Exit vom Brexit?

Von | 27. Juni 2016

“…..52 Prozent für den Brexit – ist das zu wenig? Mehr als eine Million Briten wollen angesichts des knappen Ergebnisses beim EU-Referendum noch einmal abstimmen. Eine offizielle Petition an das Parlament in London knackte am Vormittag die Millionenmarke. Bereits 100.000 Unterstützer reichen aus, damit das Parlament eine Debatte “in Betracht ziehen” muss…..” (hier)

31 Gedanken zu „Exit vom Brexit?

  1. Nattl

    Alleiine, dass über diese Option diskutiert wird, zeigt an, dass wir in der Postdemokratie angekommen sind. Die Menschen in der westlichen Welt sind mittlerweile alle wie kleine Kinder: auf der einen Seite wollen Sie bei den Großen mitreden, auf der anderen Seite wollen Sie keine Verantwortung für ihr Handeln übernehmen und wenns Unangenehm wird, gleich wieder in den gemütlichen Conveniencebereich zurück.

    Nachdem der Großteil de Bevölkerung solch verantwortungslose Vollidioten sind, ist wohl der Untergang unserer Gesellschaft, wie wir sie kennen, vorprogrammiert. Letztendlich schlägt halt Darwin immer zu…

  2. wbeier

    Naja, aktuell sind es schon mehr als 3,5 Millionen Petitionsunterschreiber. Wird nichts bringen, da Brüssel/Berlin den Exit recht gelassen sieht und lediglich die Signalwirkung und den Aufwind für “rechte” Kräfte in Resteuropa fürchtet.
    Den Störenfried ist man los, die Frankfurter Börse wird aufgewertet, Schottisches Öl wirds weiterhin geben und Hand aufs Herz: Wann hatten sie das letzte Produkt “Made in England” in der Hand?

  3. Calderwood

    Das Schlimme an den Brexit-Revisionisten ist, daß sie selbst nicht merken, wie peinlich sie sind.

  4. Dieuetmondroit

    Zwei Dinge fallen mir auf:
    1. 100.000 Unterschriften genügen, damit das Parlament einen Antrag “in Betracht ziehen” muss? Das ist ja wie bei unseren Volksbegehren. Nur dass die Briten ein viel größeres Volk sind und es wohl einfacher ist, die benötigten Unterschriften zu sammeln.
    2. Eine Abstimmung wiederholen zu lassen, nur weil einem das Ergebnis nicht gefällt, ist bestenfalls jämmerlich.

  5. nattl

    @wbeier:
    Meinen Sie die Online-Petition, bei der Leute aus aller Welt für den Verbleib von UK in der EU gestimmt haben? Srsly?

    Wann ich das letzte Mal ein Produkt “Made in England” in der Hand hatte? Gestern. Raspberry Pi. Faszinierendes Teil von cutting-edge technology. Gut, wird aktuell in Wales hergestellt, aber die haben auch für Brexit gestimmt.

  6. stiller Mitleser

    Dieu et mon Droit

    Corriger la fortune ist menschlich und mit tweets läßt sich halt Stimmung machen.

    wbeier
    “Made in England”
    Sachen aus UK (klassisch und langlebig) benutze ich täglich.
    Auch bei Franzosen sind regelmäßige shopping Ausflüge über (unter) den
    Canal sehr beliebt.
    Und hier gibt’s ein commemorative Brexit tea towel (und viele sehr schöne Bilder im blog…)
    http://www.pentreath-hall.com/table/linen/commemorative-eu-referendum-tea-towel.html

  7. Thomas Holzer

    @stiller Mitleser
    and already out of stock 😉

  8. Thomas Holzer

    @stiller Mitleser
    Danke!
    genauso “calm”, wie in diesem blog beschrieben, ist die Berichterstattung auf BBC-world.
    Aber eben genauso “hysterical”, wie in diesem blog beschrieben, die Berichterstattung des deutschen und österreichischen öffentlich-rechtlichen Rundfunk.
    Auf phoenix und im ORF überschlagen sie sich in doomsday-Phantasien für das UK, die grüne Peters faselt davon, daß die Diskussionen zwischen in und out sogar zu einem politischem Mord geführt haben, die Frau Prendergast vom ORF ist in ihrem UK-Hass und ihrer Impertinenz kaum noch auszuhalten…………..einfach nur ein Trauerspiel, was sich derzeit auf dem Kontinent -zumindest in den Medien- abspielt.

