18 comments

  1. Hausfrau

    Das ist doch die logische Folge unserer großzügigen und auf Schulden aufgebauter Politik.
    Ich kannte einen angelernten Drucker, welcher ab 50 bis zu seiner Pensionierung arbeitslos war. Er konnte alle angebotenen Stellen ablehnen, welche
    1. nicht seiner letzten fachlichen Beschäftigung entsprachen,
    2. ein geringeres Einkommen als zuletzt ergeben hätten und
    3. nicht in der Wohnsitznähe liegen.
    So wurde er zu unzählichen Kursen geschickt, wobei ihm wegen Desinteresse die Vortragenden oft schon früher nachhause sandten. Neben EDV-Kursen wurde er auch mehrmals (zuletzt im Alter von 62!) zu einem Kurs mit dem Titel “Wie bewerbe ich mich richtig?” gesandt. Die Kurszeiten waren meist immer kurz vor der monatlichen Meldung des AMS an die Regierung angesetzt, denn bekanntlich fallen diese Leute dann nicht in die Arbeitslosenstatistik.
    P.S. Nebenbei leben von diesen Arbeitslosen auch viele AMS-Berater sowie eine Vielzahl von Kursleitern.

  2. Sima

    @Hausfrau,

    ein überflüssiger Kommentar. Als ob es soviele Ö gibt, die freiwillig von dem Geld leben wollen. Es gibt zig tausende 50jährige die verzweifelt und mit zig Qualifikationen einen Job suchen – und auf die Bewerbung nicht mal mehr ein L.A. kriegen. Und die Gastwirte sollten vielleicht einmal erwägen normale Löhne zu zahlen, von denen ein Mensch auch leben und nicht vegetieren kann.

  3. Der Realist

    Dass es unter den rund 500.000 Arbeitslosen auch eine beträchtliche Zahl derer gibt, die nicht wirklich an Arbeit interessiert sind, ist bekannt. Aber von Arbeit sollte man auch grundsätzlich leben können. Das Einkommen sollte durchschnittliche Lebenshaltungskosten abdecken und auch noch für ein paar angenehme Dinge im Leben reichen.
    Gerade die Gastronomie jammert permanent über fehlendes Personal, werden die Gründe dafür hinterfragt wird schnell klar warum das so ist. Erstens ist die Bezahlung meist am unteren Ende des Zumutbaren angesiedelt, und zweitens kommen dazu noch Arbeitszeiten die auch nicht gerade einladend sind, und drittens erfordert die Tätigkeit im Gastgewerbe auch eine entsprechende körperliche Robustheit. Dass ein burgenländische Koch für 1.200 Euro netto nicht nach Tirol gehen will wenn er daheim Familie hat, ist auch nachvollziehbar, und dabei soll er nach Vorstellung der meisten Arbeitgeber auch noch überaus dankbar sein Arbeit zu haben.
    Seit der Registrierkassenpflicht ist unter den Gastronomen ohnehin das große Jammern angesagt, sie fühlen sich schikaniert und als Betrüger abgestempelt, aber wenn sie vorher eh alles brav versteuert haben, hat sich ja ohnehin nicht viel geändert. Sinkende Umsätze sind wohl eher dem Umstand zuzuschreiben, dass die Leute eben mehr sparen müssen, und für zwei Schluck Kaffee drei bis vier Euro hinzulegen, das überlegen sich immer mehr. Abseits irgendwelcher In-Lokale oder Betrieben in äußerst günstiger Lage, sind die Umsätze daher durchwegs rückläufig.

  4. Natasa V.

    Relevant ist für dieses Bild auch die Lage (ich tippe den Spiegelungen im Bild nach auf ein Lokal im 1. Bezirk Nähe Franziskanerplatz) – hohe Mieten, Kämpfen mit Behördenauflagen in kleinen Altbauten und harte Arbeitsbedingungen (viele Touristen)…somit wäre der Personalmangel nicht die einzige Herausforderung, die sich dieser Wirt stellen muß. Im Gegenzug wird er dafür vermutlich bei den Löhnen kräftig sparen…

  5. Fragolin

    @Realist
    Erstens: Die Leute hätten mehr Geld, wenn ihnen der Staat etwas weniger unverschämt aus Brutto ein mickriges Netto macht.
    Zweitens: Die wenigsten Gastronomen können sich eine Preisgestaltung wie Til Schweiger leisten. Ein Wochentagsmenü soll 6 Euro kosten aber der Koch 2000 Euro bekommen? Dann muss er eben zusperren und der Koch ist arbeitslos.
    Drittens: Die Wirte jammern nicht, dass sie jetzt kein Schwarzgeld kassieren können sondern dass sie selbst tausende Euro investieren müssen, um nicht unter Generalverdacht gestellt zu werden. Der Staat lebt nämlich permanente Schuldvermutung gegenüber denen, die ihn finanzieren, und bürdet ihnen die Last auf, die ganze Beweislastumkehr auch noch selbst zu finanzieren. Es ändert sich nämlich sehr wohl etwas: Sie zahlen weiterhin brav ihre Steuern, müssen aber zusätzlich die Kosten für alle möglichen Schikanen bezahlen.
    Wer einmal hinter die Kulissen der ganz normalen kleinen, haubenlosen Gastwirtschaft schauen konnte, ist erstaunt, dass sich das überhaupt noch Leute antun.

