Fragen eines nachdenklichen Arztes

Ein renommierter Wiener Arzt schreibt mir, mit dem Ersuchen namentlich nicht genannt zu werden, weil er sonst berufliche Nachteile fürchtet, Folgendes: “Das Hauptproblem mit COVID ist für unser Gesundheitssystem (unseren Staat) weder die aktuelle Zahl der Erkrankten, noch die der Toten.Das Hauptproblem ist die Notwendigkeit einer Beatmung eines Teils der Erkrankten. Diese Patienten könnten in zu großer Anzahl ein Gesundheitssystem überlasten, wie es in Italien geschieht. Die rigorosen Beschränkungsmaßnahmen zielen darauf ab, niemals mehr beatmungspflichtige Patienten zu haben, als das Gesundheitssystem behandeln kann.

Zum heutigen Tag sind in ganz Österreich ca. 90 Patienten wegen COVID auf Intensivstationen.
In Österreich gibt es ca. 2547 offiziell registrierte Intensivbetten.
Zusätzlich gibt es Beatmungsmöglichkeiten in zahlreichen OPs, geschätzte theoretische Beatmungsplätze daher ca. 3000.

Viele Krankenhäuser und Abteilungen wurden in Österreich fast auf Null herunter gefahren um die Intensivstationen und stationären Betten für COVID frei zu haben. Beispiele in Wien: mehrere Spitäler der Vinzenzgruppe. Die Anzahl der schon freien Intensivbetten für COVID-Patienten beträgt daher vorsichtig geschätzt mindestens 30% aller Intensivbetten, die Anzahl der Beatmungsplätze daher mindestens ca. 1000.

Wir sind in Österreich daher meilenweit von einer Kapazitätsgrenze unseres Gesundheitssystems entfernt.

Stellt sich die Frage: Sind die drakonischen Restriktionen durch die Regierung tatsächlich dem Risiko angepasst? Sollten nicht lediglich ältere Menschen einer Ausgangsbeschränkung unterliegen (zum Selbstschutz)?

Einen verlässlichen Prozentsatz von beatmungspflichtigen Patienten an allen erkrankten Patienten gibt es nicht, weil die Anzahl der tatsächlich Erkrankten unbekannt ist. Bisher gab es in allen Ländern viel zu wenige Testmöglichkeiten, daher wurden vorwiegend schwerer erkrankte Menschen getestet. Der daraus errechnete Prozentsatz an Beatmungspflichtigen ist sicherlich zu hoch im Hinblick auf alle Erkrankten (diese Zahl ist unbekannt). Mit zunehmender Zahl der Test wird auch die Zahl der als “krankt Erkannten” steigen, weil automatisch mehr Personen als COVID-positiv erkannt werden (auch asymptomatische). In Wirklichkeit heißt das nicht, dass iim selben Ausmaß mehr Menschen an COVID neu erkranken.

Zur Erinnerung, heute sind lediglich ca. 90 Patienten intensivpflichtig
Wird das Risiko ehrlich reflektiert und kommuniziert oder wird mit der Anzahl von Erkrankungsfällen und Todesfällen künstlich Panik geschürt? Durch die Krisenberichterstattung profilieren sich sehr viele Menschen (Politiker, Ärzte, Journalisten u.a.).

Nützen manche Politiker die Panikmache um unseren Staat autoritär umzugestalten?
Die Anzahl der österreichischen Akutbetten (insbes. Intensivbetten) wurde von Gesundheitsökonomen in der Vergangenheit immer als “katastrophal hoch” dargestellt, heute sind wir froh darüber.

19 comments

  1. Susi

    Also, wenn ein Arzt, der “nicht namentlich” genannt werden will Kritik aus dem Hintergrund übt, werde ich genauso mißtrauisch wie wenn jemand in einem Satz das Wort “aber” verwendet. Warum anonym? Glaubt er selber nicht an das was er sagt ? Es ist auch immer sehr leicht aus dem Hinterhalt zu schießen aber irgendjemand MUSS eine Entscheidung für die Bevölkerung treffen, anonym bleibende Leute tun das NIE.

  2. Hausfrau

    @Susi
    Leider muss es in unserer Gesellschgaft auch Anonymität mit Pseudonym geben. Denn wenn man im Berufsleben steht und gleichzeitig das bestehende System kritisiert, kann die immer vorhandene Abhängigkeit (bei diesem Arzt vieleicht der Klinikerhalter oder die Krankenkassen) negative Konsequenzen verursachen. Auch Sie nennen in Ihrem Beitrag nicht Ihren vollen Namen, sondern bedienen sich eines nickname.