  9. sokrates9

    Dass europäische Rechtssystem fundamentiert auf den Grundsätzen “was liegt das pickt, und bestehende Beschlüsse können nicht geändert werden!(Wenn mit dem 18.Geburtstag der Führerschein hergegeben wird, dann nicht mit 17, und schon gar nicht mit 14 für die Jessika, die ja so clever ist!) Anders im der angelsaxischen Kultur, da kann man Gesetze und Handlungen sehr wohl hinterfragen!

  10. Karl Markt

    Es ist halt so, dass die dummen Idition die den Rechtspopulisten nachlaufen ja gar nicht wissen, was sie da wähl(t)en.
    Zuerst Brexit voten, dann Brexit googlen.

    Natürlich wollen sie auch in der EU bleiben. Sie wollen die Förderungen, sie wollen den Zugang zum Binnenmarkt etc…. tja, das IST die EU.

  11. Dorfbewohner

    @ Karl Markt

    Kennt man in A auch das treffende Sprichwort:?
    Was ich selber denk´ und tu´, trau ich jedem anderen zu.

  12. Austrian

    Seltsam, alle heulen über die angebliche “Fehlentscheidung” der Briten. Niemand schreibt darüber, dass die EU, ihre Bonzen, ihre gebrochenen Verträge, ihre Unfähigkeit im Lösen der Migrations- und Finanzkrise, ihre Einmischungen in Dinge, die sie nichts angehen und subsidiär viel besser gelöst werden,- all das die Gründe waren, dass sie sich von der EU verabschieden wollen und werden. – Man könnte es ja mal mit “Selbsterkenntnis” versuchen und die EU wieder mal attraktiver machen, z.Bsp. indem man sich an Verträge hält, etc. SO wie die EU DERZEIT erscheint und handelt, MUSS man sich davon verabschieden, wenn man nicht die Demokratie beerdigen will. Punkt.

  13. Falke

    Es mutet ja tatsächlich etwas eigenartig an: Natürlich muss das britische Parlament formal des Austritt bestätigen, wobei dann aber die Abgeordneten (zumindest ein großer Teil) gegen ihre eigene Überzeugung stimmen müssten, da es ja allgemein bekannt ist, dass es im Parlament eine klare Mehrheit für den Verbleib gibt.
    @Karl Markt
    Ihrer Meinung nach sind also knapp 52% der Briten “dumme Idioten” (wohl zum Unterschied von “gescheiten Idioten” – was immer Sie auch darunter verstehen mögen). Ihre Auffassung von Demokratie ist ja richtiggehend erfrischend. Sie selbst empfinden sich aber schon auf der anderen Seite stehend, also grundsätzlich bei den “intelligenten ….” was auch immer.

  14. Dr.Fischer

    Wenn Zehntausende aus dem Vatikan und aus Nordkorea für eine Neuauflage der Petition gestimmt haben, dann steht da wohl ein dringendes Bedürfnis nach Beibehaltung des gegenwärtigen Status dahinter :))) Leicht zu erraten, das “cui bono”.

  15. Karl Markt

    Es scheint tatsächlich so wie Ortner in seinem Buch “demokratisch in die Pleite” prognostiziert.
    Die westliche Welt steuert auf eine Diktatur der Dummen und Idioten zu.
    50% Trump, 50% Hofer, 50% Brexit (alle Wahlversprechen gelogen), etc…

    Was Ortner nicht kapiert hat ist, dass er selber dazu gehört.
    Keine Maschinensteuer wird zu einem derartigen Einbruch der Börsen und der Währung führen.
    Da waren ja offensichtlich wahre Wirtschaftsexperten am Werk.

  16. astuga

    Wäre die Abstimmungsergebnis genau umgekehrt, würde man es sicher nicht in Frage stellen.
    Völlig egal, wie knapp es ausgefallen wäre.

    Aber dass man in der EU gerne mal ein zweites oder drittes Mal abstimmen lässt – bis das Ergebnis passt – wäre auch nichts neues.
    Siehe die sog. EU-Verfassung.
    Aber ich glaube nicht, dass die (EU-skeptischen) Briten das mit sich machen lassen werden.

  17. astuga

    @Karl Markt
    Der Brexit ist eine Diktatur?
    Noch gar nicht gewählte Politiker haben bereits Wahlversprechen gebrochen?
    Und regierende Politiker und Parteien würden das ja niemals nicht machen.

    Faszinierend…
    Soviel zu Dummheit und Idiotie.

  18. astuga

    Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass es den Briten ohne EU schlechter gehen solte als etwa Kanada und Australien.
    Oder Norwegen und der Schweiz.

