische Journalistenschar wirklich so dumm?

  2. herbert manninger

    @Nettozahler
    Da der Großteil der Journalisten sich mit einer “guten Sache” gemein gemacht hat, macht es jetzt sichtbar Mühe, die Kurve zu kratzen und Obama als das hinzustellen, was er zumindest bisher war :
    ein linkspopulistisches Großmaul.

  3. Rennziege

    @herbert manninger

    “Ein linkspopulistisches Großmaul.”
    … das die Vereinigten Staaten zu einer planwirtschaftlichen Volksrepublik umbauen wird, wenn man ihm nicht genau auf die Pfoten schaut. Gottlob gibt’s noch die Verfassung und einen Kongress, in welchem er keine flächendeckende Mehrheit hat.
    Kommt der “Messias” allerdings mit seinem Plan der Amnestie und des Wahlrechts für ~15 Mio. illegale Einwanderer sowie der Öffnung für weitere Millionen Wetbacks durch, wird es nie wieder einen Präsidenten der Republikaner geben.
    Denn die geben ihren Widerstand allmählich auf, weil illegale Latinos der Industrie als billige Arbeitskräfte höchst willkommen sind.

  4. Josef Roth

    Man kann Obama genug an´s Zeug flicken, er hat es verdient. Die Liquidierung von Terroristen (auch mit amerikanischen Paß) durch Drohnen und die Nicht-Schließung von Guantanamo gehören nicht dazu. Der Krieg gegen den Terror war keine Marotte von Bush oder Obama, sondern die Antwort auf den islamischen Terror. Auch wenn es eine unangenehme Einsicht darstellt, mit Rechtsstaatlichkeit allein gewinnt man keine Kriege. Und diesen Krieg zu verlieren könnten wir uns – Obama hin oder her – nicht leisten.

  5. aaaaaaa

    Ich halte Obamas Politik auch für Versagen, insbesondere die ökonimische Innenpolitik.

    Bei den Drohnen muss man aber der Fairness halber sagen, dass Obama nur deshalb der erste richtige Drohenpräsident ist, weil es die Technik dazu vorher noch nicht gab. Man sollte mehr darüber reden, WAS Obama tut, und nicht WIE er es tut.

  6. Michael Haberler

    @herbert manninger
    Das dürfte der Kern des Problems sein – es scheint der Mehrheit der schreibenden Zunft primär um Belehrung und Beeinflussung zu gehen zu dem, was sie als wahr und gut etc etc wahrnehmen

    Vor der Gouvernanten-Agenda muss notgedrungen die Realitätswahrnehmung zurückstehen, und wenns gar nicht mehr zum derdrucken ist so wie jetzt, dann sieht man gestochen scharf die kognitiven Dissonanzen: Föderl-Schmid und Prantner beim Zurückrudern, und der Spiegel-Aufmacher neulich hätte wohl eher heissen sollen: “Obama – unser Abschied vom Wunschdenken”. Die ganze Mischpoche, die gerade eben noch pro Obama wahlgekämpft hatte, als gäbs kein Morgen und er würde in Europa gewählt: kollektiv Butter am Kopf.

    Wenn es irgendeinen Beleg zur Existenz des polit-medialen Komplexes mit seiner 110% vorhersehbaren Einheitspropaganda geben kann: hier ist er – leugnen ist zwecklos.

    Ich bin gespannt, ob auch nur einer von denen die intellktuelle Integrität besitzt, um zu sagen: “mea culpa, liebe Leser, wir sind einer Chimäre nachgelaufen.”

  7. Suwarin

    @Rennziege
    Nicht so pessimistisch. In New Mexico stellen die Republikaner zur Zeit die Gouverneurin, bei über 40% Hispanics. Und eine etwas weniger konservative Gesellschaftspolitik vonseiten der Republikaner wäre nur zu bebrüßen.

  8. Feldheld

    Da wird immer Obamas rhetorisches “Talent” hochgejubelt. Ticken diese Leute noch ganz sauber? Ich hab im Leben noch keinen so üblen Stammler und Stotterer gesehen. Keine fünf Sekunden kann ich ihm schmerzfrei zuhören. Klar, Bush war auch kein großer Redner (wie etwa Reagan). Aber immerhin spürte man bei Bush bei jedem Satz, daß er sagt, was er meint, während bei Obama von der ersten Sekunde an der gegenteilige Eindruck entsteht, nämlich daß kein Balken im Raum ungebogen bleibt, bevor er denselbigen verläßt.

  9. Michael Haberler

    world-citizen :
    Ja ja, dieser Nationalismus ist zweifellos der bösartigste und gefährlichste Aggressor…

    Gibt’s auch einen Bezug zum Thema?

  10. Mario

    @world-citizen
    Verstehe den Bezug zum Thema auch nicht – hinzu kommt: Haben Sie zufällig auch eine Karikatur ausfindig gemacht, die so ungefähr um das Jahr 1945 entstanden ist – dem “nationalistischen” Einsatz der Amerikaner gegen Nazi Deutschland?

    stellen Sie sich vor, ich liebe Österreich, auch den deutschen Sprachraum und Mitteleuropa – Sie lieben halt etwas anderes – die Welt? OK – nur – die wäre mir persönlich als Nation zu groß….

    Allerdings bin ich auch froh Eltern gehabt zu haben, zu denen ich gehörte – und keine undefinierbare Patchwork Gruppe aus Hetero-Homo- und anderen Beteiligten.
    Der Mensch muss wissen, wo er hingehört, was ihn “umarmt”.

  11. world-citizen

    @Mario

    >>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>> Der Mensch muss wissen, wo er hingehört, was ihn “umarmt”. <<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<

    Bin ich froh, daß mein Platz überall dort ist, wo ich mich wohl fühle. Und Umarmungen sind auch nur bis zu jenem Grade gut, dal sie mich nicht erdrücken.

  12. Feldheld

    WoW. Das ist hier ja ein political correctness Blog!

    *schüttel*

    nix wie weg hier.

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