  3. Lorit

    Richtig: “das Imperium schlägt zurück, von “nicht einmal ignorieren” bis “die rechte Keule” ist alles drinnen…siehe die inzwischen in den Hintergrund getretene Wetterdiskussion (vilgo:Klimadiskussion wirklich auch eine Diskussion?).
    @Susi
    Der “renomierte Arzt” ist aber nicht allein, wenn man ein wenig die verööfentlichen Zahlen analysiert woher kommt was und sich bei den % die Frage stellt “von was sind die %?” sind seine Ausführungen nur logische (und nicht hysterische) Schlussfolgerungen. Frei Nach E. Kant: “,,bediene dich deines eigenen Verstandes, so du kannst……”

  4. Suzie Creamcheese

    Ich würde auch nicht namentlich genannt werden wollen. Heutigentags wird man wegen eines einzigen unbedachten Wortes als Nazi beschimpft und öffentlich gebrandmarkt. Ein Arzt im Staatsdienst, der öffentlich Kritik am System äußerst, muss mit schlimmsten Konsequenzen rechnen. Die Lehrerin Wiesinger ist ein gutes Beispiel. Zunächst wollte man sie im Ministerium verstecken und quasi mundtot machen, als das nicht klappte, flog sie raus. Sie ist pragmatisiert, das ist ihr Glück. Sonst könnte sie wohl Nachhilfestunden geben.

  5. Kluftinger

    Das mit dem “autoritär umgestalten” geistert jetzt schon seit einiger Zeit durch die Medien.
    Als gäbe es keine Verfassung, als gäbe es keine parlamentarische Opposition, als gäbe es keine kritischen Medien.
    Also, liebe Leute, lasst die Kirche im Dorf!
    Wenn ein Minister Gedankenspiele über die Machbarkeit von Zwangsmaßnahmen äussert, dann sollte man zwar hinschauen und achtsam sein, aber gleich die Gefahr einer Diktatur heraufzubeschwören scheint doch etwas übertrieben?
    ( Vielleicht liegt es auch am verfügbarer Formulierungskunst des Betreffenden ?)

  6. Calderwood

    Ohne die Möglichkeit sich anonym zu äußern kann man die Meinungsfreiheit vergessen.

  7. sokrates9

    Kluftinger@..Als gäbe es keine Verfassung, als gäbe es keine parlamentarische Opposition, als gäbe es keine kritischen Medien… Wo bitte??Seuchengesetz setzte Verfassung voll außer Kraft,die Aussagen des Sportministers bißchen rausgehen ist erlaubt, aber nicht mehr..sind restriktiver als unter Hitler, freie Medien? bitte wo??
    Berichte von Ärzten Beispiel: Kurier die nicht konform sind verschwinden einfach, dank der Zwischenschaltung einer “Korrekturstelle” verdoppelt sich die Zahl der Choronatoten,(dzt ca 35) wonbei man immer mehr vergisst auch das Alter zu erwähnen oder zumindest auf Jahrgang 1940 / 1932 reduziert! Wenn sie die Sterbestatistik korrekt ansehen gibt es vielleich 2-3 Tote in Österreich die ursächlich an Corona gestorben sein könnten!
    Interessanterweise zeigen aktuelle Zahlen der Sterbestatistiken aus Italien und Spanien keine signifikante Steigerung der Todesfälle auf.

  8. Der Realist

    @Susi
    Sie wissen aber schon wie es ist, wenn man aktuell nicht mit den Wölfen heult. Ähnliches kennen wir ja in Zusammenhang mit der “Klimakrise”.
    Ich zähle mich wirklich nicht zu all den “Experten” die jetzt immer und überall ihren Senf dazugeben. All die Medien haben jetzt nur das eine Thema, aber ich habe nirgendwo gelesen, dass auch nur eine Person ursächlich an Covid-19 gestorben wäre. Gestern war auf der Internetseite einer Tageszeitung zu lesen, ein 95-Jähriger und eine 96-Jährige unter den Corona-Toten. Dass kein Arzt das öffentlich relativiert, macht schon nachdenklich und ist meiner Meinung nach auch bedenklich.

  9. Gerald

    Federal Banana Republic of Austria! Ob in Tirol wohl bald Bananen wachsen? Die Realität hinkt dem Ruf weit hinterher

  10. Otto Mosk

    der arzt, welcher in china dezember 2019 vor dem covid-19 warnte, wurde erstmal gefoltert und der sozialen aufwiegelung bezichtigt. ein paar monate später war er tot. das war in china, ja. aber die massnahmen bei uns ähneln immer mehr wie damals in china. deshalb verstehe ich den arzt, der anonym bleiben will.

  11. Franz

    Was dringend notwendig ist: Zahlen und Fakten. Es zeigt sich inzwischen, dass die vor zwei Wochen angegeben Sterberaten, die mit 3% weit über dem Gripperisiko zu liegen schienen, definitiv falsch sind. Bei einer gut fundierten Dunkelziffer von derzeit 50000 in Österreich beträgt die Sterberate 0,1%! Hier gab es offenbar gravierende Fehleinschätzungen.
    Dass Menschen ihren Standpunkt heute nicht ohne Nachteile vertreten dürfen, sahen wir in der Flüchtlingskrise als auch beim Klimathema.