    Die Schotten mögen für die EU votieren, aber die schottische Wirtschaft hängt auch wesentlich vom Ölpreis ab, ist also weniger stark als oft vermutet.
    Wen die Briten klug sind, dann gründen sie mit anderen Ländern innerhalb wie außerhalb der EU eine neue Wirtschaftsunion.
    Ohne die Fehler der EU oder der EWG zu wiederholen.

    Die EU selbst wird sich aber noch warm anziehen müssen, denn auf den zweitgrößten Nettozahler muss man erstmal verzichten können.
    Oder auf den britischen Markt.
    Ist auch eher unwahrscheinlich, dass beispielsweise Airbus die Briten rauswerfen wird.
    Die Briten schaffen das – eher als Merkel etwas schafft…

  19. Karl Markt

    Die Diktatur der Dummheit und des Zynismus ja.
    Es gibt, und Amerika macht es vor, einen Wettbewerb der Vollidiotie und des Schwachsinns, gepaart mit Nationalismus und Anti-Islamismus.

  20. astuga

    Genau, vor allem der Anti-Islamismus (sic!) *facepalm

  21. gms

    Karl Markt,

    “Die Diktatur der Dummheit und des Zynismus ja”

    Selten, daß man mit dir mal halbwegs einer Meinung sein kann, im vorliegenden Fall bist du nämlich mit Dummheit und Zynismus der diktierenden demophoben Pseudoelite, für welche ‘die Bevölkerung ein Problem darstellt’ und zugleich dem Marketing nach Demokratie die beste Erfindung seit geschnittenem Brot, zumindest nicht völlig jenseits der Spur.

    Allein: Zynismus und Dummheit sind weder notwendig noch hinreichend oder gar friktionsfrei vereinbar, vielmehr ist es bei den Figuren an den Hebeln eine übergeordnete geistige Schmerzbefreitheit, die manche zutreffend als Psychopathie diagnostizieren.

    Rund 1% aller Menschen fallen hardcore-mäßig in dieses Krankheitsbild, das in einzig zwei Berufen nicht nur nicht zum Versagen, sondern im Gegenteil vermehrt zum Erfolg führt: Schauspielerei und Politik.
    Psychopathen können lügen ohne Ende oder, nicht minder praktisch, über Opponenten mit Unterstellungen und Untergriffen herziehen, als gäbe es kein Morgen. Willkür, Verdrehung, Aggression — was auch immer dem eigenen Vorteil dienlich ist, es wird gespielt und es juckt sie nicht im Geringsten, wenn sich dabei permanent Widersprüche in der Größe des Grand Canyons auftun. Gesunden Lügnern sieht man die kognitive Dissonanz an, Psychopathen aber leiden nicht unter dieser menschlichen Schwäche, was sie wiederum mit der damit einhergehenden Überzeugungskraft zu perfekten Raubtieren in der politischen Nahrungskette macht.

    Wir hätten es nicht mit Psychpathen zu tun, würden diese nicht irgendwann lehrbuchhaft den Spieß umdrehen und das breite Volk pathologisieren, wie es inzwischen vermehrt geschieht, nachdem diesem das Treiben der schmerzbefreiten Gottspieler zunehmend stinkt.
    Ist das breite Volk dumm? Vielleicht, vielleicht auch nicht, es ist jedenfalls nicht ausreichend dumm, sich permanent verarschen zu lassen.

  22. AD

    @Karl Markt
    “…Keine Maschinensteuer wird zu einem derartigen Einbruch der Börsen und der Währung führen….”
    also unter Einbruch stelle ich mir etwas anderes vor wie nur den Verlust (an einem Tag) von Gewinnen die in wenigen Tagen vor dem Referendum aufgebaut wurden. eingebrochen sind die Börsen zb im Oktober 1987, beim Platzen der Dot.Com-Blase…aber heute wird von den Medien ja jedes kleine Lüfterl schon als Orkan verkauft.

    vielleicht werden wir uns in 10 oder 20 Jahren zurück erinnern
    – da gab es einmal ein Referendum in England über einen Austritt aus der EU mit einer Zustimmung von 52%
    – der für das Referendum verantwortliche Premier weigerte sich einen Antrag auf Austritt zu stellen und trat
    zurück
    – ein neuer Premier wurde gewählt. dieser war für einen Verbleib in der EU und stellte auch keinen Antrag auf
    Austritt
    – was war – viel Lärm um nichts, außer dass damals alle europäischen Bürger noch öfters den Anblick von Juncker und Schulz ertragen und deren geistloses Politsprech hören musste…..

