Fetisch Reifeprüfung

Von | 23. April 2020

(STEFANIE HOLZER) Kaum hatten die Schulen vor nun schon langen Wochen im März geschlossen, da kam sofort die bange Frage auf, was denn jetzt aus den Maturanten werden solle? Die Matura ist offenbar eine so traumatisierende Prüfung, dass niemandem auffällt, wie kurios die Aufregung ist.

Ist es tatsächlich so bedeutend, wie diese Prüfung als abgelegt erklärt wird? Es ist doch jedermann klar, dass in den 8. Klassen der Gymnasien und in den 5. Klassen der Berufsbildenden Höheren Schulen mehrheitlich Schüler sitzen, die die Maturaprüfung bestehen würden und werden. Wenn also die Prüfung heuer gänzlich entfiele, hätte man einen Jahrgang, der nur um die Erfahrung dieser großen Prüfungsaufregung umgefallen wäre. Sonst haben die ja alles mehr oder weniger gut gelernt. Und wenn in Folge der Covid-Maßnahmen ein paar die Matura lockerer bekommen sollten als sonst, was oder wem schadet das? Glaubt wirklich jemand, dass diese Prüfung am Ende einer 12 oder 13jährigen Schullaufbahn die Spreu vom Weizen scheidet?

Angesichts der Verrücktheit unseres derzeitigen Schulalltags müsste man eigentlich viel mehr an eine andere Altersgruppe denken. Wer wird die Folgen desselben unmittelbar zu tragen haben? Die Absolventen der 4. Klassen der NMS (Neue Mittelschule) , die mit diesem Schuljahr ihre Schulpflicht erfüllt haben, weil sie in die Vorschule gegangen sind oder aus anderen Gründen mit 15 Jahren die 4. Klasse der NMS als Abschlussklasse ihrer Schullaufbahn besuchen, brauchen Unterstützung für ein Abschlusszeugnis, mit dem sie eine Lehrstelle finden oder eine weiterführende Schule besuchen können. Denkt jemand darüber nach, was aus den Kindern wird, die man in Folge von »Verbindungsschwierigkeiten« seit März aus den Augen verloren hat?

Wie wird man Schüler beurteilen, die sich im zweiten Semester noch bemühen wollten, vielleicht die Note in Mathematik verbessern wollten und nun wochenlang im Homeschooling dünsten? Wer wie ich Gelegenheit hat, sich Arbeitsanweisungen in Schulbüchern zu Gemüte zu führen, die dafür gemacht sind, dass sie von Lehren erklärt werden, nun aber von den Schülern allein verstanden werden sollen, weiß, dass es die Kinder nicht leicht haben. Wie ist das zu beurteilen, wenn Kinder sehr unterschiedlich effizient durch ihre Eltern unterstützt werden?

Es gibt Kinder, deren Eltern nicht genug Deutsch sprechen, dass sie verstünden, worum es bei »Romeo und Julia« geht. Wie sollen die ihren Kindern dabei helfen, ein paar Gedanken dazu aufzuschreiben, was »wahre Liebe bewirken« kann? Mir kommt vor, wir sollten darüber nachdenken, wie hier Abhilfe zu schaffen wäre. Das sollte auch die Wirtschaftskammer mitdenken, denn es sind die Lehrlinge, die hier einen schlechteren Start ins Berufsleben haben könnten.

8 Gedanken zu „Fetisch Reifeprüfung

  1. Kluftinger

    Was die Matura betrifft, volle Zustimmung. Man müsste nur die Durchfallquoten der letzten Jahre in den Maturaklassen kennen. Und wegen der paar “Unreifen” macht ihr euch sorgen?
    Brisant wird es tatsächlich bei den Pflichtschulabgängern. aber da könnte man mit einer Art “Sommerschule” die Fächer nachholen bzw. abschließen (Ein Modell das in Kanada schon seit Jahrzehnten praktiziert wird).

  2. Herbert Manninger

    Bloß ein bisschen Sarkasmus:
    Gibt’s heuer keine normale Matura, entfallen ja auch die traditionellen Besäufnisse in mediterranen Badeorten. Die dadurch entfallenden tödlichen Abstürze von den Hotelbalkonen könnte man wenigstens mit der Anzahl der Coronatoten gegenrechnen….

