Fenninger, Facebook und die Fifa

(ANDREAS UNTERBERGER) Anna Fenninger ist eine attraktive und sportlich extrem erfolgreiche Frau. Der Österreichische Skiverband ist eine Ansammlung meist älterer Herren, in der es um viel Geld geht.

Damit sind die öffentlichen Sympathien von vornherein klar verteilt, wenn sich da ein Frontalzusammenstoß anbahnt (der zum Glück vorerst verhindert worden ist).

Doch liegen die öffentlichen Sympathien nicht richtig. Aus mehreren Gründen:

Frau Fenninger hat sich ganz offensichtlich vor allem deshalb mit dem Skiverband angelegt, weil sie nun selbst abcashen will, seit sie den absoluten Höhepunkt ihrer Karriere erreicht hat. Das ist ziemlich unfair. Denn Fenninger hat in den Jahren des Aufstiegs, als sie noch unbekannt und kein Star mit großem eigenem Werbewert gewesen ist, ganz selbstverständlich alle möglichen Hilfen dieses Skiverbandes in Anspruch genommen. So wie dieser Skiverband halt auch viele andere Skifahrer finanziert, von denen viele nie ein Topstar werden. Da ist es ziemlich verständlich, dass der Skiverband dann verhindern möchte, dass diese Maschinerie der teilweisen(!) Umverteilung von den Stars zum Nachwuchs ruiniert wird, dass erfolgreiche Skifahrer (und ihre persönlichen Manager) den Ertrag plötzlich nicht mehr mit allen anderen teilen, dass sie Regeln und Verträge nicht mehr einhalten wollen.

Völlig frei im Verdienen sind die Skifahrer dann ja eh, sobald sie mit dem Skifahren aufhören.

Solange es keinerlei Hinweise gibt, dass in diesem Skiverband Korruption wie bei der Fifa herrscht, sollte das gelten, was seit Jahrtausenden die Grundlage menschlicher Kooperation gewesen ist: Verträge sind einzuhalten. Daran kann auch ein larmoyanter und bei mehr als Hunderttausend Menschen Gefallen findender Facebook-Eintrag nichts ändern, in dem Fenninger außer viel Selbstmitleid keinen einzigen konkreten Vorwurf vorzubringen imstande ist.

Es ist ja völlig rätselhaft, was Sätze heißen sollen wie: „3 Jahre habe ich versucht, demokratisch vorzugehen – Lösungen zu finden – ohne Erfolg.“ Was soll bei Skirennen oder in einem Skiverband oder bei einem Werbevertrag ein dreijähriges „demokratisches Vorgehen“ sein? Mehrheitsabstimmungen über – ?

Der Eindruck ist vielmehr stark, dass Fenninger halt einfach mit irgendwelchen aufgeschnappten Floskeln um sich wirft. Die nur überhaupt nicht passen. Bei aller Versuchung der Instant-World von Facebook, Twitter, oder WhatsApp: Gerade ein Star wie Fenninger täte gut daran, einen kritischen Freund Texte lesen zu lassen, bevor diese veröffentlicht werden.

Die Vermutung, dass sie irgendwelche gut klingenden, aber überhaupt nicht passenden und unverdauten Phrasen drischt, wird noch stärker, wenn sie etwa schreibt: „sollte ich akzeptieren, dass man als frau immer zurückstecken muss?“

Mit Verlaub: Was hat der Konflikt mit dem Skiverband mit ihrem Geschlecht zu tun? Dürfen Frauen Regeln und Verträge brechen? Gibt es irgendetwas, was ihr verboten worden ist, was aber männliche Skifahrer tun dürfen? Könnte es vielleicht sogar umgekehrt sein, dass Fenninger, gerade deshalb weil sie nicht nur Skikönigin, sondern auch eine sehr gut aussehende Frau ist – was sie auf den Fotos ihrer Facebook-Seite auch besonders professionell zeigt –, bisher im Leben immer ihren Willen durchsetzen hat können? Und dass sie es nur nicht begreifen will, dass auch Superstars an Grenzen stoßen, wenn sie Verträge einhalten?

Typisch jedenfalls, dass auch seriöse Medien sofort ihre Feminismus-Leier nachbeten, ohne ihrererseits irgendeinen Beweis in diese Richtung zu liefern. Junges hübsches Mädchen ist versus alte Männer automatisch und immer im Recht. Zumindest in der schlichten Medienwelt. (TB)

4 comments

  1. freeman

    Das Monopol (eigentlich Monopson) des Skiverbands ist auf jeden Fall problematisch.