  23. wbeier

    Ich empfehle zum Thema “Exit vom Brexit” und zum Gesudere um die zerstörten Hoffnungen der jungen Briten diese Aufschlüsselung:
    http://m.welt.de/politik/ausland/article156576085/Unfassbar-niedrige-Wahlbeteiligung-junger-Briten.html
    Mit einer imposanten Wahlbeteiligung von 34% bei den 18 – 24 jährigen wurde ja ein deutliches Zeichen gesetzt.
    Demütig muß man diesen politischen Gestaltungswillen der jungen Generation im demokratischen Kontext zur Kenntnis nehmen.
    Oder anders herum: So funktioniert die Diktatur der “Generation Rollator”

  24. Waltraud Astl

    Für Referenden von so weitreichender Bedeutung (es geht ja nicht um die nächste Legislaturperiode sondern um eine Grundbedingung für die gesamte Zukunft des Landes) müßte es qualifizierte Mehrheiten geben. Diese können unterschiedlich gestaltet sein: qualifizierte Stimmenmehrheit, Mindestwahlbeteiligungen, Gewichtung regionaler Ergebnisse etc. Die knappe einfache Mehrheit als “verpflichtendes Votum des Volkes zu sehen” ist wohl doch ziemlich übertrieben. Was ist mit der anderen Hälfte?

  25. gms

    wbeier,

    “Demütig muß man diesen politischen Gestaltungswillen der jungen Generation im demokratischen Kontext zur Kenntnis nehmen.”

    Das kann man so sehen, oder aber ein Menschenrecht auf Abstimmung per Like-Button fordern und zugleich rückblickend festhalten, die schändlichen Austrittsbefürworter hätten der Jugend nicht nur eine glorreiche Zukunft in der Union geraubt, sondern dies auch noch im Wissen um die erwartbar geringe Gegenwehr des Nachwuchses an der physischen Urne. Wie unsportlich!

  26. Jan

    ea wird keinen Brexit geben. die abstimmung ist UNverbindlich,Schottland legt veto ein,es sind genug türen offen die GB wieder ermöglichen in der EU zu verbleiben. Cameron wird gehen müssen,vielen als der dümmste politiker in erinnerung bleiben und in den panama pappers verewigt sein

  27. Rennziege

    27. Juni 2016 – 17:13 — Jan
    Sie sind ja ein waschechter Superg’scheiter! Vielen Dank für diese fundierte Erhellung in modischer Kleinschreibung! (Auch für Ihre kreative Orthographie: “pappers” wird sogar in Hilfsschulklassen höchst selten erblickt.

  28. Gerald Steinbach

    Jan@
    Muss man sich auf der Zunge zergehen lassen, man kündigt seit einen Jahr ein Referendum an, dann wird Brexit gewählt und dann sagt man den Volk, war eh net verbindlich, Ätsch, Bätsch,.. und zum drüberstreuen hängt man den “dümmsten Politiker” vielleicht noch eine Psychose an
    Das wird’s nicht spielen
    Warum eigentlich der cameron dumm sein sollte, weil er ein Referundum abgehalten hat entzieht sich meiner Kenntnis

  29. mariuslupus

    Diese Reaktion der Remain-Petitionisten zeigt nur wie gut die linke Propagandamaschinerie läuft.
    Die Frage bleibt offen, warum sind die Linken von einer nicht demokratisch legitimierten Regierung, wie es die EU – Kommision ist, so begeistert ? Die Antwort ist einfach. Die Linken streben eine Diktatur, eine Linke Diktatur an. Dieser Wunschvorstellung kommt die EU am nächsten.
    Erschreckend ist, dass in den ganzen Diskussionen, z.B. im TV, der Begriff Demokratie nicht mehr vorkommt. Demokratie ist in der EU zum nonvalleur verkommen. Vielleicht zeigt die älteste Demokratie der Welt, einen neuen Weg zu Selbstbestimmung.

  30. Christian Weiss

    Welche konkreten Anhaltspunkte gibt es, dass die Nichtmitgliedschaft in der EU zum Untergang betreffender Staaten führt?
    Und einen solchen konkreten Anhaltspunkt sollte man meiner Meinung nach liefern, wenn die Beurteilung, dass alle Befürworter eines Austritts Grossbritanniens “dumme Idioten” sind, nicht auf einem selbst zurückfallen soll.

    Ich finde es eine reichlich gewagte Aussage, dass man als Nichtmitglied schlechter lebt als als Mitglied, sind doch die vier verbleibenden EFTA-Staaten allesamt kulturell, sozial und ökonomisch um Längen erfolgreicher als die EU-Staaten.

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