  6. raindancer

    @Der Realist 27. April 2017 – 08:31
    ein wahres Wort, bei dem Plakat oben hätte mich interessiert was dieser Arbeitgeber zahlt und welche Arbeitszeiten er hat.

  7. Zaungast

    “Und die Gastwirte sollten vielleicht einmal erwägen normale Löhne zu zahlen, von denen ein Mensch auch leben und nicht vegetieren kann.”

    Im Mitarbeiterraum einer Filiale las ich einmal auf einem Plakat: “Ich bin mir bewußt, daß der Kunde mein Gehalt zahlt.” Solche Plakate sollten überall aufgehängt sein. Wegen der Bewußtseinbildung warat’s.

  8. Zaungast

    Zur Registrierkassa: Sämtliche Kosten, Steuern und Abgaben zahlt immer der Endverbraucher. Zahlt er es nicht, sperrt der Betrieb entweder zu oder muß eben versuchen auch bei Steuern zu sparen. Das läßt sich an diversen kleinen Imbißständen schön beobachten: Jene, bei denen jeder Umsatz brav in die Registrierkassa eingetippt wird, haben tendenziell höhere Preise. Die mit den niedrigeren Preisen tippen jeden 2. oder 3. Umsatz in die Kassa.

  9. Falke

    Wie schon öfters (und eben wieder) hier mehrfach erwähnt, sind die besonders die Gastwirte, wie auch die Hoteliers, mit einer Unzahl von teueren Auflagen und schikanösen Kontrollen konfrontiert, dass man sich tatsächlich fragen muss, wer und warum jemand sich das noch antut. Eigentlich sollte man erwarten, dass die Wirtschaftskammer ihre Pflichtmitglieder unterstützt, aber in diesem Fall (und nicht nur in diesem Fall) ist sie voll auf der Seite der Peiniger, einschließlich des schwarzen (und “aus der Privatwirtschaft kommenden”, wie immer wieder betont wird) Finanzministers. Wenn die Gastwirte etwa vor einigen Jahren gezwungen wurden, mittels kostspieliger Umbauten Raucher- und Nichtraucher-Räume einzurichten, die sie bis 2018 wieder abbauen müssen (oder die Umbaukosten zumindest in den Wind schreiben müssen), kann man sich locker vorstellen, dass die Angestellten kaum üppig bezahlt werden können, noch dazu, wo es auch hier jede Menge schikanöser Auflagen bezüglich Arbeitszeiten, Zuschläge, Jugend- und Lehrlingsbeschäftigung usw. gibt. Ich bin übrigens kein Gastwirt (falls das jemand vermuten sollte), kenne aber deren 2 in meiner näheren Umgebung, die ihren Kunden oft ihr Leid klagen.

  10. dieter

    Die marktliberale Sicht auf die angesprochenen Themen:

    1.) Der Wirt zum Foto ist nicht bereit den Marktlohn am real existierenden Markt zu zahlen. Wer sich in dieser Frage mit ihm solidarisiert, ist anti-liberaler Feudalist und versteht zudem die Marktwirtschaft nicht. In der Marktwirtschaft gibt es keinen “Mangel”, auch keinen “Personalmangel”. Es gibt nur Schnorrer, die den Marktpreis nicht bezahlen und etwas gratis haben wollen. In diesem Fall Gratis-Arbeit von einem Koch. Gratis-Arbeit = Sklaverei

    1.a) Man kann sich unterhalten, inwiefern der Markt verzerrt ist, aber das beklagt der Wirt jedenfalls auf dem Aushang nicht und das wäre ein ziemlich ausschweifendes Thema.

    2.) Selbst der dümmste Tyrann besteuert Betriebe nicht in den Konkurs. Der Einwand um die Anschaffungskosten und den Generalverdacht bei den Registrierkassen ist entweder verlogen oder gutgläubig. Man müsste hier in die Offensive gehen und massive Steuersenkungen einfordern. Die Steuerverweigerung in der Kleingastronomie ist moralisch-ethisch völlig legitimer Selbsterhaltungstrieb und Selbstverteidigung von Wirten und ihren Stammgästen gegen vernichtende Eingriffe in ihre persönliche und wirtschaftliche Freiheit.

  11. Zaungast

    “… Es gibt nur Schnorrer, die den Marktpreis nicht bezahlen und etwas gratis haben wollen.”

    Richtig. Der Koch will einen Lohn, “von dem er auch leben kann”. Gleichzeitig ist er als Konsument nicht bereit, den daraus resultierenden Marktpreis für ein Essen zu zahlen. Der Koch ist ein Schnorrer, der vom Wirt etwas geschenkt haben möchte.