  3. sokrates9

    …Es geht auch darum, dass ich so etwas wie den Einsatz im Rahmen zivilgesellschaftlichen Engagements mit entsprechenden ECTS – also Credit Points, quasi Noten, wenn Sie so wollen – auf der Universität belohnen darf.” Mit diesem Satz hat Faßmann gezeigt dass in Österreich jede Ausbildung völlig sinnlos ist! reiht sich ein dass nicht mehr Wissen sondern und soziale Kompetenz anscheinend wichtigstes Bildungsziel ist. Früher hätte man so einen Bildungsminister mit einem nassen Fetzen verjagt.
    dass zivilgesellschaftliches Engagement de facto nur bei linken NGO´s möglich ist, zeigt wie sehr die ÖVP nach links abgedriftet ist

  4. Erich

    Wir dürfen aber nicht vergessen, dass von 1970 bis 2017 mit 2 Unterbrechungen Sozialisten den Minister bzw. die Ministerin stellten. Busek und Gehrer von 1990 bis 2007 – na ja. Ein bunter (eher auch linker) Vogel und eine Handarbeitslehrerin waren auch nicht die Erleuchtung. Vor Faßmann haben Schmied, Heinisch-Hossek und Hammerschmid wesentlich zur Verschlechterung des Bildungsniveaus beigetragen.
    Ich war jedenfalls 1972 stolz, in VIER Hauptfächern (Deutsch, Englisch, Latein und Mathematik) eine schriftliche Prüfung positiv innerhalb einer Woche abgelegt zu haben und dann Anfang Juli(!!) mündlich in 3 Fächern jeweils ALLE 3 Fragen gut beantwortet zu haben. Mit mir haben das alle 17 meiner Klasse geschafft (dank der Aufnahmsprüfung konnte damals ja nicht jeder eine Höhere Schule besuchen) und wir haben alle zum weiteren Aufschwung Österreichs beigetragen.
    Wenn Leistung nichts mehr zählt, dann verkommt jede Gesellschaft. Aber erklären sie das einem Sozialisten (Grünen).

  5. Gerald

    Für Genossen zählt nur Haltung und zwar stramm nach links orientiert, alles andere ist völlig Na Sozi. 🥴

  6. Kluftinger

    @Erich
    Wenn sie schon ihren Sarkasmus ausleben wollen, bleiben sie bitte bei den Fakten .
    Ob Busek als linker Vogel bezeichnet werden kann, bleibt ihnen überlassen. was aber die Amtszeit von Frau Geher betrifft, so ist einiges an Reformen aufzuzeigen.
    Abgesehen dass Frau Gehrer nicht Handarbeitslehrerin war, sondern Volksschullehrerin in Tirol und Vorarlberg, war sie vorher 5 Jahre lang in Vbg. Landesrätin für Wissenschaft und Bildung und damit auch amtsführende LR Präsidentin. Hat also vor ihrer Tätigkeit als Ministerin schon viel Erfahrung auf diesem Gebiete gesammelt. Auch das UOG , von vielen angefeindet weil leistungsfordernd, ist in ihrer Amtszeit verabschiedet worden. Ebenso der weitere Ausbau der FH`s etc..
    Dass Frau Gehrer aber nicht allein entscheiden konnte, war dem Koalitionspartner FPÖ zu verdanken. Es war BFM Grasser, der verlangte dass die Studiengebühren eingeführt wurden, die Abspaltung der Med.–Uni war auch eine FPÖ Forderung etc…
    Wie so oft ist man in der Politik auf Kompromisse angewiesen, sonst zerreisst es die Regierung- und das wollte man damals nicht.
    Aber die 25 Millionen vergeudete Euros für das Bifie (p.a.) hatte bereits Frau Schmid (SPÖ) zu verantworten und was nachher kam (NMS etc..) auch.

  7. Marianne Gollacz

    “Denkt jemand darüber nach, was aus den Kindern wird, die man in Folge von »Verbindungsschwierigkeiten« seit März aus den Augen verloren hat?” Ich vermute, sie werden sich für das Lebensmodell “Sozialhilfeempfänger” entscheiden, bzw. haben die Eltern dieses Lebensmodell bereits vor der Corona-Krise für ihre Kinder ausgesucht und sie darauf vorbereitet. Das ist in Österreich seit Jahrzehnten möglich. Kinder mit “Verbindungsschwierigkeiten” gab es vor der Corona-Krise auch, sie sind durch die Krise nicht mehr geworden. Eltern, denen die Förderung ihrer Kinder wichtig ist, haben auch während der Corona-Krise eine Möglichkeit der Förderung gefunden. Es liegt am Wollen der Eltern.

    Mangelnde Deutsch-Kenntnisse sind in Österreich kein Schicksal, sondern frei gewählt. Für Migranten (für Erwachsene und Kinder) gibt es zahlreiche Angebote Deutsch zu lernen, vom Staat und von Privat, allesamt gratis. Meist sind es die Werte der Migranten, die sie daran hindern, diese Angebote entsprechend zu nutzen. Werte, die ihnen so wichtig sind, dass sie ihre Mädchen wie alte Frauen kleiden.

  8. Falke

    Ich möchte ja nicht wissen (natürlich weiß ich es), wen ein Arbeitgeber einstellt, wenn er die Wahl hat zwischen einem “normalen” Maturanten und einem Kandidaten, der zwar die Schule formal abgeschlossen hat, allerdings keine Matura hat.

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