Fehlt nur noch ein Pensionistenministerium….

Von | 19. Dezember 2013

(NATASCHA CHROBOK)  Nach Wochen zäher Verhandlungen, wer denn an welchen Futtertrog kommt, und welche treuen Parteisoldaten dann welche Versorgungsposten ist unsere Bundesregierung nun angelobt. Und ich muss sagen, es kam schlimmer, als ich es befürchtet hatte.

Nicht nur, dass es in der Regierung Faymann II überhaupt niemanden mehr mit nennenswerten Erfahrungen in der Privatwirtschaft gibt (und nein, das Betreiben eines Umfrageinstituts, welches von Umfragen im Auftrag einer der Regierungsparteien lebt, würde ich nicht als Privatwirtschaft bezeichnen), die neue Besetzung der Regierungsämter zeigt, wie es um die beiden ehemals ‘großen’ Parteien steht: das neue Gruselkabinett, welches Anfang der Woche angelobt wurde ist Ausdruck der Verwesung , die schon seit Jahren die österreichische Innenpolitik durchzieht. Die neue Regierungsmannschaft ist der Volkssturm zweier Parteien, die mit dem Rücken zur Wand stehen.
Die Aufteilung der Ministerien zeigt auch sehr schön, wo die Prioritäten der neuen Regierung liegen: es gibt keinen Wissenschaftsminister mehr, dafür aber einen Beamtenminister. Die Justiz wird hinkünftig vom Strafverteidiger der unschuldsvermuteten Telekomkorruptionisten geführt, das Aussenministerium von einem Kind ohne abgeschlossene Berufsausbildung mit der Affinität, sich vor Kebabstandln ablichten zu lassen. Dafür hat man jetzt eine eigene Meinungsforschungsministerin, die hinkünftig regelmäßig Umfrageergebnisse veröffentlichen kann, wie toll die Arbeit der neuen Bundesregierung aufgenommen wird.
Mich hat verwundert, dass es kein eigenes Pensionistenministerium gibt. Das hätte sich neben dem Beamtenministerium und dem Bauernministerium (Verzeihung, Landwirtschaftsministerium) sehr gut gemacht und noch besser gezeigt, wer hier in Österreich wirklich das sagen hat. Auch hätte ich das Finanzministerium gleich mit dem Innenministerium zusammengelegt, weil man da noch effizienter Steuern eintreiben könnte.
Aber es wird noch schlimmer kommen: die Ernennung von Sebastian Kurz zum Aussenminister bestätigt eine Befürchtung, die ich schon vor längerer Zeit geäußert habe. Es wird mit einer Laura Rudas als Bundeskanzlerin und Kurz als Vizekanzler enden.
Das Erschreckende ist, dass die einzige Alternative zu diesem Wahnsinn (im Moment) die Freiheitlichen zu sein scheinen, denn die anderen beiden Parteien NEOS und Grüne haben ja schon mehrfach angekündigt, dass sie jederzeit mehr als bereit sind, als Beiwagerl und Mehrheitsbeschaffer des rotschwarzen Proportz einzuspringen, falls es mal nicht mehr für eine Mehrheit reichen sollte. Und das Team dem der Big Spender abhanden gekommen ist, wird es vermutlich bald nicht mehr geben.
Noch geht es uns Österreichern gut, da wir uns in den letzten Jahrzehnten einen riesigen Speckgürtel angefressen haben, von dem wir noch einige Zeit zehren können. Das kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es tendenziell bergab geht. Die Tuchfühlung mit dem Boden wird hart sein und weh tun

10 Gedanken zu „Fehlt nur noch ein Pensionistenministerium….

  1. Thomas Holzer

    ” Die neue Regierungsmannschaft ist der Volkssturm zweier Parteien,”

    Würde diese “Mannschaft” nur für die österreichischen Steuerzahler stürmen!
    Leider stürmt diese Mannschaft nur zu den von den Steuerzahlern finanzierten Futtertrögen 🙁

  2. Wettbewerber

    Sehr realistisch, sehr problembewusst. Klasse Artikel!

  3. Thomas Braun

    Die Schuldensituation in Österreich zeigt wunderbar die erreichte Belastungsgrenze des Systems Demokratie. Das Ganze ist demokratisch (leider) nicht lösbar. Erst nach dem totalen Staatsbankrott und danach mit Bevölkerungsmehrheit (natürlich!) beschlossener Enteignung des Privatvermögens, könnte wieder bei Null begonnen werden, um das demokratische Schuldenkarussell neuerlich anzuwerfen.

  4. Thomas Holzer

    @Thomas Braun
    Sie schreiben es; aber was nimmt das “mündige” Volk nicht alles für die heilige Kuh “Demokratie” in größter Selbstaufopferung in Kauf! 😉

  5. gms

    “Wir haben 2000 das Umwelt- und Landwirtschaftsministerium erfolgreich fusioniert – und wollen es nun zum Lebens-, Europa- und Friedensministerium ausbauen.”
    – Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter (“Presse”, 19.12.)

    Das nenne ich doch mal eine Ansage! Um’s in etwa mit den jüngsten Worten eines Fritz Neugebauers zu kommentieren: “Wer da nicht ausrinnt wie ein mit zwanzig Liter Wasser gefülltes Billasackerl, in das böse Jungs heimlich Löcher geschnitten hatten, der hat kein Herz.”

    “Pensionistenministerium” dagegen ist mangels Zickendildo (=Tschänderung per erigiertem Binnen-I) irgendwie total Autobahn, das entsprechende “Ministerium für seniorale Dependenzen” aber wäre der ideale Kandidat zum Ausbau ins “Ministerium für alles, alles andere, was sonst noch bleibt und was wir jetzt übersehen haben”.
    Dazu ein Staatssekretär fürs gerechtistische Seelenheil und Euphemismusgedrechsel, der zugleich den Rollstuhl der alleinerziehenden Kanzlerin mit Einreisevordergrund schiebt, und die Regierungsmannschaft — Verzeihung: das R-Tiieeem — wäre vollständig.

    Das macht unterm Strich drei (in Ziffern: 3) Leute, und niemand getraute sich, eine so breit aufgestellte und dennoch derart kompakte Eliteeinheit als Volkssturm zu verunglimpfen, selbst wenn man die jeweiligen Ämter mit Daffy Duck, Bugs Bunny und Miss Piggy besetzt hätte.

  6. Thomas Holzer

    @gms
    Ich bin enttäuscht von Ihnen, haben Sie doch glatt die Zukunft vergessen! 😉

  7. gms

    Thomas Holzer,

    Teuerster, gestatten Sie Frage – wozu braucht ein Land mit einer solchen Historie eine Zukunft? Doch sollte uns wider Erwarten dennoch eine solche ereilen, kann diese in der Sektion namens “Was wir übersehen haben” rückblickend allemal noch umgeschrieben werden. Wäre ja noch schöner, wollten die Bürger, die permanent irgendwo abgeholt werden müssen, auch irgendwo hingebracht werden.

    Scherz beiseite. Was kann einem Land Besseres passieren, als eine Regierung, die den Bürgern zwischen den Zeilen glasklar vermittelt, sie müßten gefälligst selbst zusehen, wo sie blieben. Die salbungsvollen und gegenteiligen Worte der aktuellen Regierungserklärung sind eine gefinkelte paradoxe Intervention unserer raffinierten Dressurelite, die einzig aus vereinzeltem Unverständnis heraus gescholten wird, welches wiederum spätestens in fünf Jahre aufgelöst werden wird. Dann werden wir erfahren, wonach das Volk mit Absicht geprüft wurde, und weil dann der Großglockner immer noch steht, war das Experiment ein Bombenerfolg. Oder so.

  8. Rennziege

    19. Dezember 2013 – 12:55 –> gms
    Wunderschönes Posting! Dieser Knecht Ruprecht aus dem heiligen Land Tirol legt uns eine lebendige, europäische und friedliche Zukunft unter den Christbaum. Letzterer aber verliert schon beim Anhören dieser unerbittlich zwangsverhurten Worthülsen alle Nadeln.
    Eine Bitte hätt’ ich trotzdem: Unterlassen Sie bitte die Beleidigungen von Daffy Duck, Bugs Bunny und Miss Piggy. Denn deren Intellekt, Charakter und Weisheit (Kermit, Statler & Waldorf nicht vergessen!) sind unvergleichlich höher als alles, was unsere halbgaren Serviettenknödel in der Parlamentskantine zu bieten haben.

  9. Graf Berge von Grips

    Es gibt nicht so viele nasse Fetzten, als man bräuchte……

  10. Reinhard

    “Fehlt nur noch ein Pensionistenministerium….”
    Wenn Khol und Blecha nicht schon fett versorgte Jobs hätten, gäb’s sicher eines, samt begleitendem Staatssekretariat. Aber warum Posten schaffen, wenn die altgedienten Parteisoldaten eh schon ein Auskommen haben…

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