  12. dieter

    Es gibt zahlende Konsumenten, sowie Wirte, die ausreichend Lohn anbieten um Personal zu bekommen. Das sind keine Schnorrer.

  13. Der Realist

    @Fragolin
    “Die Leute hätten mehr Geld, wenn ihnen der Staat etwas weniger unverschämt aus Brutto ein mickriges Netto macht” – da haben Sie schon recht, aber der Staat hätte auch mehr Schulden, und was hilft es mehr am Lohnzettel zu stehen haben, dafür aber alles andere wieder teurer wird.
    Und an allgemeine Marktsituationen müssen sich eben auch die Wirte anpassen, als letzte Konsequenz mitunter auch zusperren, damit müssen auch andere Branchen leben.

  14. Hausfrau

    Nochmals:
    Nicht nur die Wirte und die Politik sind an dieser Misere Schuld. Es sind auch die Konsumenten, welche Fast Food und Food to Go zu möglichst niedrigen Preisen haben wollen. Wenn man im 1. Bezirk herumschaut und herumhört, dann jammern sehr viele Gastronomen über viel zu viel Konkurrenz, zu wenige Stammgäste, zu viele knausrige Touristen und zu hohe Fixkosten. Nicht zu vergessen darf man auch das Arbeitskräfteangebot (Köche, Kellner und Hilfskräfte) aus den ehemaligen Oststaaten, welche das örtliche Lohngefüge negativ beeinflusst. Die Fixkosten sind der entscheidende Faktor in der Speisen- und Getränkekalkulation, demgegenüber spielen die Rohstoffe nur eine geringe Rolle. Bei den Getränken weiß man, dass Aufschläge von 400 bis 600 Prozent durchaus üblich sind, um eben die anteiligen Fixkosten abzudecken.

    zu @Sima (08:02 Uhr):
    Danke für Ihren “überflüssigen Subkommentar”.:-)
    Es stimmt, dass viele 50 plus-Leute verzweifelt nach einem neuen Job suchen und nach einiger Zeit der Erfolglosigkeit völlig frustriert sind. Viele dieser Mensschen versuchen es dann als Selbständige, meist auch nur mit geringem Erfolg. Dies trifft aber auf den von mir geschilderten Fall des ehemaligen Druckereimitarbeiters nicht zu, denn dieser Mann hatte keine Lust mehr, zu arbeiten, da er auch mit dem kleinerem Einkommen aus dem Sozialstaat zufrieden und von seiten des AMS kein großer Druck vorhanaden war.

  15. Der Realist

    @Zaungast
    zu Ihrem angesprochenen Plakat, wer zahlt das Gehalt des Kunden usw., das könnte man ewig so diskutieren, es gibt halt einen Kreislauf, wie auch im Tierreich wo es ein bestimmtes Beuteschema gibt.

  16. Zaungast

    @ Der Realist

    Richtig, man könnte eine ewige Diskussionschleife daraus drehen. Oder man sieht die Sache, wie sie ist: Über den ganzen Zyklus Erwerbstätiger & Konsument zahlt sich letztlich jeder selbst. Höhere Löhne bedeuten höhere Preise und ändern real nichts (bei gleicher Produktivität). Alles andere ist Voodoo-Ökonomie, bei der aus irgendeinem Zauberhut etwas Zusätzliches aus dem Nichts erwartet wird.

  17. Reini

    “wir wollen” die EU,
    wir haben in Österreich ein “überdurchschnittliches hohes” Einkommen,
    für die Wettbewerbsfähigkeit benötigt man billige Arbeitskräfte,
    billige Arbeitskräfte kommen aus den Östlichen EU Ländern,
    500.000 “Wanderarbeiter kommen aus dem Osten,
    sind jung, motiviert und schnell anpassungsfähig,
    sie verdienen hier das Doppelte bis Dreifache gegenüber in ihrer Heimat,
    warum sollten Betriebe dann Arbeiter welche unterqualifiziert, nicht europäisch integriert, zu alt, motivationsunwillig, unpünktlich, im Dauerkrankenstand, nicht Leistungsorientiert, “warum sollte ich arbeiten – es reicht eh nicht hier fürs Leben”, “ich warte auf die Pension”, usw…. sind, vom AMS anstellen? (man verzeihe mir die Vergeallmeinerung)
    z.B. Polyumfrage an die Schüler in Wien, “wo fangen sie nach der Schule an”,… 50% der Antworten – AMS!

    Wer will den schon am Wochenende in der Gastronomie arbeiten, wo andere im Freibad liegen, dann sich noch von unfreundlichen Gästen sich beschimpfen lassen, für einen Kampflohn, 10-12Stunden im Dauerstress, wo du nach der Arbeit völlig fertig bist,… ein wahrer Traumjob!

  18. Der Realist

    @Reini
    das haben sogar die Genossen kapiert, dafür lassen sie Chantal auf der neuen Plakatserie sprechen

Kommentar verfassen

Du kannst die folgenden HTML-Codes verwenden:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden .