Falscher Plan zur falschen Zeit

Von | 17. Juli 2021

(C.O.) Wenn eine Volkswirtschaft einer Seuche wegen erheblich geschwächt wurde, die Schulden astronomisch gestiegen sind und die Wirtschaftsleistung gefallen ist, dann wird jeder halbwegs vernunftbegabte Mensch auch ohne abgeschlossenes Studium der Ökonomie zum gleichen Schluss kommen: Jetzt ist es Zeit, die Ärmel hochzukrempeln und mehr zu arbeiten als früher, wo immer das geht, bis der Schaden wieder halbwegs behoben ist. Jeder kleine Gewerbetreibende, jeder Gastwirt, jeder Bauer würde das nach einer Katastrophe, die seinen Betrieb lahmgelegt hat, so machen.

Umso bemerkenswerter ist, was die Gerade-noch-SPÖ-Vorsitzende Pamela Rendi-Wagner nun, am (hoffentlich) absehbaren Ende der Corona-Pandemie, vorschlägt: Wir sollen weniger arbeiten und dafür (fast) das Gleiche verdienen wie bisher. Die wöchentliche Arbeitszeit soll, wenn es nach der SPÖ geht, auf vier statt fünf Tage pro Woche verringert werden, also um stattliche 20 Prozent, das Gehalt aber nur um 5 Prozent sinken. Auf freiwilliger Basis. Vorerst.

Eine Wirtschaftskrise, die im Wesentlichen dadurch verursacht worden ist, dass Millionen Menschen wegen der Seuche weniger arbeiten durften als sonst, dadurch zu bekämpfen, dass künftig Millionen Menschen auch ohne Seuche weniger arbeiten – auf diese Idee muss man wirklich erst einmal kommen. Der Plan wird umso bizarrer, je genauer man hinschaut. Denn die SPÖ hat, immerhin, auch darüber nachgedacht, wer das alles zahlen soll. Auf die naheliegende Antwort – nur die Unternehmer – hat die Partei aus gutem Grund verzichtet, um nicht jeden Anspruch auf Ernsthaftigkeit gleich zu verwirken. Stattdessen soll nun die Hälfte der Mehrkosten der Staat (über das AMS) tragen, den Rest zu gleichen Teilen die Arbeitgeber und die Arbeitnehmer.

Interessant wäre auch zu beobachten, ob weniger qualifizierte und damit meist schlecht entlohnte Menschen die Aussicht, zusätzlich zur Inflation auch noch 5 Prozent ihres ohnehin schmalen Monatslohns einzubüßen, besonders erfreulich finden werden. Zu vermuten ist: Eher nicht, außer da, wo es die Möglichkeit gibt, den zusätzlichen freien Tag steueroptimiert beim Pfusch zu verbringen.

Leider ist das, was die SPÖ-Vorsitzende da von sich gibt, die Folge einer insgesamt eher nicht mit der Wirklichkeit kompatiblen ökonomischen Weltsicht. Schon vor ein paar Wochen meinte sie in diesem Kontext, es gebe “keinen wirksameren Jobmotor als die Verkürzung der Arbeitszeit”. Das ist, mit Verlaub, grober Unfug. Jobs entstehen nicht durch sozialistische Mangelverwaltung, sondern durch das Zusammentreffen von Kapital, Risikobereitschaft, der Entwickelung toller Produkte und dem Fleiß der Mitarbeiter. Österreich braucht nicht weniger Arbeit, sondern mehr Menschen, die bereit sind, Unternehmertum zu riskieren, und damit Arbeit schaffen. (“WZ”)

8 Gedanken zu „Falscher Plan zur falschen Zeit

  1. Kluftinger

    Es ist bewundernswert wie elegant Herr Ortner die “politische Unfähigkeit ” von Frau Rendi-Wagner beschreibt!
    Man stelle sich vor, diese Frau hätte in einer Regierung etwas zu sagen?

