Finanzierung der Corona-Krise: Was taugt die 180-Milliarden-Dollar-Idee?

Von | 19. April 2021

Einfach und gerecht soll sie sein, die neue Steuer, die bekannte linke Ökonomen vorschlagen: Jedes Jahr sollen 0,2 Prozent des Börsenwertes von Firmen an den Staat gehen. Der Vorschlag passt zum Zeitgeist, doch seine Wirkungen wären alles andere als harmlos. NZZ, weiterlesen hier

3 Gedanken zu „Finanzierung der Corona-Krise: Was taugt die 180-Milliarden-Dollar-Idee?

  1. Klaus Kastner

    Dumm ist diese Idee nicht und auch nicht sozialistisch. Ließe sie sich umsetzen, würde ich sagen, dass sie eine großartige Idee ist. Leider läßt sie sich nicht umsetzen, weil ein großer Teil der Firmen nicht börsennotiert ist. Außerdem würden AGs sofort Umgehungsmaßnahmen treffen (Clemens Fuest gibt Beispiele).

    Kein Gegenargument ist die Aussage “Da Aktienmärkte Informationen sofort in ihren Kursen abbilden, würde der Wert der Valoren etwa um diesen Betrag sinken, sobald ein solcher Plan verabschiedet würde.” Das ist eine doch sehr einfältige Interpretation der Finanzmärkte.

    Warum wäre die Idee großartig? Weil niemand diese Steuer direkt bezahlt. Stattdessen wird sie vom ‘Markt’ bezahlt. Die Steuer wird mit der Ausgabe junger Aktien finanziert, d. h. es gibt eine Verwässerung um 0,2%. Eine Verwässerung dieser Größenordnung würde niemand spüren. Selbst nach 10 Jahren wäre eine Gesamtverwässerung von 2% im Gesamtkontext irrelevant. Nochmal: die Steuer zahlt der ‘anonyme Markt’ und kein Einzelner. Das ist das Geniale daran!

  2. dna1

    Sehr geehrter Hr. Kastner,
    Ich fürchte, dass ihre Interpretation der Märkte “sehr einfältig” ist, um mit ihren Worten zu sprechen.
    Der Markt ist nicht so anonym, wie sie denken. Da sind Pensionsfonds, Lebensversicherer, viele Aktienfonds, die Kleinbeträge von Leuten wie du und ich bündeln, damit diese auch am Finanzmarkt teilnehmen können, u.a.
    Die Unternehmen müssten die Neuemission dem Staat schenken, dieser bekommt also jedes Jahr einen Teil der im Land befindlichen Unternehmen geschenkt, und das halte ich für alles andere als eine gute Idee (außerdem verfassungswidrig, wenn es nur einen kleinen Teil der Unternehmen trifft).
    Ihr Ansicht, wonach 0,2% doch nicht so schlimm wäre (10 Jahre lang 0,2% sind übrigens nicht 2%, lesen sie einmal unter Zinseszinsrechnung nach), teile ich nicht. Wenn 0,2% ok ist, warum dann nicht 2%, wenn der Staat gerade in Schieflache ist, wie aktuell, und dringend Geld braucht?
    Es geht ums Prinzip: Der Staat darf nicht einfach Geld ausgeben, “koste es, was es wolle”, wie unsere naive Regierung meint tun zu dürfen, und dann irgendwelche Steuern erfinden, um das wieder auszugleichen, darum geht es.

  3. Klaus Kastner

    dna1
    ungeachtet dessen, dass sich unter den Anlegern Pensionsfonds, Lebensversicherer, etc. befinden, ist der Markt dennoch komplett anonym. Kein Pensionist oder Begünstigter einer Lebensversicherung würde spüren, dass Beteiligungsunternehmen eine Verwässerung on 0,2% gemacht haben. Börsennotierte Firmen verwässern ihre Aktionäre andauernd ohne dass das irgendjemand wirklich zu spüren bekommt. Nehmen Sie nur als Beispiel Managementvergütungen in der Form von Aktien.

    Genau weil diese Maßnahme nur einen Teil der Unternehmen treffen würde, habe ich gesagt, dass sie nicht umsetzbar ist.

    Kein Unternehmen würde bei diesem Konzept dem Staat etwas schenken. Es würde lediglich dem Staat gegenüber seine Verpflichtungen erfüllen. Wenn ein Unternehmen Steuern zahlt, schenkt es auch dem Staat nicht das Geld, sondern kommt seinen Verpflichtungen nach.

    Wenn Sie meinen, dass eine Verwässerung von 0,2% wesentlich ist, dann schauen Sie sich doch einfach die täglichen Veränderungen bei Aktienkursen an. Da sind Veränderungen dieser Größenordnung fast schon unter der Wahrnehmungsgrenze.

    Dass der Staat nicht Geld ausgeben soll “koste es, was es wolle” ist ein komplett anderes Thema, das ich in keinster Weise angesprochen habe. Ich habe lediglich gesagt, dass die “180 Milliarden Idee” eine sehr interessante Idee wäre, wäre sie denn umsetzbar.

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