    Wenn ein Skifahrer nur als Mitglied des ÖSV antreten kann und ein Verbandswechsel bewusst erschwert wird (“für Österreich”, Wartefristen), und dieser Verband dann gleichzeitig weit in die persönliche Vermarktung des Sportlers eingreift, ist das zumindest problematisch.

    Skifahren ist nunmal kein Mannschaftssport, und selbst in diesen kann ein Sportler üblicherweise seine Mannschaft wechseln. Wem es bei der Austria – warum auch immer – nicht gefällt, der kann zu Rapid oder auch ins Ausland gehen.

    Natürlich ist Frau Fenninger keine Intellektuelle, aber das von ihr aufgezeigte Problem ist real.
    “I owe my soul to the company store” stellt nicht das Ideal einer Beziehung zwischen Arbeitnehmer und -Geber dar.

    Es wäre spannend, was zB der EuGH zu dieser Praxis sagt…

  2. Christian Weiss

    “Denn Fenninger hat in den Jahren des Aufstiegs, als sie noch unbekannt und kein Star mit großem eigenem Werbewert gewesen ist, ganz selbstverständlich alle möglichen Hilfen dieses Skiverbandes in Anspruch genommen.”

    Na ja. 1. Profitiert der ÖSV heute natürlich sehr wohl von einer Anna Fenninger, die massgeblich daran beteiligt sein dürfte, dass der Verband Millionen von Werbeeinnahmen kassieren kann.
    2. Scheint es weniger darum zu gehen, dass der ÖSV hier Return of Investment kriegt, sondern dass der Herr Schröcksnadel den grossen Reibach machen kann. Oder warum wird Fenninger dazu gedrängt, sich von ihrem Manager zu trennen und sich stattdessen in die Arme des ÖSV-Präsidenten zu begeben? Das ist doch kein normales Geschäftsgebaren, sondern das erpresserische Verhalten eines Monopolisten.

  3. Der Bockerer

    Ich gehe mal davon aus, dass Frau Fenninger auch ohne Herrn Schröcksnadel und seine Kumpanen eine sehr erfolgreiche Skifahrerin wäre. Zum Vergleich: Tina Weirather fährt an der Weltspitze, obwohl sie nur einem klitzekleinen Verband angehört. Und es gibt noch andere Beispiele.

    Umgekehrt wäre Herr S. nichts ohne seine erfolgreichen Athleten.

    Anna Fenninger mag keine feinsinnige Intellektuelle sein – geschenkt. Aber wenn Herr S. öffentlich zum Besten gibt “Anna hat die Regeln verstanden”, dann zeugt das von einer hochnäsigen Arroganz sondergleichen. So redet man mit kleinen Kindern, aber nicht mit Leuten, die man ernst nehmen sollte.

  4. Erich

    Der Skiverband lebt doch von seinen Athleten und Athletinnen!! Wenn die Siege ausbleiben, dann bleiben auch die Sponsoren weg. Herr Schröcksnadel ist natürlich betrübt, weil seine Tiroler(innen) schon lange nicht mehr vorne mitfahren. Deshalb hat er angeblich mit der Bewerbung zur WM getrickst, damit St.Anton auch mitspielen kann. Gut, dass er rechtzeitig im “Fall” Fenninger von seinen kanadischen Besitztümern nach Österreich zurück kommen konnte.
    Welche erfolgreichen Skirennläufer(innen) fallen uns spontan ein? Eben: nur Hirscher und Fenninger. Die den Frauen zumindest nicht so wie den Männern nahestehende ÖSV-Spitze sollte über diese 2 froh sein und alles tun, sie bei Laune zu halten. Mit ihren vielen Siegen haben sie Entscheidendes für den ÖSV geleistet. Die Rückrechnung, was der ÖSV für sie getan hat, ist kindisch. Bei all den erfolglosen Läufer(innen) verlangt er ja auch nicht sein Geld zurück.

    Erst heute lese ich in den SN, wie viele ihre aktive Laufbahn letztes Jahr beendeten und heuer aufgeben. Wer kommt als Sieger(in) nach?? Ob da Audi den Herren Managern auch weiterhin die 110 Spitzenautot zur Verfügung stellen wird? Überall, wo alte Herren das Sagen haben und nicht Jüngeren Platz machen wollen, gibt es immer massivere Probleme – Stichwort Olympisches Komitee, Fifa, Porsche ….Da nützt es auch nichts, wenn Herr Schröcksnadel einmal unseren Bundeskanzler als Dr. Faymann öffentlich angesprochen hat.

    Bedenken wir auch, dass der Wintertourismus vom “Skizirkus” lebt. Die Fremdenverkehrswirtschaft würde ohne Skigäste zusammenbrechen – wollen wir das?

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