  2. Sokrates9

    Die EU ist mit ihren Forderungen in ähnlicher Richtung unterwegsHabe noch nirgends gelesen die Bevölkerung soll sich mehr anstrengend,Ingenieure und Techniker seien gefordert NEUE Technologien auszuarbeiten die wirklich nützen und nicht wie Elektromobilität auch umwelttechnisch Nonsens sund?

  3. GeBa

    @Sokrates, vielleicht wünscht da jemand, man möge die migrierten Ingenieure und Techniker mehr miteinbeziehen 🤭

  4. Sokrates 9

    Geba@Habe oft den Eindruck dass EU Expertisen nicht von dieser europäischen Welt sind,

  5. Nightbird

    s.g.Hr Ortner
    Zu Ihrem Verwenden des Begriffs Seuche.
    Durch diese ständige mißbräuchliche Verwendung dieses Begriffes wird er auch nicht richtiger.

    Als Seuchen werden besonders virulente Infektionskrankheiten bezeichnet, für die ein schwerer Krankheitsverlauf sowie eine schnelle Massenausbreitung charakteristisch sind. Dazu gehört ein schnelles Versterben der Erkrankten ohne der Gelegenheit, zeitgerecht einzugreifen. Auch gibt es bei einer Seuche keine symptomlosen Erkrankten.

    Daher IST Corona per definitionem keine Seuche, da Corona nur geschätzte 0,4 Prozent der Bevölkerung betrifft. Hauptsächlich sind dies alte Menschen mit massiven Vorerkrankungen. Marginale Ausreisser gibt es natürlich. Und zur (Test)Pandemie wird Corona auch nur, da man zur Diagnose nicht zugelassene Tests anwendet die nur Zahlen ohne eigentliche Aussagekraft produzieren. Diess ollte mittlerweile eigentlich jeden bekannt sein. (https://flexikon.doccheck.com/de/Seuche)

    “Falscher Plan zur falschen Zeit”?
    Auch das sehe ich anders. Für die derzeitige Regierung Kurz kommt diese Krise gerade zur rechten Zeit. W. Churchills Worte “Lasse nie ein Krise ungenutzt verstreichen” erleichtern Kurz und Co gerade jetzt, ihre abstrusen Pläne gänzlich anderer Art umzusetzen. Die Maßregelung der Bevölkerung mit der Einschränkung bzw. der Aufhebung der verfassungsgemäßen gesicherten Grundrechten sowie das An-die-Wand-fahren der Wirtschaft sind Zeichen dafür, daß die Regierung Kurz mit der Demokratie und einem (fast) freien Bürger, einer (fast) freien Wirtschaft nichts im Sinn haben. Man hat nicht die Absicht, der Wirtschaft bzw. dem Arbeitnehmer die Gelegenheit zu geben, die Ärmel hochzukrempeln.

    Merkel sagt schon im dt. Bundesrat “Das sind politische Entscheidungen, keine gesundheitlichen!”.
    Wie kann Kurz dagegen anderer Ansicht sein?

    Bei Rendi-Wagner, der SPÖ bin ich jedoch Ihrer Ansicht.
    Mir graut wor dem Tag, an dem diese Partei das Ruder übernehmen könnte.

    mfG, Nightbird

  6. Falke

    Da Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich eine langjährige Forderung der Gewerkschaften ist, könnte es durchaus sei, dass diese die SPÖ-Vorsitzende vorgeschickt haben (“bei der ist es eh schon wurscht”), um sich selbst nicht in die Nesseln zu setzen. Erstaunlich nur, dass sie nicht – wie es eigentlich zu erwarten war – das dafür notwendige Geld ausschließlich durch Vermögens- und Erbschaftssteuern hereinbekommen will.

  7. lePenseur

    Chère Mme. Nightbird,

    Ihre freundliche Erlaubnis präsumierend, gestatte ich mir, Ihr obiges Posting als Gastkommentar auf meinem Blog zu bringen.

    Cordialement

    LePenseur

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