  12. Johannes

    In der Sache Covid-19 scheinen die Fronten klar bezogen. Die einen sind überzeugt nur durch einen flachen Kurvenverlauf der Infizierten kann die medizinische Versorgung gesichert werden, die anderen glauben, je schneller es alle bekommen umso besser wird die Gesellschaft damit fertig werden und umso geringer sind die marktwirtschaftlichen Schäden.

    Wenn die Krise vorbei ist wird sich jeder der beiden Gruppen bestätigt fühlen.
    Die einen werden sagen nur durch unsere entschlossenen Maßnahmen konnte Schlimmeres verhindert werden.
    Die anderen werden sagen ist ja nichts wirklich Schlimmes passiert, die Todesrate ist nicht gestiegen, sie lag im 0,01 % Bereich.

    Die Diskussion kommt mir ein wenig vor als ob man darüber streiten würde, was hätte mehr Schaden angerichtet, die Sprinkleranlage oder das Feuer.

    Nun wenn die Sprinkleranlage richtig funktioniert dann dürfte es kein Feuer geben, aber der Wasserschaden ist enorm, Wie groß dar Feuerschaden in Wirklichkeit gewesen wäre lässt sich dann aber natürlich nicht mehr nachweisen.

    Vielleicht bleibt Schweden standhaft und bestätigt die Meinung der Covid-19 Skeptiker, die USA und Russland haben inzwischen umgeschwenkt. Kann natürlich politische Gründe haben, niemand will danach, wenn es nicht glimpflich abgelaufen wäre, als in der Krise untätig dastehen,dass wäre politischer Selbstmord.

    Ob der Staat die Situation nutzt autoritäre Umgestaltungen zu betreiben?
    Ich denke nicht, die einzigen Institutionen die nach meiner Meinung und meinem Empfinden eine sehr diskussionswürdige Auslegung der Gesetze, auch gegen amtierende Politik und meinem Hausverstand betrieben haben waren in den letzten Jahren, teilweise Staatsanwaltschaft und Judikative. Die Tätigkeit aus dieser Richtung hat mich als Staatsbürger in letzter Zeit am meisten beunruhigt.
    (Nicht weil ich was am Kerbholz hätte, nur wegen der gesellschafts- und demographiepolitischen Auswirkungen.;-))

  13. Menschmaschine

    Abseits der Hysterie-Medien, die in der Corona-Sache den Rettungsanker gegen ihre dahinsiechende Existenz sehen, setzt sich anscheinend immer mehr Sympathie für den schwedischen Weg durch: Die Risikogruppe der über 65jährigen bleibt zu Hause und der Rest des Landes lebt mehr oder weniger normal weiter.
    Damit wird der gegenwärtige Irrsinn der nachhaltigen Beschädigung des Landes und vor allem der Wirtschaft verhindert bzw. im Fall Österreichs wenigstens verkürzt.

  14. LePenseur

    Cher Johannes,

    auf Ihre (ohne Zweifel durchaus plausiblen!) Argumente werde ich mir erlauben auf dem LePenseur-Blog morgen einzugehen.

    Herzlichst

    LePenseur

  15. Wien Meidling

    @Johannes
    Ich stimme Ihnen vollinhaltlich zu.

    Persönlich gehöre ich dem Block der Befürworter der entschlossenen Maßnahme an. Wer meint, die Anzahl der aktuellen internationalen Todesfälle wäre normal oder akzeptabel muss ein bisschen was an den Augen oder sonstwo haben. Einmal über die südliche Grenze schauen, die Bilder der Militär- LKWs sehen, welche die Toten in andere Städte bringen, weil die örtlichen Krematorien mit dem Verbrennen der Leichen nicht mehr nachkommen, das Umfunktionieren einer Eishalle zur Pathologie – das alles soll dem normalen Alltag entsprechen?

  16. Johannes

    Geehrter LePenseur,

    Werde es sehr interessiert lesen !

    Herzlichst Johannes

    @Wien Meidling, Ganz meine Meinung, wer auch mit Vorerkrankung ein lebenswertes Leben hatte, hat nichts davon wenn alle davon sprechen das er ja Vorerkrankungen hatte als er Covid-19 infiziert wurde.

  17. Kluftinger

    @socrates9
    a) wie reden von der Zukunft und nicht von aktuellen Vorgängen.
    b) Die “Zensur” des Kurier Interviews hat sich als durchaus plausibel herausgestellt.
    Der berühmte Herr ist zwar in seiner Disziplin anerkannt, aber in der Einschätzung der Verbreitung hat er seine Fachkompetenz überschritten .
    Bitte erweitern sie den Horizont mit Medien ausserhalb Österreichs.
    PS.: nix für ungut!

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